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Oktober 2002
Lichter in Freiheit
von Patrick Rauch


Seit nunmehr 15 Jahren erforschte der frühere Bergsteiger Peter Brown zusammen mit seinem Freund Gabriel Lewis abgelegene, teils in Vergessenheit geratene, unterirdische Höhlensysteme, welche solche Faszination auf die beiden Männer ausübten, so dass sie aufgrund ihrer Sucht weder Zeit für Familie noch geregelte Arbeit fanden. Auch wenn sie manchmal unterschiedlicher Meinung bezüglich der Familiensache waren, so störte es beide jedoch nicht, keiner geregelten Arbeit nachzugehen, zudem sie das, was sie taten, für sich selber als geregelte Arbeit betrachteten. Sie gehörten keinem Institut oder Vereinigung an, was bei ihrer Tätigkeit ungewöhnlich war, doch wurden sie durch solche finanziert, da sie schon manches Mal Entdeckungen gemacht hatten, von denen andere Forscher nur hätten träumen können. So hatten sie vor vier Jahren, in eisiger Kälte, tief inmitten einer Höhle, einen gewaltigen See entdeckt, der gänzlich von anderen Zulaufstellen abgeschnitten war und in dem sich unzählige Wassertiere über womöglich Jahrtausende am Leben gehalten und dadurch einige gänzlich neue, bis dato unbekannte Tierspezies hervorgebracht hatten. Vor sieben Jahren beispielsweise hatten sie alte Menschenknochen inmitten einer unter Wasser stehenden Höhle gefunden; der Fund, der von den bedeutendsten Wissenschaftlern dieser Zeit untersucht worden war, hatte die Vermutung nach frühzeitiger Malerkunst, Steinhauerei und Ordnung von Menschen noch vor ihrer eigentlich bisher vermuteten Zeit nahegelegt und letztendlich bestätigt.

Durch solche und ähnliche Entdeckungen der wagemutigen und tapferen Männer war nicht selten die Weltanschauung mancher höchst intelligenter Experten bezüglich längst vergessener Äonen zum einen zurechtgerückt und zum anderen widerlegt worden. So kam es natürlich, wie es kommen musste und wie es beiden Männer von Anfang an bewusst wie egal gewesen war: In ihrer Professionalität und ihrem Tatendrang hatten sie sich viele Neider geschaffen, welche nicht allzu selten versuchten, ihre Missionen zu sabotieren; sei es durch Druck auf die Sponsoren oder Manipulation ihrer Ausrüstung. Doch Brown und Lewis hatten sich noch nie von den unsauberen und feigen Machenschaften ihrer Konkurrenten einschüchtern oder von etwas abhalten lassen, waren sie doch im Endeffekt stets die Sieger und konnten immer auf ihre Unterstützer zählen, welche zahlreicher waren als ihre Neider.

Ihre derzeitige Mission oder Entdeckung, welche Brown und Lewis vor zwei Tagen begonnen hatten, sollte jedoch all ihre bisherigen Erfolge bei weitem übertreffen und zudem all ihre Neider für immer verblassen und in der langwierigen Geschichte aller Entdecker in die Bedeutungslosigkeit verdrängen lassen, auf dass Brown und Lewis - und nur sie - für immer und ewig in die Geschichte der Entdecker die herausragenden Lichtgestalten sein sollten.

