'paar Schoten - Geschichten aus'm Pott
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Das Ruhrgebiet ist etwas besonderes, weil zwischen Dortmund und Duisburg, zwischen Marl und Witten ganz besondere Menschen leben. Wir haben diesem Geist nachgesp├╝rt.
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Juni 2002
...w├Ąhle 666
von Udo Ahrens


W├Ąhle 666, unter dieser Nummer verrichten wir Dienstleistungen.
Und zwar jeglicher Art, wir verf├╝gen auch ├╝ber Referenzen, nur wird keiner unserer Kunden gerne Auskunft geben. Wir sind einfach zu gut.
Nehmen wir Hubert, nicht nur, das er seinen Namen hasst, nein, auch s├Ąmtliche k├Ârperliche Bewegung widerstrebte bisher seinem nat├╝rlichen Wesen.
Aber genau diese Leute landen eher fr├╝her als sp├Ąter bei uns, Gem├╝tsmenschen solcher Art geh├Âren zu unserer Klientel.
- Wieder nur die ├╝bliche Werbung -, werden sie jetzt denken, aber bedenken sie doch, wir sind ein ganz alteingesessenes Unternehmen. Also nehmen sie sich die Zeit, und lassen sich ruhig von mir pers├Ânlich unsere Produkte und Zahlungsm├Âglichkeiten vorstellen.
Kehren wir nun zu Hubert zur├╝ck, ich erz├Ąhle ihnen, wie wir sein Leben angenehmer gestalten und wie ├╝beraus zufrieden er doch mit uns ist.
Hubert lag gern bequem auf dem Sofa, am liebsten den ganzen Tag bis in die Nacht, lieber noch bis zum fr├╝hen Morgen, wenn das TV ÔÇô Programm danach wahr. Das war eines nachts besonders schlecht, jede Menge Soap-Operas, Wiederholungen vom fr├╝hen Morgen und dazu die ewigen Quassel-Sendungen vom sp├Ąten Nachmittag. Wir sahen von selbst ein, das mussten wir ├Ąndern, also schalteten wir unsere Werbung dazwischen, die ansonsten immer l├Ąuft, zwischen 24.00 und 0.00 Uhr. Darin wird vorgestellt unser Slogan: W├Ąhl die Zw├Âlf, die Dr├Âlf und dreimal die Sechs, dein Leben fluppt fortan wie verhext. Sauberer Satz, nicht! Das merkte auch Hubert, der es nicht schaffte, mit seinen wundgelegenen Hintern den Weg vom Sofa ins Bett zu schaffen; also griff er zum Telefon und rief uns an. Er erkl├Ąrte unserer netten Call-Assistentin sein Problem. F├╝r die Nacht w├╝nschte er z├╝nftigerweise einen Horrorfilm zu sehen, und da wir mitdenken, fragten wir, ob es jemanden g├Ąbe, den er ganz besonders nicht leiden mochte. ÔÇô Aber ja, den gibt es, meinen Chef, oder eher noch die ganze Firma -, sagte er. Nun, kein Problem f├╝r uns, er bekam seinen Horrorfilm zu sehen. Als Darsteller nahmen wir gleich die Belegschaft des Unternehmens, bei dem er besch├Ąftigt war. Sie wurden alle blutig dahin gemeuchelt, bis keiner mehr ├╝brig war; das brachte ihm zwar als einzigen ├ťberlebenden einige Zeit in Untersuchungshaft, daf├╝r hatte Hubert aber vorerst ein beschauliches Leben ohne viel Stress. Ja, oder nicht! Sind wir nicht Top in Preis und Leistung?
Sie k├Ânnen sich nun nat├╝rlich leicht vorstellen, das Hubert auf unsere Angebote nicht mehr verzichten wollte, so dauerte es nur ein paar Tage ( nach seiner Haftentlassung, versteht sich), als er erneut bei uns anrief. Das Arbeitsamt hatte ihm geraten, eine neue Arbeit anzunehmen, und mal unter uns gesagt: wer will das schon; Hubert fand diese Idee auf jeden Fall gar nicht sch├Ân. Er bat uns verzweifelt um Rat. Wir schlugen vor, ihm einen gr├Â├čeren Kredit einzur├Ąumen, in der Richtung, jeden Tag die Taschen voller Geld. Ganz aufgeregt lehnte er zun├Ąchst ab, - es gibt Leute, die haben sich mit Krediten um Kopf und Kragen gebracht. - Aber, aber, - beruhigten wir ihn -, einen Finger oder wahlweise einen Zeh f├╝r jeden angebrochenen Tausender, der aus irgendeinem Grund nicht rechtzeitig zur├╝ckgezahlt werden k├Ânne, damit w├╝rden wir uns begn├╝gen. Was soll ich viel sagen, es war ihm recht. Das er nach kurzer Zeit nicht mehr recht wusste, wie er sein Gleichgewicht auf den F├╝ssen halten sollte, war ein geringf├╝giger Nebeneffekt, der