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Januar 2002
Hilfe
von Klaus Eylmann

Hilfe

Die Besatzung war bewusstlos, als das Raumschiff den Hyperraum verliess und im Orion Nebel auftauchte. Bewegungslos verharrte es im All. Wie ein Scherenschnitt hob sich seine kantige Form dunkel von den Sternen ab, und es begann, sich langsam um seine Querachse zu drehen, um in alle Richtungen zu lauschen. Die Zeit schien stillzustehen...


Das Signal kam aus dem Sternensystem Orionis.


Ein leises Surren weckte Groenlaender. Mit leeren Augen starrte er auf die metallene Wand. Die Erinnerung kam zurueck, als Gurte und Elektroden sich von seinem Koerper loesten. Er richtete sich auf, kletterte aus der Wabe und sah, wie Hindusch und Krazny wach wurden, ihre Gesichter Farbe bekamen.
“Welcome back, Leute.” Die beiden nickten kurz und verschwanden in Richtung Dusche.
“Schiff, Vorkommnisse?”
Eine Frauenstimme toente von irgendwoher. “Notruf vor 2 Stunden eingegangen. Ich habe Hilfe zugesichert. Wir naehern uns der Quelle des Signals und werden es in fuenf Stunden und 23 Minuten erreicht haben.”
“Schiff, bitte um Wiedergabe.”
Der Zentralbildschirm wurde hell und zeigte einen grossen Platz, der von hohen Gebaeuden umgeben war. Hunderte menschenaehnlicher Gestalten irrten taumelnd umher, einige lagen zuckend, sich vor Schmerzen windend auf dem Boden und rangen nach Atem. Ihre Kleidung war zerrissen, gruene Stachelkaemme ragten aus ihr hervor.

Als Groenlaender Wasser auf seinen Koerper prasseln liess, war ihm nicht nach Singen zumute. Sie hatten auf Weisung der Erdregierung den Orion Nebel angesteuert, in der Hoffnung, dort intelligentes Leben zu entdecken, und nun hatten sie es gefunden. Ihm kam der Spruch in den Sinn:
‘Beware of what you wish for. You might get it’ – ‘Sei vorsichtig mit dem, was du dir wuenschst, du koenntest es bekommen’. Groenlaender versuchte vergeblich, fuer einen Augenblick, an nichts zu denken. Das Schiff hatte autonom auf den Notruf reagiert und Hilfe zugesagt, waehrend die Besatzung funktionsunfaehig gewesen war.
“Schiff,” rief Groenlaender durch das Rauschen der Dusche, “was ist da vorgefallen?”
“Der Planet der Klogs, wie sich die Wesen nennen, wurde von einem fremden Raumschiff ueberflogen, dessen Strahlung sie in Echsen umwandelt, die einen anderen Metabolismus haben, und fuer die die Zusammensetzung der Atmosphaere schaedlich ist. Der Prozess dauert etwa dreissig Tage. Die Klogs gehen unter schreckliche Qualen zu Grunde.”
“Schiff, was haben deine Analysen ergeben? Koennen wir den Verwandlungsprozess aufhalten?”
“Nein.”
Groenlaender fragte nicht nach dem Grund. Nie zweifelte er eine Aussage des Schiffes an. Es kannte die Fakten.
“Koennen wir die Atmosphaere veraendern?”
“Nein.”
Groenlander schaltete die Dusche ab. Warme Luft umfaechelte und trocknete seinen Koerper.
“Du hast Hilfe versprochen?”
“Ja.”
“Nun, gut. Dann muessen wir helfen.” Das Schiff hatte fuer sie entschieden, und er wusste, die Entscheidung war richtig. Groenlaenders Knie zitterten. Schwer atmend lehnte er sich gegen die Tuer, als er sich ueber die Konsequenz klar wurde.
Nach einigen Stunden hatte das Schiff den Planeten erreicht und schwenkte in eine Kreisbahn ein. Eine Sonde wurde startklar gemacht und auf den Weg geschickt.

Staub und Gas filterte Licht, das von dem Doppelstern kam, brach es in Farben auf, welche die schroffe Felslandschaft irisierend ueberfluteten. Nebel waberte ueber den Ammoniakseen, aus denen Geysiren gleich, Daempfe in die Hoehe schossen. Rot-, orange-, gelb-, braun- und blaugetoente Wolken jagten ueber den Himmel. Ein silbrig glaenzender Mond schob sich vom Sueden her am Horizont empor.
Die Sonde schoss auf eine Stadt zu, die zwischen den Felsen emporragte, eine Ansammlung von Gebaeuden, um einen riesigen Platz gruppiert. Klogs taumelten ueber dessen Flaeche und fassten sich an den Hals. Einige sanken unter Qualen zu Boden und blieben dort liegen. Die Sonde schwebte ueber sie hinweg, liess nichts aus, filmte ohne Emotionen, filmte die grossen, gruenen Stachelkaemme, die reptilienartigen Koepfe der Klogs, die einmal Humanoiden gewesen waren. Die Sonde flog davon, umkreiste in geringer Entfernung den Planeten. Ueberall das gleiche Bild. Mit bleichen Gesichtern starrten die Maenner auf den Monitor. Groenlaender wandte sich ab. Es wurde zuviel.
“Schiff, unterbreche die Uebertragung und lande die Sonde auf den Planeten.”
Der Bildschirm erlosch.
Groenlaenders Haende krampften sich um die Lehnen seines Sessels.
“Schiff, stimmst du mit mir daruber ein, dass die Verursacher dieser Katastrophe die Wesen anderer Planeten in ihre Spezies umwandeln wollen, ohne Ruecksicht darauf, ob die Luft fuer diese atembar ist?”
“Korrekt. Wenn die Atmosphaere nicht geeignet ist, haben sie nichts verloren. Wenn sie atembar ist, dann haben sie den Planeten fuer ihre Rasse gewonnen.”
Groenlaenders Erregung legte sich. Erleichtert stellte er fest, das Schiff teilte seine Einschaetzung der Lage. Die Klogs hatten um Hilfe ersucht. Das Schiff hatte sie zugesagt, daher mussten sie sie gewaehren. Eine Diskussion war unnoetig. Sie wussten es, das Schiff wusste es: hier war nur eine Art von Hilfe moeglich.
“Schiff, leite die Hilfe ein. Jetzt!”
Das Schiff setzte die Nachricht ab. Wie versteinert wirkten die Maenner, als sie zuhoerten und den eng gebuendelten gruenen Strahl beobachteten, der auf den Planeten hinabschoss.

“Bewohner des Planeten Klog. Ihr habt um Hilfe ersucht. Wir haben Hilfe zugesichert und fuehren sie
jetzt aus. Wir beenden eure Qual und erloesen euch von dem Boesen. Ihr koennt in der beruhigenden Gewissheit vergehen: Diejenigen, die das Unglueck ueber euch gebracht haben, werden von uns verfolgt und bestraft.”

Groenlaender und seine Maenner schienen wie betaeubt. ‘Erloesen … von dem Boesen’, wo habe ich das schon gehoert?, dachte er.
Das Schiff wendete und brachte sich aus der Gefahrenzone, als der Planet auseinanderbrach.

(c) Klaus Eylmann

Letzte Aktualisierung: 00.00.0000 - 00.00 Uhr
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