Mainhattan Moments
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Susanne Ruitenberg und Julia Breiten├Âder haben Geschichten geschrieben, die alle etwas mit Frankfurt zu tun haben.
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Juni 2001
Die gro├če Suche
von Angelika Brox

Hieronymus Hase hatte die Nase gestrichen voll von dieser Fuchsbande. Friederike, Felicitas und Friedhelm Fuchs waren verantwortlich f├╝r das vorzeitige Ableben seiner Familienmitglieder, angefangen von Oma Hildegard ├╝ber Onkel Hagen bis zu seinem kleinen Bruder Heribert. Doch niemand zog sie zur Rechenschaft.
Hier in H├╝gelhausen hielt ihn nichts mehr! Wenn er nur w├╝sste, wohin er gehen k├Ânnte!
W├╝tend kickte Hieronymus einen Tannenzapfen gegen einen Baumstamm. Tonnng! Das half noch nicht viel. Also noch ein paar Zapfen gekickt! Tonnng, tonnng, tonnng, tonnng! Schon besser.
Achtung, Ger├Ąusche! Hieronymus Hases Ohren drehten sich wie von selbst in die richtige Richtung. Das war kein Echo auf seine Tannen-Treffer! Da kam jemand!
Hieronymus huschte hinter einen Baumstamm und dr├╝ckte sich platt zwischen die Wurzeln.
Zwei Wanderer n├Ąherten sich; ein Gl├╝ck, Wanderer waren meist harmlos.
"Wo liegt denn dieses Kaff ├╝berhaupt?", fragte der eine.
"Das findest du auf keiner Landkarte", sagte der andere, "das liegt da, wo sich Fuchs und Hase ÔÇÜgute Nacht' sagen."

Sie gingen vor├╝ber und lie├čen einen elektrisierten Hieronymus zur├╝ck.
ÔÇÜEs gibt einen Ort, an dem die F├╝chse den Hasen eine gute Nacht w├╝nschen! Ob dort auch das Paradies liegt, von dem Mama manchmal erz├Ąhlt hat? Ich will diesen Ort finden!'

Hieronymus machte sich auf den Weg. Verabschieden musste er sich von niemandem; er war ja der letzte ├ťberlebende seiner Familie.
Kurz darauf traf er Dorothea Dachs und fragte: "Wei├čt du, wo sich Fuchs und Hase ÔÇÜgute Nacht' sagen?"
"Keine Ahnung", brummte Dorothea.

Hieronymus zog weiter. Nach einer Weile kam Reinhild Reh vorbeigeh├╝pft.
"Wei├čt du, wo sich Fuchs und Hase ÔÇÜgute Nacht' sagen?", rief Hieronymus.
"Am Arsch der Welt", rief Reinhild zur├╝ck und entschwand im Unterholz.

Hieronymus hoppelte weiter. Einige Zeit sp├Ąter traf er Bartholom├Ąus Braunb├Ąr und fragte: "Wei├čt du, wo der Arsch der Welt ist?"
"Willst du mich verarschen?", grollte Bartholom├Ąus und hob drohend eine Tatze.
Geschickt wich Hieronymus aus und h├╝pfte davon.

Bald darauf traf er Karolus Karnickel und fragte: "Wei├čt du, wo der Arsch der Welt ist?"
Karolus blieb stehen und kratzte sich hinter dem rechten Ohr. "Nee, nie geh├Ârt."
"Du findest das Kaff auf keiner Landkarte", erkl├Ąrte Hieronymus.
Karolus kratzte sich hinter dem linken Ohr. "Warte mal", ├╝berlegte er, "die Landkarte geht genau bis zum Otterbach, dann h├Ârt sie auf. Der Arsch der Welt muss also hinter dem Otterbach liegen."
"Und wo ist der Otterbach?"
"Immer geradeaus, an der toten Eiche rechts, dann ├╝ber den Sandh├╝gel. Von da aus siehst du ihn dann schon."
"Danke sehr", sagte Hieronymus und hoppelte mit neuem Mut immer geradeaus, an der toten Eiche rechts und dann auf den Sandh├╝gel.
Zu seinen Pfoten schl├Ąngelte sich glitzernd der Otterbach. Er sah ziemlich breit aus. Oje.

Langsam rutschte Hieronymus den Sandh├╝gel herunter und begutachtete das Flussufer.
"Was suchst du denn?", fragte eine helle Stimme.
Hieronymus fuhr herum und blickte in gl├Ąnzende, dunkel schimmernde H├Ąsinnenaugen. Ein reizendes N├Ąschen n├Ąherte sich neugierig schnuppernd seinem Gesicht. Entz├╝ckende Schnurrhaare kitzelten ihn.
"Ich ÔÇô ├Ąh ÔÇô ich bin auf der Suche nach dem Arsch der Welt."
"Und der soll hier im Otterbach liegen?"
"Angeblich liegt er hinter dem Otterbach."
"Und was willst du am Arsch der Welt?"
"Dort sagen die F├╝chse den Hasen ÔÇÜgute Nacht'."
"Wer hat dir denn das erz├Ąhlt? Hinter dem Otterbach sind die F├╝chse genauso gemein wie vor dem Otterbach!"
"Oje. Meinst du, die F├╝chse sind ├╝berall auf der Welt so gemein?" Hieronymus senkte entt├Ąuscht den Kopf.
"Davon bin ich ├╝berzeugt", sagte die H├Ąsin. "Jedenfalls habe ich noch nie etwas anderes geh├Ârt."
"Dann gibt es den Arsch der Welt eventuell gar nicht?", fragte Hieronymus.
"Oder er ist ├╝berall! ├ťberall triffst du gef├Ąhrliche und freundliche Tiere. ├ťberall ist es sch├Ân und schrecklich. Du k├Ânntest also genauso gut hier bleiben. Hier findest du herrlich lockeren Sandboden, sichere Verstecke und saftige Pflanzen. Wir k├Ânnten eine Familie gr├╝nden."
"Ein netter Gedanke", sagte Hieronymus. "Wie hei├čt du eigentlich?"
"Helena."
"Okay, Helena, f├╝hrst du mich dann mal ein bisschen herum?"

W├Ąhrend Helena und Hieronymus Seite an Seite am Ufer des Otterbachs entlanghoppelten, dachte Hieronymus: ÔÇÜDen Arsch der Welt habe ich zwar nicht gefunden, aber daf├╝r das Paradies!'

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