Sexlibris
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Wo ist die Grenze zwischen Pornografie und Erotik? Die 30 scharfen Geschichten in diesem Buch wandeln auf dem schmalen Grat.
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Dezember 2002
Black and White
von Matthias Marzy


Das Telefon läutete, ließ ihn zusammenfahren und riss Thomas Maier aus seinem Verkaufsgespräch, ein Haus war der Mittelpunkt.
“Ja, bitte?”
“Maier, um Sechzehnhundert in drei Tagen. Code Bravo.”
“Okay!”
“Ein anderer Interessent?” Der Kunde, der nur seinen Part des Gesprächs mitbekommen hatte, blickte ihn fragend an.
“Nein, meine Frau, ich soll noch etwas vom Supermarkt mitbringen.” Leicht ging ihm diese Ausrede über die Lippen, doch in seinem Inneren herrschte Aufruhr. Es war wieder soweit.
Später, den Vertrag unter Dach und Fach, verabschiedet er seien Klienten und ging daran die Termine für die nächsten Tage abzusagen. Keine anderen Kunden: Das war die erste Regel.
“Miranda”, rief er ins Vorzimmer hinaus. “Nehmen sie sich die nächsten 48 Stunden frei, ich muss verreisen.” Diskretion die nächste.
Danach begann er mögliche Objekte in seinem Katalog zu suchen. Die Vorgaben waren strikt, aber leicht zu erfüllen. Erwünscht war ein abgeschiedenes Anwesen mit ausreichender Größe und Kellerräumen. Warum brauchte man einen Keller für eine Woche? Sein Auftraggeber gab ihm jedes Mal dieses Rätsel auf, alle Jahre, fünf mal bis jetzt. Er wurde einfach nicht schlau daraus. Es brannte in ihm, doch seinem Wissensdurst nachzugeben, würde er niemals wagen. Keine Fragen – Bestimmung Nummer drei.
Damals, im Februar 97, erhielt er den ersten Anruf von Herrn Schwarz. Die Firma war gerade von ihm gegründet worden. Zu jener Zeit hatte er noch daran geglaubt alleine mit Guten Willen und Ehrlichkeit sein Brot verdienen zu können. Man belehrte ihn bald eines Besseren. Laute Fragen hatte er sich abgewöhnt, sonst wäre ihm dieses geheimnisvolle und lukrative Geschäft durch die Lappen gegangen. Das Geld half ihm zu schweigen. Der normale Mietpreis, inklusive aller Spesen, plus einer stattlichen Prämie von 30.000 auf sein Schwarzkonto.
Er musste nur wenige Seiten durchblättern, um genau das Richtige zu finden. Eilig griff er zum Hörer: “Alles erledigt”, vermittelte noch schnell die Adresse und legte auf. Es war nun an der Zeit nach Hause zu fahren, sich etwas auszuruhen. Morgen würde er einer Menge Leuten unzählige Aufträge erteilen.


Die letzen Tage waren der pure Horror gewesen, doch er hatte es geschafft. Alles erledigt. Jeder einzelne Punkt auf seiner Liste war abgehackt. Neben Lebensmitteln, Alkohol und diversen Zeitschriften, musste er auch obskure Dinge wie Handschellen und eine Axt besorgen. Sein Kunde hatte ihm zwar erklärt, dass er nur eine Partie feiern wollte. Doch das Werkzeug erzeugte bei ihm starke Skepsis.
Kaum mit seinem Gedankengang am Ende, fuhr die schwarze Limousine seines Klienten auch schon vor. Dieser stieg zusammen mit seinem vornehm gekleideten Chauffeur aus. Als Schwarz auf ihn zukam, erinnerte dieser ihn wiederholt an einen verwirrten Professor. „Gut Maier, wir haben telefoniert. Stimmt doch? Alles soweit in Ordnung? Hoffe ich doch,“ dann nickte er ihm noch einmal freundlich zu und verschwand mit seinem Diener im Haus.
Thomas machte sich daran nach Hause zu fahren, als er plötzlich meinte, aus dem Auto etwas zu hören. War da ein leises Klopfen? Langsam näherte er sich.
“Suchen sie noch etwas?” Der Bedienstete starrte ihn vom Balkon drohend an. “Nein, alles in bester Ordnung! Ich dachte nur, dass ich Geräusche gehört hätte.”
“Sie werden nicht fürs Denken bezahlt, also machen sie, dass sie weiter kommen.” Diese barsche Abfuhr erschütterte Thomas. Hier ging etwas nicht mit rechten Dingen zu. Er konnte es zwar verantworten, eine berauschende Feier zu organisieren. Diese konzentrierte Anhäufung von Zufällen machte ihn misstrauisch. Handschellen, die Axt, der freundliche Umgangston. Heute Nacht würde er zurückkommen und Mr. Schwarzs Aktivitäten etwas genauer betrachten.


