Bitte lächeln!
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Oktober 2002
DAS ANDROIDEN PROJEKT
von Marcel Nebeling


1

Nikita Ashitomi sprang über das Geländer. Sie hastete die Stufen hinab ins Grau der U-Bahnstation. Sie atmete regelmäßig aber schnell.

Links an einer der tragenden Säulen hatte sich ein Penner eingenistet. In seinem Schlafsack schlief er den Schlaf des Vergessenen. Um den Mund klebte Erbrochenes.

Ansonsten Stille im Nest des Chaos, in Downtown Neo-Tokio.

Nikita war total in schwarz gekleidet. In der Rechten hielt sie ein Katana im Leder. Ihre schwarzen Haare hingen ins Gesicht.

Sie wartete. Die U-Bahn würde jeden Moment kommen.

Ihre Atmung verlangsamte sich. Sie horchte. Bis auf das Quieken von Ratten und die Geräusche der Stadt war nichts zu hören.

Der Penner drehte sich im Schlaf nach rechts und rutschte mit dem Kopf von der Säule auf den Boden.

Nikitas Augen waren voll Tränen. Sie griff in ihre Hosentasche.

Fünfzig New Yen: Das bedeutete einmal im Warmen schlafen zu können; es bedeutete etwas zu Essen und das Gefühl ein Mensch zu sein in einer Welt, die den Menschen verabscheute.

Sie trat an den Penner. Auch wenn sie sich ekelte schob sie die Chips, zweimal 25 New Yen in seine Hosentasche.

Donnern schreckte sie hoch. Licht zerschnitt das Grau und verwandelte es in ein dreckiges Weiß.

Als die U-Bahn zum Halt kam schoben sich die Türen auf:„Pschiffff"

Nikita huschte hinein. Die Türen schlossen sich. Sofort verschwand der Penner und das Schwarz des U-Bahnschachtes drückte sich an die Fenster.

Der Wagon war hell erleuchtet, jedoch menschenleer. Sie hastete weiter, an den Sitzen entlang, während die U-Bahn durch die Schächte unter Neo-Tokio über die Gleise donnerte und ruckte. Im nächsten Wagen das gleiche. Leere Sitze, sie war allein. Aber er musste in dieser U-Bahn sein! Sie war sich sicher.

Nächster Wagon: leer

Sie lief nun schneller.

Vierter Wagon: hier flimmerte das Licht. Leer bis auf ein benutztes Kondom und Graffitidosen auf dem Boden.

Fünf: leer.

Ihre Augen waren wieder trocken. Die Haare wogten auf und ab, als sie nun durch die Wagons hetzte.

Sechs, Sieben – leer!

Acht, Neun: dito.

Letzter Wagon.

Hier fehlte jegliches Licht und Nikita zog dass Katana aus der Scheide und ließ sie zu Boden fallen. Ihr Atem beschleunigte. Er war hier, das war eindeutig. Ihre Augen gewöhnten sich schnell an Dunkelheit und sie machte am Ende des Wagons zwei Gestalten aus. Beide identisch. Ihre Größe, ihre Statur, alles wie gespiegelt.

Nikita stand nur wenige Schritte von den beiden Gestalten weg. Sie regten sich nicht, wackelten nur in den Sitzen, während die U-Bahn weiter ratterte.

Sekunden tickten weg:

ungenutzt.

Nikita stand nur da, dass Katana in der Rechten, die Augen starrten. Ihr Mund ein dünner Strich, die Haare im Gesicht.

Die beiden Gestalten sagten nichts. Sie starrten nur. Sie sahen total identisch aus. Bis --

Die U-Bahn rüttelte über eine Weiche. Nikita verlor fast ihr Gleichgewicht, als der Wagon schüttelte und ruckte. Sie griff nach einem der Sitze links von ihr und fand ihr Gleichgewicht wieder.

Die rechte Person klappte zur Seite weg.

Braun schmierte Blut über den Plastiksitz.

Die U-Bahn ratterte in die nächste Station. Licht flutete den Wagon. Die Gestalt sah noch immer so aus, wie der Tote neben ihr. Jedoch während Nikita, fast atemlos ihn mit ihren braunen Augen fixierte begann er sich zu verändern. Die Haut schien sich zu verflüssigen und neu zu formen. Die Augen wechselten von Grün auf braun. Die dünnen Haare wurden mehr. Er wurde zu Nikita.

Das Zischen der Wagontür, die aufklappte, riss sie aus ihrer Starre. Sie ließ sich auf den Sitz neben ihr fallen.

Ihre Augen waren seine Augen. Ihre Lippen waren seine Lippen. Alles war gleich: die exakte Kopie. Selbst die Kleidung veränderte sich.

Zwei Männer trabten in den Wagon zu ihren Sitzen. Nikita hatte nur Augen für das Phänomen ihr gegenüber.

Die Männer musterten die beiden Frauen. Wahrscheinlich Zwillinge.

Neben der einen lag ein Mann in seinem Blut über zwei Sitze. So etwas konnte keinen mehr verschrecken in Neo-Tokio, so was war nichts neues, geschweige denn aufregend!

