Madrigal für einen Mörder
Madrigal für einen Mörder
Ein Krimi muss nicht immer mit Erscheinen des Kommissars am Tatort beginnen. Dass es auch anders geht beweisen die Autoren mit ihren Kurzkrimis in diesem Buch.
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Juni 2002
Hartheu
von Michael Jordan


Eigentlich bin ich ein Schweraufsteher. Heute jedoch fiel mir das Aufstehen leicht. Grund dafür war ein Traum, in dem mir eine Frau erschienen war.
Ich lag in meinem Bett, sie stand erst etwas von mir entfernt, kam dann langsam auf mich zu, - sehr langsam.
Pechschwarze Haare fielen ihr bis auf die Hüften und durch ihr Nachtgewand schimmerte das dunkle Rot ihrer Brustwarzen hindurch. Schließlich stand die Frau direkt neben mir und ich hatte ihr wunderschönes Gesicht vor Augen. Ihre Haut war makellos und sehr hell. Mit ihren leuchtend blauen Augen schaute sie zu mir herab. Sie hatte eine kleine Nase und einen roten, vollen Mund mit zwei kleinen Grübchen an den Seiten. Ihre Mundwinkel zogen sich zu einem Lächeln nach oben. Sie bewegte einen ihrer Arme und näherte sich mit ihrer Hand meinem Gesicht. Als ihre zarten Finger meine Wangen berührten, wurde ich wach. Leider.
Endlich einmal wieder ein angenehmer Traum, wenn auch viel zu kurz. So konnte ich gut gelaunt zur Arbeit gehen und mit meiner Laune sogar die sonst etwas muffeligeren Kollegen anstecken. Der Tag verrann wie im Fluge; schließlich war es Abend geworden.
Ich traf mich mit meiner Freundin Lydia in einem Café. Meine immer noch anhaltende Stimmung ging auch an ihr nicht spurlos vorbei.
Ich erzählte ihr von meinem Traum, leicht verändert, um sie nicht eifersüchtig zu machen.
"Und Thomas, - war sie so vor deinem Gesicht?" fragte sie kichernd, während sich unsere Lippen fast berührten.
Ich küsste sie, anstatt ihr eine Antwort auf die Frage zu geben. Und so dicht war die „Traumfrau“ mir ja auch nicht gewesen.
Wir saßen noch bis kurz vor Mitternacht in dem Café. Lydia hatte etwas zuviel Wein getrunken, so dass ich sie besser nach Hause fuhr, wo meine Freundin sicherlich sofort in Tiefschlaf fiel. Immerhin schaffte sie es noch, sich mit mir für den nächsten Abend zu verabreden. Und ich hoffte, dass ihr Gedächtnis ihr keinen Streich spielte...
Auch ich begab mich nach Hause, duschte mich und ging gleich darauf mit Lydias Bild vor Augen und einem Grinsen ins Bett. Doch auch in dieser Nacht erschien mir die Gestalt aus dem gestrigen Traum. Das Bild meiner Freundin, das ich mit in den Schlaf genommen hatte, wurde immer undeutlicher und an Stelle ihrer erschien mir die Frau wieder.
Sie stand zuerst regungslos am anderen Ende des Raumes, sah mir in die Augen. Nachdem sie eine Weile so ganz still gestanden hatte, begann sie ihren Körper wie zu lautloser Musik zu bewegen. Dabei kreisten fast unmerklich ihre Hüften und sie ging dabei ruhigen Schrittes auf mich zu. Ihre Hände glitten seitlich an ihrem Gewand entlang, - sie straffte es über ihren Brüsten, die sich dadurch deutlich abzeichneten, beließ eine ihrer Hände dort, um ihre Brüste mit den Fingern zu umspielen, fuhr mit der anderen Hand ihren Körper hinunter, über ihre Hüften, zwischen ihre Beine, wo sie verharrte um auch dort ihr Spiel zu vollführen.
Sie hatte sich mir indes so weit genähert, dass ich glaubte, ihren Geruch zu verspüren. Meine Hand glitt automatisch unter die Bettdecke; alles in mir schien explodieren zu wollen.
