Der himmelblaue Schmengeling
Der himmelblaue Schmengeling
Glück ist für jeden etwas anderes. Unter der Herausgeberschaft von Katharina Joanowitsch versuchen unsere Autoren 33 Annäherungen an diesen schwierigen Begriff.
mehr ... ] [ Verlagsprogramm ]
 SIE SIND HIER:   HOME » MITMACH-PROJEKT » SCHREIBAUFGABE » Rosemarie C. Barth IMPRESSUM
NEWSLETTER
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

Jetzt anmelden! ]

UNSERE TOP-SEITEN
1.) Literatur-News-Ticker
2.) Leselust
3.) Forum
4.) Mitmach-Projekt
5.) Schreib-Lust-News 6.) Ausschreibungen 7.) Wettbewerbs-Tipps
Februar 2003
Auch die Liebe kennt Grenzen
von Rosemarie C. Barth


Eine Frau, nachts allein im Auto unterwegs auf einer verlassenen Straße. Plötzlich kracht es laut.
Ralf Weidmann hält sich, obwohl er ahnte, was gleich passiert, schockiert die Ohren zu.
Die Frau, die den neuen silberfarbenen Mercedes fährt, ist Cheflektorin. Helene Bahrenberg veröffentlichte unter dem Pseudonym “Lavinia Rossella” einen Liebesroman, der über Nacht ein Bestseller wurde.
Helene Bahrenberg kommt von der Fahrbahn ab, als eine Gestalt mit einem sperrigen Gegenstand mitten auf die Straße springt. Sie reißt erschrocken das Steuer herum, die Autobremsen quietschen, der Silberpfeil schleudert über den Fahrdamm, prallt gegen eine uralte Eiche und saust von dort aus in den Straßengraben. Der Mercedes hat Totalschaden. Die Lektorin stirbt an ihren Verletzungen.

Ralf Weidmann kauert wie erstarrt im Gestrüpp. “Raus – du musst raus hier”, nuschelt er. Kraftlos schleicht er aus dem Gebüsch. Die Straße liegt in beängstigender Totenstille. Kein Mensch und kein Fahrzeug weit und breit. Weidmann wagt kaum zu atmen. Eiskalter Schweiß tropft in seinen Nacken. Sie hat es verdient, beruhigt er sein aufgewühltes Gewissen.

Helene Bahrenberg war Ralf Weidmanns große Liebe.
Fast drei Jahre waren sie liiert, lebten jedoch in getrennten
Wohnungen. