Sexlibris
Sexlibris
Wo ist die Grenze zwischen Pornografie und Erotik? Die 30 scharfen Geschichten in diesem Buch wandeln auf dem schmalen Grat.
mehr ... ] [ Verlagsprogramm ]
 SIE SIND HIER:   HOME » MITMACH-PROJEKT » SCHREIBAUFGABE » Silke D├Ârrie IMPRESSUM
NEWSLETTER
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

Jetzt anmelden! ]

UNSERE TOP-SEITEN
1.) Literatur-News-Ticker
2.) Leselust
3.) Forum
4.) Mitmach-Projekt
5.) Schreib-Lust-News 6.) Ausschreibungen 7.) Wettbewerbs-Tipps
Mńrz 2001
Marvin ist sch├Ân
von Silke D├Ârrie

Allsonnt├Ągliches R├╝hrei-Pfannen-Kratzger├Ąusch. Zeitungs-Rascheln.
Lisa war langweilig. Kein Marvin weit und breit. Blo├č sein neuer Teddy, den er ihr im Kindergarten im Austausch gegen ihren Lieblings-Tyrannosaurus-Rex ├╝berlassen hatte.
Lisa knautschte das flauschige Gesicht des B├Ąren, dr├╝ckte mit der anderen Hand angestrengt dessen Nase in Richtung Boden-Fliesen.
Kein Zweifel, ein Fleischfresser war der nicht. Und Benno hie├č er, auch das noch.
Freundlich, friedfertig, nett. Sogar jetzt noch, als Unterlegener.
Lisa zog einen Flunsch, streckte Benno schulterzuckend die Hand zur Vers├Âhnung entgegen und erhob sich.
Nicht ernstzunehmen, dieser Benno, aber von Marvin. Es gab also eindeutig Schlimmeres.
"Papa...wann geh┬┤n wir schwimmen?"
Erneutes Zeitungs-Rascheln. Keine Antwort.
"Pa-paaaaa?" Lisa setzte Benno auf die Tischkante. Er sollte mitlesen.
Lisas Mutter verteilte energisch das R├╝hrei auf die Teller.
"Nix gegen deinen Wissensdurst, Peter, aber von Buchstaben wirst du, wie ich dich kenne, nicht satt. Au├čerdem hat dich deine Tochter gerade was gefragt! Und du, Lisa...dieser Teddy isst mir hier nicht mit!"
"Er will aber!" schmollte Lisa und legte sch├╝tzend ihre Arme um Benno.
"Dann will ich nicht schwimmen gehen, meine kleine Rexane", erwiderte ihr Vater grinsend und wies mit der zusammengelegten Zeitung auf seinen mittlerweile erheblich sichtbar aus den Fugen geratenen Bauchansatz.
"Au├čerdem br├Ąuchte ich f├╝r den da wohl eher einen Badeanzug. Nicht wahr, Jutta? Aber ich f├╝rchte, in dem Rosa-Rosen-Schnickschnack deiner Mama s├Ąh ich eindeutig noch unsportlicher aus."
Lisa verstand nicht gleich, aber ihre Mutter schien sich beim Absetzen der Pfanne zur├╝ck auf den Herd k├Âstlich zu am├╝sieren.
"W├Ąr doch mal einen Versuch wert, Peterle. Ich leih ihn dir gern, meinen wundersch├Ânen, rosarot gebl├╝mten Badeanzug...auf dem ├╝brigens Tulpen meinen Astralk├Ârper zieren. Au├čerdem bleib ich ja sowieso hier und k├Ânnte dir stattdessen endlich mal in Ruhe ein paar Fitness-Clubs heraussuchen...wenn du schon keine Badehosen magst."
Lisa hielt in ihrem Tanz mit Benno inne und sah skeptisch an der Sch├╝rze ihrer Mutter entlang nach oben.
"Benno will aber nich fitniesen, B├Ąren m├╝ssen schwimmen. Ich hab ihn gerade gefragt. Und R├╝hrei ist seine Leibspeise."
"Und ich will auch nich fitniesen, holdes Eheweib. Nienich. Hab doch nur Spa├č gemacht. H├Âre ich da etwa schon wieder ernsthafte Kritiklichkeit? Ooooch, komm, schlie├člich hast du mich doch fast schon so geheiratet: Blindfisch und Pummel-Peter. Selbst schuld: Mit Brille w├Ąr das nicht passiert. Gell?

