Sexlibris
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Wo ist die Grenze zwischen Pornografie und Erotik? Die 30 scharfen Geschichten in diesem Buch wandeln auf dem schmalen Grat.
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Mai 2002
Abweichung
von Klaus Eylmann


Als die Raumpflegerin, den MĂŒllsack hinter sich her ziehend, auf seinen Schreibtisch zuging, löste sich sein Blick vom Bildschirm. Bernd Köhler sah zu, wie sie seinen Papierkorb leerte und wusste, gleich ging es mit dem Staubsauger los. ‘Zwei Stunden nach Feierabend.’ Köhler, allein im BĂŒro, unfĂ€hig, noch einen klaren Gedanken zu fassen, ergriff seinen Becher, erhob sich steif, schlurfte in die KaffeekĂŒche und schenkte sich die abgestandene, lauwarme BrĂŒhe ein. Er trank einen Schluck und schĂŒttelte sich, ging wieder zu seinem Schreibtisch zurĂŒck und blickte auf die Zahlenkolonnen. Eine Leuchtstofflampe summte an der Decke.
Budgetierung, Planung und Kontrolle. Bei ihm liefen die Daten aus allen Abteilungen auf, wurden in seinem Computer verdichtet und fĂŒr die Unternehmensleitung aufbereitet.
Der Staubsauger heulte auf, kam langsam nĂ€her. Ziffern tanzten vor seinen Augen, es pochte in seinen SchlĂ€fen. Es hat keinen Sinn mehr, dachte er und verliess missmutig das BĂŒro.
MĂŒde lehnte er sich an die Wand des Fahrstuhls, sah mit leerem Blick auf die Krakeleien neben dem leuchtenden E-Knopf. Ein paar Schritte durchs Foyer, und der Nachtpförtner öffnete ihm den Ausgang zur FußgĂ€ngerzone.
Schaufenster hinter Gittern, farbige Leuchtreklamen ĂŒber Radio-, WĂ€sche-, Delikatess-, Tabak- und MusikgeschĂ€ften. Ein PĂ€rchen schlenderte von einem Laden zum anderen, betrachtete die Auslagen. Wasser plĂ€tscherte in einem kleinen Springbrunnen.
Es regnete leicht, rauschte von der fernen Hauptstrasse her. Die Pizzeria Vesuvio war an der nĂ€chsten Ecke. Gedankenverloren betrachtete Köhler die wenigen GĂ€ste, als er seine Margherita zerteilte. Ein PĂ€rchen sah sich ĂŒber den Schein der Kerze in die Augen. Was wĂŒrde aus ihnen werden? Dachten sie im Moment daran? Sicher nicht. Nun ergriff er ihre Hand, hielt sie in der seinen. - Der Tropf. An einem anderen Tisch sass ein Mann vor einem Bier und trug etwas in ein Heft ein. Machte er seinen Tagesbericht? Hatte er sein Tagessoll erreicht?
Köhler kam Millers Tod eines Handlungsreisenden in den Sinn. Wie hiess der Mann doch gleich? Er kramte in seinen Erinnerungen. Loman, Willy Loman. Am Nachbartisch sass Willy Loman und schrieb seinen Tagesbericht. Wie Willy Loman ging dieser Mann in seinem Beruf auf. Hatte er den Traum seines Lebens verwirklicht? Unmöglich. Wer trĂ€umte schon in seiner Jugend, Reisevertreter werden zu wollen. Und nun hatte der Beruf von der Person Besitz ergriffen, hatte die Persönlichkeit assimiliert, integriert; war mit ihr verschmolzen. Endstation, danach kam nichts mehr. Köhler ĂŒberlief ein Schaudern. Er bestellte noch einen Roten.
Köhler war 28 Jahre alt und hatte mit seinem Leben noch einiges vor, wollte Karriere machen. Wenn er nicht spĂ€testens mit 35 Jahren Abteilungsleiter war, hatte er versagt. Das war die Benchmark. Doch dazu wĂŒrde es nicht kommen. Seine Gestalt straffte sich. Er leerte das Glas in einem Zug, erhob sich, bezahlte an der Theke und trat ins Freie.
