Burgturm im Nebel
Burgturm im Nebel
"Was mögen sich im Laufe der Jahrhunderte hier schon für Geschichten abgespielt haben?" Nun, wir beantworten Ihnen diese Frage. In diesem Buch.
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Dezember 2002
Das Weihnachtsgeschenk
von Rosemarie C. Barth


Frederic saß lustlos im Sessel. Seine Augen wanderten durch
den Raum und blieben am Wandkalender hängen. Heiligabend, Weihnachten – das Fest der Familie!
Vor zehn Monaten war Isabel hier ausgezogen. Seither lebte Frederic allein. Warum nur hatte er damals die sinnlosen Affären? Wer eine Frau wie Isabel betrügt, der muss schwachsinnig sein!
Als ihn Isabel mit Clara erwischte, packte sie ihre Koffer und zog aus. Die Lust auf Affären war ihm viel zu spät vergangen.
Frederic arbeitete nun mehr als früher oder vergrub sich zu Hause. Weihnachten – das hatte ihm noch gefehlt!
Um drei Uhr war er bei Hanno zum Weihnachtskaffee eingeladen. Den Gedanken daran fand er grausam. Eine glückliche Familie
mit drei Kindern. Und er? Lange wollte er nicht bleiben, abends würden Hannos Eltern zu Besuch kommen. Was sollte er da am Familientisch?
Schließlich raffte er sich auf. An der Kaffeetafel wurde auch über Isabel geredet. Hannos Frau Doro traf sich oft mit ihr. Frederic hingegen wusste nicht mal, wo Isabel wohnt. Er wurde nur noch trauriger.
Eine Stunde später verabschiedete sich Frederic und lief zurück in die Einsamkeit. Er schloss die Wohnungstür auf und wollte am liebsten heulen. Was nun? fragte sich Frederic, fiel in den Sessel und vergrub sein Gesicht in den Händen.
Glucks.., glucks... Was war das für ein Geräusch? Wieder glucks. Es hörte sich an wie – ja, wie denn? Frederic sprang auf und öffnete die Schlafzimmertür. Was, was – um Himmelswillen – war
das? Es gluckste weiter. Da, ein Bündel lag auf seinem Bett. Unsicher trat er näher. Ein Baby. Ein winziges Menschlein gab
die Töne von sich. Frederic starrte auf das weiße Knäuel und wagte kaum zu atmen. Daneben lag ein rosafarbener Zettel, auf dem nur ein Wort stand: “MARIA”.
Ein Findelkind, überlegte Frederic. Aber wie kam es ausgerechnet in seine Wohnung? Was sollte er tun? Die Polizei rufen? Er konnte doch das Kind nicht hier lassen. Hanno! Er war Polizist. Auch Doro könnte er fragen. Bebend griff er zum Hörer. Doro war am Telefon. Gut so, dachte er, eine Frau weiß, was zu tun ist. Sie hat selbst drei Kinder. Doro war sprachlos, bot sich aber an, bei Frederic vorbei zu schauen.
Maria schrie indes aus Leibeskräften. Was nun? Doro, wo blieb sie? Er nahm das Baby vorsichtig auf den Arm und bewegte es
hin und her. Das gefiel Maria. Sie hörte sofort auf zu schreien. Frederic stand am Fenster, während er die Kleine sanft wiegte.
Da sah er zwei Frauen über den verschneiten Gehweg huschen. Ob eine davon Doro ist? Es war finster, er konnte kein Gesicht erkennen. Sie liefen direkt auf sein Haus zu. Es klingelte. Frederic hielt Maria fest und öffnete erleichtert die Tür.
“Doro, gut dass du, ja, du, auch Isabel?” Ihm fehlten die Worte.
“Frohe Weihnachten, Frederic!” sagte Isabel. Frederic starrte
Doro und Isabel verblüfft an. Dann bat er die Frauen in die Stube.
Es war ihm fatal, am Heiligabend Besuch zu haben. Nicht mal einen Weihnachtsstrauß hatte er hingestellt. Keine Lust auf Besinnlichkeit, so allein.
Frederic legte das Baby in Doros Arme. Sie liebkoste es sanft und reichte es Isabel weiter. Das schien Maria zu gefallen, sie strahlte.
“Doro, was sollen wir mit dem Baby machen? Wie kommt es nur hierher? Ein Findelkind, wer sind seine Eltern?
“Willst du das wirklich wissen, Frederic?” fragte Doro.
“Na, du bist gut. Natürlich – irgendwas müssen wir doch tun! Isabel, ich bin so froh, dass du auch da bist, weißt du, was wir...”

Doro sah auf die Uhr und rief: “Frederic, ich muss gehen, das Weihnachtsmahl, Hannos Eltern – also, ich wünsche euch besinnliche Weihnachten!” Doro schüttelte Frederics Hand, umarmte Isabel und zog die Tür hinter sich zu.
Isabel und Frederic standen sich gegenüber und musterten das Baby. Dann sahen sie sich wieder an. Isabel legte den Säugling in Frederics Arm und sagte: “Das ist Maria!”
“Ich weiß, Isabel, aber was machen wir jetzt mit ihr? Wir können sie doch nicht hier behalten.”
“Frederic”, Isabels Gesichtsausdruck wurde feierlich, “Frederic, das ist mein Weihnachtsgeschenk für dich. Das ist unsere Maria! Doro und ich dachten, Maria sollte Heiligabend ihren Papa kennen lernen. Das haben wir so geplant. Hanno hat mir deinen Schlüssel gegeben. Während du bei ihm Kaffee trinken warst, habe ich dein Geschenk vorbereitet. Maria ist elf Wochen alt. Du, ich hatte deine Affären so satt und wollte unser Kind allein großziehen. Aber dann lag Weihnachten so nah, und ich habe oft bei Doro gesessen, bis wir die Idee hatten. Frohe Weihnachten, Frederic!”
“Isabel, Maria – ich... ich liebe euch!” Stille Nacht, Heilige Nacht.

(c) Rosemarie C. Barth

Letzte Aktualisierung: 00.00.0000 - 00.00 Uhr
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