Burgturm im Nebel
Burgturm im Nebel
"Was mögen sich im Laufe der Jahrhunderte hier schon für Geschichten abgespielt haben?" Nun, wir beantworten Ihnen diese Frage. In diesem Buch.
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April 2001
April, April
von Brigitte Tholen

Lore drehte den Aschenbecher gedankenverloren hin und her. Das war also ihr vierzigster Geburtstag. Der erste April. Keine Feier, kein schönes Abendessen zu zweit.
Gerade hatte Bernd angerufen.
"Ich muss dringend nach Frankfurt. Wir sehen uns morgen."
Toll, kein: Herzlichen Glückwunsch, keine Blumen, nichts. Lore versuchte die aufsteigenden Tränen zu unterdrücken. Sie nahm das Telefon und wählte die Nummer ihrer Freundin.
"Hast du Lust, heute abend mit mir essen zu gehen?", fragte sie, als Michaela abnahm.
"Pech, normalerweise gerne, aber heute abend bin ich schon eingeladen."
"Ok, war nur so eine Idee. Bernd ist nach Frankfurt und da dachte ich..."
"Du pass auf, ich komme gleich kurz bei dir vorbei, aber jetzt hab ich es eilig."
Lore legte depremiert auf. Dann würde sie die Flasche Sekt eben alleine trinken.
Als Michaela gegen neunzehn Uhr eintraf, war sie bereits angeheitert. Ihre Freundin sah in dem "kleinen Schwarzen" toll aus.
"Wohin gehst du denn?"
"Insa, meine Arbeitskollegin, gibt eine Party."
"Aha."
Lores Depression kämpfte sich erneut durch den Alkohol nach oben.
"Aber ein Glas Sekt trinke ich mit, muss mir nur eben im Bad die rechte Augenlinse neu einsetzen, sie brennt so."
Sie verschwand, und Lore holte ein zweites Glas aus dem Schrank.

Plötzlich ertönte Michaelas Stimme: " Meine Linse ist runtergefallen, hilf mir mal schnell!"
Auf den Knien, das Gesicht nahe dem Boden, kroch ihre Freundin, nach der Linse suchend.
"Ach, du jeh!" Lore vergaß ihren Kummer und trat vorsichtig ins Bad um dieses kleine durchsichtige Ding nicht aus Versehen zu zertreten. Systematisch begann sie, Fliese für Fliese und Fuge für Fuge, das achtzehn Quadratmeter große Bad, zu untersuchen. Ihre Freundin stand plötzlich auf. "Ich komm sofort wieder, hab schrecklichen Durst."
Lore suchte weiter, die Fingerspitzen behutsam und die Augen konzentriert über den Boden gleitend. Erst nach einer Weile fiel ihr auf, dass die Freundin nicht zurückkam.
"Michaela?" Keine Antwort. Was war los, wieso antwortete sie nicht?
Vorsichtig stand sie auf. Auf den Zehenspitzen, wie eine Ballett-Tänzerin, verließ sie das Bad.
"Michaela?" Wieder keine Antwort. Merkwürdig.
Lore durchquerte die Diele und öffnete das Wohnzimmer. Wieso war das Licht aus? Sie tastete nach dem Schalter. Dann erschrak sie fürchterlich.
"April, April! Herzlichen Glückwunsch!"
Aus fünfzehn Kehlen tönte es ihr entgegen. Aus ganzem Herzen stimmte sie in das Gelächter ihres Freundes und ihrer Bekannten ein.
Die Moral von der Geschicht: Glaub am ersten April deinen Freunden nicht.

Letzte Aktualisierung: 00.00.0000 - 00.00 Uhr
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