Wellensang
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Die Fantasy haben wir in dieser von Alisha Bionda und Michael Borlik herausgegebenen Anthologie beim Wort genommen. Vor allem fantasievoll sind die Geschichten.
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Sibylle Lewitscharoff: Apostoloff
Jetzt bestellen bei amazon.de! Zwei Schwestern mittleren Alters reisen mit einem Fahrer namens Rumen Apostoloff durch das heutige Bulgarien. Die eine sitzt vorne und bem√ľht sich stets, nett und verbindlich zu sein, die andere- die Ich-Erz√§hlerin- sitzt lieber hinten und gibt sich bissig und widerborstig. Dazu hat sie auch manchen Grund, denn das Meiste, was sie zu sehen bekommen, was Rumen versucht, ihnen als Sehensw√ľrdigkeit nahe zu bringen, ist einfach nur grauenhaft: Monstr√∂se, potth√§ssliche Denkm√§ler, ruin√∂se Industrielandschaften und Neubausiedlungen, die verbaute Schwarzmeerk√ľste, selbst einzelne touristische Highlights sind zum Disneyland voller Krach und Kitsch verkommen. Auch ein Mafioso, ehemaliger Kumpel von Rumen, darf in diesem Gruselkabinett nicht fehlen. Was aber ist der Grund, warum sich die beiden durch ein derart unerfreuliches Land qu√§len?

Nicht die Reise ist das eigentliche Thema, sondern die Familiengeschichte der beiden Frauen, die selber bulgarische Wurzeln haben. Ihr Vater emigrierte nach dem Krieg nach Deutschland, wo er sich als Arzt in einem Vorort von Stuttgart niederlie√ü. Doch fr√ľh fiel ein Schatten √ľber die Familie: Der Vater, in der neuen Heimat offenbar nie angekommen, verfiel in Depressionen und nahm sich schlie√ülich das Leben. Seine Tochter erinnert sich an ihn und eine freudlose Kindheit, und es ist ein Blick zur√ľck im Zorn, den sie immer wieder in ihre Reisebeobachtungen einflie√üen l√§sst. Erst nach einigen Kapiteln erf√§hrt der Leser den eigentlichen Grund der Reise: Ein Bekannter des Vaters, ebenfalls Exil-Bulgare und in Amerika zu Geld gekommen, will die sterblichen √úberreste seiner Freunde in seine Heimat √ľberf√ľhren. Er organisiert einen makabren Konvoi schwarzer Limousinen von Deutschland zum Sofioter Zentralfriedhof. Doch so einfach k√∂nnen seine Kinder die Vergangenheit nicht begraben...

‚ÄěApostoloff‚Äú ist ein intelligenter Roman voller Sprachwitz und Ironie, die eine gewisse Distanz zum eher tragischen Grundthema schaffen. Scharfsinnige Beobachtungen, absurde Szenarien, bitterb√∂ser schwarzer Humor, kein Buch f√ľr Gutmenschen, da politisch v√∂llig unkorrekt..

Allerdings verlangt der ständige Wechsel verschiedener Zeitebenen dem Leser einiges an Aufmerksamkeit ab .Immer wieder schweift die Erzählung unvermittelt in die Vergangenheit ab, und es ist zunächst nicht ersichtlich, dass die Reise zu dritt erst nach dem Beerdigungszug stattfindet. Auch bleibt Apostoloff als titelgebende Figur zu blass, so dass man sich als Leser fragt, warum der Roman seinen Namen trägt.
Lewitscharoffs Roman gewann den diesjährigen Preis der Leipziger Buchmesse.

Sibylle Lewitscharoff: Apostoloff.
Suhrkamp, März 2009.
248 Seiten, Hardcover, 19,80 Euro.

Susanne Tank

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