Zwei HĂ€userblocks weiter blinkte die rote Leuchtreklame des Frappant, Ball der einsamen Herzen, ein Tanzpaar, in ein Herz eingerahmt. Hinter dem Tanzlokal, in der Tiefgarage, stand Köhlers Wagen. Ein Bier konnte er noch vertragen. So betrat er das Lokal und bewegte sich auf die Bar zu, setzte sich, dass er die TanzflĂ€che im Blickfeld hatte. Hier forderten die Frauen auf, und sie waren aktiv. Der dicke Disk Jockey sass in seiner Glaskabine, klopfte alberne SprĂŒche. Kaum hatte er eine neue Platte aufgelegt, kaum erklangen die ersten Takte, sprinteten sie los.
Was war es, das sie hierhertrieb? WÀre es nicht besser, sie nÀhmen ein gutes Buch in die Hand? Köhler grinste, bestellte einen Halben. Jemand tippte auf seine Schulter. Er wandte sich um und erschrak. Sie sah aus wie die bulgarische Meisterin im Gewichtheben, oder war es die aus Kasachstan?
“Tanzen Sie mit mir?”
Köhler konnte nicht ablehnen, sie wĂŒrden ihn aus dem Lokal feuern. ‘Pokergesicht und keine Panik,’ befahl er sich und folgte ihr auf die TanzflĂ€che. Himmel, auch noch ein langsamer Tanz. Die Frau umklammerte ihn mit eisernem Griff und schmiegte sich an ihn. Der DJ schob das Mikrophon zu sich heran: “Haben Sie Ihrer Partnerin heute abend schon gesagt, wie gut sie wieder aussieht?”
Das fehlte gerade noch. Köhler kam die Zeit endlos vor, Panik machte sich in ihm breit, doch dann verklang die Musik.
“Kommen Sie öfter hierher?”
“Selten,” antwortete Köhler ausweichend. Schweigend standen sie auf der TanzflĂ€che.
Der nĂ€chste Tanz war schneller. Köhler atmete auf. Die Frau bewegte ihre Arme wie beim Ententanz, lĂ€chelte verzĂŒckt und starrte ihn mit ausdruckslosem Blick an.
Wie Dracula als Fledermaus, dachte er und blickte verzweifelt um sich. Eine junge TĂ€nzerin am Ende der TanzflĂ€che nickte ihm aufmunternd zu. Blond, hĂŒbsches Gesicht. Waren ihre Augen blau? Die Beleuchtung war zu schummrig. Ihre Bewegungen waren elegant, ihr Partner weniger. Was hatte sie an dem Buchhaltertyp gefunden? Köhler lĂ€chelte zurĂŒck und rollte verzweifelt mit den Augen.
Wieder an der Bar, zog er seinen Kopf ein, versuchte sich klein zu machen. Doch dann steuerte die stĂ€mmige Frau wieder auf ihn zu. Es hielt ihn nicht mehr an seinem Platz, voller Panik stĂŒrzte er zur Toilette. Heftig atmend betrachtete er sich im Spiegel. Sein Gesicht war gerötet, die Augen weit geoeffnet, der Schweiss lief ihm von der Stirn. Hyperventilation? Wie war sein Blutdruck? Sicher ĂŒber hundertachtzig Systole. Was gĂ€be er nicht alles fuer ein MessgerĂ€t! Zum GlĂŒck war kein Toilettenmann da, keiner mit aufgeklebten Euros auf dem Teller, mit seinem Arsenal von MĂ€nnerperfĂŒms, Gels, Sprays, Pomaden und Kondomen. Köhler tastete nach seiner Halsschlagader und sah auf die Uhr. Dreizehn SchlĂ€ge in zehn Sekunden. Das war zuviel! Der BĂŒrostress. Er musste mehr trainieren. Aber doch nicht in diesem Tanzlokal! Er liess kaltes Wasser ĂŒber seine HĂ€nde laufen, rieb sein Gesicht ab. Vorsichtig öffnete er die TĂŒr, lugte hinaus. Die Luft war rein. Auf dem Weg zur Bar das blonde MĂ€dchen.
“Wollen wir tanzen?”
“Ja gern. Retten Sie mich!”
