Futter für die Bestie
Futter für die Bestie
Gruselig geht's in unserer Horror-Geschichten-
Anthologie zu. Auf Gewalt- und Blutorgien haben wir allerdings verzichtet. Manche Geschichten sind sogar witzig.
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Juli 2001
Der Weg
von Annemarie Nikolaus

‚Nun hat das kleine Arbeitsessen doch Einiges länger gedauert. Schon drei Uhr! Das werd' ich dann wohl kaum schaffen, bis um Neun in Ilz zu sein. Na gut, wird es eben ein bißchen später. War wirklich wichtig, sich noch mal mit G. zu treffen! Und Caterina hat sich ausgetobt. Vielleicht kann sie bald ein bißchen schlafen, damit es ihr nicht zu langweilig wird. Was nehm ich denn jetzt für eine Kassette? Die Musik aus der Schule kann ich schon nicht mehr hören. Bernard und Bianca? Die hat ihr heute morgen doch gefallen; also kann sie noch paar mal laufen.'

Sardinenbüchsendeckel bitte zurollen und anschnallen. Ladies and getlemen, fasten seat belts please.

‚Jetzt erst mal raus aus Dresden – wo bitte geht es hier nach Prag? - - Manno, diese Ampeln: Das dauert ja jedesmal eine Ewigkeit, bis es Grün wird!'

Die Rettunshilfsvereinigung, bestehend aus Mäusen aller Nationalitäten, hat wieder eine Konferenz einberufen.
...
R-E -T-T-U-N-G - Rettungshilfsvereinigung. Himmelwärts jauchzt das Herz und macht einen Freudensprung.

‚Gleich sind wir in Zinnwald! Ob ich Michi noch anrufe, bevor wir in Tschechien sind? Aber es ist ja noch so früh, und zu Hause hat sie jetzt eh nur den Anrufbeantworter an! Da warte ich lieber noch, bis ich ihr genauer sagen kann, wann wir ankommen.'

Ich bin in fürchterlichen Schwierigkeiten. Beeilt Euch! Hilfe! Penny!
... Dieser Fall erfordert Krallenspitzengefühl, viel Einfühlungsvermögen, kurzum ein weibliches Mäuseherz.

‚Zinnwald! Wieso dauert das denn so? Sind doch höchstens 10 Autos vor mir! Was machen die dann da solange? – Verflixt, es wird immer später. Das ist ja heute schlimmer als im Osten! So lange habe ich hier noch nie gewartet. Filzen die hier auch wegen Genua, oder was?'

Brr, ist das ein Wetter. Das Meer schäumt und zischt und dampft. Der Sturm feuert die blauen Wellen an.

‚Ich hätte Michi doch anrufen sollen! Schiet, hier seh' ich weit und breit keine Telefon. Und jetzt gießt das auch noch wie aus Eimern. Ich hab keine Lust, auszusteigen und zu suchen. Nerv!'

‚Puh, endlich geschafft. Und jetzt guckt der nicht mal in meinen Paß rein; was haben die denn mit den anderen gemacht, daß die so lange gebraucht haben?'

In diesem Moment erreicht Madame Medusa mit ihrem Sumpfmobil das Schiff. Medusa und ihr Gefährt ähneln einander sehr: Beide fauchen, prusten, stecken voller Tücken , sind abgewrackt und ziemlich klapprig.

‚Hört das jetzt endlich mal auf zu regnen? Das schüttet ja nur noch; ich seh überhaupt nix! – Jetzt muckt das Auto auch noch – ist doch überhaupt nicht heiß bei dem Regen. Sind da in Österreich eigentlich Alpen zwischen Wien und Graz? Das wird ja ein Streß, wenn ich die ganzen Berge nur hochgeschlichen komm! Streß! Hoffentlich geht die Kiste jetzt nicht kaputt; das fehlte mir noch bei dem Unwetter hier draußen!'

‚Prag – endlich! Und schon Sieben! Sowie ich wieder auf der Autobahn bin, ruf ich Michi an. Das wird ja doch ganz schön spät.'

‚Sehr schön. Eine Raststätte und es regnet gerade weniger.'

Darf ich Sie unterbrechen, Verehrteste?
Ich weiß, ich weiß, auch wenn wir uns übereinander stellen, sind wir noch nicht einmal dreißig Zentimeter hoch.

"Caterina, ich muß mal schnell telefonieren. Wo sind deine Schuhe? Ach, ich mag sie jetzt nicht suchen; warte halt den Augenblick."
In der Tankstelle gibt es ein Telefon, aber meine internationale Telefonkarte funktioniert nicht, und ich habe kein tschechisches Geld. "Kann ich irgendwo mit einer Kreditkarte telefonieren?" frage ich den Tankwart. Er verweist mich ans Rasthaus. – Also zurücklaufen.
Ich gehe zum Auto zurück, zögere einen Augenblick. Aber es ist schon Acht; ich muß unbedingt telefonieren. Ich nehme Caterina auf den Arm; so geht es am schnellsten. Das Telefon im Rasthaus ist für tschechische Telefonkarten. Ich frage den Mann an der Bar nach einem Telefon für Kreditkarten. Er schüttelt den Kopf – also umsonst eine halbe Stunde verloren.... Weiter also zur nächsten Raststätte. - Doch der nächste Versuch scheitert genauso.