Vorausgegangen war dieser Unternehmung die zufällige Entdeckung eines schwarzen Lochs im Meeresboden in der Nähe des Nordpolarmeeres, als Brown und Lewis dort in einer Tiefe von nur 1000 Fuß eine besondere Art von Algen untersucht hatten, welche bis dato unbekannt gewesen waren. Alleine dieser Fund schon hätte ihnen zu Ansehen und Ruhm verholfen, wenngleich dieser mit manch anderen ihrer Entdeckungen in ihrer Wichtigkeit und Einzigartigkeit nicht zu vergleichen gewesen wäre. Das von ihnen entdeckte schwarze Loch im Boden entpuppte sich bei der ersten Betrachtung als riesige Höhle unter dem Meeresboden, welche mit ihrer Ausrüstung zu diesem Zeitpunkt nicht näher zu untersuchen möglich gewesen war. So brachen sie, zum Widerwillen ihrer Sponsoren und aufgrund ihrer bevorstehenden noch größeren Entdeckung nur vorübergehender Freude ihrer Neider, diese Mission ab und kehrten auf den Eisbrecher zurück, mit dem sie diese Unternehmung begonnen hatten. Zwei Tage später landete ein Hubschrauber auf dem Schiff, der ihnen ihre ihrer Meinung nach benötigte Ausrüstung lieferte. Jedoch dauerte es eine weitere Woche, um ihre Sponsoren die geplante Unternehmung nahe zu bringen und sie davon zu überzeugen, dass ihre Gelder nun weitaus besser angelegt seien als zuvor. So tauchten sie nach viel Überzeugungskunst, vielen Versprechungen und dem oftmals wiederholten Hinweis auf ihre bisherigen Erfolge und Spürnasen für eben diese mit einem U-Boot, dessen Funktion nicht die Beherbergung der beiden Männer, sondern die des benötigten Lichtes war, hinab in die Tiefe, hoffend auf Entdeckungen neuer Spezies der Tierwelt und Pflanzenwelt, verborgener Schätze und vielleicht auch anderen Dingen oder Begebenheiten, derer sie sich kaum vorzustellen in der Lage fanden, denn für die erfolgsverwöhnten Männer war es klar, dass solch eine gewaltige und aus glatten, bearbeiteten Wänden bestehende Höhle nicht das Werk der Natur sein konnte.

Fast einen Tag untersuchten Brown und Lewis die Höhle, deren Ausmaß sie jedoch aufgrund der Dunkelheit trotz des lichtspendenden U-Boots nicht zu bestimmen wussten, was ihnen jedoch die Bestätigung gab, dass sie größer sein musste, als alle anderen bisher bekannten Unterwasserhöhlen. Zu ihrer Enttäuschung und Verwunderung jedoch vermochten sie in der Höhle nichts außer Algen und sonstige uninteressante Pflanzen zu finden. Auch Tiere, deren Bestehen sie sich so sicher gewesen waren, schienen hier unten nicht zu existieren.

Am zweiten Tag schien sich schon fast die Befürchtung zu bestätigen, dass die Höhle tatsächlich nur ein Loch im Boden war, die keine Verzweigungen zu anderen Höhlen aufwies und somit ein unterirdisches Höhlensystem ausschloss. Nur durch allergrößten Zufall, nämlich als das U-Boot aufgrund einer nicht erkenn- und erklärbaren Strömung außer Kontrolle geriet, gegen die Wand im hinteren, unteren Teil der Höhle stieß und ein mit dicken Algen behangenes Loch durchrammte, keimte in den Männern wieder Hoffnung auf. Mit Schneidbrennern, welche nicht zur Standardausrüstung gehörten, sich jedoch offensichtlich durch eine glückliche Fügung im Gepäck des U-Boots befand, legten sie den Eingang des 20*20 Fuß großen Lochs in der Höhlenwand frei und entdeckten, dass der Eingang in solcher Präzision bearbeitet worden war, dass er unmöglich natürlichen Ursprungs sein konnte.

Mit dem U-Boot in ihrer Mitte und dessen weit gefächerten Lichtpegels vorneweg drangen sie langsam in das Loch ein. Die Wände hier waren fast glatt und vollkommen rund in ihrer Ausführung. An vereinzelten Stellen glitzerte etwas an ihnen, verschwand jedoch auf schon fast mysteriöse Weise, kam man ihnen zu nahe, um die Phänomene zu begutachten. Der Gang schlängelte sich hin und her, fiel später leicht nach unten ab und endete urplötzlich. Das schaurige Licht des U-Boots fiel auf eine unebene Wand vor ihnen, auf der sich mehr und mehr dieser glitzernden Phänomene abzeichneten. Als Brown und Lewis der Wand näher schwammen und dabei das U-Boot zurückließen, damit sich die Lichtverhältnisse - welche eine Erklärung für das mysteriöse Verschwinden der Lichtpunkte zu sein vermochten - nicht ändern würden, verschwanden die glitzernden und leuchtenden Punkte dennoch, je näher sie herankamen. Fast schienen es kleine Taschenlampen zu sein, die nach und nach ausgeknipst wurden. Als sie dann nahe genug herangekommen und auch die letzten leuchtenden Punkte verschwunden waren, bemerkten sie, dass es keine beabsichtigte Wand, sondern ein Berg aus Geröll war, der ihnen den Weg versperrte. Von den glitzernden Punkten war nichts mehr zu sehen, auch gab es keinen Hinweis darauf, dass sie jemals existiert hatten. Mit großer Anstrengung räumten sie einen Teil des Gerölls weg, bis sie merkten, dass ihnen der Sauerstoff ausging. Mit Murren zogen sie sich zurück und begaben sich auf den Eisbrecher.

