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August 2001
Die Festrede
von Andreas Schröter

Liebe Sarah,

ich liebe Dich.
Ich liebe Dich von ganzem Herzen.
Bitte entschuldige, dass ich gleich zu Beginn meinen Gefühlen freien Lauf lasse. Aber es ist mir ein so tiefes Bedürfnis, Dir mitzuteilen, wie sehr ich seit Deiner Hochzeit an Dich denke - mit einer tief empfundenen Bewunderung immer wieder an Dich denken muss. Zu schön hast Du gewirkt mit Deinem weißen, halb durchscheinenden Brautkleid und Deinem Blumenkranz aus roten Röschen auf dem schwarzen, samtigen Haar.
Ach, was sage ich - Ihr beide habt so strahlend gewirkt, dass alle anderen Mitglieder der Hochzeitsgesellschaft wie hergelaufene Vagabunden wirkten, egal, wieviel Mühe sie sich nun mit ihrer Garderobe gemacht hatten.
Ich überlege seit diesem Tage, ob das an der besonderen Situation Eurer Hochzeit lag, oder ob Euch vielleicht von Natur aus ein Charme innewohnt, der Euch über uns normal Sterbliche erhebt. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass letzteres zutrifft.
Oh, ich liebe Dich so sehr.
Ich hatte ja bereits am Tage vor der Hochzeit Gelegenheit, Deinen wunderbaren Bernhard kennenzulernen. Du weißt ja, dass ich zuweilen in der Diskothek "Pascha" meine Abende verbringe -immer in der (letztlich vergeblichen) Hoffnung, einmal einen so netten Mann kennenzulernen, wie Du ihn nun geheiratet hast.
Bernhard war an diesem Abend ebenfalls im Pascha. Er feierte mit einigen Freunden seinen Junggesellenabschied. Als ich auf ihn aufmerksam wurde - und er auf mich -, hatte er bereits einiges getrunken, wie sein leicht schwankender Gang verriet, mit dem er auf mich zukam.
Ich trug an diesem Abend meine enge lila Bluse, von der Du einmal gesagt hast, dass sie mich sexy macht. Vor allem deshalb wahrscheinlich, weil sie so tief ausgeschnitten ist und meine Brüste so schön zur Geltung bringt. Ich hatte ausnahmsweise auf einen BH verzichtet, obwohl ich ja weiß, dass sich meine Brustwarzen bei jedem noch so kleinen Reiz steil aufrichten und der dünne Stoff der lila Bluse dann keinerlei Chance hat, irgend etwas zu verbergen. Oder hatte ich vielleicht gerade deswegen drauf verzichtet?
Wie Du Dir denken kannst, löste die unmittelbare Anwesenheit Deines Bernhards diesen Reiz sofort aus. Du kennst das hübsche Muskelspiel auf seinen Oberarmen, das leicht arrogante, siegessichere Lächeln und seine strahlend weißen Zähne besser als ich. Er roch ganz leicht nach Schweiß und nach Alkohol - Wodka wahrscheinlich.
Sicher war es auch der Wodka, der ihn gleich zur Sache kommen ließ: "Entschuldige, dass ich einfach so zu Dir komme", - ich wunderte mich angesichts des Alkohols über seine klare Aussprache - "aber Dein Busen ist der schönste hier weit und breit. Die dazugehörige Frau muss ich einfach kennenlernen."
Der Teil in meinem Gehirn, der für die Vernunft zuständig ist, befahl mir, entsetzt zu sein, und er schaffte es irgendwie, einen entsprechenden Ausdruck in mein Gesicht zu zaubern. Aber - und was sollte ich dagegen tun? - da gab es noch einen anderen Teil, und der war ganz und gar nicht der Ansicht, dass an Bernhard irgend etwas Entsetzliches war. Im Gegenteil.
Die beiden Teile meines Gehirns gerieten in einen noch ärgeren Streit, als Bernhard mich fragte: "Darf ich Deine Brüste streicheln?" Ich konnte nicht gleich antworten, weil der Kampf in mir eine Weile unentschieden blieb. Bernhard nahm das offenbar als stummes Einverständnis und ließ seiner Frage - mitten in der gerammelt vollen Disko - Taten folgen.
Der animalische Teil meines Gehirns - nennen wir es einmal so - erhielt durch Bernhards Berührungen einen beträchtlichen Auftrieb, der ihn nicht nur befähigte, die Vernunft im Handstreich zu besiegen, sondern auch einen ordentlichen Schuss Feuchtigkeit zwischen meinen Schenkeln entstehen zu lassen.
Obwohl ich damals noch nicht wusste, liebe Sarah, dass Du eben diesen Mann zwei Tage später ehelichen würdest, glaube ich im Nachhinein, dass ich damals instinktiv die richtige Entscheidung getroffen habe. Wie hätte ich es wagen können, dem zukünftigen Mann meiner allerbesten Freundin etwas abzuschlagen. Das wäre doch sicher nicht in Deinem Sinn gewesen.
Zwischen zahllosen Küssen und weiteren Berührungen stellten wir überrascht fest, dass wir zwei Tage später zur selben Hochzeit gehen würden - er als Bräutigam, ich als beste Freundin der Braut. Am Ende der Nacht flüsterte Bernhard mir noch einen besonderen Wunsch für Euren Ehrentag ins Ohr. Sag ehrlich, liebe Sarah, kann man einem Bräutigam einen Wunsch abschlagen?
