Der himmelblaue Schmengeling
Der himmelblaue Schmengeling
Glück ist für jeden etwas anderes. Unter der Herausgeberschaft von Katharina Joanowitsch versuchen unsere Autoren 33 Annäherungen an diesen schwierigen Begriff.
mehr ... ] [ Verlagsprogramm ]
 SIE SIND HIER:   HOME » MITMACH-PROJEKT » SCHREIBAUFGABE » Christine Köck IMPRESSUM
NEWSLETTER
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

Jetzt anmelden! ]

UNSERE TOP-SEITEN
1.) Literatur-News-Ticker
2.) Leselust
3.) Forum
4.) Mitmach-Projekt
5.) Schreib-Lust-News 6.) Ausschreibungen 7.) Wettbewerbs-Tipps
Mai 2002
Die Strumpfhosenskala
von Christine Köck


Es gibt Menschen, die ihr Leben lang, ihre große Liebe suchen.
Mit 30 Jahren augenscheinlich aufgeben und den, eigentlich ja schon immer schon netten Arbeitskollegen, den man auf einem Betriebsausflug, nach reichlich alkoholtoxischen Einfluss, genauer kennengelernt hat, ehelichen.
Sich aber im Stillen immer noch nach ihrem strahlendem Prinzen sehnen, besonders dann, wenn die schmucke Krawatte dem Feinrippunterhemd gewichen ist.

Ich fand meine große Liebe im Alter von 8 Jahren.
Es war Robin Hood.
Ich sah ihn im Fernsehen und es war um mich geschehen.
Kein Mann in meinem Leben wird je das mit meinem Herzen anstellen, was Robin Hood getan hat.
Ich schrieb ihm glühende Liebesbriefe, in denen ich ihn bat mich mit nach ‚Scherwutt Forrest’ zu nehmen und er antwortete, dass ich erst die Schule beenden sollte. Sein Foto schnitt ich aus der Fernsehillustrierten, klebte es auf Pappe und stellte es auf meinen Nachttisch, zwischen meine Zahnspangendose und meinem Kuschellöwen.
Dass Robin und meine Mama sowohl eine sehr ähnliche Handschrift als auch auffallend ähnliche Ansichten über die Prioritäten in meinem Leben haben, war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst.

„Und wie es hier wieder aussieht!“
„Ach ja, und wie sieht es hier wieder aus? Dir fällt auch immer nur auf ‚wie es hier wieder aussieht’, wenn ich Besuch hatte!“
Dabei äffte ich Simons Tonfall nach und stemmte meine Hände in die Hüften.
„Jetzt plustere Dich doch nicht so künstlich auf.“
Das reichte!
Ich warf ihm einen tödlichen Blick zu und drehte mich auf dem Absatz um.
Nach einem besonders fiesen Streit verstecke ich mich immer im Keller.
Ganz früher habe ich meine Habseligkeiten in meine Handtasche geworfen und bin in meine Studentenbude gefahren. Dann bin ich irgendwann dazu übergegangen einfach einen langen Spaziergang zu machen. Mittlerweile, nach 20 Ehejahren, setze mich auf den kaputten ausrangierten Klappstuhl ohne Lehne in unseren Keller und wühle ein bisschen in alten Pappkartons.
Und hinter meinem alten Kuschellöwen, dessen Mähne sehr verstaubt und angefressen aussah habe ich es dann gefunden.
Das Foto meiner großen Liebe.
Robin Hood.
Eigentlich ja Errol Flynn, der sich mit seinen kleinen Bärtchen und einer grünen engen Strumpfhose von Baum zu Baum schwingt.
Ich gehe wieder nach oben und treffe Simon dabei an, wie er Kaffeegeschirr in die Spülmaschine räumt.
Ich ziehe in auf einen Küchenstuhl und erzähle ihm die Geschichte seines größten Konkurrenten.
Er lacht.
Für dieses Lachen liebe ich ihn so. Und ich kuschel mich noch ein bisschen dichter an sein Feinrippunterhemd.

(c) Christine Köck

Letzte Aktualisierung: 00.00.0000 - 00.00 Uhr
Dieser Text enthält 2579 Zeichen.

Druckversion

 LINKTIPPS: Naturwaren Diese Website wird unterstützt von:

www.mswaltrop.de
Copyright © 2006 - 2019 by Schreiblust-Verlag - Alle Rechte vorbehalten.