Am Abend erstatteten sie Bericht, ließen jedoch die rätselhaften Beobachtungen bezüglich der glitzernden und leuchtenden Punkte außen vor, da sie sich nun, an frischer Luft und nicht mehr dem Unterwasserdruck ausgesetzt, nicht mehr so sicher waren, nicht einer Wasserspiegelung oder purer Einbildung ausgesetzt gewesen zu sein. Die Sponsoren zeigten sich ob der unnatürlichen Beschaffung der Höhle nicht zufrieden, sondern forderten alsbaldige Ergebnisse, da sie sonst die Gelder wieder einbeziehen und dieser Mission den Todesstoß versetzen würden. Dennoch schliefen Brown und Lewis gut, da dieser Tag wie der vorige sehr anstrengend gewesen war und sie guten Mutes waren, nach der Räumung des Gerölls etwas zu finden, was all die Mühe wert sein und die Sponsoren zufrieden stellen würde.

Nach nur sieben Stunden Schlaf machten sich die beiden Männer wieder auf, um erneut in die Tiefe hinabzutauchen und den erhofften Entdeckungen näher zu kommen. Über Nacht hatten die Mechaniker und Ingenieure einen gewaltigen Bohrer an dem U-Boot befestigt, der das Geröll durchbrechen und den Weg freilegen sollte. Brown und Lewis hatten von Sprengstoff abgesehen, da sie damit Gefahr liefen, den Tunnel vollends zum Einsturz zu bringen, auch wenn ihnen die Beschaffung desgleichen aufgrund seiner Unnatürlichkeit Gegenteiliges vermuten ließ. Doch ein Risiko, welches neben der Unkalkulierbarkeit eines nur kleinen Zeitverlustes des Bohrens gegenüber dem Sprengstoff einbringen würde, wollten sie nicht eingehen. Noch wussten sie zwar nicht, wie weit sich das Geröll in dem Tunnel erstreckte, doch würden sie auch später noch entscheiden können, ob ihnen das Risiko einer Sprengung und des damit verbundenen möglichen Einstürzens des Tunnels gegenüber der zu verlierenden Zeit des Bohrens gerecht werden würde.

Als sie erneut in den Tunnel gelangten, sahen sie wieder die glitzernden und leuchtenden Punkte an den Wänden, deren Anzahl nun so enorm war, dass sie sich der Existenz diesmal absolut sicher waren. Mit großem Unbehagen steuerten sie das U-Boot durch den geschwungenen Gang, denn es kam ihnen so vor, als würden sie von den Punkten beobachtet werden; als wären es Augen unzähliger kleiner Lebewesen, die ihr Tun genau verfolgten und erst dann verschwanden, wenn man so nahe an sie herankam, bis sie selber würden genauer begutachtet werden können. Das Szenario wurde noch unheimlicher, als Brown und Lewis zu dem tunnelversperrenden Geröll kamen. Tausende glitzernde und leuchtende Punkte blickten ihnen von dem Berg entgegen, als würden sie zu dem Hindernis aus Stein zusätzlich noch eine Barriere sein. Fast die gesamte Wand leuchtete und blendete die beiden Männer. Auch wenn sie im ersten Moment fast ängstlich innehielten, ließen sie sich von den bedrohlich wirkenden und Halt sagen wollenden Lichtpunkten in ihrem Tatendrang und Ruhmeslust nicht aufhalten, sondern steuerten langsam mit aufmerksamen, nervösen und ängstlichen Blicken weiter auf die Steinwand zu. Wie schon am Tag zuvor verschwanden die Lichtpunkte an den Wänden, als sie nahe genug herangekommen waren. Doch nur kurz darauf leuchtete hinter ihnen ein Licht, welche in solcher Plötzlichkeit erschien und sie so unerwartet traf, dass beide panisch aufschrieen, ihre Schnorchel versehentlich ausspuckten und mit dem instinktiven Ups Wasser schluckten. Ihre Professionalität jedoch ließ es nicht zu, dass sie ernstlich in Gefahr gerieten. So stießen sie das Wasser mit der restlichen Luft in ihrer Lunge wieder hinaus und steckten die Schnorchel zurück in den Mund. Als sie sich herumdrehten, mussten sie die Augen für einen Moment schließen, da das Licht sie so sehr blendete, dass es ihnen Qualen bereitete und sie für einen Augenblick blind werden ließ. Nur langsam gewöhnten sich die Augen wieder an die Helligkeit, die vor ihnen lag und von Millionen kleiner Lichtpunkte stammen musste, die sie allem Anschein nach davon abhalten wollten, die Blockade zu durchbrechen. Die Erkenntnis, dass diesen Lichtpunkten eine Art Intelligenz zuzuschreiben war, erfüllte Brown und Lewis mit einer schier unbändigen Angst, doch ob der Unnatürlichkeit, der sie hier offensichtlich begegneten, trieb sie ihre Neugierde und ihr Erforscherdrang mit stupider Naivität trotz der offensichtlichen Warnung weiter voran und ließ die Phänomene hinter ihnen verdrängen, die so noch niemals in einem Bericht erwähnt worden waren.

Als sie mit zitternden Händen und gezwungenem, starr nach vorne gerichtetem Blick den Bohrer am U-Boot in Betrieb nahmen, sich durch ihn und seiner hohen Drehzahl ein mächtiger Strudel bildete, dem sie sich im ersten Moment nur mit Mühe zu entziehen vermochten, die Maschine vorantrieben und in das Geröll hineinstießen, worauf Steine gelöst wurden, als Geschosse durch das Wasser drangen und an den Tunnelwänden zerbarsten, begann das unheimliche, durch Millionen Augen herbeigeführte Licht hinter ihnen zu flackern und wie bei einer defekten Leuchtstoffröhre zu blinken. Brown und Lewis rissen sich panisch herum und stießen durch ihr Gebrüll alle Luft aus den Lungen, die in großen und kleinen Blasen an der Tunneldecke verschwanden. Mit weit aufgerissenen Augen betrachteten sie voller herzzerreißender Angst das Schauspiel, welches von Millionen, den gesamten Tunnel besetzenden Augen mit solcher Präzision im Auf- und Abblinken vonstatten ging, dass die alleinige Tatsache dieses Umstandes die beiden Männer dazu trieb, sich an die Geröllwand zu flüchten. Im Takt vom Bruchteil einer Sekunde verschwanden die Lichter und erschienen erneut, boten den schaurigen Anblick einer Discobeleuchtung unter Wasser und trieben aufgrund der Unnatürlichkeit, Übernatürlichkeit und Unerklärlichkeit wilde Panik in die zitternden Leiber der Männer, welche starr vor Schreck an der Wand kauerten und keinen Ausweg wussten, da der einzige Ausgang von den unheimlichen, blinkenden Lichtern umringt war.