Während sie sich weiter unter meinen Blicken zwischen den Beinen rieb, zog sie Zentimeter um Zentimeter ihr Gewand in die Höhe. So stand sie nun an der Kopfseite meines Bettes dicht neben mir, begann sich weiter zu entblößen während ich nicht mehr an mich halten konnte, die Frau jedoch nicht berührte.
Nachdem sie ihr Gewand bis über die Knie gezogen hatte, stellte sie einen ihrer Füße auf die Bettkante. In diesem Moment bäumte sich mein Körper unter wohligem Stöhnen auf.
Sie bemerkte diesen kurzen Augenblick, als ich vor Wonne die Augen schließen musste, stellte ihren Fuß zurück auf den Boden und ließ das Gewand wieder hinabgleiten.
Sie beugte sich über mich, gab mir einen Kuss und verschwand.
Ich erwachte schweißgebadet, war einen Moment irritiert und lief dann ins Bad. Dort befreite ich mich von dem Überbleibsel meiner lustvollen Begegnung. Ich konnte nur noch den Kopf schütteln, ob meiner ausartenden Fantasie. Zurück im Bett schlief ich sofort ein und wurde erst wieder durch meinen gnadenlosen Wecker zur Ordnung gerufen.
Dieser Arbeitstag verlief dann weitestgehend wie der letzte. Nach der Arbeit fuhr ich kurz nach Hause und anschließend zu Lydia.
"Na, nachts wieder fremd gegangen mein Unersättlicher?" fragte sie neckisch.
"Nein," log ich diesmal, "das wäre dann doch zuviel des Guten!"
Sie hatte meine kleine ironische Anspielung wohl richtig verstanden, denn sie streckte mir wortlos die Zunge entgegen.
Wir beschlossen den Abend bei ihr zu verbringen, gingen in die Küche um etwas zu kochen.
Nach dem Essen sahen wir uns noch aneinandergekuschelt auf ihrer Couch einen Krimi im Fernsehen an und gingen dann ins Bett. Sie drehte sich zu mir und griff, wie es so ihre spontane Art war, blitzschnell in meine Shorts. Sie brauchte nicht lange bis sie meine Erregung in ihrer Hand spüren konnte.
„Scheint mir sehr real zu sein...“ meinte sie kichernd.
Ich legte mein Gesicht auf ihre Schulter und begann ihren Hals zu liebkosen, derweil sie geschickt unserer beider Kleidung auszog.
Schließlich lagen unsere nackten Körper eng aneinandergepresst. Ohne ihr Küssen zu beenden drehte sie sich auf mich herauf, hob noch einmal ihr Becken und ließ ihn in sich gleiten. Wir zogen unser Liebesspiel genüsslich in die Länge, blieben danach noch einen Moment vereint, lösten uns jedoch bald voneinander und schliefen erschöpft ein.
Ich musste noch nicht lange geschlafen haben, als ich wieder durch eine Bewegung erwachte. Zuerst dachte ich, dass Lydia wach geworden wäre, erneute Lust verspürte und mich durch ihr streicheln zu wecken und zu erregen versuchte. Doch ich vernahm ihr rhythmisches Atmen und ein Blick zur Seite offenbarte mir die Umrisse ihres mir abgewandten Körpers.
Mir war, als drückte sanft eine Handfläche gegen meinen Brustkorb; ich ließ sie gewähren, einen weiteren Traum erwartend. Der einen Hand folgte die zweite, - beide kreisten massierend auf meinen Bauch. Plötzlich hatte ich das Gefühl, als drücke sich ein weicher, feuchter Schwamm gegen meinen Körper, der sich langsam hinabsaugte, währenddessen die Hände meinen Lendenbereich streichelten. Dieser "Schwamm" begann zu rotieren und erregte mich aufs Neue.
Mein Herz raste ob dieser Liebkosungen, die so sanft und eindringlich waren, dass ich ihnen keinen Einhalt gebieten konnte. Ich fühlte, wie sich beide Hände weiter hinab arbeiteten. Die eine ließ meine Erregung wachsen, die andere umschloss meine Hoden und begann sie zu drücken, wie ich es nie zuvor erlebt hatte.
Ich nahm eine Seite der Bettdecke und schlug sie vorsichtig zurück.