Abermals das Zischen der Tür. Die U-Bahn donnerte weiter und die Männer wanderten in den nächsten Wagon. Seltsame Frauen, aber lieber kümmerte man sich um sich selbst, sonst würde man enden wie der Kerl in dem blutverschmierten Sitz.

Nikita fletschte die Zähne: „STIRB!"

Sie sprang aus dem Sitz hoch.

Ihr Gegenüber gleichfalls.

In der Mitte, die Sitzreihen links und rechts, hechteten sie aufeinander zu.

Nikita täuschte, sie machte ein Salto nach hinten. Ihre Füße trafen ihn ins Gesicht. Jedoch mit einer nur unwesentlichen Wirkung. Die Haut schob sich zurück, die Lippen ein dünner Strich, blutleer. Er kam auf sie zu.

Sie wirbelte.

Das Katana schoss vor: Blut spritzte nach links über die Sitze und er lächelte noch immer.

Seine Stimme ein Mix aus einer Frauen- und Männerstimme. Das Lachen war eher ein Husten, die Worte unverständlich.

Er sprang vor, erwischte sie mit der Faust im Gesicht. Ihr Kiefer knirschte und sie sprang zurück, aus seiner Reichweite.

Er lächelte.

Wieder erwischte er sie. Das Katana wurde ihr aus der Hand gerissen. Er schleuderte es durchs Fenster.

Der Wind heulte, das Rattern der U-Bahn ohrenbetäubend, jegliche anderen Geräusche vernichtend.

Der Todestanz wurde schneller.

Er traf sie links.

Rechts.

Sie stolperte zurück, dann vor.

Sein rechter Haken traf sie nicht, jedoch ihr Ellbogen krachte in sein Gesicht. Sie wirbelte über vier Sitze. Dann hinter ihn, schossen ihre Füße in seinen Rücken.

Er klappte zusammen, nur um Sekunden später aus ihrer Reichweite zu springen. Er machte eine Rolle, dann einen Flickflack, bis er an die Tür zum nächsten Wagon stieß.

Sie war direkt vor ihm. Ihre Faust schoss vor. Er duckte sich. Das Glas der Tür splitterte und zerschnitt ihre Handschuhe.

Schon pumpte er seine Fäuste in ihren Magen. Sie klappte zusammen.

Er stand da, sah auf sie herab.

Nikita sprang mit dem Kopf voran gegen ihn. Die Tür flog auf und sie klatschten zu Boden. Augenblicklich war sie über ihm. Ihre Fäuste schossen in das Gesicht. Es war wie ein Kampf mit dem Spiegel. Ihre Fäuste erwischten ihn. Die Augen starrten sie an. Ihre Augen starten sie an. Die Lippen waren immer noch jener blutleere Strich.

Nikita wurde hoch geschleudert, als er mit den Beinen sie über seinen Kopf warf. Sie machte instinktiv eine Rolle in der Luft. In der gleichen Sekunde war er auf den Beinen und hinter ihr, als sie wenige Schritte weiter hinten aufschlug. Schmerz durchschoss ihr Knie. Dreck schabte über ihre Lippen.

Ein weiteres Mal veränderte er sich. Die beiden Männer starrten ungläubig wie sie zuvor. Nikita schmierte sich das Blut von der Lippe, als die Augen das Androiden zu einem dunklen Blau worden. Die Haare wechselten in einen kurzen, eng anliegenden Schnitt über. Die Kleidung verlor das Schwarz und wurde zu einem extravaganten Anzug aus dem Hause Armani. Der dünne Strich: Nun ein kleiner, nichts sagender Mund.

Nikita stützte sich und stand auf.

Der Androide musterte sie. Keine Regung seinerseits.

Die beiden Männer in ihren Stühlen versuchten krampfhaft aus den Fenster zu blicken, wo nur das Schwarz des U-Bahnschachtes vorbeirauschte.

Nikita raste vor.

Der Androide: regungslos.

Nikitas Haare wirbelten nach hinten und sie wollte ihn mit aller ihr verbleibenden Kraft erwischen.

Die U-Bahn ratterte. Die Männer versuchten nicht anwesend zu sein.

Der Androide blickte leblos, als sie ihn erwischte. Sie prallte mit aller Kraft gegen ihn. So stark, das ihr Arm schmerzte. Der Androide stolperte nur leicht zurück um dann sie aus dem Schwung heraus mit aller Kraft zur Seite zu stoßen. Sie taumelte drei Schritte, fiel über die zwei Sitze und knallte mit dem Kopf gegen das Fenster.

Er war schon neben ihr, wirbelte mit der rechten Handkante auf sie zu. Nikita sprang hoch, so gut sie konnte, stieß sich vom Fenster ab und landete in der Mitte des Ganges.

Die U-Bahn rumpelte in eine U-Bahnstation. Gesichter draußen, Menschen die nichts sahen und dennoch schauten.

Das unvermittelte Bremsen riss sie fast von den Füßen.

