Der Cousin im Souterrain
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Der nach "Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten" zweite Streich der Dortmunder Autorinnengruppe "Undpunkt".
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April 2001
April, April
von Roswitha Borrmann

Als Frank an jenem Donnerstag seinen PC ausschaltete, fühlte er sich rundum
zufrieden. Er hatte es, trotz größter Schwierigkeiten, mal wieder geschafft
die Lokalnachrichten rechtzeitig für die heutige Ausgabe unterzubringen.
PC-Probleme, ständig neue Meldungen, das Telefon und er mit all dem allein
weit und breit. Und es gab eine gute Nachricht: Zum nächsten Ersten würde er
Unterstützung bekommen. Am späten Vormittag hatte der Chefredakteur ihm
mitgeteilt, dass er aus dem Sportressort jemanden zu ihm versetzen würde.
Endlich! Pfeifend ging er aus dem Büro. Es gab eine Perspektive und das
stimmte ihn zuversichtlich.

Im Gang traf er Peter aus dem Wirtschaftsressort. Der ging auch heim und so
kamen sie ins Gespräch. Manchen Ärger teilten sie. Die Anspannung, die mit
dem jeweiligen Redaktionsschluß einherging, die ständigen Probleme mit den
Systemen und die schier endlose Diskussion um Personalknappheit. Frank
erzählte freudestrahlend von der zu erwartenden Verstärkung in seinem
Bereich. Peter fragte dann: "Und, weißt du schon wen du bekommst?" "Nein",
antwortet Frank, "dazu hat der Chef noch nichts gesagt. Ich wollte auch
nicht
soviel fragen. Bin froh, dass es überhaupt klappt." "Soll ich mich mal
umhören für dich? Ich komme ja doch öfter mit ihm ins Gespräch."
"Ja, das wäre prima. Neugierig bin ich schon." Sie nickten sich zu und jeder
machte sich auf den Heimweg.

Ein paar Tage später, kurz vor dem Ersten, kam Peter in Frank's Büro. "Heiße
Neuigkeiten!" verhieß er. "Sag' schnell, was gibt es?" Frank war tief in die
Arbeit versunken. "Deine Unterstützung ist ein echter Knaller! Tanja
Bliehorst. 28 Jahre, lange, schwarze Haare, 90-65-90, bekannt als Nymphe am
Spielfeldrand." Peter zwinkerte verschwörerisch. "WOW" Frank, war total
begeistert. "Da macht die Arbeit dann wieder richtig Spaß, wetten? Und nur
kein Neid, alter Junge." "Nö, nö, ich vergönne es dir." Weg war er wieder.

Frank saß für einen Moment verträumt da, dann nahm er sich den aktuellen
Polizeibericht vor.

Am Morgen des besagten Tages, gab Frank sich sehr viel Mühe mit seinem
Aussehen. Lässiges Jackett zur neuen Jeans, flippige Krawatte und eine Nelke
im Knopfloch. Dazu duftete er teuer und nach dem letzten Schrei. "Guten
Morgen!!" Gut gelaunt stürmte er am Pförtner vorbei, der ihm grinsend
nachsah. Auf dem Gang hielten drei Sekretärinnen einen Schwatz. Er zwinkerte
ihnen fröhlich zu. "Meine Damen, der Frühling hat uns wieder!" Schwungvoll
öffnete er seine Bürotür, hielt verdutzt inne. "Guten Morgen", grüßte er
zaghaft und abwartend. Sein Chef stand bei einem älteren, witzig aussehenden
Herrn, der bereits am Schreibtisch Platz genommen hatte. "Sie kennen Walter
Kleinlich vom lokalen Sport? Er wird jetzt mit Ihnen arbeiten. Die ständigen
Aussenaufenthalte sind in seinem Alter nicht mehr zumutbar. Ein erfahrener
Mann, genau richtig für Ihre Abteilung. Gute Zusammenarbeit, meine Herren."
Und draußen war er.

Frank setzte sich langsam hin, brachte ein zögerliches "Willkommen"
zustande.
Aus dem Gang klang lautes Gelächter bis zu ihm. Auf seinem Bildschirm
begrüßte ihn heute die Anzeige: "APRIL, APRIL!"
Na wartet, dachte er.

Letzte Aktualisierung: 00.00.0000 - 00.00 Uhr
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