Mainhattan Moments
Mainhattan Moments
Susanne Ruitenberg und Julia Breitenöder haben Geschichten geschrieben, die alle etwas mit Frankfurt zu tun haben.
mehr ... ] [ Verlagsprogramm ]
 SIE SIND HIER:   HOME » MITMACH-PROJEKT » SCHREIBAUFGABE » Stg. Zapper IMPRESSUM
NEWSLETTER
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

Jetzt anmelden! ]

UNSERE TOP-SEITEN
1.) Literatur-News-Ticker
2.) Leselust
3.) Forum
4.) Mitmach-Projekt
5.) Schreib-Lust-News 6.) Ausschreibungen 7.) Wettbewerbs-Tipps
Oktober 2001
Unterm Pflaster frisst der Brand
von Stg. Zapper

I

"Du, Mistst√ľck," murmelte er, "Du gottverdammtes Mistst√ľck."

Er setzte sich und versuchte seine Gedanken zu ordnen.
Nur ein Sp√∂tter w√ľrde jetzt formulieren: wo nichts ist, braucht man nicht viel zu ordnen, obwohl es den momentanen Sachverhalt pr√§zis umrisse.

Ein Blackout, wo sonst reges geistiges Leben herrschte.

Er stand so oft schon ganz oben, hatte sich hinabgeworfen, das Gl√ľck der T√ľchtigen herausgefordert, war getrudelt, war gerupft worden vom Fallwind, rasend einem Aufschlagpunkt entgegengezogen, ruderte nie, kopflos, wie es Anf√§nger tun, korrigierte nur mit sparsamer Motorik, aufgew√ľhlt vom Adrenalinstoss, aber unaufgeregt, mit einem kalten L√§cheln und es hatte sich jedesmal der winzige Punkt da unten verl√§sslich gezeigt, war gewachsen, rasend schnell gewachsen, sprunghaft zu einem riesigen Auffangbecken mutiert, das er mit einem kraftvollen, gischtenden Aufschlag aufw√ľhlte, seiner sicher, im Flug, wie in der Landung.


II

Dieses Mal war es anders.
Es war jedes Mal anders, aber dieses Mal war es anders anders, als er es jemals erlebt hatte.
Vielleicht war es nur das erste Mal, da√ü er sich eine Schw√§che gestattete, eine winzige Schw√§che, kaum merklicher als ein Augenzwinkern und doch ausreichend einem seiner Schritte die Kraft zu nehmen, die einen sicheren Auftritt gew√§hrleistet, damit ein winziges Straucheln zuliess, nicht mehr als ein kaum merkliches Z√∂gern verursachte, bevor sich Schwerpunkt, Falllinie und Unterst√ľtzungsfl√§che wieder in einem standfesten Verh√§ltnis zueinander befanden.

Was, wenn sich ein solches Straucheln auswuchs, nur ein Weniges mehr gezögert, zu Taumeln begonnen, nur innerlich, kaum merklich noch, aber ausreichend beim Auftritt zu Übertreten, sich eine Überdehnung zu holen, eine Zerrung seiner Realität, eine Stauchung seiner Lebenslinie.

Was, wenn sich im Sprung ein Zittern einstellt, das sich auszubreiten beginnt, sch√ľttelfrostig den ganzen K√∂rper √ľberzieht, wie Mehltau kr√§nkelnde Pflanzenteile.

Was, wenn es bereits Platz genommen hat in Einem, wohlig grunzend, wenn es beginnt wie Wundbrand die Ränder zu erweitern.

Was, wenn man nicht schweissgebadet erwacht?


III

Frauen. Waren ihm nicht Zeitvertreib. Eher Steinchen im Lebensmosaik, kleine Lichtchen, die Glanz setzen, einwenig Tiefe vorgaukeln, doch niemals dessen Form bestimmen.

Warum also ausgerechnet sie?
Warum ausgerechnet ihm?
Warum ausgerechnet jetzt?

Nie wäre er auf die Idee gekommen nicht er hätte sie herausgesucht.
So wie man an einem B√ľffet steht, sich und die Fr√ľchte in den Spiegeln sieht, sich mustert und die Fr√ľchte, sie in Gedanken auf der Zunge f√ľhlt, sich entscheidet, aus dem Augenblick heraus, aus der Laune des Augenblicks heraus in den √úberfluss greift, ein h√ľbsches St√ľck herausgreift, eine gut gewachsene Grapefruit vielleicht oder eine f√ľllige, mattblaue Weintraube.
Nie w√§re er auf die Idee gekommen dieses B√ľffet sei angerichtet gewesen, zielgerichtet,
auf ihn, wie Käse aufgepiekt auf einem Dorn in einer Schlagfalle.


IV

Wie sie so da lag, die Haare malerisch ausgebreitet, der fast vollkommene Körper...

Gut, er musste akzeptieren, daß er sich getäuscht hatte. In ihr, aber mehr noch in sich.
Er war unaufmerksam gewesen, hatte sich die Schwäche erlaubt zu vertrauen in einem Geschäft wo es kein Vertrauen geben kann.

... ein Gesicht wie eine alabasterne Botticelli, bleich und blutleer, fast unwirklich schön, eine Gottesanbeterin, beinahe jedenfalls, nur das Loch in der Stirn hatte sie davon abgehalten das zu tun, was Gottesanbeterinnen so tun, wie man sagt ...

Er f√ľhlte sich m√ľde, wie leergefressen, ausgenutzt, hintergangen.
Draussen ging der Mond auf √ľber den D√§chern, bleich und blutleer, fast unwirklich sch√∂n in der Neonaura der Stadt.

Er f√ľhlte, wie der Fallwind an ihm zu zerren begann, der Punkt rasend schnell gr√∂sser wurde, es war das erste Mal, da√ü er zu zweifeln begann, ob da unten Wasser war, das erste Mal...

Es war Zeit die Stadt zu wechseln.

Letzte Aktualisierung: 00.00.0000 - 00.00 Uhr
Dieser Text enthšlt 3941 Zeichen.

Druckversion

 LINKTIPPS: Naturwaren Diese Website wird unterstützt von:

www.mswaltrop.de
Copyright © 2006 - 2024 by Schreiblust-Verlag - Alle Rechte vorbehalten.