Die Türen platzten auf. Menschen strömten herein.

Er nutzte den Trubel und verschwand in der Menge.

Nikita verlor ihn fast. Ihre braunen Augen sichteten ihn, zwischen den glatt geschorenen Köpfen, zwischen langen Mähnen, Locken, Hüten, grünen Haaren, Farbenwechselnde und tausend anderen Variationen.

Sie drängte sich zur Tür raus.

Dann war er außer Sicht.

Das Brummen der U-Bahn erstickte jeglichen anderen Laut und Nikita stand in der Halle. Um sie herum hundertzwanzig Menschen oder mehr und dennoch war sie allein. Sie rieb sich über die blutige Lippe und sackte auf eine Bank.

Die U-Bahn verschwand, die Schmerzen blieben.







2

Das Metroplex boomte. Es donnerte. Geld wechselte die Besitzer. Glück und Unglück gaben ein einseitiges Schauspiel.

Duke sah nichts, er wollte es auch nicht. All die Gesichter schwammen an ihm vorbei im Dunst der synthetischen Zigaretten mit ihren tausend verschieden Geschmacksvariationen. Worte sprudelten. Lachen schallte – wenn auch nur wenig.

Frauen? Worauf man sich verlassen konnte! Blaue Augen, rote Haare, mit Kontakthyperlinsen oder ohne, Tätowierungen und anderes Beiwerk. Haare in allerlei Formen.

Duke sah immer noch nichts.

Er zog durch das Meer von Spielern, einarmigen Banditen, Huren und anderem Gesindel. Seine stahlblauen Augen verloren sich im Unendlichen seiner selbst. Der Armanianzug war seine Uniform und passte vollkommen ins Schaubild des allabendlichen Trubels. Die Waffe in der Hand machte niemand stutzig.

Eine Frau wurde auf ihm aufmerksam. Ihre Augen, ein sinnliches gold, folgten seiner geschmeidigen Bewegung. Sie hing an ihrer Zigarillo und dem Drink.

Duke sah sie nicht.

Nun hatte er etwa zu einem Dreiviertel den großen, voll gestopften Saal durchquert. Neben ihm summte einer dieser Automaten. Der Kerl davor hatte nur Augen für das Spiel, so konnte er nicht sehen wie Duke seine Waffe entsicherte.

Er stoppte.

Sein Puls war normal, seine Atmung keinerlei Erwähnung wert. Die linke Augenbraue zuckte, was daher rührte das sein Augenimplantat neu war. Er sicherte die Umgebung, scannte nach potentiellen Problemen.

Nirgends etwas zu sehen.

Er schlug zu. Innerhalb eines Augenblicks sprang er vor an den Roulettetisch, wo sein Opfer ahnungslos bangte um seine Chips. Duke riss die Waffe hoch, direkt vor dem fetten Kerl. Er pumpte ein Magazin, schnell und präzise ins Herz des Opfers. Die Münder klappten rechts und links auf, Schock wogte sekundenlang durch die Menge und endete in Entsetzen und Geschrei.

Duke hörte nichts.

Er wand sich um und verschwand im Getümmel, als der Fette zu Boden klatschte und sein Leben aushauchte.

Die Frau mit dem Zigarillo beobachtete alles. Ihre Augen, jenes Gold, das Männer schwach werden ließ und sie von der Menge abhob, genossen jedes Detail. Der Auftrag war erledigt. Effizient und zu ihrer Zufriedenheit.

Während ringsum das Chaos tobte, trank sie ihren synthetischen Long Island Tea.

Nach etwa 30 Minuten, als die Cops antrabten, schmiss sie ein paar New Yen auf den Tisch und verschwand. Schließlich gab es nichts mehr zu sehen.



3

Sie hörte die Schritte. Das Klicken der Sohlen und sie roch Zigarettenrauch. Nikita saß immer noch dort auf der Bank, hielt sich die blutverschmierte Hand, die durch die Glastür geschossen war und sie weinte. Die Tränen waren heiß, sie rannen über ihre Wangen. Sie hatte den Kopf gesenkt und ihre Haare fielen vor, so dass sie nichts anderes sehen musste.

Die Schritte stoppten neben ihr.

„Ashitomi?"

Was wollten die Herren hören? Würde ein Schulterzucken alles erklären?

„Entwischt" hauchte sie. Ihre Lippe brannte.

Die beiden Männer, Smith und Burton, nahmen links und rechts von ihr auf der Bank Platz. Burton rauchte. Beide trugen diese Sonnenbrillen, die sie abstempeln als zwei Agenten, zwei Diener des Staates, willig und methodisch.

„Das Objekt ist also entkommen?" fragte Smith. Seine Stimme war ein dünnes Raunen.

Nikita nickte.

Die Hand schmerzte. Das Blut war verkrustet.

Die Menschen um sie herum gingen dem alltäglichen Wahnsinn nach. Viele waren auf dem Weg zur Arbeit, in den schicken Büros hoch oben am Horizont. Andere wiederum versuchten nur etwas zu essen zu finden oder eine Bleibe wo sie die nächste Nacht verbringen konnten. Selbst hier in der kleinen U-Bahnstation war die Sinnlosigkeit des Lebens allgegenwärtig.

