'paar Schoten - Geschichten aus'm Pott
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Mai 2002
Anders
von Gudula Goering


Niemand sah ihm an, dass er anders war.

Marc schaute zu Jessica und dachte bei sich, dass sie sch√∂n sei. Ihren Kopf hatte sie ein wenig gesenkt. Ihr langes, dunkles Haar fiel frei und verdeckte einen Teil ihrer ebenm√§√üigen Z√ľge. Die Augen waren zu Boden gesenkt. Sie schien in Gedanken und bemerkte den Anderen nicht.

Aber Marc hatte ihn schon längst gesehen! Wie er sich anschlich. Unauffällig, leise. Sich weiter vorarbeitete....
Er witterte die Gefahr.

Vorsichtig drängte Marc Jessica ein wenig zur Seite - an den Rand des Laufbands. Sie folgte willig, ohne dabei den Kopf zu heben. Dann stellte er sich fest auf beide Beine und schlug dem Anderen, der sie inzwischen erreicht hatte, mit gekonntem Schlag seitlich in die Nierengegend und warf ihn vom Band.

Er fiel zu Boden. Neben ihm schlug klirrend ein metallener Gegenstand auf. Marc hatte richtig gesehen: ein Messer! Wie antiquiert dachte er, als er sich umdrehte und dem Anderen mit einem eiskalten Blick fest in die Augen sah. Dann lächelte er ...

Gerade dieses L√§cheln war es, das Jessica so liebte! Sie war froh, dass sie sich gerade f√ľr dieses Modell entschieden hatte.

Die Gewalt in den öffentlichen Bereichen nahm Überhand. Kaum eine Frau traute sich noch allein hinaus. Doch Jessica liebte ihr eigenständiges Leben. Sie verdiente nicht schlecht.

Also entschloss sie sich, Robert aufzusuchen. ROBERTS BODY GUARDS! ...... treten Sie ein! ..... suchen Sie aus!

Der Verk√§ufer war sehr bem√ľht. Er f√ľhrte die einzelnen Modelle in gesonderten R√§umen vor. Jessica schaute genau hin. Wie reaktionsf√§hig und schnell waren sie? Mit welchen Methoden setzten sie den Gegner au√üer Gefecht? Wie verhielten sie sich ihr gegen√ľber? Konnte sie sich einen davon als st√§ndigen Begleiter vorstellen?

Und ihre Wahl fiel auf Marc5002XL.

Er lieferte eine wunderbare Show! Jessica war begeistert, wie er einen Gegner nach dem anderen, den der Verkäufer auf ihn hetzte, ausgesprochen einfallsreich aus dem Weg räumte: Messer, kleine Splitterbomben, Laserpistolen, Metallfäuste und anderes flogen nach und nach durch die Luft und schlugen auf dem Boden auf. Seine Lernfähigkeit faszinierte sie. Sie ließ zwei, drei Mal den gleichen Gegner auf ihn treffen... bei jedem Mal war seine Gegenwehr anders, effektiver und schneller.

Und dann stellte er sich vor sie und lächelte sie an!

Keines der anderen Modelle hatte dieses wahrhaft entwaffnende L√§cheln. Dabei brachte er es fertig, auch seine Augen ein wenig leuchten zu lassen... Sie wollte ihn sofort! ohne Lieferung gleich zum Mitnehmen! Genau dieses Exemplar, kein anderes, auch wenn der Verk√§ufer sie darauf hinwies, dass seine Kleidung ein wenig verschmutzt und zerrissen und ein Nagel an der linken Hand gespalten sei. Kleinigkeiten... sie suchte einen neuen Pullover, eine neue Hose und Unterw√§sche f√ľr ihn aus, die er vor ihren Augen anzog, so dass sie auch seine sonstigen Proportionen genau absch√§tzen konnte. Dann schaute sie den Finger seiner linken Hand an und meinte, daran w√ľrde sie ihn unter allen anderen seiner Fabrikationsreihe immer wieder erkennen. Und der Verk√§ufer lachte. Das Gesch√§ft war gemacht!

Marc kam gleich mit. Der Verk√§ufer hatte Jessica darauf hingewiesen, dass er zuallererst die Umgebung kennenlernen m√ľsse. Sie h√§tte die Aufgabe, sich m√∂glichst viel mit ihm in den √∂ffentlichen Bereichen zu bewegen, damit er sich zurecht finden und markante Stellen und Dinge einpr√§gen k√∂nne. Gerade die gesteigerte Lernf√§higkeit des Roboters w√§re einer seiner Vorz√ľge, die allerdings nicht von Anfang an Schutz b√∂ten. Jessica kaufte noch eine kleine Laserpistole f√ľr sich und verlie√ü dann das Gesch√§ft.

In den n√§chsten Wochen war sie viel unterwegs. An all den Orten, die sie sonst aufsuchen musste oder gern aufsuchte. Marc stellte sich auch in Gesellschaft als ein ausgesprochener Gentleman heraus. L√§stig waren allein die Stunden, da sie mit ihm in den Studios zu Routineuntersuchungen und zum Aufladen seines Energievorrats warten musste. Sie versch√∂nerte sich diese Aufenthalte, die jedes Vierteljahr anstanden, dadurch, dass sie neue Kleidung f√ľr Marc aussuchte - das einzige, was er immer wieder brauchte, neben neuer Energie. Schon gleich hatte der Verk√§ufer von ROBERTS BODY GUARDS auf die geringen Folgekosten hingewiesen.... Jessica war sehr zufrieden.

Sie mochte es, wenn Marc neben ihr im Bett lag, die Augen immer ge√∂ffnet, die Ohren immer gespitzt. Sie f√ľhlte sich sicher und besch√ľtzt. Ein wenig k√ľhl war sein K√∂rper, wenn sie sich an ihn schmiegte. Der Energievorrat wurde f√ľr die K√∂rpertemperatur nach M√∂glichkeit wenig angetastet. Sie legte sich sehr nah zu ihm und deckte ihn gut zu, so dass er durch sie mitgew√§rmt wurde.

Marc lernte und lernte. Er lernte auch die gemeinsamen Stunden nachts im Bett sehr zu schätzen! Seine Sensoren zeigten Jessicas Körperwärme an. Er mochte es, auf diese Weise von Außen ein wenig aufgeladen zu werden. Er lernte, seinen Arm unter ihren Kopf zu schieben und sie an sich zu ziehen, was sie zu mögen schien. Dann wurde es auch ihm immer wärmer. Er lächelte sie an, so oft sich das schickte. Behielt sie im Auge, wo immer das ging.

Und nun hatte er auf dem Laufband aus den Augenwinkeln gesehen, dass sie sch√∂n war! Ihre Z√ľge ebenm√§√üig. Ihr Haar gl√§nzend und dunkel. Und er sp√ľrte eine W√§rme, die er bisher nicht kannte. Sie kam von Innen, und er war verwundert. Jedoch nicht verwundert genug, den Anderen mit seinem Messer sich nicht anschleichen zu sehen.. ihn vom Band zu werfen und ihm einen eiskalten Blick zuzusenden... und dann zu l√§cheln!

Ein Lächeln, das Jessica von Anfang an liebte. Marc drehte sich um und schenkte es ihr!

© Gudula Goering

Letzte Aktualisierung: 00.00.0000 - 00.00 Uhr
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