ihn eigentlich nicht gro├čartig weiter st├Âren sollte, er lag ja eh meist auf dem Sofa, und au├čerdem hatte er ja noch seine Finger; die uns sehr am Herzen lagen, soviel darf ich ihnen verraten. Zuviel Geld macht auf die Dauer nur wieder Langeweile, das erfuhr auch Hubert, er brauchte sich deshalb Gott sei dank keine Sorgen machen: er hatte ja uns, und wir k├╝mmern uns um die Probleme unserer Kunden, wie sie sicherlich diesen Zeilen bereits entnehmen konnten. Aber das ist nur ein kleiner Teil unserer Leistungen, das k├Ânnen sie mal glauben, auch Hubert wandte sich vertrauensvoll erneut an uns mit der Bitte um Rat. Er erkl├Ąrte uns, das ihm das Gehen Schwierigkeiten bereite, und ob wir nicht eine Besch├Ąftigung w├╝ssten, die sein Leben ausf├╝llen k├Ânnte, ohne gleich in Schufterei auszuarten. - Wie w├Ąre es, wenn sie etwas hinaus k├Ąmen aus ihrem Heim, wenn ihnen das Gehen schwer f├Ąllt, ein Fahrzeug w├╝rde die Fortbewegung schon ├╝bernehmen, das w├Ąre doch die L├Âsung! Mit diesen Worten wollten wir ihm Mut zusprechen, zuerst zierte er sich noch, was uns eigentlich unverst├Ąndlich war, - welche Bezahlung wir den vorschlugen -, fragte er mit leiser, aber gefasster Stimme. ÔÇô Ach, Hubert, wer redet denn von Bezahlung, die Lebensfreude unserer Kunden steht im Vordergrund ÔÇô, weiter sagten wir ihm, ├╝ber unseren Lohn solle er sich mal keine Gedanken machen; wir gaben ihm ein Fahrzeug, klotzen, nicht kleckern ist unsere Devise; deshalb stellten wir ihm einen Vierzig Tonnen Sattelzug und sendeten ihm einen F├╝hrerschein der Klasse II ins Haus (bei uns l├Ąuft das ganz unb├╝rokratisch und ohne l├Ąstige Pr├╝fung ab). Beladen haben wir das vielr├Ądrige Monstrum mit Sonnen├Âl f├╝r den deutschen Sommer, - er solle das Land bereisen, die sch├Ânen Gegenden schauen und nur ab und zu das Fenster herunter kurbeln, damit man ihn an Superm├Ąrkten verstehen k├Ânne, wenn er unsere Ware anpreist. Gesagt, getan, wir machten selbst aus so einem wie Hubert einen Mann der Tat. Wir m├Âchten uns nicht ├╝ber den gr├╝nen Klee loben, obwohl, verdient h├Ątten wir es. Hubert war ├╝bergl├╝cklich, kein Wunder, wir kennen eigentlich nur zufriedene Kunden. Er fuhr also durchs Land, entstandene Sch├Ąden regelten wir prompt und diskret, ja, gewannen dabei sogar den einen oder anderen Neukunden, jeder hatte etwas von Huberts neuem Gl├╝ck; besonders die Verbraucher unseres Sonnen├Âls! Das Zeug war so gut, das es je nach Hauttyp das l├Ąstige Organ Haut stellenweise oder gar ganz herunter ├Ątzte; das ist doch was, oder! Sie m├╝ssen zugeben, das kann noch l├Ąngs nicht jedes Sonnen├Âl, unsere Produkte sind eben unschlagbar, und das zu einem Preis! Wir wollen schauen, was Hubert gerade macht. ÔÇô Aber Hubert, Huuuberrrt. Mir scheint, er befindet sich gerade auf der Flucht, sein nagelneuer LKW wird verfolgt von einer Meute Blaulicht. Er h├Ątte doch vorher mit uns sprechen k├Ânnen, wir h├Ątten sicherlich auch daf├╝r einen Rat gewusst. Wo ich gerade auf den PC ÔÇô Monitor schaue, der die monatlichen Abrechnungen mit unseren Nutzern anzeigt. Wissen Sie, auch bei einem gut gef├╝hrten Unternehmen wie das unsere schleichen sich manchmal kleine Fehler ein. Ich sehe gerade, Hubert muss f├╝r die Ware mit seinen Armen und Beinen eine B├╝rgschaft leisten, und die tritt ungl├╝cklicherweise gerade jetzt in Kraft.
Nun, ich hoffe, dieser kleine Zwischenfall hat sie nicht abgeschreckt, demn├Ąchst auch ein zufriedener Kunde bei uns zu werden.
In Erwartung ihrer baldigen Anmeldung in unserem Unternehmen verbleibe ich freudigst.

Ihr Partner in allen Lebensfragen.

DON NATAS (Pr├Ąsident)

Anmerkung: Etwaige in tiefgefrorenem Zustand
aufbewahrte K├Ârperteile nehmen wir
leider nicht an.

(c) Udo Ahrens, im Juni 2002

Letzte Aktualisierung: 00.00.0000 - 00.00 Uhr
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