„Irgend welche Erkenntnisse, Ashitomi? Was mochte dafür verantwortlich sein, das sie versagten? Es war doch nur ein Klasse C Ziel, nichts Außergewöhnliches. Sie enttäuschen!"

Burton rauchte, Smith starrte einfach nur.

Nikita sagte nichts. Die Tränen auf ihren Wangen trockneten und der Schmerz in der Hand geriet ins Hintertreffen.

Klasse C, Androiden mit nur wenig Potential. Das traf definitiv auf ihre Begegnung nicht zu.

„Es war nicht Klasse C, es war mindestens B+!"

Burton meldete sich nun zu Wort: „Ashitomi, wollen sie sagen in der Überwachung lief etwas schief?"

Nikita nickte sofort.

Nun wieder Smith: „Unmöglich! Sie sollten sich davor hüten ihre Niederlage zu anderer Lasten zu legen!"

Nikita sagte nichts. Burton schmiss seinen Zigarettenstummel weg, stand auf und blickte auf sie herab. Ihre Haare schützten sie vor diesem eindringlichen, ja hasserfüllten Blick.

„Ich war nie damit einverstanden sie für diese Aktionen zu bemühen. Nun könnte ich dafür sorgen, das sie schnell abgezogen werden. Aber sie so hier zu sehen, wissen sie, das tut gut! Eine Niederlage schmeckt sicher bitter."

Smith neben ihr grunzte ein Lachen.

Nikita warf die Haare nach hinten. Ihre Augen stachen in das Gesicht des Agenten.

„Was wollen sie? Ich habe nicht versagt! Für dieses Ziel waren die Informationen inkorrekt. Irgendwo lief etwas schief!"

„Egal, egal. Bisher hatten sie ja auch Erfolg, dieses eine Mal kann man verschmerzen. Alles weitere wird folgen. Fünf Ziele verbleiben."

Fünf Ziele verbleibend: Das bedeutete Fünf mal ihr Leben zu riskieren. Für was?

Nikita nickte.

„Gut! Das haben wir dann soweit bereinigt. Bleiben sie bereit. Wir werden so schnell es geht neue Ziele ausmachen! Einen schönen Tag noch, Nikita."

Smith neben ihr erhob sich.

„Es heißt Leutnant Ashitomi, wenn überhaupt.", spuckte sie den Beiden nach.

Das „Wie auch immer" wurde vom Donnern einer ankommenden U-Bahn verschluckt.



4

Officer Norisami bückte sich, blickte müde in die gebrochenen Augen des Toten. Überall war Blut und die Zunge hing ihm aus dem Mund.

„Niemand will den Kerl gesehen haben, sagen sie?" Er wandte sich zu einem der Deputies. Dieser nickte nur.

„Es ist kein Wunder. Wer will schon was mit diesem armen Schwein hier zu tun haben."

Norisami erhob sich.

„Was sagt die Überwachung?"

„Sir –„

„Nenn mich nicht Sir, Herbert, du kennst mich. Der Mord hier macht mich etwas müde. Es sind dieser Tage so viele und immer das gleiche. Alle haben zugesehen, haben dabei gestanden und jedes Mal sieht der Typ der es getan hat, wie jemand aus, der eben wie jeder zweite auf der Straße aussieht. Immer das gleiche. Ich muss meine Arbeit machen, auch wenn sie mich ankotzt."

Der Deputy nickte.

„Also?"

Herbert kratzte sich abwesend am Kopf und sagte: „Nun ja auf den Überwachungssystemen ist alles genau zu sehen. Das Problem ist nur … Wie soll ich es sagen?"

„Am besten Wort für Wort, Herbert!"

„Der Killer materialisiert sich einfach aus der Menge."

Stille. Einmal abgesehen vom Gewusel der Beamten die mit dem Mordfall beschäftigt waren. Das Metroplex hatte geschlossen. Zeugen waren schon vernommen wurden. Die Spurensicherung arbeitete auf Hochtouren. Hightech und Hirnschmalz kratzten alle relevanten Daten zusammen.

„Materie-Was?" Norisamis Augen verdichteten sich zu dünnen Schlitzen.

„Ja er entsteht aus der Menge, wie ein Chammelion. Also diese Chammelions-„

„Sie wollen sagen er ist einfach da und dann Bumm das nächste Opfer?" Norisami blickte um sich, den anderen beistehenden zulächelnd: jetzt spinnt Herbert aber total.

„Ich weiß wie das klingt. . . Aber wenn sie sich die Überwachungsdaten einmal ansehen-„

„Geben sie schon her!" Norisami riss das kleine Handgerät aus den Fingern des Deputy. Er drückte wild ein paar Knöpfe und besah sich auf dem LCD die Aufnahme der Überwachungskameras. Sein Mund klappte auf, als er plötzlich verstand was Herbert sagte.