Lisa fiel Marvin ein. Den w├╝rde sie n├Ąmlich auch heiraten. In echt.
In unecht hatten sie das sowieso schon - in der Puppenecke. Benno war der Pfarrer gewesen und selbst Rex hatte sich nach langem Zureden ausnahmsweise bereit erkl├Ąrt, eine solch undinohafte Zeremonie angemessen zu unterst├╝tzen. Und nicht blo├č dauernd dazwischenzubr├╝llen, wie ├╝blich.
Es hatte einige Pl├╝schtier-Opfer gekostet, bis er, wenn auch z├Ąhneknirschend, endlich anfing, aus Blumenmangel das Plasikbesteck zu schmei├čen.
Ob er sich bei Marvin wohl benehmen konnte?
Wenn Rex Hunger hatte, war mit dem n├Ąmlich nicht mehr gut Kirschen essen. Und wenn Marvin ihn nicht mehr haben wollte, war auch ihr Eheb├╝ndnis in Gefahr - schlie├člich hatte man statt der Ringe den Teddy gegen den Dino getauscht.
Aber auf Marvin war bestimmt Verlass. Versprochen war versprochen. Sie hatte ihm doch ganz genau erkl├Ąrt, dass Rex morgens gerne ein bi├čchen l├Ąnger schlief, dann ein wenig gekochte Knetmasse mochte, gegen Mittag mindestens ein Pl├╝schtier zu jagen geruhte und abends noch ein Auto.
Marvin war eben nicht so. Marvin w├╝rde seine sch├Ânen roten Haare niemals pl├Âtzlich unter einer betulpten Badekappe verstecken wollen.
Der h├Ârte auf┬┤s Wort.
"Warum hast du Papa eigentlich damals geheiratet? Gab es keine sch├Ânen M├Ąnner?" fragte Lisa in die eifrige Gabel-Klapper-Atmosph├Ąre und vollendete mit einem ins R├╝hrei gezogenen Schmollmund das grobmassige B├Ąren-Gesicht auf ihrem Teller.
"Hallo?" Lisas Vater h├╝stelte und erstarrte f├╝r einen Moment in seinen Bewegungen. "Keine Panik, dein ├╝beraus sch├Âner Papa geht nat├╝rlich gleich mit dir schwimmen...wenn du mal langsam essen w├╝rdest. Und die reizende Tulpenzwiebel hier nehmen wir auch mit, damit sie nicht auf dumme Gedanken kommt."
"Juhuuuu", jubelte Lisa, "und Benno darf auch keine dummen Gedanken haben!"
Lisas Mutter schob ihrer Tochter nachdr├╝cklich ihre Gabel wieder in die Hand.
"Och, Lisa, dein Benno kann nun wirklich nicht mit ins Schwimmbad. Der hat doch noch gar nicht sein Seepferdchen gemacht."
"Hat er wohl. Hat er mir gerade gesagt."
"Und mir hat er gerade gesagt, dass ihm allerdings im Trockner sp├Ąter immer schlecht wird. Und das willst du doch nicht? Nein, nein, Lisa...ich bleib hier und pass auf ihn auf. Und er auf mich, damit wir beide nicht auf "dumme Gedanken" kommen. Er kann mir ja beim Kuchen backen helfen. Wenn Oma und Opa heut Nachmittag da sind, werden sie bestimmt ├╝berrascht sein, wie toll dein Teddy Kuchen backen kann."
"Besserer Vorschlag, Jutta: Du zeigst diesem Benno, wo die Gefriertruhe ist und ├╝berl├Ą├čt ihm das Auftauen. Alldieweil ich mir an dir im Schwimmbad angucken werde, ob ich nicht doch noch ein paar Rosen auf diesem Badeanzug finde."
"Och, Peter, du wei├čt doch, dass ich gleich Vorbereitungszeit brauche. Wegen deiner Mutter."
"Quark, du brauchst blo├č uns, kleiner Blindfisch, gib┬┤s zu: Ohne Blinden-Gatten und Blinden-Kind verirrst du dich doch blo├č wieder in die Abstellkammer und fragst dich, warum der Fernseher nicht l├Ąuft. Im Schwimmbad werden wir schon aufpassen, dass du nicht aus Versehen in der Herrenumkleide landest...oder die eine oder andere Omi umnietest."