Da lag sie, die Frau in meinen Träumen, mir zugewandt mit dem Kopf auf meinem Bauch liegend und lächelte mich an. Sie drehte ihren Kopf von mir weg und bestrich mich mit ihrer Zunge.
Ich legte instinktiv meine beiden Hände auf ihren Hinterkopf und streichelte darüber.
Ihr Streicheln und Reiben waren so geschickt, dass sie nur wenige Augenblicke brauchte, um mich zum Höhepunkt zu bringen.
Doch meiner Lust folgte das unangenehme Gefühl, dass mir keine Pause gegeben wurde.
Sie küsste mich, rieb und streichelte unversehens weiter, doch es verursachte keinen Schmerz, wie ich es erwartet hatte. Ein unangenehmes Gefühl vielleicht, was sich aber schnell in Lust wandelte. Die Frau unterbrach ihre Bewegungen, löste sich von meinen Lippen und hob das Gesicht. Ihre Finger umspielten meinen Mund, ihr Körper streckte sich, schon saß sie wieder auf mir. Sie legte mir eine ihrer harten, erregten Brustwarzen auf den Mund, die ich küsste und an der ich automatisch sog.
Unmerklich hatten die Bewegungen ihres Beckens wieder eingesetzt.
Ich konnte nicht mehr. Es war für mich unverständlich, wie es ihr gelang, mich derart erregt zu halten.
Nun übermannte mich doch leichter Schmerz. Ich griff nach ihren Schultern und deutete ihr durch leichtes Kneifen an, dass sie innehalten solle, beschwor das Ende dieses unwirklichen Traumes.
Doch sie schien wie in Ekstase, bewegte sich lustvoll weiter auf mir.
Gleichzeitig mit meiner Lust steigerte sich mein Schmerz, der unweigerlich mit meinem Orgasmus seinen Höhepunkt erreichen musste.
Ich kniff sie ein weiteres Mal in die Schultern, diesmal jedoch stärker als zuvor. Sie reagierte nicht, sondern verstärkte ihr Bestreben.
Ich begann an ihr zu rütteln, mich ihrer Umklammerung zu entziehen zu versuchen, doch es war ein sinnloses Unterfangen. So richtete ich mich so gut es eben ging auf und versetzte ihr gleichzeitig einen Stoß.
Durch diese unerwartete Bewegung glitt ich aus ihr heraus und der Traum schien vorbei.
"Was ist denn, Thomas?" murmelte eine Stimme neben mir.
Meine Freundin war erwacht.
"Nein, - sei nicht böse, ich bin todmüde!" sagte sie sich die Augen reibend.
Doch mein aufgerichteter Körper schien sie zu irritieren; sie drehte sich auf den Rücken, machte dabei das Licht an und war wegen meines Anblicks erschrocken.
Schweißgebadet und in diesem See aus Körperflüssigkeiten musste ich ein Bild des Schreckens sein.
"Was ist denn mit dir los?" fragte sie und schaute an mir herunter.
Ich war übersät mit rötlich, violetten Stellen.
"Nein?!" sprach sie weiter und ließ mich erahnen das sie dachte, ich hätte mir selbst Erleichterung verschafft.
"Du hättest mich wecken können..." sagte sie nur kurz und vorwurfsvoll, meinte es wohl ironisch, weiter an mir herabschauend.
Ich brauchte noch einige Zeit, bis ich mich wieder gefasst hatte und begann ihr alles so zu erzählen, wie es tatsächlich seit dem ersten Traum mit dieser Frau geschehen war.
"Das ist unglaublich!" meinte sie. "Und," fuhr sie fort "wenn es mir ein anderer erzählt hätte, so hätte ich ihn ausgelacht!"
"Das ist kein normaler Traum." sagte ich leise mehr zu mir selbst, als zu ihr.
"Was sollen wir nur tun?" fragte sie mich.
"Ich weiß es auch nicht!" erwiderte ich nur.
"Lass uns heute nicht zur Arbeit gehen. "Wir werden versuchen irgendeinen Zusammenhang zu finden, irgendeinen Hinweis, was mit dir passiert."
