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September 2001
Gefundene Erinnerung
von Brigitte Tholen

Es liegt keine Ruhe in der Stille um mich. Gedanken springen in meinem Kopf umher, wild und ungeordnet. Als fürchteten sie eingefangen zu werden. Von mir. Von meinem Verstand, der seit einiger Zeit versucht mir Streiche zu spielen. Mich zu foppen um mir aufzuzeigen, wie klein und machtlos ich bin, wenn er nicht mitspielt.
Ich muss wachsam bleiben. Einen Weg finden. Den Weg zu mir und meinem Gedächtnis.
Reflexionen sind heilsam. Reflexionen sind gut.
Lade für Lade, werde ich öffnen müssen in meinem Gedankenschrank. Selbst das Geheimfach darf nicht verschlossen bleiben. Schritt für Schritt werde ich zurückgehen. Den Ort der Vergangenheit, der Erinnerung besuchen. Das ist wichtig. Wichtig für mich. Was bleibt mir anderes übrig.
Ich muss mich auf einen Punkt konzentrieren, sonst beginnt die Drehscheibe der Einbildung zu kreisen, immer schneller, ungestümer, dann kann ich sie nicht mehr anhalten.
Also jetzt eine Entscheidung treffen. Den Platz der Vergesslichkeit füllen mit harmlosen kleinen Erlebnissen.
Wo war ich gestern? Gestern. Ja, das ist ein guter Anfang:
Eine endlos lange Straße. Dunkler Asphalt, Scheinwerfer die ihn erhellen. Von beiden Seiten nebulöse Schatten der Bäume, die sich zu bewegen scheinen. Flackernde Lichter, die auf mich zukommen und sich wieder auflösen. Alles verschwimmt flimmert. Das Bild will mir entgleiten. Schnell, schnell den Blick auf einen anderen Gegenstand richten.
Was soll dieser Lärm? Er stört meinen Gedankenfluss und kommt von außerhalb meines Sichtkreises. Schreckliches Bohren, Dröhnen, Geschrei.
Ich halte mir die Ohren zu, doch die Geräusche verschwinden nicht, werden nicht leiser. Das Bohren verdrängt jeden Gedanken, füllt den Kopf mit tintenschwarzer Nacht. Überschwemmt die Saat der Erinnerung und spült sie hinfort. Und wieder ist nichts als Leere.
Wer bin ich? Wo bin ich? Wie finde ich meinen Weg?

Hier in meinem Zimmer, dem Ankerplatz des Schweigens, werde ich mich erst einmal ausruhen. Tränen der Schwäche vergießen. Hoffnung schöpfen am Brunnen des Vertrauens.
Noch blüht vor dem Fenster kein Vergissmeinnicht, aber der Lindenbaum versprengt seine Blätterpracht so dicht, dass er die Aussicht dahinter verdeckt. Ein Meer grüner Zuversicht, in das ich eintauchen will, mich betten und warten. Inmitten dieser Zauberwelt taucht plötzlich eine helle Stelle, wie eine Elfe, flüchtig auf. Im Labyrinth meiner Gedankengänge sehe ich eine Tür. Massig, stabil. Wohin führt sie? Führt sie zu mir? Zu meinem Ich? Werde ich das, was ich finde, verkraften können? Nur noch wenige Schritte. Wird dann meine Erinnerung vollständig zurückkommen, mein Verstand? Ich bin mir sicher.
Die Zeit ist reif, reif zu verstehen...

Letzte Aktualisierung: 00.00.0000 - 00.00 Uhr
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