Sie lĂ€chelte. “Übrigens, ich heisse Marta. Setzen Sie sich nachher zu uns. Damit sind Sie ausser Gefahr.”
Sie war wohl um die vierzig, redete nicht, als sie tanzten. Zum GlĂŒck. Er brauchte das. Er musste sich beruhigen. Anschliessend nahm Köhler an ihrem Tisch Platz und stellte sich vor. Marta deutete auf eine Frau neben sich.
“Lisa hat eine unglĂŒckliche Periode hinter sich. Sie wurde vor drei Monaten geschieden und ist seitdem nicht mehr ausgegangen. Ich musste sie dazu ĂŒberreden, mal wieder unter Menschen zu gehen.”
“Hm,” meinte Köhler, “ich bin da unterbelichtet. Bei mir lĂ€uft alles nach Programm. Bevor ich nicht Abteilungsleiter geworden bin, binde ich mich nicht.”
“Das werden Sie nicht durchhalten,” erwiderte Marta. “Sehen Sie sich Lisa an. So wie sie aussieht, ist sie spĂ€testens in zwei Jahren wieder unter der Haube.”
“Nie und nimmer,” protestierte Lisa, “ich habe genug von MĂ€nnern. Die sind doch alle gleich.”
“Was strebt ihr denn an? Sechs richtige im Lotto?”
“Ich möchte nur glĂŒcklich sein.” Lisas Gesicht rötete sich verlegen. “Ist das zuviel verlangt?”
Musik setzte ein.
“Klingt zwar abgedroschen, aber wie wĂ€re es mit Zufriedenheit im Beruf und Privatleben? Bernd, Lisa will nicht auffordern. Tanzen Sie doch mal mit ihr.”
Marta nickte ihm kurz zu und verliess den Tisch.
Köhler stand auf und blickte Lisa an. Zögernd erhob sie sich. Auf der TanzflĂ€che schmiegte sie sich an ihn und legte ihren Kopf an seine Schulter. Er presste sie an sich und strich mit einer Hand ĂŒber ihren Nacken, merkte, wie sie sich noch enger an ihn drĂ€ngte.
Die hat spÀtestens nÀchste Woche wieder einen Mann. Kaum anzunehmen, dass es der Richtige ist. Köhler grinste und biss ihr ins OhrlÀppchen. Lisa stöhnte leise.
Sie war reif. Sollte er sie jetzt mit seinen StandardsprĂŒchen vollsĂŒlzen? ‘Spruch 1: ‘Als ich dich gesehen, war mir klar
.’ auf die Abschussrampe!’ Er besann sich.
“Entschuldigung, es kam so ĂŒber mich,” flĂŒsterte er in ihr Ohr.
Lisa sagte nichts. Sie hing wie ein Mehlsack in seinen Armen.
Was mache ich jetzt? Das kann ja heiter werden.
Er war froh, als der Tanz zu Ende war. Schweigend standen sie auf der TanzflĂ€che. Marta unterhielt sich angeregt mit dem Buchhaltertypen. Köhler schĂŒttelte den Kopf. Da kenne sich einer aus.
Im nĂ€chsten Tanz rief Chubby Checker ‘Let’s twist again!’ und Köhler nutzte die Chance. Wenn Lisa sich zurĂŒckbog, beugte er sich ĂŒber sie, bewunderte, wie sich die Bluse ĂŒber ihre opulenten BrĂŒste spannte. Köhler war unentschlossen. Sollte er, sollte er nicht?
Lieber nicht, dachte er, liess Lisa stehen und twistete wie ein rasender Derwisch an Marta und ihrem Buchhalter, an der glĂ€sernen Box mit dem DJ, an den tanzenden Paaren vorbei. ‘Is it a plane? Is it a bird? No it’s a Twister!’, Köhler landete wieder bei Lisa und twistete wild um sie herum.
Erschöpft setzten sie sich hin. Köhler wischte sich den Schweiss von der Stirn.
“Das hat geschlaucht.” Hastig trank er sein Bier aus und erhob sich.
“Ich muss los. Habe morgen einen strammen Tag vor mir. Einen schönen Abend noch.”
VerblĂŒfft sahen ihm die Beiden nach, als er sich davonmachte.