Viertens: Falls der Start nicht gleich gelingt, wa-was, - zur Wiederholung ansetzen. – (...) Säßen wir doch lieber in der Eisenbahn oder auf einem Dampfer. Also, ich mache jetzt die Augen zu.

Als wir die Autobahnabfahrt zur Landstraße Richtung Wien erreichen, ist es schon nach Neun. Es gießt und ist schon finster. Aber jetzt ist es nicht mehr weit bis zur österreichischen Grenze.
Da kommt eine Umleitung.
‚Verflixt, wie ist das gemeint? Wo bin ich hier überhaupt? Ich muß endlich telefonieren, und eigentlich mag ich nicht mehr lange weiterfahren; ich käme eh zu einer unmöglichen Zeit an.'

Gute Fahrt. Wir haben unsere allerbesten Wünsche für euch beide aufbewahrt. Kommt gut an. Und vertraut auf euren guten Stern, damit euer Plan gelingen kann. Es ist gut, seid ihr auch voller Sorgen, es wartet schon das morgen auf euch zwei. Habt nur Mut und Vertrauen. Fliegt ihr dem Schicksal schon entgegen, und nun müßt ihr ihm verwegen in die Augen schaun.
Noch halten die Wolken den Regenbogen fest. Und noch trägt ein Flügelschlag euch durch den trüben Regentag.

Ich halte in einem Dorf an der Kneipe an. Ich habe keine Ahnung, wo ich bin. Ich frage den Wirt, ob ich telefonieren kann. "Nein". Wenigstens hat er mich verstanden. Ich frage nach einem Hotel. Er beschreibt mir den Weg zu einer Pension. Schnell gefunden; ich klingele, und wecke die Inhaberin offensichtlich aus dem Schlaf. Ich stehe mit Caterina auf dem Arm vor der Tür. "Besetzt", sagt sie. Tja! Ich frage nach dem Weg nach Wien. Ich verstehe kaum kein Wort von ihrer Erklärung. Sie versucht es mit Gesten: ‚Aha, an der Straße nach links!' "Und dann?" – Sie sagt einen Ortsnamen und "große Straße". Ich gebe ihr einen Zettel und bitte sie, ihn mir aufzuschreiben.
‚Dacice, 14 km. – na immerhin, wieder ein Stück weiter – Vielleicht können wir da übernachten.'
Aber erst fahre ich in die Kneipe zurück. Jetzt darf ich telefonieren, und rufe kurz bei Michi an...

Wer hätte das gedacht: eine Katze, die Mäusen hilft! Man sollte alle Vorurteile über den Haufen werfen.

‚Da ist endlich Dacice! Und nun?'
Ich halte an und frage einen Passanten. Er versteht halbwegs deutsch und erklärt mir: "Tels, dann Soimogo". Ich fahre nach Tels; aber wo geht es hier weiter? Wieder eine Kneipe, in der ich frage. "Schild Soimogo – Dacice": Die Wirtin zeigt, in welche Richtung ich fahren soll. Da bin ich aber hergekommen. Na gut! Aber in ganz Tels finde ich kein Schild nach Soimogo.


‚Vielleicht außerhalb des Ortes? Nein, das kann nicht sein. In Dacice hat man mich nach Tels geschickt, und hier in Tels schickt man mich zurück nach Dacice? Was steht hier alles auf den Schildern? Brno – das kenne ich. Von da aus finde ich weiter, und vielleicht treffe ich auf dem weg dahin die Straße nach Wien.'

Du willst doch nicht etwa behaupten, daß es dir hier bei uns nicht gefällt? Ich schenke dir auch ein buntes Boot – ein Mini-Sumpfmobil.

‚Na also, hier steht es doch: Wien. Bestens. Das schaffe ich jetzt auch noch, bis nach Österreich zu kommen. Das kann jetzt nicht mehr weit sein. Ist ja noch nicht mal Mitternacht.'

Mit diesen Worten knallt Medusa den Hörer auf die Gabel, stopft ihre Koffer voll, wetzt zum Auto, rast wie volltrunken durch die Straßen und besteigt keuchend das nächste Flugzeug.

‚Mist, schon wieder eine Umleitung. Das ist ja heiter.'

Die Teufelssümpfe sind in Sicht. (...) Bunte Raketen durchlöchern den Nachthimmel, und eine hat Orwell an der Schwanzfeder getroffen. ‚SOS! SOS.! Hier spricht der Kapitän. Mein Heck hat Feuer gefangen. Ich bitte Sie, sofort abzuspringen. – Hiermit möchte ich mich von Ihnen verabschieden. Ich hoffe, sie hatten einen angenehmen Flug.

‚Mein Gott, jetzt fahre ich schon eine halbe Stunde und die Umleitung ist immer noch nicht zu Ende. Wenigstens ist es hier eindeutig ausgeschildert. Aber wenn mir nicht ab und zu ein Auto entgegenkäme, würde ich trotzdem denken, ich bin hier falsch. Das sind ja lauter schmale Dorfstraßen. Und finster ist es hier überall – wie früher auf der Transitstrecke.'

Nach eineinhalb Stunden bin ich endlich wieder auf der Hauptstraße und bald danach endlich an der österreichischen Grenze. Und wieder eine endlose Schlange und ewiglanges Warten. Gegen halb Vier bin ich endlich in Österreich. Ich roll mich im Auto zusammen und schlafe eine Stunde, bevor ich nach Ilz weiterfahre.

Letzte Aktualisierung: 00.00.0000 - 00.00 Uhr
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