Madrigal für einen Mörder
Madrigal für einen Mörder
Ein Krimi muss nicht immer mit Erscheinen des Kommissars am Tatort beginnen. Dass es auch anders geht beweisen die Autoren mit ihren Kurzkrimis in diesem Buch.
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November 2001
Eine Hochzeit
von Roswitha Borrmann

An einem Mittwochnachmittag, standen Peter und Marie vor der Kirche, die sie für ihre Trauung ausgesucht hatten. Idyllisch, im Grünen, dennoch nah zum Flughafen. Sie waren jetzt seit zwei Jahren standesamtlich verheiratet und hatten sich entschlossen doch noch kirchlich zu heiraten. Sie wollten nur eine kleine, feine Zeremonie bevor sie in Flitterwochen fuhren.

Peter hatte seinen Bruder Ferdinand gefragt, ob er und seine Frau Karin als Trauzeugen dabei sein wollten. Beide hatten zugestimmt.

Sie fuhren auch pünktlich mit ihrem Cabrio vor, stiegen aber nicht aus.

"Seit 10 Jahren tyrannisierst du mich mit deiner Eifersucht", schrie Karin "jetzt ist Schluss damit!" Sie riß die Tür auf, sprang aus dem Wagen und lief weinend davon.

Peter ging zu seinem Bruder ans Auto. Ferdinand riet ihm: "Überleg dir deine Trauung noch einmal. Es führt doch alles ins Unglück. Und dabei möchte ich auf keinen Fall auch noch helfen." Er ließ den Wagen an und fuhr los.

Nun standen sie da, Peter und Marie. Ohne Trauzeugen.

"Was können wir tun, Peter?", fragte Marie traurig. "Ohne Trauung fahren?"

"Nein, mein Schatz", beruhigte Peter sie, "es wird schon noch eine andere Lösung geben. Ich werde mit dem Pfarrer reden."

Er fand den Pfarrer in der Sakristei. Dieser wirkte ziemlich nervös, räumte Utensilien hin und her. Peter erklärte ihm die Situation und fragte mutlos: "Herr Pfarrer, was können wir denn nun tun?"

"Sie können versuchen ganz schnell zwei getaufte, erwachsene Menschen zu finden, die Ihnen helfen, aber wirklich schnell."

"Danke," rief Peter und machte sich eilig davon.

Wenig später folgte ihm der Pfarrer. Er ging zurück vor die Kirche und sah, dass Peter in Richtung Park davonging. Marie kam langsam die Treppe hinauf und stellte sich traurig neben ihn. Er legte ihr die Hand auf den Arm und lächelte ihr aufmunternd zu.

Marie trippelte von einem Fuß auf den anderen. Der Pfarrer hätte es gerne genauso gemacht. Statt dessen versuchte er sie zu beruhigen. Fragte nach ihrem Urlaubsziel.

"Rom!", sagte Marie sehnsüchtig. "Ich wünschte, wir wären schon unterwegs."

'Und ich hätte anstelle von Ferdinand und dieser gräßlichen Karin meine Freundinnen gefragt,' dachte sie. 'Aber Peter wollte einen Hauch von Familienfeier bewahren. Hätte ich bloß nicht auf ihn gehört!'


Währenddessen sprach Peter im Park zwei Wermutbrüder an.

"Haben Sie beide vielleicht ein Viertelstündchen Zeit für mich? Es geht um eine Herzensangelegenheit."

Kawuppdich wurde mulmig. Wer sprach sie schon an, so wie sie aussahen? Doch nur jemand, der sich über sie lustig machen wollte. Und er hatte keinen Bock auf irgendeine Auseinandersetzung. Aber Jupp war Feuer und Flamme.

"Was springt dabei raus für uns? Und müssen wir uns anstrengen?"

"Nein, es ist leicht, ihr sollt meine Trauzeugen sein. Sind Sie getauft?"

"Was, wie?" schrie Jupp los. "Inne Kirche? Hamse denn sonst niemanden?"

"Ich hatte meinen Bruder und seine Frau gefragt, aber die haben sich so gründlich verkracht, dass sie nicht mehr wollen. Sonst hatten wir niemanden eingeladen. Unser Flieger nach Rom geht in drei Stunden, wir müssen jetzt schnell machen. Ich werde euch eine Kiste Wein oder Bier spendieren, wenn ihr mir helft."

"Also auf, Kawupp", rief Jupp, "lass knacken, unser Tag ist gerettet. Biste denn auch getauft?"

"Ja, klar!" Immer noch mißtrauisch stand Kawuppdich auf, raffte seine Habe zusammen - waren nur drei Einkaufstüten – und folgte ihm und dem Bräutigam.

Als sie an der Kirche ankamen, sah er die junge Frau mit dem Pfarrer im Gespräch. Das mulmige Gefühl nahm zu. Seit Jahren war er nicht mehr in der Kirche gewesen und nun auch noch für eine Hochzeit. Wo ihn seine Else vor Jahren auf die Strasse gesetzt hatte, nur wegen den paar Bierchen abends immer. Sollte er denn den armen Jungen überhaupt ins Unglück schicken? Ihm wurde immer komischer.

Marie sah sie kommen. Peter und zwei abenteuerlich aussehende Figuren mit ihren Plastiktüten und sie guckten alles andere als feierlich.

'Schöner Flop, diese Hochzeit' dachte sie.

Sie grüßte zurückhaltend und dann gingen sie alle in die Kirche.

Dort lief ihnen eine Frau entgegen und zog den Pfarrer kurzerhand in die Sakristei. Ratlos schauten die Zurückgebliebenen sich an, sahen sich in der Kirche um und gingen langsam in Richtung Altar. Es würde ja wohl gleich losgehen.

Der Pfarrer kam zurück. Er hatte sich umgezogen, trug einen ganz gewöhnlichen Anzug.

"Komischer Verein hier" sagte Kawuppdich zu Jupp.

Da fragte die Braut: "Herr Pfarrer, können wir jetzt endlich anfangen?"

"Nein!", rief er. "Ich muß sofort ins Krankenhaus! Meine Frau liegt in den Wehen. Die Klinik hat angerufen, es wird jeden Moment losgehen. Ich habe lange gewartet, aber nun muß ich fahren. Es ist unser erstes Kind und ich habe meiner Frau versprochen, sie nicht allein zu lassen."

"Ja und was wird jetzt mit uns?"

"Wartet ab, Kollege kommt gleich." rief er im Weglaufen. " Es ist alles organisiert, ich hab ihn angerufen. Trauzeugen habt ihr ja jetzt auch gefunden. Alles Gute!!" Weg war er.

Nun standen alle da. Plötzlich fing Jupp an zu lachen: "Sowas glaubt einem doch kein Mensch. Da sagen se wieder, du alter Penner, hast wohl zuviel getrunken oder was?"

Nach dem ersten Schrecken konnte das Brautpaar sogar mitlachen. Da dachte Kawuppdich ganz neidisch: 'Mit der macht das Leben sicher Spaß. Die wird ihren Alten nie auf die Parkbank schicken. Doofe Else !'

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