Der Killer schien irgendwie es zu schaffen jedes Mal wie eine Täuschung einer Person für ein paar Sekunden zu ähneln. Dies geschah so schnell, das man es beim flüchtigen Blick nicht wahrnahm. Es war ein wenig wie das Wabern von Hitzeflimmern. Erst als der Kerl sein Magazin in das Opfer entleerte war sein Erscheinungsbild dem einer Person nachempfunden.

„Verdammt" entfuhr es dem Officer.

Herbert nickte nur.



5

Neo-Tokio erwachte. Am Horizont verschwand die Dunkelheit der Nacht und das alltägliche grau der Sonne schob sich in die Gassen, Straßen, über Brücken und Monorailschienen, über die Tausenden von Menschen. Die Wolkenkratzer dümpelten zwischen den Wolken. Neo- Tokio erwachte laut und schrill.

Duke merkte nichts davon. Er eilte über einen Parkplatz. Ein leichter Wind spielte mit Dreck und einer Dose. Der Armanianzug war verschwunden. Lumpen kennzeichneten seine neue Kleidung die keine Aufmerksamkeit erregte und ins triste Grau des Morgens passte. Weiter südlich blitzten die grellen Buchstaben des Metroplex.

Dukes Augen nun ein garstiges grau, suchten nach einem potentiellen Fahrzeug. Dort auf dem Parkplatz stand nicht viel. Die meisten Bürger nutzten öffentliche Verkehrsmittel.

Jedoch eine rote Yamaha blitzte ihn an.

Schnell sprang Duke zum Motorrad.

Das elektronische Schloss stellte kein großes Problem dar. Dukes linke Fingerkuppe schob sich zur Seite. Er verband sich mit einem elektronischen Eingang und knackte innerhalb eines Augenschlags das Schloss. Die Fingerkuppe schloss wieder und er startete die Maschine.

Der Motor röhrte und Duke preschte über den Parkplatz durch eine Gasse. Der Scheinwerfer blendete einen Kerl, der gegen eine Hauswand lehnte. Die Yamaha ruckte leicht, als Duke ihm über den Fuß donnerte. Der Schrei des Fremden war nicht zu hören, zumindest vernahm Duke nur Motorbrummen.

Die Yamaha schnitt rechts und mit einem leichten Sprung rutschte er zwischen einen Hovertruck und einem Venture. Eine der neueren Marken, die Elektroluxuswagen herstellte, deren Chassis noch auf Rädern ruhte.

Duke beschleunigte, schoss auf die linke Spur und zog an den Fahrzeugen vorbei. Der Wind spielte in seinen Haaren. Die Maschine heulte und Duke lächelte. Es war sein erstes Lächeln und ihm war nicht bewusst welchen Schritt er tat. Er war eine Maschine, ein lebloses, programmiertes Objekt, das mit dem Körper eines Menschen verschmolzen war. Wissenschaft und Technik zeichneten seine Fähigkeiten aus. Lange Forschung und Versuche, Experimente, alles das schien auf einmal unwirklich und wie ein trocknes Laubblatt das zwischen den Finger zerbröselte, zerfiel die strenge Trennungslinie zwischen Natur und Technik. Empfindungen wie Angst, Liebe oder Ähnliches sollten ihm ferner liegen, als die Fähigkeit sich zu verwandeln, jedes Objekt spiegeln zu können. Der Zweck den Tot des Menschen herbeizuführen war sein Dasein, jedoch in diesen Minuten, da er durch die lichterlohen Straßen donnerte und im Gewusel der Menschheit untertauchte war er ferner denn je von der Gefühllosigkeit einer Maschine.

Er spürte den Wind auf der Haut. Er tauchte durch den anbrechenden Tag in einer Stadt der menschlichen Verzweiflung. Sein Ziel war ungewiss, aber dieses Motorrad schien ihn neu zu erschaffen. Als er ein weiteres Mal ausscherte, an einer Kreuzung die rote Ampel missachtete und zwischen den Pulk aus Autos, Menschen und Gebäude jonglierte spürte er nicht Angst sondern Freude.

Er sah nun seine Umwelt klar und vielfältig. Die vielen verschiedenen Münder und Augen. Den Dreck der durch die Strassen ätzte und wie Ruß jegliche Sinne versuchte zu verkleben. Seine Augen vorher nur simple Scanner nach potentiellen Gefahren die seine Mission ein jähes Ende bereiten konnten, spürten fasst den Schmerz und die Trauer die von diesen Menschen ausging.

Mit einem lauten Keifen, als die Räder der Yamaha Gummi auf den Asphalt radierten, hielt er an einer Straßenecke. Die Masse aus Männern, Frauen, Kindern, Jugendlichen schob sich die Bürgersteige entlang. Er sah in ihren Augen nichts. Sie blickten leer, stupide und verlassen, als ob jegliches Licht des Lebens ihnen entzogen wurden war.

Duke schüttelte den Kopf.