Behutsam schlich er sich von der Rückseite des Anwesens an. Thomas starrte das Haus an. Alles war dunkel, nur aus einem Kellerfenster fiel ein matter Lichtschein. Langsam bewegte er sich vorwärts. Darauf bedacht kein Geräusch zu verursachen, näherte er sich dem Fenster. Es schien ihm, als vibrierten die Scheiben wegen der lauten Musik, die er deutlich hören könnte. Erkennen konnte er fast nichts, Stoffvorhänge waren vorgezogen und ließen nur einen schmalen Spalt frei. Thomas presste sein Ohr an die Scheibe, um vielleicht neben der Musik, Fetzen einer Unterhaltung oder andere Geräusche zu vernehmen. Nichts.
Plötzlich sah er durch den kleinen Spalt, wie Schwarz, mit Handschellen gefesselt, am Boden umherrobbte. Der Angstschweiß stand ihm ins Gesicht geschrieben, sein Diener drohend über ihm. Die Axt – seine Axt, war zum tödlichen Schlag erhoben. Dieser Anblick ließ ihn elektrisiert zusammenfahren. Ein Mord in einem seiner Anwesen und er konnte für immer ruiniert sein! Vielleicht war Schwarz über seinen Chauffeur hergefallen und dieser hatte sich gewehrt, vielleicht wollte dieser seinen Chef einfach nur ermorden, wer wusste das schon? Er musste auf der Stelle handeln, die Polizei verständigen. Sein Handy war sogleich gezückt und es dauerte keine Viertelstunde bis die Polizei herbeigeeilt kam. Erregt schilderte er die Lage, worauf das Ordnungsorgan sofort ins Haus eindrang.

Wenig später kamen die im Einsatz befindlichen Officiers zusammen mit Schwarz und dem unfreundlichen Angestellten zurück. Einer der Polizisten deutete in Thomas Richtung. “Dieser Herr da hat uns gerufen, ich bitte nochmals um Entschuldigung.”
“Sie hier, Maier? Was hat das zu bedeuten?”
“Ich….” Die Tatsache, dass der Polizist sich entschuldigte machte ihn stutzig. “Heute Nachmittag hörte ich verdächtige Geräusche aus ihrer Limousine. Auf meine Frage nach der Ursache, wurde ich ziemlich schroff abgefertigt. Dies und einige andere Ungereimtheiten machten mich stutzig. So beschloss ich einmal nachzusehen.” Langsam glaubte Thomas, dass er eine Dummheit begangen hatte, zerknirscht erklärte er: “Ich spähte durchs Fenster, und erblickte sie gefesselt am Boden. So verständigte ich die Polizei.”
Schwarz krümmte sich vor Lachen. Es dauerte eine Zeit, bis er sich wieder beruhigt hatte. “Maier sie sind mir einer. Höchstwahrscheinlich dachten sie, dass wir hier unten unsere perversen Spielchen, oder Ähnliches treiben? Ich muss mich bei ihnen entschuldigen. Ich bin ein vorsichtiger Mensch, darum habe ich sie all die Jahre im Dunklen gelassen. Zum Schutze meines Privatlebens war es unumgänglich, nichts auszuplaudern. Für meinen Mitarbeiter muss ich mich auch entschuldigen. Er ist manchmal etwas übereifrig, wenn es darum geht meine Privatsphäre zu bewahren. Ich bin Schriftsteller von Beruf. Einmal im Jahr miete ich bei ihnen für eine Woche ein abgelegenes Haus, um meinen Studien nachzugehen?”
“Welchen Studien?”
“Charakterstudien. Ich muss mich genau in meine Protagonisten hineinversetzen. In meinem derzeitigen Buch gibt es eine Stelle, in der die Hauptfigur gefesselt wird und man sie mit einer Axt bedroht.”
“Was ist mit den Geräuschen aus dem Wagen?”
“Die Geräusche kommen vermutlich von meinem Kater White, ich habe ihn versehentlich vergessen. Verstehen sie den kleinen Wortwitz? Schwarz zu Englisch Black – Black and White?” Der Schriftsteller grinste ihn dümmlich an.
“Ja, voll und ganz.” Dieser Mensch war ihm in mehr als in einer Hinsicht suspekt. Er konnte nicht wirklich darüber lachen. Halbherzig bemühte er sich wenigstens des Anstandes halber zu grinsen. “Gut, ich lasse sie jetzt alleine.”
“Bis zum nächsten Jahr. Ich habe große Pläne, mein nächstes Buch handelt von einem Wahnsinnigen der….”



The End
(c) Matthias Marzy

Letzte Aktualisierung: 00.00.0000 - 00.00 Uhr
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