Mainhattan Moments
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November 2001
Mein linker Fuß
von Veronika Engel

Was trieb mein linker Fuß in dieser Pfütze. Die ganze Nacht hatte es geschneit, die Welt war wie verzaubert, nur mein linker Fuß konnte diese märchenhaften Umstände nicht genießen. War es denn nicht erst gestern gewesen, dass ich mit meinen wunderbaren neuen Winterstiefeln in einen Hundekot getreten bin?
Nun warteten die Stiefel zu Hause im Trockenraum darauf, das ich sie noch imprägniere. Gerade deshalb und nur deshalb schlüpfte ich heute Morgen in großer Eile in die Slipper.
Was war das, meine Zehen waren naß... jetzt schlich sich das Wasser langsam über die Fußsohle bis zur Verse.
Mutter, geh endlich rein, damit ich meinen Fuß aus dieser Misere ziehen kann.
Ja, ja ich weiß du hattest mir schon diesen Sommer angeraten die Delle vor unserem Gartenzaun auffüllen zu lassen.
"Guten Morgen mein Kind, bist du nicht etwas spät um deinen Bus noch zu erreichen?"
"Hallo Mutter, hast du gut geschlafen? Aber geh doch bitte rasch wieder ins Haus, sonst erkältest du dich noch!"
"Nein, nein ich will sehen ob du den Bus noch erreichst, sonst kannst du gerne meinen Wagen haben, um zum Vorstellungsgespräch zu fahren, das ist doch heute nicht?"
"Doch, ja, das ist heute." Oh mein Fuß, jetzt wird's aber unangenehm kalt. Wieviel Zeit bleibt mir noch um rasch neue Kleider und Schuhe zu holen?
"Mein Kind, was verharrst du denn immer an der selben Stelle, wegen mir mußt du nicht stehen bleiben." O Mama es ist ja sehr praktisch dass du gleich gegenüber wohnst, besonders wenn ich dir meine Kinder zum hüten geben kann. Doch jetzt beweg doch endlich deinen Hintern in die gute warme Stube, ich erfriere sonst
"Mama, hast du deinen Frühstückstee denn schon gehabt?"
"Was soll das, willst du diese Arbeit denn nicht, daß du mit mir ein Pläuderchen hältst?" Geh endlich rein Mutter, dann verwandle ich mich sofort zum gölten Blitz, du würdest staunen wie effizient ich dann handeln würde.
"O mir ist gerade in den Sinn gekommen, wie spät ist es eigentlich?" Ich erfriere, ich halt das nicht mehr aus, ich will meinen Fuß aus dieser eisigen Pfütze nehmen!
"Ist das deine einzige Sorge, geh einfach." Ich kann nicht mehr, muß ich mich geschlagen geben, muß ich mich immer vor meiner Mutter blamieren, mein Körper sagt, ja.
"Mama, könntest du bitte rasch nachsehen ob es wirklich schon so spät ist?"
"Ich begreife dich nicht. Nun hast du endlich die Chance dich für deinen Traumjob vorzustellen und du trödelst herum, du bist doch sonst nicht so."
Ich ertrag es nicht mehr, dann habe du doch deinen Triumph. Komm mein geliebter linker Fuß, du darfst aus diesem eisigen Gefängnis heraus. Ah, schön. Au, ich kann nicht auftreten, ich kann den Boden unter meinem Fuß nicht spüren. Wer gibt mir halt? Nein ich stürze...
"Kind, was ist dir? Warte ich komme dir helfen." Nein nicht das auch noch, meine Mutter ist doch nicht gut zu Fuß.
Igitt das ist Nassschnee der pflotscht mir meine frisch geföhnten Haare zu. Ich kanns vergessen. In der kurzen Zeit die mir noch bleibt, kann ich nicht mein ganzes Aeusseres wieder auf Hochglanz bringen. Ich versuche mich wieder aufzurappeln, aber mein geliebter linker Fuß versagt mir noch immer seine Dienste. Nun ist mein Hosenboden auch schon pflotsch naß.
"O mein Kind, laß dir helfen."
"Mutter geh bitte wieder rein, du stehst ja im Morgenrock mitten auf der Straße."
"Nein, du bist übel dran, nun schaffst du den Termin wahrscheinlich nicht mehr."
"Nein, aber das macht nichts, nun schauen wir zuerst einmal dass wir beide heil in die Wärme kommen."
Ich rapple mich auf, lasse den Wind durch meine nassen Kleider fegen und genieße das Gefühl endlich wieder gehen zu können.
Mama begleitet mich in mein Haus. O auf der Garderobe liegen ja noch meine Papiere, die ich zum Vorstellungsgespräch mitnehmen wollte. Was steht da: Wir würden uns freuen sie am Mittwoch, 15. Januar um 09.00 Uhr begrüßen zu können.
"Mama, welcher Tag haben wir heute?"
"Dienstag, warum?"

Letzte Aktualisierung: 00.00.0000 - 00.00 Uhr
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