Die Dunkelheit der FussgĂ€ngerzone umarmte Köhler wie ein vertrauter Freund. Das hĂ€tte ins Auge gehen können: Lisa mit ihrem unglĂŒcklichen, verletzlichen LĂ€cheln, ihren braunen Augen, dunklen Haaren, ihrer Bombenfigur. WĂ€re er bei ihr hĂ€ngengeblieben, was wĂ€re dann aus ihm geworden? Überstunden Ade. Frauen glĂŒcklich machen, er hatte weiß Gott anderes zu tun.
Köhler holte den Wagen aus der Tiefgarage und fuhr auf die Hauptstrasse hinaus. Der Weg nach Hause fĂŒhrte ihn ĂŒber die Reeperbahn. Neonreklamen machten auf Strip-Schuppen, Discotheken und Spielhallen aufmerksam. Touristenpulks wĂ€lzten sich ĂŒber breite Gehsteige.
Köhler blickte auf die Uhr, ein Bier wĂŒrde er sich noch gönnen, parkte seinen Wagen in einer Seitenstrasse, ging zur SĂŒndigen Meile zurĂŒck. Nur langsam gewöhnten sich seine Augen an die Dunkelheit, als er in der Disco stand. Er hörte Otis Reddings Sittin’ on the Dock of the Bay. Einige PĂ€rchen schlurften halbvergessen ĂŒber die kleine TanzflĂ€che.
Köhler setzte sich auf einen der Barhocker. Er liebte die Klassiker. Mit Techno hatte er nichts am Hut. Robert, der Kellner mit dem Gaunergesicht, nahm ihm das Geld fĂŒrs Bier ab. Köhler wusste, bevor er ging, wĂŒrde Robert versuchen, ein zweites Mal zu kassieren.
Köhler wandte sich zur Seite. Zwei Hocker weiter sass ein MĂ€dchen und unterhielt sich mit dem Kellner. GrĂŒbchen in den Wangen, eine reizende Stupsnase, ein breit lĂ€chelnder Mund in einem von blonden Haaren umrahmten Gesicht liessen die schummrige Umgebung heller erscheinen. Gebannt blickte Köhler auf ihren engen, roten Pullover.
“Du wirst nicht glauben, was ich heute eingekauft habe.”
Sie holte eine PlastiktĂŒte vom Boden und schĂŒttete deren Inhalt auf der Theke aus.
“Hier sieh mal. Wie heisst das hier?” wandte sie sich an Köhler und reichte ihm die Flasche. Er hielt sie unters Licht und versuchte die Aufschrift zu entziffern:
“Naturals Shower Gel.”
“Und dies hier?” Das MĂ€dchen reichte ihm eine andere.
“Haiku Body Lotion”. Köhler schraubte die Flasche auf und roch daran. “Riecht gut”.
“Habe ich von meiner Avon Beraterin. Ich muss meinen Körper in Schuss halten. Komm wir tanzen mal.”
Geschmeidig glitt sie vom Hocker. Roger folgte ihr wie hypnotisiert. Was fuer eine Frau! Fast so gross wie er. Ein langsamer Song von Percy Sledge, sie legte ihre Arme um seinen Hals. Er spĂŒrte die Konturen ihres Körpers. Köhler atmete tief und presste sie an sich. Sie duftete angenehm, Haiku Body Lotion?
“Wie heisst du? Ich bin die Nana, muss gleich los. Kommst du mit?”
“Ich heisse Bernd. Aber ich kein Freier.”
Nana löste sich von ihm und blickte ihn wĂŒtend an. “Was hĂ€ltst du von mir, du Wichser! Denkst du, ich bin eine Nutte? Ich bin SchönheitstĂ€nzerin, du mĂŒde Pflaume!”
“Entschuldige bitte. Woher soll ich das wissen?”
“Na, das sieht man doch! Ich arbeite im Eden im Paradieshof. Kannst mitkommen, GetrĂ€nke gibt es umsonst.”
Köhler sagte nichts und versuchte sie wieder an sich zu ziehen.