Sie lehnte sich bei ihren Worten an mich zurück und wischte mir dabei mit einem Tuch über den Körper um ihn zu trocknen. Und ich wusste, dass sie mit "Zusammenhang" auch an einen Arzt dachte...
Ich schlief bald erschöpft wieder ein.
Sie saß in der Zeit meines Schlafes wach neben mir im Bett und weckte mich, nachdem ich einige Stunden ausgeruht hatte.
Ich hatte mich etwas erholt, fühlte mich dennoch innerlich schlapp.
Wir duschten, frühstückten und machten uns dann auf den Weg, nachdem wir uns dazu entschieden hatten logisch an die Sache heranzugehen.
"Lass uns in die neue Bibliothek gehen!" sagte sie.
Ihr Vorschlag gefiel mir und wir begaben uns dorthin.
Wir sahen uns in der Abteilung um, die alles im Zusammenhang mit Träumen aufführte.
Doch die Auswahl war riesig und die Wahrscheinlichkeit, etwas zu finden was uns helfen könnte, war gering.
Wir hofften, dass das Computerzeitalter wirklich gesegnet war und begaben uns an ein Terminal, - für uns eine Neuerung in einer Bibliothek.
Überraschend schnell kamen wir nach der Eingabe einiger Schlüsselwörter zu einem Ergebnis. Doch wir waren unsicher ob dieses Ergebnisses, notierten uns die entsprechenden Buchnummern und besorgten uns die Bücher.
Die Ergebnisse wurden uns auch hier nur bestätigt. Über das, was wir lesen mussten, waren wir sehr erschrocken. Unter anderem stand dort:

Sukkubus (Lat. Darunterliegende) ist eine weniger bekannte europäische Vampirart. Ihr Weg, sich zu ernähren, ist Sex mit dem Opfer zu haben, bei dem dieses erschöpft wird. Die Sukkubus ernährt sich dabei von den frei gesetzten Energien. Oft besuchen sie das selbe Opfer mehrmals, wobei dieses die Besuche als Träume erlebt.

Unbewusst hatte ich bereits an die Vorläufer beginnenden Irrsinns in mir gedacht. Sollte ich von einem vampirähnlichen Wesen befallen sein, was mich in mir gefälliger Form verführte, um sich von der "Energie" des sich daraus ergebenen Sex zu ernähren? War dies die bessere Möglichkeit, - ein Geisterwesen statt Wahnvorstellungen? Ich zerschlug meinen Kuckucksnest" -Gedanken und las konzentriert weiter. Lediglich eine einzige Möglichkeit, sich des Sukkubus zu erwehren, konnten wir dabei entdecken.
"Hartheu" hieß eine Pflanze, die wir letztlich als Johanniskraut identifizieren konnten.
Johanniskraut...
Hatten wir schon tausend Mal gesehen. Als Tee, in kleinen Kapseln,...
Wir verließen die Bibliothek und begannen eine weitere Odyssee, - diese Pflanze zu bekommen. Doch unsere Anstrengungen wurden belohnt, wenn auch erst durch Zufall nach langem Suchen, und wir kehrten mit zwei Taschen voll davon zurück nach Hause.
"Ich werde wachen, wenn du schläfst!" sagte sie mir leise ins Ohr, nachdem wir die Pflanzen im Zimmer und speziell rund um das Bett platziert hatten.
Ich zog sie zu mir und lehnte mich an ihr Gesicht. So saßen wir da, bis mich schließlich Müdigkeit überkam, von der ich dachte, sie würde vor meiner Aufgeregtheit zurückschrecken.
Wir begaben uns ins Bett.
Eine erneute Stunde durfte es dann noch gedauert haben, bis ich einschlief. Von einer Sekunde auf die andere stand die Frau wieder vor mir und zog mich sofort in ihren Bann.
Meine Freundin konnte ich nicht mehr sehen, hoffte aber, dass sie erkennen würde, wann ich ihrer Hilfe bedurfte. So wie dies Wesen bei unseren vergangenen Malen stets in ein Nachtgewand gekleidet war, trug sie heute nichts über ihrer hellen Haut. Sie stand wieder neben mir am Kopfende des Bettes und lächelte auf mich herab. Und diesmal war ich mir sicher, ihren Körper riechen zu können. So süß und verlockend drang der Geruch in meine Nase, dass ich mich hätte sofort vergessen können.
