Der Cousin im Souterrain
Der Cousin im Souterrain
Der nach "Dingerchen und andere bittere K├Âstlichkeiten" zweite Streich der Dortmunder Autorinnengruppe "Undpunkt".
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Mai 2001
Das Spukschloss
von Michaela Grollegg

"Maaaaaatiiiin!"
Dennis` ├Ąngstlicher Ruf erzeugte ein kleines Echo, das von den riesig wirkenden Gem├Ąuern widerhallte, und ihn noch mehr erschaudern lie├č.
Dennis tastete sich vorsichtig weiter durch die dunklen G├Ąnge, die nur durch den Schein der k├╝nstlichen Kerzen ein wenig erhellt wurden und alles um ihn in einem schummrigen Licht erkennen lie├čen.
"Hier bin ich! Hier!" rief Martin und sein Gesicht tauchte fast unvermittelt vor Dennis auf.
"Martin; bitte halte meine Hand! Bitte Hand halten," jammerte Dennis und hoffte, die feucht ÔÇô k├╝hlen Mauern nicht mehr ber├╝hren zu m├╝ssen.
Sie f├╝hlten sich so glitschig an und erzeugten in ihm ein Ekelgef├╝hl.
"Komm, Dennis, wir m├╝ssen da lang gehen!" wies Martin ihn an und packte seine Hand.
"D-da wird es d-dunkel..." stotterte Dennis und starrte angsterf├╝llt auf den schm├Ąler werdenden Gang vor ihnen, der noch unheimlicher wirkte, als alles was schon hinter ihnen lag.
Dankbar, wenigstens Martins Hand halten zu d├╝rfen, stolperte er hinter seinem Bruder her und w├╝nschte sich nichts sehnlicher, als endlich wieder nach Hause zu d├╝rfen.
Aber der Gang durch das Spukschlo├č, mit seinen Gew├Âlben und finsteren Winkeln, schien kein Ende zu nehmen.
Dennis ri├č seine Augen weit auf, aber so sehr er sich auch bem├╝hte- man konnte nun nicht einmal mehr die Hand vor Augen erkennen.
Es war stockdunkel geworden; und je tiefer sie in das Gew├Âlbe eindrangen, desto k├Ąlter wurde es.
Pl├Âtzlich f├╝hlte er, wie etwas Weiches, Haariges seinen schwei├čnassen Nacken ber├╝hrte und er schrie auf.
Taumelnd fiel er gegen Martin, den er beinahe zu Fall gebracht h├Ątte.
Doch noch bevor er sich einigerma├čen von dem Schreck erholen konnte, blitzte ein grelles Licht vor ihnen auf. Dennis rang verzweifelt nach Luft. Ein Schrei blieb tief in seiner Kehle stecken, als sich ein Skelett in dem Lichtschein auf sie zuzubewegen schien.
Doch so pl├Âtzlich wie es gekommen war, verschwand es auch wieder und zur├╝ck blieb nur die Finsternis.
Dennis schlug wimmernd die Hand vor sein Gesicht. "Es ist nicht mehr weit. Ganz bestimmt nicht," h├Ârte er Martins Stimme neben sich.
Aber als der Kleine den unsicheren Tonfall in der Stimme seines gro├čen Bruders vernahm, wurde er noch ├Ąngstlicher.
Martin hatte nie Angst, das wusste er. Sogar als ihn ein paar Jungs aus der Oberstufe verhauen wollten, hatte er sich ihnen tapfer entgegengestellt, um Dennis zu sch├╝tzen. Aber jetzt h├Ârte er ganz deutlich die Besorgnis aus Martins Stimme und das lie├č ihn panisch werden.
"Ich hab Angst, Martin! Ich mag da nicht weitergehen!" schluchzte er und wischte sich ├╝ber das tr├Ąnennasse Gesicht.
"Nun komm schon!" rief Martin und zog ihn einfach mit sich.
Langsam und vorsichtig tasteten sie sich an den W├Ąnden des Gew├Âlbes entlang; w├Ąhrend Dennis dabei immer darauf bedacht war, sich an Martin zu orientieren, um blo├č nicht die feuchten Gem├Ąuer ber├╝hren zu m├╝ssen.
Unweigerlich musste er dabei an das M├Ąrchen von H├Ąnsel und Gretel denken, dass seine Mutter ihm vor einiger Zeit vorgelesen hatte.
