Madrigal für einen Mörder
Madrigal für einen Mörder
Ein Krimi muss nicht immer mit Erscheinen des Kommissars am Tatort beginnen. Dass es auch anders geht beweisen die Autoren mit ihren Kurzkrimis in diesem Buch.
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Juni 2001
Spuren-Knoten
von Gudula Goering

1. SPUR: Frei!

Die Luft knisterte und knackte.

"Sie glauben doch wohl nicht im Ernst ...."

Kremer hatte seinen Kopf gesenkt.
Er spürte die aufgeladene Atmosphäre.
Hörte, wie es im Büro plötzlich still wurde.

Im Grossraumbüro hört jeder jeden - vor allem, wenn man so laut war, wie sein Chef.

Kremer wagte einen Blick nach oben.
Herr Münchinger war inzwischen aufgestanden und schaute ihn von oben herab an.
Das Gesicht kam dem seinen immer näher und näher....
Ein feistes, rotes Gesicht.
Kremer hatte es noch nie gemocht.

Kremer senkte seinen Blick wieder und spürte,
wie sich seine Magenwände zusammenzogen.
Er spürte seine Angst aufsteigen.

Jetzt hatte sich Herr Münchinger so weit über den
Schreibtisch gebeugt, dass ihre Köpfe fast zusammenstiessen.

"Du schizophrener Dorf-Trottel!" zischte es ihm entgegen.

Es war so still im Büro, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können.

Kremer hob wieder den Kopf und schaute Herrn Münchinger voll an.
Dessen Halsschlagadern waren dick geschwollen.
Das Gesicht hatte sich noch mehr gerötet.
Die Augen waren zu zwei dünnen Schlitzen verengt,
aus denen es Kremer böse entgegenfunkelte.

Gleich würde er tot umfallen!

Kremer stand auf.
Er war sehr gross. Fast zwei Meter.
Einen Augenblick überlegte er, ob er nicht noch auf den Stuhl steigen solle...
Er lächelte bei dem Gedanken still in sich hinein und entspannte sich vollends.

Verwundert suchte er seine Angst.
Sie war gänzlich verschwunden. Keine Spur mehr davon!

Kremer stand da, schaute auf das hochrote Etwas unter sich,vermisste ein wenig die gespaltene Schlangenzunge und lächelte.
Lächelte still und leise und drehte sich um.
Und während er durch das Büro ging, an all seinen in schweigende Starre gefallenen Kollegen vorbei, fing er an, zu lachen.

Er lachte schliesslich laut und schlug die Tür mit einem Knall hinter sich zu!


2. SPUR: Wasserspuren

Sie stand da am Fenster und hörte ihn kommen.
Ein Motorrad näherte sich - sie kannte seinen Klang.

Sie freute sich und zog sich aus.
Vollkommen nackt zog sie sich aus und legte sich so aufs Bett.
Sie wusste, er mochte das.

Er drehte den Schlüssel im Schloss herum und trat ein.
Ging gleich ins Bad, um sich zu waschen.
Sie hörte seine Schritte hinter der Tür.

Dann trat er ein.
Sah sie nackt auf dem Bett.
Seine Augen leuchteten hell, und sein Mund lächelte freundlich.
In der Hand hielt er eine kleine Tonschale - bis zum Rand gefüllt mit Wasser.

Sie brauchte nur in seine Augen zu schauen, um zu wissen, dass auch er sich freute.
Sie verstanden sich gänzlich wortlos, waren eins in der Stille.

Er setzte sich neben sie auf das Bett und tauchte seine Hand in die Schale mit Wasser, benetzte seine Finger damit und spritzte das kühle Nass auf ihren nackten Körper.
Wieder und immer wieder.

Die Oberfläche ihrer Haut war voller Tropfen, die langsam nach unten rollten und auf ihrem Körper eine nasse Spur hinterliessen.

Er stellte die Schale auf den Nachttisch und begann, den Tropfen mit seinen Händen zu folgen.

Ganz oben fing er an und wischte einige davon aus ihrem Gesicht. Sie liefen wie Tränen aus ihren Augen.

Dann verfolgte er die nasse Spur ihren Hals hinab bis zu ihren Brüsten.
Dort auf den Hügeln hatten die Tropfen viele Spuren hinterlassen.

Er folgte jeder einzelnen, bevor er sich weiter nach unten begab und ihren Bauch mit den Fingern berührte.
Auch hier hatten die Tropfen viele Spuren hinterlassen.
Er wischte sie eine nach der anderen mit seinen warmen Händen fort.

Dann wanderten seine Finger noch weiter nach unten.
Trafen auf einen bewaldeten Hügel.

Da hatten sich auch sehr viele Tropfen gesammelt.
Er verfolgte sie sorgfältig bis hin zum Eingang.

Dort war es sehr nass..

3. SPUR: Heimkehr

Was hatte er nur gesagt, woher er gekommen war?

Ihre Finger fuhren auf der Landkarte herum.
Sie suchten seine Spur zwischen Autobahnkreuzen und Waldgebieten, Bundesstrassen und Seenlandschaften.

Was hatte er nur gesagt, woher er gekommen war?

Von ihr aus gab es nicht so viele Möglichkeiten.
Und sie hatte das Bild seines Hauses noch genau im Kopf.

Es war ein weissverfugtes, rotes Backsteinhaus mit einem Spitzdach, zwei Etagen und einem kleinen Erker vorne. Die Tür war an der linken Seite. Zwei Stufen führten dort hinauf. Gleich hinter dem Haus begann der Wald.

Wenn sie sich nur erinnern könnte!
Doch dies half jetzt nichts.
Und so setzte sie sich einfach ins Auto und fuhr los.

Vor sich die zweispurige Strasse mit dem dichten Baumbestand links und rechts. Diese schönen, alten Alleen, die es in ihrer Gegend überall gab. Und sie beschloss, die Dörfer und kleinen Orte in ihrer Nähe einfach eins nach dem andern abzufahren, ihre Kreise zu ziehen, seine Spur nie aus den Augen zu verlieren....

Und sie fuhr und fuhr. Mit dem Finger über die Landkarte, dann mit dem Auto durch die Orte.
Und plötzlich?
Ja, wahrhaftig! Sie hatte es entdeckt.

Ein weissverfugtes Backsteinhäuschen direkt am Wald. Zweistöckig mit einem Erker vorne. Zwei Stufen aufwärts zur Haustür links.
Und sein Motorrad an der Seite.

Sie stellte ihr Auto ab, ging die beiden Stufen hinauf, klingelte.

Als er öffnete, trat sie ein.

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