Doch nach knapp einer Minute - vielleicht dauerte es etwas länger oder kürzer, Brown und Lewis waren sich der Zeit nicht bewusst in diesem Moment - endete das Lichtspiel in einem immer greller werdenden, nur kurz andauernden Schein. Völlige Dunkelheit kehrte in den Tunnel ein, sogar die Lichter des U-Boots waren ausgegangen. Doch nach einer kurzen Zeit erschienen wieder einige Lichtpunkte an den Wänden, um die beiden Männer zu beobachten und ihr Tun zu erfassen, wie irreal den beiden Männern dieser Gedanke auch vorkam. Erst nach einigen Minuten vermochten sich Brown und Lewis aus ihrer Starrheit zu lösen, doch der Schreck und die tief sitzende Angst und Panik fiel nicht von ihnen ab. Es war ihnen klar, so ungern sie das auch wahrhaben wollten und so alptraumhaft und beängstigend die einzig logische Erklärung, nämlich das Existieren kleiner, intelligenter Lebewesen so tief unter Wasser, die sie vor dem Durchbrechen der Barriere warnten, auch vorkam, so wenig hielt sie es nach einiger Zeit des Begreifens und Verdrängens des Schreckens davon ab, ihre Pläne aufzugeben. Die Existenz der kleinen, unheimlichen Lebewesen und eine mögliche, tatsächlich todbringende Bedrohung durch sie missachtend und nur die offensichtliche Warnung durch sie beachtend, trieb es die beiden Männer dadurch zu noch festerem Willen und entschlossenerem Handeln, denn der weise Spruch Verbotene Früchte schmecken am Besten kam ihnen in den Sinn und ließ ihre Erwartungen bezüglich einer nun nicht nur mehr möglichen, sondern durch die Ereignisse bestätigten, sehr wohl wahrscheinlichen Entdeckung steigen.

In der vollkommenen Dunkelheit ertasteten sie das U-Boot und bargen die Handtaschenlampen aus dem Gepäckraum. Mit dem wenigen Licht starteten sie das U-Boot erneut, dessen Licht den Tunnel vor ihnen und die Wand aus Geröll beleuchtete. Sie nahmen den Bohrer in Betrieb und trieben ihn immer wieder in die Blockade, dessen Gesteine sich nach und nach lösten und durch den Tunnel schossen, als sie in den durch den Bohrer verursachten Strudel hineingezogen und dann daraus herausgeschleudert wurden. Nach nur kurzer Zeit ihres Tuns begann hinter ihnen wieder das schaurige und bedrohlich wirkende Lichtspiel, doch erschreckte sie es nicht mehr im mindesten so sehr wie zuvor, auch wenn ein beklemmendes Gefühl blieb, in das sich dann auch ein wenig Angst und Panik mischte. In ihrer Ahnungslosigkeit verließen sie sich jedoch auf den Glauben der Unantastbarkeit von solchen kleinen Lebewesen, sollte es sich tatsächlich um so was handeln.

Es dauerte fast eine Stunde, bis der Bohrer die Blockade durchbrach und einen weiteren Tunnel freilegte. Als sich der Staub und die Steine zu Boden gelegt hatten, erkannten sie, dass der Tunnel unbeschädigt war, so dass sie einen zufälligen oder herbeigeführten Einsturz desselben ausschließen konnten. Es schien eher so, als hätte jemand oder etwas den Tunnel mit dem Geröll versperrt. Sie passierten die am Boden verbliebenen Trümmer und sahen entlang des sich vor ihnen erstreckenden Gangs wieder die Lichtpunkte an den Wänden, die nur vereinzelt erschienen, sich jedoch nach weiterem Vordringen der beiden Männer und des U-Boots in das blinkende Lichtspiel der Hinteren anschlossen. So drangen sie - umringt von den Millionen blinkenden Augen - immer weiter in den Tunnel, der sich schlängelte und dabei immer wieder nach unten absank und sie so in immer weitere Tiefe führte. Nach einer Weile nahmen sie die blinkenden Augen ringsherum kaum noch wahr und fanden sich in ihrer Vermutung bezüglich der Unantastbarkeit durch diese kleinen Wesen bestätigt.