Doch Nana wandte sich ab, verliess die TanzflĂ€che, ergriff ihre PlastiktĂŒte und ging auf den Ausgang zu. Köhler folgte ihr. Als er sah, wie Robert seinen Mund öffnete, grinste er: “Nix ist, Robert, ich habe schon bezahlt.”
Nana stöckelte in ihrem engen Pullover und den Designer Jeans neben ihm her und redete in einem fort, als sie in die Grosse Freiheit bogen.
“Dem letzten Mann, mit dem ich zusammen war, hatte ich einen Pierre Cardin Anzug und einen Ford Mustang geschenkt. Und du wirst es nicht glauben. Damit hat sich das Schwein aus dem Staub gemacht.
Es ist nicht weit,” meinte sie. ImbisslĂ€den wechselten sich mit Striptease-Schuppen ab. Nana kannte alle TĂŒrsteher mit Namen.
“Hier ist es.” Nana ging durch ein Portal, das in einen Hinterhof mĂŒndete. “Der Paradieshof. Und hier im Eden arbeite ich.”
Nach einer Weile konnte Köhler das Innere des Lokals erkennen. Er sah eine schwarze Schönheit, die sich auf einer winzigen BĂŒhne unter Verrenkungen entblĂ€tterte.
“Das ist Mary,” Nana deutete mit dem Kopf auf die BĂŒhne. “Ich muss mich jetzt umziehen, bin als nĂ€chste dran. Setze dich zu den Jungs am Eingang. Ich sage dem Chef Bescheid, dass die GetrĂ€nke fĂŒr dich auf Haus sind.”
Köhler blickte zu dem Tisch hinĂŒber. Dort sassen drei MĂ€nner, wie SchrĂ€nke, und schenkten sich die WhiskyglĂ€ser voll. Köhler setzte sich zu ihnen und stellte sich vor. Er erfuhr, die drei MĂ€nner waren Gewichtheber. Sie kannten den Besitzer des Lokals, trainierten mit ihm zusammen.
“Also, die Sache ist die,” meinte einer von ihnen. “Immer wenn hier jemand durch den Eingang kommt oder nur seinen Kopf durch den Vorhang steckt, dann sagen wir ‘Prima Show hier, die Frauen sind einfach Klasse’.
“O.K., kein Problem, das kann ich,” grinste Köhler. Doch dann hatte er nur Augen fĂŒr Nana, die nun auf der BĂŒhne erschien. Sie versenkte ihren Blick in seinen, als sie mit lasziven, aufreizenden Bewegungen ein KleidungsstĂŒck nach dem anderen ablegte. Wie hypnotisiert folgte Köhlers Blick ihren Bewegungen, glitt ihren fulminanten Körper entlang, der in seiner Pracht das elende Lokal zu einem Palast werden liess und landete wieder auf ihrem sĂŒssen, engelhaften Gesicht. Nana strahlte ihn an, nur ihn. Ihr LĂ€cheln drang in jede Faser seiner Seele, er war
jemand knuffte ihn in die Seite. Drei Personen waren in das Lokal gekommen.
“Tolle Show hier. Die Frauen sind einfach Klasse,” rief Köhler ihnen zu. Was Nana betrifft, stimmt das sogar, dachte Köhler und sah auf seine grinsenden Tischnachbarn, die ihm zuprosteten. Dann starrte er wieder auf die BĂŒhne.

TagsĂŒber sieht die Reeperbahn so verkommen aus, wie sie des Nachts ist. Die angrenzenden Strassen machen keinen besseren Eindruck. Kinder gehen auf dem Weg zur Schule an aufgereihten Prostituierten vorbei, die vor IntimwĂ€sche-, MusikgeschĂ€ften oder Kneipen auf Kundschaft warten. Hier fĂŒhrt Köhler jeden Tag den Pudel spazieren, wĂ€hrend Nana oben in der gemeinsamen Dreizimmerwohnung ihren Schönheitsschlaf hĂ€lt.
Dem BĂŒroleben hat er entsagt, und damit der Karriere. Er ists zufrieden, denn schliesslich hat er dort schon gelernt: Planung wird durch Abweichungen erst schön.

(c) Klaus Eylmann

Letzte Aktualisierung: 00.00.0000 - 00.00 Uhr
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