Wellensang
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Die Fantasy haben wir in dieser von Alisha Bionda und Michael Borlik herausgegebenen Anthologie beim Wort genommen. Vor allem fantasievoll sind die Geschichten.
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April 2001
April, April!
von Angelika Brox

Susanne drückte, so gut es ging, ihre Zigarette in dem randvollen Aschenbecher aus und zündete sich die nächste an. Sie nahm einen hastigen Zug, sprang vom Sessel hoch und wanderte paffend im Wohnzimmer auf und ab. Warum meldete Thorsten sich nicht? Warum war sie gestern nur so blöd gewesen, auf Katjas schwachsinnige Idee einzugehen?
"Wenn du wissen willst, ob dein Thorsten dich wirklich liebt, dann stell' ihn doch auf die Probe!", hatte Katja gesagt. "Los, schreib' ihm doch mal eine E-Mail, in der du ihn so richtig auf die Rolle nimmst! Schließlich ist heute der 1. April."
Susanne fand Aprilscherze albern. Trotzdem hatte sie Katja weiter zugehört. Jetzt könnte sie sich dafür ohrfeigen.
Katja hatte den idiotischen Plan ausgeheckt, Susanne solle Thorsten schreiben, dass sie die Verlobung mit ihm lösen müsse, weil sie von Joachim schwanger sei. Es täte ihr sehr leid, aber ein fremdes Kind wolle sie ihm nicht zumuten. Es sei besser, sich zu trennen.
Susanne hatte sich an die Stirn getippt, aber Katja hatte sich ausschütten wollen vor Lachen und gerufen: "Das ist doch genial! Wenn er dich wirklich liebt, kommt er vorbei und sagt dir, dass er dich auch mit Kind heiraten will. Und dann sagst du: April, April!"
Schließlich hatte Susanne sich breitschlagen lassen und diese hirnrissige Mail geschrieben. Mein Gott, war sie dämlich gewesen! Katja und sie hatten den ganzen Abend gewartet, aber Thorsten war natürlich nicht gekommen. Auch heute gab es bisher keine Reaktion von ihm, und sie wurde immer unruhiger. Wahrscheinlich wollte er nichts mehr von ihr wissen. Das geschah ihr nur Recht!
Susanne griff zum hundertsten Mal an diesem 2. April zum Telefon, begann zu wählen und legte dann doch wieder auf. Was nutzte es, wenn sie Thorsten den Aprilscherz erklärte? Er würde das überhaupt nicht komisch finden. War es ja auch nicht. Wahrscheinlich würde er sie so verachten, dass er nie wieder etwas mit ihr zu tun haben wollte.
Susanne drückte die Zigarette aus und zündete sich gleich wieder eine an. Erneut nahm sie ihre Wanderung durch das Zimmer auf. Ihr Gehirn fühlte sich mittlerweile an wie ein klumpiger Pudding. Jeden Gedanken hatte sie inzwischen mindestens fünfzig Mal gedacht, alles drehte sich nur noch im Kreis, sie kam zu keinem vernünftigen Ergebnis.
'Egal', dachte sie schließlich, 'ich rufe jetzt Thorsten an, und wenn anschließend die Welt untergeht. Ich muss Klarheit haben, sonst werde ich noch verrückt.'
Energisch riss sie den Telefonhörer ans Ohr und wählte Thorstens Nummer. Eine müde Frauenstimme meldete sich und sagte schwach: "Hallo."
Susannes Knie wurden weich. So schnell hatte Thorsten sich getröstet? Aber damit musste sie jetzt fertig werden.
"Kann ich Thorsten sprechen?", fragte sie. "Wer ist denn da?", kam leise die Gegenfrage. "Susanne Riethmüller."
Jetzt begann die Frau am anderen Ende der Leitung zu schluchzen. "Ach, Susanne ... du bist es... Du weißt es ja noch gar nicht..."
Das war die Stimme von Thorstens Mutter! Was machte die denn in seiner Wohnung? Und vor allem, wieso war sie in seiner Wohnung und heulte?
"Was ist denn passiert?"
Susanne erschrak, als sie den schrillen Klang ihrer eigenen Stimme vernahm.
Als Thorstens Mutter unter heftigem Schluchzen berichtete, was geschehen war, bekam Susanne das Gefühl, ihr Kopf fülle sich mit Watte und der Boden schwanke unter ihren Füßen. Wie in Trance ließ sie sich auf das Sofa sinken, den Telefonhörer fest umklammert.
"Ich ... habe ihn ... heute Morgen gefunden", stieß Thorstens Mutter weinend hervor, "er muss sich irgendwann ... heute Nacht ... umgebracht haben ... Warum nur, Susanne ... WARUM?"

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