Nach fast einer Stunde verengte sich der Tunnel zusehends, bis das U-Boot nicht weiterkam und die Lichter gänzlich verschwanden. Brown und Lewis nahmen all das Gepäck, welches sie zu tragen vermochten und schwammen weiter, während das U-Boot hinter ihnen zurückblieb. Nach einigen Schlangenlinien fiel der Tunnel steil nach unten ab und bot gerade noch Platz für einen Taucher. Langsam schwammen sie ihn entlang, der sie weit in die Tiefe führte, dann einen Knick machte, sich eine Weile der Horizontalen entlang zog und in eine Senkrechte überging, die sie nach oben führte. Der Tunnel weitete sich wieder etwas und führte sie zu ihrer völligen Verwunderung raus aus dem Wasser in eine trockene Grotte, die so groß war, dass sie kaum zu überblicken war. Schaurig seltsames, leicht grünliches Licht füllte die Höhle, in der fremdartige Gebilde standen, welche noch nie von den beiden Männern erblickt worden waren. In Staunen versetzt entledigten sie sich ihrer Schwimmflossen, der Sauerstofflaschen und ihrer Masken und betrachteten die Bauten und Gebilde, die sich scheinbar unendlich weit um sie herum erstreckten. Sie mussten in eine Art Stadt gelangt sein. Kleine, kreisförmige Gebilde, drei Fuß hoch, breit und lang, erhoben sich aus dem grünlich glänzenden Boden. Dazwischen ragten mächtige Säulen empor, die aus Glas oder einem ähnlichen Material zu bestehen schienen und berührten die Decke, welche hoch über ihren Köpfen genau das gleiche Bild bot wie zu ihren Füßen. Auch die Wände ringsherum sahen gleich oder ähnlich aus. Es schien, als gäbe es hier kein oben, unten, rechts, links, vorne oder hinten. Brown und Lewis wurde für einen Moment schwindelig, als sie ihren Blick an der Decke und den Wänden entlang schweifen ließen und kein Gefühl der Bodenhaftung mehr verspürten, bis sie die Augen schlossen und den Anflug von Panik zu verdrängen versuchten. Später erblickten sie inmitten der seltsamen Kuppeln und mächtigen Säulen Wege, etwa vier Fuß breit, aus einem grün schimmernden Material. Nun erblickten sie auch Säulen, die sich horizontal in der Luft entlang zogen und ein Verbindungsstück zwischen den sich senkrecht erstreckenden Säulen darstellten, die wiederum die Kuppeln auf dem Boden, der Decke und den Wänden miteinander verbanden.

Sie liefen den schier endlosen Weg inmitten der Gebilde entlang. Es war unübersehbar, dass diese Umgebung hier nicht vom Menschen geschaffen worden war, daher blieb die einzig logische Erklärung das Existieren kleiner, intelligenter, lebendiger Lichtgestalten fernab von den Menschen.

Und nach einer Weile, nachdem sie sich der Wichtigkeit dieser Entdeckung zum Teil bewusst geworden waren, erschienen auf einmal wieder die blinkenden Augen um sie herum, die sie zusammenzucken ließ. Millionen winziger Lichtpunkte sammelten sich vor ihnen, bildeten eine groteske Figur menschenähnlichen Aussehens und blinkten wie eine Leuchtstoffröhre. Brown und Lewis traten voller Panik zurück, fielen über die kleinen runden Gebilde auf dem Boden und blieben wie gelähmt zwischen ihnen liegen. Erst nach einer Weile löste sich das seltsame Wesen wieder in Millionen leuchtender und glitzernder Punkte auf. Die beiden Männer, sich noch immer nicht des vollen Ausmaßes ihrer Entdeckung bewusst, untersuchten weiter die Grotte, ohne eines der kleinen Lebewesen zu sehen. Es war eine Stadt, das war nicht zu übersehen; eine Stadt gefüllt mit kleinen Lebewesen, die keine Tiere waren, fernab von den Menschen und ihren kleinen Problemen.

Und später, als sie mit ihrer Taucherausrüstung wieder den Tunnel entlang schwammen und sich als die größten Entdecker der Menschheit fühlten, deren Fund weit über alles andere hinausging, was jemals ans Tageslicht gekommen war, kamen sie zum U-Boot und begaben sich zu dem Loch im Meeresboden, das nicht mehr da war. Die kleinen, intelligenten Lebewesen, die wohl schon seit vielen tausend Jahren fernab der Menschheit lebten, hatten den Zugang zu ihren Reich versiegelt. Als der Sauerstoff knapp wurde und Brown und Lewis qualvoll im Todeskampf erstickten, verstanden sie die leuchtenden, glitzernden Lichtgestalten und ihren Hang im Verborgenen zu leben, ohne Menschen, ohne Kriege, ohne Gräueltaten, ohne Umweltverschmutzung. Frei und sicher würde ein Lebewesen nur ohne die Menschen sein. Und vollkommen glücklich.

-ENDE-

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