Honigfalter
Honigfalter
Liebesgeschichten ohne Kitsch? Geht das?
Ja - und wie. Lesen Sie unsere Geschichten-
Sammlung "Honigfalter", das meistverkaufte Buch im Schreiblust-Verlag.
mehr ... ] [ Verlagsprogramm ]
 SIE SIND HIER:   HOME » MITMACH-PROJEKT » SCHREIBAUFGABE » Martina Bartels IMPRESSUM
NEWSLETTER
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

Jetzt anmelden! ]

UNSERE TOP-SEITEN
1.) Literatur-News-Ticker
2.) Leselust
3.) Forum
4.) Mitmach-Projekt
5.) Schreib-Lust-News 6.) Ausschreibungen 7.) Wettbewerbs-Tipps
Oktober 2001
Zweifel
von Martina Bartels

Endlich war Peter wieder zu Hause. In der Zivilisation. Fast zehn Jahre hatte er als Arzt in den Slums gelebt. Er hatte seine Arbeit und das Volk dort geliebt, doch nun war er zur├╝ck in Deutschland.
Er genoss den heimischen Luxus, kochte sich einen Kaffe und griff nach der Tageszeitung. Peter ├╝berflog die Seiten, als sein Blick auf die Todesanzeigen fiel. Unbewusst spannte er die Muskeln an und sein Atem ging flach. Mit geweiteten Augen las er immer wieder den Text.

Claudia, warum hast Du das getan?
Wir werden Dich niemals vergessen.
In tiefer Trauer Dein Mann Stefan Berg
Mit Sabrina und Sven

Peters Gedanken ├╝berschlugen sich. Claudia, seine Jugendliebe, hatte sie nicht einen Stefan Berg geheiratet? Irgendwann hatten sie sich aus den Augen verloren, aber vergessen hatte er sie nie.
Schnell griff er zum Telefon und rief seinen alten Freund Dieter an. Auch er kannte Claudia.
"Schmitt", erklang Dieters Stimme aus dem H├Ârer.
"Dieter, ich bin es Peter, ich lese gerade die Zeitung..." Einen Moment schwieg er.
"Ja, Peter, es ist deine Claudia", brach der Freund das Schweigen.
"Was ist passiert?", wollte Peter mit belegter Stimme wissen.
"Selbstmord, sie ist von einer Br├╝cke gesprungen, es tut mir leid Peter", antwortete Dieter leise.
"Warum hat sie das getan?" wollte Peter wissen.
"Ich wei├č es nicht, wir hatten wenig Kontakt, ich wei├č es wirklich nicht."
"Danke, das muss ich erst verarbeiten, ich melde mich wieder bei dir." Ohne sich zu verabschieden beendete Peter das Gespr├Ąch.

*

Seine Claudia, Peter konnte es nicht fassen. Sie war so lebenslustig gewesen, immer voller Energie. Peter sch├╝ttelte den Kopf, irgendetwas stimmte da nicht.
Am n├Ąchsten Morgen fuhr er in die Bibliothek und schlug im Archiv die Zeitungen der letzten Woche nach. Er hoffte, einen Hinweis zu finden.
Schnell ├╝berflog er die Zeilen.
Ein schrecklicher Selbstmord, die 34 j├Ąhrige Claudia B...Autobahnbr├╝cke...sofort tot...ihre letzten Zeilen...verzeiht mir, ich kann nicht mehr. Fremdverschulden wurde ausgeschlossen. Sie hinterl├Ąsst ihren verzweifelten Ehemann und zwei kleine Kinder.

*

Gadankenverloren rieb Peter sich ├╝ber die Stirn. Das passte nicht zu Claudia, niemals w├╝rde sie ihre Familie, ihre Kinder im Stich lassen. Er beschloss, ein paar Nachforschungen anzustellen.
Als erstes nahm er an der Beerdigung teil. Es war hart f├╝r ihn, denn er hatte Claudia sehr geliebt. Peter stellte sich ihrem Mann als alter Freund vor und sprach sein Beileid aus. Ihr Mann sah grauenvoll aus. ├ťbern├Ąchtigt, grau im Gesicht, pausenlos liefen ihm Tr├Ąnen ├╝ber die Wangen.
Dann erkannte er Gaby, eine alte gemeinsame Freundin. Sie schluchzte laut und warf Claudias Mann b├Âse Blicke zu. Peter sah sie fragend an.
"Nicht hier, lass uns einen Kaffee trinken gehen", sagte Gaby leise.