Ob die Kinder sich damals im dunklen Wald, auch so gef├╝rchtet hatten, wie er jetzt?
W├Ąhrend Dennis krampfhaft versuchte, sich an das Ende der Geschichte zu erinnern, wurde ihm pl├Âtzlich bewusst, dass es totenstill geworden war.
Noch vor einigen Minuten hatte ein st├Ąndiger fl├╝sternder Laut sie begleitet, aber jetzt waren nur noch ihre schlurfenden Schritte und Martins Keuchen zu h├Âren.
"Nun komm schon, Dennis! La├č dich nicht so ziehen," mahnte Martin.
Aber Dennis war aprupt stehen geblieben und starrte mit weit aufgerissenem Mund auf den hellen Lichtschein, der sich vor ihnen wie aus dem Nichts ausbreitete.
Eine riesige dunkle Gestalt, die in einen schwarzen Umhang geh├╝llt war, entbl├Â├čte seine Z├Ąhne zu einem h├Ąmischen Grinsen.
"Komm zu mir," fl├╝sterte sie lockend und das nachfolgende Kichern hallte gespenstisch durch die G├Ąnge.
Schreckerstarrt standen die beiden Jungs davor und blickten wie gebannt auf die weit ausgebreiteten Arme des Ungeheuers.
Dennis begann auf einmal zu zittern und umklammerte Martins Hand mit aller Kraft.
Er drohte beinahe ohnm├Ąchtig zu werden, so sehr f├╝rchtete er sich vor dem, was sich vor seinen Augen abspielte.
Ein lautes Get├Âse erf├╝llte die Luft und kurz darauf ein klapperndes Ger├Ąusch.
Wie von Geisterhand wurde der gro├če Samtvorhang gel├╝ftet und ein freundlich aussehendes Gespenst, das ganz und gar menschlich aussah, l├Ąchelte die beiden Kinder an.
"Na, hat es euch gefallen? ÔÇô Nach rechts gehtÔÇÖs zum Ausgang, meine Herrschaften."
Erst blickten die beiden den so ungeisterhaft wirkenden Mann ungl├Ąubig an; aber dann reagierte Martin und schleifte Dennis so schnell er nur konnte zum Ausgang des Spukschlosses.
Dennis war noch v├Âllig verwirrt und blinzelte mit verkniffenem Gesicht, als die Sonnenstrahlen ihn unvermittelten blendeten, nachdem sie wieder im Freien standen.
"Da seid ihr ja!" ÔÇô
"Meine G├╝te, wir haben euch schon gesucht....."
Erleichtert registrierte Dennis, dass die vertrauten Stimmen zu seinen Eltern geh├Ârten, die ihn aufatmend in die Arme schlossen.
"Mama!" rief er ├╝bergl├╝cklich und strahlte ├╝ber das ganze Gesicht.
Nur Martin stand etwas zerknirscht neben ihm, als sein Vater sich mit drohender Miene herunterbeugte.
"So, Freundchen! Der Rummelplatz ist f├╝r dich in der n├Ąchsten Zeit ganz bestimmt gestrichen. Was hast du dir eigentlich dabei gedacht, deinen kleinen Bruder in das Gruselkabinett mitzunehmen?"
Jetzt, wo der ganze Spuk vorbei war, kehrte auch wieder Dennis` Mut zur├╝ck und er f├╝hlte sich sogleich f├╝r die Verteidigung seines Bruders zust├Ąndig.
"Aber das war gar nicht gruselig, Papa. Und Martin hat alle Geister von mir weg vertrieben!" rief er stolz; wohl auch, weil er an der ganzen Geschichte auch nicht unschuldig war.
Immerhin hatte ER Martin so lange beschwatzt, bis dieser sich zu dem Abenteuer erweichen hatte lassen.
Der ├Ąrgerliche Gesichtsausdruck seines Vaters wurde schlie├člich etwas vers├Âhnlicher und er bedachte die beiden mit einem schiefen Grinsen, als er meinte: "Na dann werde ich mal Gnade vor Recht ergehen lassen und das versprochene Eis noch spendieren....."
Die beiden Jungs grinsten sich schelmisch an.
Auf dem Weg zum Eisstand, wagte Dennis noch einmal einen Blick zur├╝ck zum "Spukschlo├č" und dr├╝ckte dabei unwillk├╝rlich die Hand seiner Mutter etwas fester.
Das war ganz sch├Ân unheimlich gewesen......!

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