Sie bemerkte meine Gier und trat lächelnd noch etwas näher an mich heran.
Wieder setzte sie einen ihrer Füße neben mein Gesicht und mein verklärter Geist heuchelte mir vor, ihr hohes Maß an Erregung sehen zu können.
Sie schwang ihr Bein weiter herum, setze sich auf meinen Brustkorb, wo sie begann in kleinen Bewegungen hin und her zu rutschen.
Mein Atem schlug ihr zwischen die Schenkel und ich bemerkte, dass sich die Spur ihrer Lust dabei kühl auf meiner Brust bemerkbar machte.
Lydia beobachtete die ganze Zeit Thomas, hatte aber bisher nichts Ungewöhnliches bemerken können.
Das Einzige, was sie bemerkt hatte war, dass sein Atem schneller geworden war.
Er schob seinen Kopf nach vorne, seine Nasenflügel bebten, als wolle er an irgendetwas riechen, und begann schmatzende Geräusche von sich zu geben. Er schien sich über die Lippen zu lecken, in gleichem Maße wie er begann, nur noch durch seine Nase zu atmen, aus seinem Mund nur noch knurrende Laute zu geben und sich in leichtem Stöhnen zu ergehen. Aber da war kein Wesen. Niemand war zu sehen und Lydia zweifelte einen Moment daran, dass solche Wesen überhaupt existierten. War Thomas vielleicht doch gestört? Das Erste was ihr eingefallen war, als er es ihr erzählte. Hatten ihm seine Sinne einen Streich gespielt? War er überarbeitet, gestresst? War es ihm peinlich, dass sie ihn so sehen musste, wie in der letzten Nacht, in der er vielleicht doch nicht an sich halten konnte und es sich selbst besorgt hatte?
Verdammt, sie wollte ihm ja glauben, aber alles was sie sah, war ein keuchender Mann mit einem erigierten Schwanz.
Sie griff ihm auf die Schulter und begann ihn zu schütteln.
"Wach auf!", rief sie ihn an.
"Wach auf!" Doch er begann sich nur noch mehr zu winden.
Sie nahm die andere Hand zur Hilfe und schüttelte ihn noch einmal kräftiger.
Thomas Körper wand sich indes heftiger und durch seine Nase schien er keine Luft mehr bekommen zu können. Sein Mund hingegen war zwar offen, seine Zunge vollführte ein wildes Zucken, - allein das Atmen schien ihm nicht zu gelingen.
Was war mit diesem Johanniskraut? Sollte es nicht eine abschreckende Wirkung haben?
Sie griff neben das Bett nach einer dieser Pflanzen, überlegte kurz und stopfte es aus ihrer Hilflosigkeit heraus in seinen Mund. Nach einem Moment schien es ihr, als könne er wieder Luft bekommen. So griff sie sich eine weitere Pflanze und bedeckte damit seine Erektion, nahm weitere Pflanzen um damit seinen Körper abzureiben.
Sie spürte unmittelbar darauf, dass sich etwas veränderte.
Tränen liefen ihr nun über die Wangen, Tränen der Hilflosigkeit, ihrem Freund nicht helfen zu können. Der kurze Gedanke an Hysterie streifte sie und sie betete zu Gott, dass sie nicht völlig die Beherrschung verlieren würde. So legte sie ohne Unterlass weiter das Hartheu auf seinen Körper, welches durch seine Bewegungen ständig den Kontakt mit seinem Körper verlor. Es schien ihr unglaublich, und doch konnte sie langsam die Schemen eines Körpers erkennen. Die Schemen des Frauenkörpers, den ihr Thomas beschrieben hatte. Eines nackten Frauenkörpers, der auf dem Gesicht ihres Freundes saß und ihm offensichtlich die Luft zum atmen nahm., während ihre Hände über Thomas Körper rieben und sie mit bösem Blick in Lydias Richtung sah.
Sie war einen Moment wie erstarrt und der Körper der Frau schien ebenso einen Augenblick inne zu halten.