Aber ich schweife ab. Ich wollte doch erzählen, wie sehr Du mich mit Deiner ganzen Erscheinung fasziniert hast und wie stolz ich darauf bin, dass Du meine beste Freundin bist und ich Deine.
Kannst Du Dich noch an die Festrede Deines Vaters erinnern? Ich weiß noch genau, dass er mit den Worten "Liebe Sarah, lieber Bernhard, liebe sonstige Männer und Frauen" begann, was sicherlich eine etwas ungewöhnliche Redewendung ist. Ich weiß es deswegen so genau, weil er das just in dem Moment sagte, als Bernhard seine Hand auf meinen nackten Oberschenkel legte. Du weißt, dass ich an diesem Tag meinen schwarzen Minirock trug. Der Minirock war Teil des Wunsches, den Bernhard in der Disko geäußert hatte. Als Gegenleistung würde er dafür sorgen, dass ich beim Essen neben ihm saß. Du selbst hast natürlich - wie es sich für Brautpaare gehört - an der anderen Seite neben ihm gesessen.
Ich schaute zu Euch beiden hin und sah, wie Bernhards andere Hand Deine Hand nahm und fest drückte. Glaub mir, mir wären beinahe die Tränen vor Glück in die Augen geschossen, als ich das sah. Ihr seid ein so glückliches Paar!
"Ich möchte einmal hier im Namen aller Anwesenden sagen...", sagte Dein Vater, und Bernhards Hand wanderte zur Innenseite meiner Schenkel und dann immer höher.
Ich rutschte auf meinem Stuhl ganz nach vorne, so dass ich nur noch auf der vorderen Kante saß. Ach so, ich habe noch vergessen, Dir zu erzählen, worin der andere Teil von Bernhards Hochzeitswunsch bestand. Er hatte sich gewünscht, dass ich keinen Slip tragen sollte.
Du wirst Dich erinnern, dass ich einmal laut aufstöhnte. Es war der Moment, als einer von Bernhards Fingern in meine Feuchtigkeit vordrang. Gottseidank hatte Dein Vater vorher gesagt, er wolle an dieser Stelle einmal erwähnen, wie schön es sei, dass Sarah und Bernhard so viele Freunde haben. Die Hochzeitsgesellschaft blickte mich nach meinem Seufzer lächelnd und gerührt an.
Ich machte mich meinerseits an der Hose Deines Gatten zu schaffen. Weil ich Angst hatte, der Reißverschluss würde ein zu lautes und auffälliges Geräusch verursachen, musste ich eine laute Stelle in der Festrede abwarten. Ich zog ihn auf, als Dein Vater laut mit der Faust auf den Tisch klopfte, während er sagte, dass die Ehe auch heute noch das wichtigste Bündnis sei und er dafür einigen Applaus erhielt.
Bernhards Penis stand sogleich kerzengerade von seinem Körper ab, wie ich leicht ertasten konnte. Er verursachte eine leichte Ausbeulung in der herunterhängenden Tischdecke, über die man sich sicherlich gewundert hätte. Aber niemand schaute hin. Alle Gäste blickten zu Deinem Vater und lauschten seiner hervorragenden Rede. Auch Du liebe Sarah, die Du doch direkt neben Bernhard saßest und seine Hand hieltst. Ich glaube, ich habe Dich mit der anderen Hand sogar manchmal ein Tränchen wegwischen sehen - so glücklich hat Dich die Situation gemacht. Immer wieder hast Du Deinen Bernhard angelächelt. Auch sein Gesichtsausdruck wirkte selig entrückt. Ich wiederhole mich, wenn ich sage, dass Ihr an diesem Tag beide so strahlend glücklich wirktet.
Als Dein Vater zum Ende seiner Rede kam, intensivierte ich meine Bemühungen. Genau in dem Moment, als Dein Vater Euch beide bat, aufzustehen und nach vorne zu kommen, bildete sich ein feuchter Fleck an der Ausbeulung der Tischdecke. Ich musste mich sehr beeilen, seine Männlichkeit wieder zu verstauen. Hoffentlich hat er dabei keinen Schmerz empfunden, liebe Sarah. Nie würde ich es mir verzeihen, Deinem Bräutigam weh getan zu haben. Auch konnte ich keinerlei Rücksicht mehr auf das Geräusch des zugehenden Reißverschlusses nehmen. Aber ich nehme an, dass niemand etwas gehört hat. Als Ihr beiden Euch Hand in Hand von Euren Stühlen erhobt, hatte ich zunächst Angst, dass sich auf Bernhards schwarzem Anzug Spuren des Geschehens abzeichnen könnten. Aber das war gottseidank nicht der Fall. Dafür glaubte ich, einen Feuchtigkeitsspritzer auf dem Saum Deines Brautkleides auszumachen. Aber weil das Kleid ja weiß war, fiel es sicherlich keinem der anderen Gäste auf.
Der Moment, als Dein Vater Euch Sekunden darauf beide in seine Arme nahm, gehört für mich zum Schönsten der ganzen Hochzeit. Ja, ich gebe es zu. Auch ich hatte in diesem Moment - wie viele andere Gäste - Tränen der Rührung in den Augen.
Oh, ich liebe Euch so sehr!

Deine
Lena

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