6

Burton und Smith hockten in einem Diner, im südlichen Teil der Stadt. Ihre Brillen spiegelten das Licht der Neondampfröhren, die das Diner erhellten. Vor ihnen jeweils eine Tasse mit Soya-Cafee, Kaffee aus Sojabohnen mit synthetischen Zusätzen. Burton paffte eine seiner Zigaretten.

„Smith ich denke sie wird zu einem Problem werden.", sagte er.

Smith schlürfte Kaffee, nickte schließlich.

„Ich meine es geht nicht darum, das sie dieses Mal versagt hat. Ich spüre das sie sich Fragen stellt. Es war zu merken, das sie sich verloren hat."

„Verloren?" Smith schob mit einem Finger die unsägliche Brille auf den Nasenrücken zurück.

„Ich meine jeder hat doch seine Ziele, Prinzipien, Träume, selbst wenn man eine Frau ist" Burton lachte selbstgefällig. Jedoch der aufkommende Husten vermasselte seine Darstellung vom coolen Agenten.

Smith nickte nur wieder. Überhaupt schien das seine Tagesbeschäftigung zu sein.

„Es sind noch fünf Ziele und was dann?" fragte Burton. Er stopfte den Zigarettenstummel in den Aschenbecher, nahm einen Schluck vom nun lauwarmen Kaffee und wartete auf eine Reaktion seines Partners.

„Ja das stimmt. Fünf Ziele. Jedoch ich kapiere nicht was Du willst. Sie mag dieses Mal nicht erfolgreich gewesen sein. Es ist mir auch klar, das dies hin und wieder passieren kann. Jedoch was meinst Du, mit sich verloren?"

Burton schnaufte theatralisch. Warum war er nur mit diesem Dummbeutel von Partner gestraft schien er sagen zu wollen.

„Ganz einfach. Nachdem alle ausgeschaltet sind, hat sich ihre Daseinsberechtigung erschöpft. Sie muss ebenfalls ausgeschaltet werden! Sonst wird das Projekt auffliegen! Zumindest besteht die Gefahr."

Smith schien das gewissenhaft zu überdenken. Er fischte einen Zahnstocher aus der Hosentasche und kaute darauf herum.

Burton schlürfte Kaffee, verzog das Gesicht: „Pissbrühe!"

Smith meinte: „Du meinst sie wird vielleicht selbst versuchen zu entkommen?"

Burton applaudierte.

„Verdammt" schnappte Smith.



7

Officer Norisami saß hinter seinem Schreibtisch, der von Akten, Blätterwust und anderen Utensilien der Bürokratie verschüttet war. Immer wieder musste er darüber nachdenken. Materialisiert, einfach aus dem Nichts, schnell und tödlich. Das war in der Tat etwas hoch brisantes und es mochte nur noch wenige Minuten dauern bis die Herren von der Sicherheit ihm den Fall abnahmen. Polizeiarbeit erschöpfte sich im täglichen protokollieren des Wahnsinns. Menschen die sich gegenseitig blutig schlugen. Obdachlose die mit Benzin übergossen wurden und im so genanten Fegefeuer einen brutalen Tot starben, Vergewaltigungen und anderes Abscheuliches. Die Menschen waren ihre eigenen Vernichter und hatten Spaß daran, wie es schien.

Jedes Mal wenn diese Gedanken über die Sinnlosigkeit seines Jobs überhand nahmen suchten seine Augen die Photos seiner Tochter. Für die neuwertigen Videophotos, die durch Computerberechnungen das Altern simulierten und daher geradezu sekündliche Photos der jeweiligen Person oder des Objektes darstellten fehlte ihm das Geld.

Seine Tochter lag im Koma im University Hospital von Neo-Tokio und das schon seit Jahren. Diese Photos waren Bilder und Erinnerungen der besseren Zeit. Ihr Lächeln hielt ihm am Leben, ließ ihn nicht aufgeben.

Das Klopfen an der Tür zu seinem kleinen Büro riss ihn zurück in den bitteren Alltag.

„Herein!"

Die Tür knarrte, als Herbert, der fleißige Deputy herein trat. Die Brille, noch eine altmodische, nicht mit Technikfirlefanz ausgestattet ließ die müden Augen ungemein groß erscheinen. Unter dem Arm trug er eine Akte mit sich. Ein Photo drohte heraus zu fallen und Norisami erhob sich, kam hinter dem Schreibtisch vor und zog das Photo heraus.

Der Tote aus dem Metroplex.

Herbert wartete, ob Norisami irgend etwas zu sagen hatte, holte dann Luft und seufzte.

„Die ganze Sache wird kompliziert, Chef.", erklärte er.

Norisamis Augenbraue zuckte: „Inwiefern?"

„Es sieht ganz danach aus, als ob wir es hier mit einer Serie von Morden zu tun haben, die zwar nicht nach dem gleichen Muster begangen wurden, aber dennoch miteinander ein größeres Ziel zu verfolgen scheinen."

