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Oktober 2002
Von der Verfolgung der Magie
von Rebekka Putzke


Seit Menschengedenken wird darum gestritten, ob es die Magie wirklich gibt oder nicht. Der maßgebliche Stab von Gesellschaftswissenschaftlern war der Meinung "Nein" und wehe dem, der etwas dagegen zu sagen wagte. Der wurde als Ketzer gebrandmarkt und in der Öffentlichkeit gnadenlos vernichtet. So kam es, daß bald niemand es mehr wagte, Zweifel einzuräumen und die Handvoll Andersdenkender, Künstler, Esotheriker, Phantasten, nur noch im kleinen Kreis von diesem Thema sprach. Ihnen war wohl bewußt, daß sie gegen die vorherrschende, allgemeine Meinung nichts würden ausrichten können. Nur ihre Bilder und Gedichte, ihre Musik, ihre Skulpturen trugen noch die Spuren ihrer Botschaft (von der niemand etwas wissen wollte) und wurden von den Kunstwissenschaftlern mit größter Selbstverständlichkeit als künstlerische Phantasie und Vision oder Ausdruck besonderer Kreativität fehlinterpretiert und hochgelobt. Doch Professor Hestermann wußte das sehr genau und deshalb verfolgten er und ein paar seiner Kollegen diese Künstler in geradezu inquisitorischer Weise. Sie spürten jedem noch so absurden Verdacht nach und gaben sogar eine Liste heraus, in der die Namen der als "magie-gläubig" entlarvten offengelegt wurden. Das zeigte große Wirkung, denn niemand, der etwas auf sich hielt, hätte ein Werk eines so diskreditierten Künstlers gekauft oder eine positive Kritik dazu geäußert. So war es kein Wunder, daß der Kreis der Magier immer mehr ins geheime abgedrängt wurde. Aber Hestermann und seine fanatischen Anhänger verfolgten alle Mitglieder des Kreises oder solche, von denen es hieß, daß sie ihm nahe stünden, unnachgiebig.

Max Iwan hatte das am eigenen Leib zu spüren bekommen. Bisher verkauften sich seine Bilder und Skulpturen gut, doch nun war er plötzlich verdächtig und man beobachtete ihn und seine Kunst auf einmal mit Argusaugen. "Fast wie vom Geheimdienst überwacht," dachte er und zog spöttisch die Augenbrauen hoch. Aber er wußte, daß er gefährlich lebte und keinen ruhigen Augenblick mehr haben würde. Seine Magie war versteckt, doch wer sie suchte, konnte sie finden. Und es war nur noch eine Frage der Zeit, Seite 1 von 1wann Hestermann darauf stoßen würde und er und nicht ein empfänglicher Betrachter es war, der fand. Trotzdem entschloß er sich, so weiterzumachen wie bisher; es hätte ihm ohnehin nichts genutzt, denn viele seiner Arbeiten hingen in öffentlich zugänglichen Gebäuden oder Galerien und er wollte sich nicht verstecken. Eine Weile ging alles gut, noch nicht einmal die Magier des Kreises wurden in dieser Zeit behelligt, so sehr waren Max' Verfolger in ihrem Wahn erblindet. Doch dann ging auf einmal alles ganz schnell. Hestermann hatte plötzlich von einer geheimnisvollen Engelsstatue gehört, die in einer Kirche hing. Sofort machte er sich mit mehreren Kollegen auf den Weg.

Die Kirche war nicht schwer zu finden, es war die einzige in dem kleinen Ort. Sie steigen aus ihren Autos und schlugen die Türen zu, in nervöser Erwartung fanden sich alle vor dem Portal ein. Dann drängten sie ungeduldig zur Tür, doch Professor Hestermann hielt sie zurück. Diesen Triumph wollte er sich nicht nehmen lassen. Er öffnete die massive Holztür des noch ziemlich neuen Kirchengebäudes und trat, gefolgt von seinem Begleiterstab, ein. Die Männer in ihren Geschäftsanzügen wirkten etwas fehl am Platz in der friedlichen Stille, die sie nun umfing. Direkt über dem Altar hing der liebliche bronzene Engel mit dem milde verklärten Gesicht. Hestermann lief mit großen Schritten durch den Mittelgang auf ihn zu. Am Altar hatten seine Kollegen, die sich beeilt hatten ihm zu folgen, ihn wieder eingeholt. Alle sahen nach oben zur Engelsskulptur, aber enttäuschenderweise konnte niemand etwas besonderes entdecken. Sie traten ein Stück vor, um sie von hinten zu betrachten und da sahen sie es: Der Engel hing nicht. Er schwebte. Es dauerte nur einen Sekundenbruchteil bis sie es gewahr wurden. Dann stürzte der Engel zu Boden und zerbrach. Und mit ihm ihr Weltbild.

Letzte Aktualisierung: 00.00.0000 - 00.00 Uhr
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