Es war ein bizarres Bild. Die Frau hielt mit ihrer Rechten immer noch die Erektion ihres Freundes aufrecht, ließ sich nicht davon abbringen, weiter zu reiben und Lydia dabei kalt in die Augen zu schauen.
Lydia überwand ihren Schrecken, griff sich eine der Pflanzen und stürzte in Richtung des Wesens. Dieses fauchte sie an, die Augenfarbe änderte sich dabei schlagartig in ein dunkles rot und ihr Gesicht verzerrte sich zu einer Grimasse.
Lydia bekam das Wesen am Hals zu fassen, drückte es mit ihrem ganzen Gewicht nach hinten.
So lagen beide schließlich quer über Thomas.
Das Wesen versuchte mit einer Hand die Angriffe abzuwehren, mit der anderen Hand weiter an ihm zu reiben.
Lydia drückte den Ellenbogen ihres linken Armes gegen die Kehle des Wesens, welches noch lauter fauchte und nun gar nicht mehr verführerisch aussah.
Die Feinheit ihrer Haut war einer Art dunklem Leder gewichen. Der gerade noch vollkommene Körper war nun spindeldürr und muskulös. Unter den roten Augen befanden sich anstelle der Nase zwei tiefe Höhlen, ihr voller Mund war schmal geworden und gab den Blick auf eine Reihe scharfer Zähne frei.
Mit der anderen Hand, in der Lydia noch immer die Pflanze hielt, fuhr sie in das Gesicht des Wesens, presste sie gegen ihren Mund.
Unter beiden wand sich ihr Freund, laut stöhnend und mit zuckendem Körper, so als ob das Wesen gleich ihr Werk vollendet hätte.
Lydia packte der Mut der Verzweiflung.
Die Bücher hatten nicht gelogen. Ihr wurde klar, dass ein weiterer erstohlener Orgasmus von ihrem Freund diesem Vampirwesen zusätzliche Kraft geben würde. Und das Wesen würde dann ihre zweite Hand und all ihre Konzentration benutzen können um sie abzuwehren.
Mit dem nächsten Fauchen gelang es Lydia, dem Wesen die Pflanze in den Mund zu stecken, wobei sie sich an den scharfen, spitzen Zähnen die Haut aufritzte.
Es begann sich zu schütteln und zu knurren, warf sich plötzlich auf die Seite und zog Lydia dabei mit sich. Sie kamen auf dem Bauch von Thomas zu liegen und Lydia nahm ihre freie Hand, um den klammernden Griff des unheimlichen Wesens an ihrem Freund zu lösen.
Der stöhnte lauter und in kürzeren Abständen, als sich Lydia kurzentschlossen noch eine Pflanze griff und sie abermals in den Mund des Wesens steckte.
Das Knurren und Fauchen hatte sich bis zu einem ohrenbetäubenden Schreien gesteigert.
Mit weit aufgerissenem Maul bäumte sich das Vampirwesen empor.
Ihre ledrige Haut platzte an unzähligen Stellen auf und heraus quoll eine bläulich schimmernde, zähe Masse.
Unter dieser Haut glaubte Lydia Bewegungen wahrnehmen zu können, so wie sich der Sand am Strand bewegen muss, wenn sich dicht unter seiner Oberfläche ein Tier seinen Weg sucht.
Es gab ein lautes Knallen, als die restlichen Eiterpusteln des Monsters auf einen Schlag zerplatzten.
Lydia hatte es geschafft, die Klaue von ihrem Freund zu lösen, das Monster zu besiegen.
Das Monster war verschwunden und hatte eine eitrig-blutige Pfütze hinterlassen.
Lydia fühlte, wie sie jemand am Hinterkopf berührte.
"Es ist vorbei!" hörte sie Thomas sagen und Tränen der Erleichterung quollen ihr aus den Augen.
„Thomas ist in Ordnung!“ dachte sie erleichtert und flüsterte ebenfalls, aber sehr viel leiser:
"Ja, es ist vorbei...!"
Doch sie sah, wie ihre Tränen herabfielen. Herabfielen auf die Wunde, die ihr dieses Vampirwesen beigebracht hatte.

(c) Michael Jordan

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