„Wie kommen sie denn darauf?" Norisami wirkte überrascht und Herbert hoffte den Chef endlich von seiner Gabe des professionellen Recherchierens überzeugen zu können. Er war einer dieser Technikhirne, die Stunden, ja Tage vor den Maschinen hockten. Herbert hatte Norisami seinen Posten gesichert, indem er die wenigen spektakulären Fälle zum Erfolg führte durch eben dieses unermüdliche Bemühen der Informationstechnologie. Herbert war ein Datahunter, einer der durch die Flut der Informationen sich durchwuselte. Er hatte keine Frau, keine Kinder und es war offensichtlich, dass sein Job sein einziger Lebensinhalt war. Manchmal fragte sich Norisami, ob Herbert nicht der Sohn war, den er sich an seiner Seite wünschte.

„Also nun mal Klartext! Was genau haben sie."

Herbert lächelte.

Norisami stapfte hinter seinen Schreibtisch und ließ sich in den Plastiksitz fallen. Herbert klappte die Akte auf. Mehr Photos, mehr Opfer. Er nahm die Photos und katschte sie an die Korkwand. Norisami wartete.

Der Deputy breitete Schreiben auf dem Schreibtisch aus, machte sich Platz und war völlig in seiner Arbeit versunken. Norisami wusste, das er Herbert einfach machen lassen musste. Der Deputy war methodisch, fleißig und hatte den Officer schon oft in Erstaunen versetzt. Die Augen hinter der Brille verengten sich ein wenig und Herbert schien Norisami nicht zu sehen.

Als die Photos die Wände zierten, konnte Norisami sich nicht mehr zurückhalten.

„Würdest Du bitte mal was sagen? Ich denke diese Photos sind alles die Opfer der letzten zwei Monate, die wie soll ich sagen, unsere Aufmerksamkeit erregt haben?"

Herbert hielt inne. Für einen Moment schien er nicht zu verstehen was Norisami wollte. Dann lächelte er kurz: „Korrekt Chef!"

„Also nun mal los! Spann mich nicht auf die Folter!"

Herbert setzte sich auf die Ecke des Schreibtisches, drehte einen der kleineren Clipordner herum und sagte: „Nun wie sie sehen, Chef, dies sind die gesammelten Daten der Autopsie, Spurensicherung und den ganzen Krimskrams. Ich habe insgesamt zwölf dieser Datenansammlungen der Morde, die wie sie sagen mit einander per Computer verglichen. Es wird schnell ersichtlich das alle Opfer hochrangige Positionen in den wichtigsten der in hier ansässigen Konzernen inne hatten."

Norisami nickte langsam. „Genauer?"

Herbert zog aus einem der Papierhaufen ein Blatt mit kleiner Schrift. Eine Tabelle mit den Namen der Opfer. Norisami beugte sich drüber. Es stimmte: Alles bedeutende Firmen.

„Also sie meinen jemand hat daran Interesse diese Firm-„

Mit einem mal rutschten die Jalousien an den Fenstern herunter. Ohne das Licht der Schreibtischlampe wären sie im Dunkeln gesessen. Die Tür wurde aufgerissen. Drei Männer drängten sich herein. Mit einem Klappern fiel die Tür wieder ins Schloss. Die beiden Männer links und rechts von dem groß gewachsenen in der Mitte holten ihre Handfeuerwaffen aus den Halftern. Das Klicken der Entsicherung war laut vernehmbar.

Herbert raffte alle Blätter zusammen in die Akte ohne auch nur einen Moment inne zu halten. Norisami blickte müde. Die Leute von der Sicherheit, wie zu erwarten.

„Officer Chung Norisami, Kriminalabteilung Süd?" spuckte der Kerl in der Mitte.

„Hai" machte Norisami und erhob sich. Er kam langsam, die Augen auf die Waffen der beiden anderen gerichtet hinter dem Schreibtisch vor. Er hasste was nun kommen musste. Norisami verbeugte sich leicht. Wie ein dummes Schulkind fühlte er sich und Ärger brodelte zum ersten Mal in ihm an diesem noch so frühen Morgen hoch.

Einer der Kerle, der linke, machte drei Schritte an den Tisch und legte die Waffe auf die Akte. Herbert zuckte mit den Händen davon, als hätte er sie sich verbrannt. Das Grinsen des Beamten war breit und gemein.

Herbert stand nun neben dem Schreibtisch. Auch er knickste leicht und wartete dann auf das bevorstehende Schauspiel.

Der Hochgewachsene zog sich einen Stuhl her und setzte sich. Er lächelte.

„Sie wissen, das ich ihre Arbeit schätze Officer! Sie haben dieser Abteilung hier schon sehr gute Dienste geleistet! Daher wäre es schade, wenn sie mich nun missverstehen."

Norisami nickte, auch wenn er ihm am liebsten ins dämliche Gesicht gespuckt hätte. Der dünne Schnurbart, der tolle Anzug, die frisch polierten, blitzenden Schuhe. Während er jeden Abend dafür betete endlich genug Geld zu haben um seine Tochter aus dem dunklen Nichts des Komas zu holen, musste er sich hier die stinkende Faust des Gesetzes in Gesicht schlagen lassen, das schon längst nicht mehr das Gesetz des Volkes war.