"Frechheit!" Lisas Mutter grinste schmollend. "Nun lenk mal nicht vom Thema ab, ich steh hier doch in puncto Schwimmen gar nicht zur Debatte. Sondern du zum Thema B├Ąuchlein. Deine Tochter wollte eigentlich wissen, warum ich keinen sch├Ânen Mann geheiratet habe. Nicht wahr, Lisa?"
Lisa nickte artig und f├╝tterte ihren Eier-Teddy mit einem St├╝ck Brot.
"Ich dachte eigentlich, diese Frage h├Ątte ich schon ausreichend genug beantwortet, Juttalein. Auch in deinem Sinne. Du hast einen sch├Ânen Mann geheiratet, deshalb er├╝brigt sich doch wohl jede weitere Antwort von selbst. Tse. Aber bitte, wie war das mit dem Glashaus?
Dann antwortet der Papa dir eben, liebe Rexane, dass meine Sch├Ânheit deine Mutter schon damals derart geblendet hat, dass sie fortan eigentlich ein paar ordentliche Glasbausteine auf den Augen h├Ątte vertragen k├Ânnen. Und jetzt iss."
"Tse...genau...und da du daran Schuld warst, hab ich es gar nicht eingesehen, meine Sch├Ânheit durch eine Brille zu verunstalten. Am Ende h├Ątte ich ├╝berhaupt noch gesehen, wie "sch├Ân" du wirklich bist. Nur zu deiner eigenen Sicherheit trag ich noch nicht mal Kontaktlinsen."
"Was soll das denn hei├čen? Das gilt nicht. Du fudelst. Du bist auch nicht perfekt."
"Bin ich wohl. Auf mein ├äu├čeres bezogen? Mit Kontaktlinsen w├╝rde kein Mensch einen Unterschied merken. Ich vertrag die Dinger aber nun mal nicht. Du kannst deine Rettungs-Ringelchen nicht so einfach ├╝ber Bord schmei├čen. Selbst dann nicht, wenn du┬┤s wolltest."
"Darum geht┬┤s nicht. Du hast als ebenso wenig perfektes Frauchen einen Mann mit ein paar...sagen wir mal, klitzekleinen Sch├Ânheitsfehlern geheiratet. Deine Brille tr├Ągst du nur heimlich, wenn es m├Âglichst keiner sieht. Wir Beide passen also optimal zusammen. Gleich und gleich. Darum geht┬┤s. Wie gesagt: Eitler Blindfisch und Pummel-Peter. Nur steh ich dazu und zieh eben nicht dauernd den Bauch ein."
"Nat├╝rlich, ganz klar...und weil du dazu stehst, willst du meinen Badeanzug, oder wie? Ich w├╝rde eher sagen, Lisas Frage ist durchaus berechtigt. Schlie├člich hat sie deine guten Augen. Und wir haben geheiratet, weil Gegens├Ątze sich anziehen. Eben Jogging-Jutta und Pummel-Peter. Und du, Lisa, magst doch deinen Marvin auch, obwohl er diese...sagen wir mal, unvorteilhaften roten Haare hat, oder?"
Lisa stutzte. Marvin war h├Ą├člich?
"Bl├Âdsinn", Lisas Vater schob seinen Teller weg, "dann h├Ątte ich Ute heiraten m├╝ssen. ├ťberbiss-Ute."
"Und ich Modell-Micha, nach deiner Theorie."
"Haben wir aber nicht. Und nu?"
"H├Ątte ich aber fast."
"Ach, das wird ja immer sch├Âner."
"Genau."

"Du, Mama?"
"Ja, Lisa?"
"Kann ich mal Marvin anrufen?"
"Hast ganz Recht, Kind, klar darfst du das..!" Lisas Mutter warf ihrem Gatten einen auffordernden Blick zu und schob ihren Stuhl zur├╝ck. "H├Âren wir auf mit diesem Thema. Was willst du denn von ihm?"
"Rex zur├╝ck", schmollte Lisa und stocherte eingeschnappt in dem Nur-noch-Eier-Klumpen auf ihrem Teller.
"Was? Warum das denn? Da wird sich dein Marvin aber gar nicht freuen!"
"Doch, wohl...weil Marvin dann auch wieder sch├Ân ist! So!"

Letzte Aktualisierung: 00.00.0000 - 00.00 Uhr
Dieser Text enthńlt 8795 Zeichen.

Druckversion

 LINKTIPPS: Naturwaren Diese Website wird unterstützt von:

www.mswaltrop.de
Copyright © 2006 - 2024 by Schreiblust-Verlag - Alle Rechte vorbehalten.