*

"Eine schreckliche Geschichte", begann er das Gespr├Ąch.
"Dieser Mistkerl hat sie auf dem Gewissen!", unterbrach Gaby ihn w├╝tend.
Erstaunt sah Peter sie an. "Wie meinst du das?", wollte er wissen.
"Claudia war ungl├╝cklich, schon lange. Sie war depressiv und suchte Hilfe. Vor allem seine Hilfe, doch er hatte nie Zeit f├╝r sie. Claudia war absolut ├╝berfordert und f├╝hlte sich hilflos und einsam. Er verstand sie nicht. Lachte sie aus und nannte sie eine Mimose." Gaby trank einen Schluck Kaffee.
Peter h├Ârte schweigend zu.
"Claudia war oft bei mir und weinte. Ich habe versucht, ihr zu helfen, so gut ich konnte. Aber sie h├Ątte seine Unterst├╝tzung gebraucht. Die letzten Wochen wurde es immer schlimmer. Claudia sprach von Trennung, hatte aber Angst, ganz alleine zu sein, obwohl sie es schon lange war. Sie sah wohl keinen anderen Ausweg mehr, aber er ist Schuld." Zornig wischte sich Gaby eine Tr├Ąne von der Wange.
Beruhigend dr├╝ckte Peter ihre Hand.
"Meinst du, er hat das so gewollt?", fragte er dann z├Âgernd.
"So, nein, das glaube ich nicht." Gaby lachte hysterisch. "Nein, jetzt ist es ja nicht mehr einfach f├╝r ihn, jetzt muss er Verantwortung ├╝bernehmen. Jetzt, wo es zu sp├Ąt ist. Er hat sie auf dem Gewissen!"

*

Peter ├╝berlegte einige Tage, dann beschloss er, mit Claudias Mann zu reden.
Z├Âgernd ging er die Stufen hinauf und klingelte an der T├╝r.
"Peter Bayer", stellte er sich vor, als die T├╝r ge├Âffnet wurde. "Wir sind uns auf Claudias Beerdigung begegnet, ich w├╝rde gerne mit Ihnen reden."
Fragend sah Stefan Berg ihn an, bat ihn aber herein.
Kurz erkl├Ąrte Peter seine Beziehung zu Claudia und dass sie sich seit Jahren nicht gesehen hatten. Er erw├Ąhnte auch, dass er sie als stets lebenslustig in Erinnerung hatte und ein Selbstmord nicht zu ihr passte. Schweigend h├Ârte Stefan zu. Eine Tr├Ąne lief ├╝ber seine Wange.
Stockend begann er zu erz├Ąhlen.
"Sie haben Claudia lange nicht gesehen, sie hat sich sehr ver├Ąndert. Nach den Geburten der Kinder wurde sie depressiv. Sie kam mit ihrem Leben nicht mehr zurecht und gab mir die Schuld daf├╝r." Stefan schluchzte trocken. "In letzter Zeit gab es ├Âfters Streit, weil sie sich gehen lie├č. Claudia vernachl├Ąssigte die Kinder, das Haus, mich, einfach alles. Ich habe ihr zu einer Kur geraten, aber sie schrie mich nur an, ich wolle sie loswerden. Aber da steckt diese Gaby hinter. Immer hat sie Claudia gegen mich aufgehetzt..." Mit zitternden H├Ąnden griff Stefan nach einer Zigarette.
Schweigend sah Peter ihn an und berichtete dann vorsichtig von Gabys Vorw├╝rfen, ohne ihren Namen zu nennen. Die Augen des Witwers weiteten sich vor Entsetzen und er brach in haltloses Schluchzen aus.
"Diese L├╝gen kann Ihnen nur Gaby erz├Ąhlt haben." Er bat Peter zu gehen.

*

Ein paar Wochen sp├Ąter sa├č Peter in Gedanken versunken in einem Stra├čenkaffee. Sein Blick fiel auf die Passanten, ohne dass er sie wirklich sah. L├Ąchelnd beobachtete er ein verliebtes Paar in einer innigen Umarmung. Dann zuckte er zusammen. Diese Beiden, dass waren Gaby und Stefan Berg!
Peters Gedanken ├╝berschlugen sich. Die gegenseitigen Anschuldigungen, die offen gezeigte Antipathie.
Ein abgezocktes Spiel?
Peter wusste, er w├╝rde das niemals beweisen k├Ânnen.
Der perfekte Mord?

Letzte Aktualisierung: 00.00.0000 - 00.00 Uhr
Dieser Text enthńlt 6008 Zeichen.

Druckversion

 LINKTIPPS: Naturwaren Diese Website wird unterstützt von:

www.mswaltrop.de
Copyright © 2006 - 2024 by Schreiblust-Verlag - Alle Rechte vorbehalten.