„Hai" machte Norisami wieder.

„Auch sie Deputy! Sie absolvieren einen guten Dienst für ihr Land und ihre Geschicklichkeit im Umgang mit Daten und Indizien wird sie noch weit bringen."

Herbert reagierte nicht. Er blickte nur hinab auf seine Schuhe.

Der Hochgewachsene und der Beamte, der die Waffe auf die Akte gelegt hatte wechselten flüchtig einen Blick. Als der Hochgewachsene nickte, schupste der Beamte Herbert.

„Sehen sie mich an, Soldat!"

Norisami schnaufte: „Seit wann sind alle Menschen nur noch Soldaten in diesem verdammten Staat?" Er konnte sich nicht mehr halten. Seine Augen sprühten vor Wut.

„Aber, aber! Jeder Mann ist ein Soldat, auf die eine oder andere Weise, Chung.", erklärte der Hochgewachsene geduldig.

„Soldaten sterben doch nur! Jeden Tag, jede Nacht irgendwo auf dieser beschissenen Welt!" Herbert spuckte jedes Wort hervor, blickte kurz zu dem Kerl auf dem Stuhl und blieb dann ruhig, den Blick wieder gesenkt.

„Nun kommen wir zum Geschäft."

„Geschäft?" hauchte Norisami.

„Oder Deal, ganz wie sie wollen, Officer!" Die beiden Beamten, die der Hochgewachsene mitgebracht hatte, grunzten.

„Seit wann ist denn jeder bestechlich?" Norisami hatte nicht vor sich so leicht einkaufen zu lassen. Er glaubte zu wissen wo es endete. Entweder als Beamter im Dienst des Staates, als Aktenzombie oder mit einer 8mm Kugel im Kopf. Sie hatten offenbar sich in etwas brisantes verbissen. Die Mordfälle schienen auf der Staatsebene von größter Wichtigkeit zu sein. Warum auch immer.

„Fakt ist sie haben ihre Arbeit getan. Und nun ja, es ist wohl allen Beteiligten klar, dass es die Arbeit der Sicherheit geworden ist. Nur mit ihren Erkenntnissen-„

„Sind wir ein Problem für sie?" unterbrach Herbert. Sowohl der Hochgewachsene als auch Norisami blickten ihn verwundert an. Norisami fragte sich woher Herbert den Mut nahm. So oft war Herbert ihm als einer der Menschen vorgekommen, die von allen, die sie nicht weiter kennen, einfach übersehen werden. Herbert, der stille Deputy. Norisami kam nicht umhin sich einzugestehen, das er seinen Deputy bewunderte.

„Problem?" spuckte der Hochgewachsene. Seine Augen sprangen zwischen dem Officer und dem Deputy hin und her.

„Keineswegs! Es sei denn, sie machen es zu einem!"

Herbert reagierte in dem er die Augenbraue hob. Norisami erkannte sich selbst und ein weiteres Mal war er darin bestätigt, dass sein fleißiger Deputy ihn nicht nur mochte sondern auch bewunderte.

Der Hochgewachsene fischte eine Zigarette aus der Innentasche seines Anzugs hervor. In dem Augenblick, da er sie an den Mund führte gab ihm der Beamte direkt zu seiner Seite Feuer.

Norisami seufzte. Wie er geahnt hatte, es war ein Schauspiel. Die Frage war nur, was war das Ende und welche Rolle hatten die Beiden zu erfüllen?

Es entstand eine kurze Pause. Der Hochgewachsene zog ein, zwei mal an der Zigarette und beobachtete. Von Draußen drang nur wenig Krach herein und Norisami fühlte sich allein. Sein Blick wanderte zu dem Photo seiner Tochter.

„Ein hübsches Ding.", bemerkte der Kerl und nahm einen weiteren Zug von der Zigarette.

„Aber nicht ihr Interesse!" Dieses Mal war Norsiamis Stimme fest und bedrohlich.

„Wollen wir es hoffen."

Norisami fühlte wieder das Innere Rumoren, als die Wut zurück kehrte. Er ermahnte sich, nicht zu weit zu gehen, denn besser diesem Schauspiel zu folgen, als ein schnelles, vielleicht schmerzhaftes Ende herbeizuführen. Damit würde er seine Tochter auch niemals helfen können. Er brauchte das Geld, er brauchte seinen Job.

„Also, wollen sie nun wissen, was wir glauben zu wissen?" versuchte Herbert wieder zum Thema zurück zu finden.

„Ich denke ich kann mir sehr gut vorstellen was sie wissen und was sie nicht wissen. Es fällt mir auch nicht schwer einzustufen, inwiefern dieses Wissen für sie gefährlich werden kann, Soldat."

Dieses Mal nahmen sie es hin.

„Die Frage ist nur: Wollen sie uns helfen?"

Nun blickten sich Deputy und Officer erstaunt an.

„Wären sie dazu bereit uns zu unterstützen?"

Narosami glaubte schlecht gehört zu haben.

Jedoch, hatten sie eine Wahl?



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