Silbern glÀnzen die letzten Wassertropfen in der Sonne, unter dem blauen Himmel, den ziehenden Wolken und dem leuchtenden Regenbogen.
Nicht das ich romantisch wĂ€re. Aber diese Einheit von UnberĂŒhrtheit, dieses Farbenspiel, und neben mir diese Frau mit ihrem weichen, wohlriechenden Haar, wecken in mir GefĂŒhle, die ich lĂ€ngst vergessen glaubte.
Es ist schön, auf dem Fluss zu gleiten, Arm in Arm mit einem weiblichen Wesen, so zart und doch so vertraut, in einem Land voller Ruhe und Poesie.
SchwĂ€ne ziehen dahin, jedes PĂ€rchen fĂŒr sich, verfolgt von kleinen weiĂen FederbĂ€llen, die noch unbekĂŒmmert jedem unvorsichtigem Fisch nachstellen.
Dieses fröhliche, hoffnungsvolle Treiben erinnert an lĂ€ngst vergangene Tage in meinen Leben, als ich sie kennen lernte. Meine Frau, jung und schön, wie das blĂŒhende Leben in der erwachenden Natur dieses FrĂŒhlings.
Es war einer dieser Abende in Irland, an denen die Sonne nicht untergehen wollte. Ich war damals auf meiner ersten Irlandreise mit einem der recht praktischen Wohnboote.
Garry, ein Schulfreund von mir, kam auf die grandiose Idee, eine Pub-Tour entlang des Shannon zu unternehmen.
Gesagt, getan. Nach einer Woche waren wir bereits gestandene Guinness-Trinker, aber dafĂŒr noch recht unbeholfen beim An- und Ablegen des Bootes. Dies mag am durchschnittlichen Alkoholgehalt des Blutes gelegen haben, oder einfach nur an unserer Ungeschicklichkeit.
Jedenfalls steuerten wir wieder einmal einen dieser kleinen unscheinbaren Orte am Ufer des Flusses an.
Das Wasser glÀnzte rötlich im Abendrot und leise erklang Musik aus dem naheliegenden Pub. Wir nÀherten uns dem Ufer, ich nahm das Seil und Garry steuerte so recht und schlecht den nÀchsten Bootssteg an.
Und da stand sie, am Ufer, direkt neben der Anlegestelle. Still lauschend, dem Klang der Natur ergeben. Weit weg mit ihren Gedanken. Nur ihre Augen leuchteten wie ihr Haar, gefÀrbt von den Farben des Lichts der im Fluss versinkenden Sonne.
Erst glaubte ich an eine SinnestĂ€uschung, aber als Garry anfing im Zick-Zack-Kurs zu fahren, war mir klar, er hatte sie auch gesehen. NatĂŒrlich wollte er seine FahrkĂŒnste beweisen, aber irgendwie kam er bei ihr nicht an.
Unbeeindruckt und bewegungslos verharrte sie am Ufer und nahm von uns keine Notiz.
Etwas unbeholfen wie ich war, versuchte ich vom Boot aus das Seil am Steg zu befestigen. Doch die Strömung und Garrys klassische Fahrweise trieben uns stÀndig wieder in die Mitte des Flusses. Langsam kam ich mir etwas lÀcherlich vor.
Beim dritten Anlauf stand das MĂ€dchen auf einmal direkt an der Stelle die wir ansteuerten. Ihr etwas belustigter Blick verunsicherte mich restlos. Wortlos nahm sie mir das Seil ab und legte es geschickt um einen Pfosten.
Was soll ich sagen. Es gibt Momente im Leben, die kann man nicht beschreiben. Garry rief etwas im Hintergrund, aber es kam nicht wirklich bei mir an. Ich war verzaubert und weit weg, nur mit ihr allein.
Das Boot stieĂ etwas unsanft an den Bootssteg und brachte mich wieder zur Besinnung. âBist du taub?â, rief Garry von hinten und stellte den Motor ab.
In, fĂŒr meine Ohren etwas ungewohnt klingenden Irisch, sprach mich das MĂ€dchen an. Unbeholfen versuchte ich ihr, mit meinen recht schlechten Englischkenntnissen, zu antworten. GlĂŒcklicherweise kam mir Garry zu Hilfe und half mir aus der Verlegenheit. Garry hatte schottische Vorfahren und befand sich jetzt eindeutig im Vorteil.
Letztlich gingen wir alle zusammen in das nÀchste Pub und verbrachten einen schönen und unvergesslichen Abend.
Und heute steht wieder diese anmutige Gestalt neben mir, auf unserem Boot, im seicht dahingleitenden Fluss. Und ich schaue wieder bewundernd auf ihr in der Sonne glĂ€nzendem Haar. Etwas unbeholfen umschlingen meine Arme ihre HĂŒften, erwartungsvoll und froh, lauschend den KlĂ€ngen leiser Musik aus dem Pub in der Ferne.
Dieses Mal gibt es keinen Garry, der mir aus der Verlegenheit hilft.
Sie nimmt vorsichtig meinen Kopf in ihre immer noch weichen HĂ€nde, gibt mir einen Kuss und flĂŒstert in mein Ohr:
âWeiĂt du, es ist immer noch schön, mit dir hier zu stehen.â
Erleichterung ĂŒberfĂ€llt mich, Erleichterung darĂŒber, diese Reise noch einmal gemacht zu haben, diese Reise nach 25 Jahren.
(c) Michael Metzner
Letzte Aktualisierung: 00.00.0000 - 00.00 Uhr Dieser Text enthält 4246 Zeichen.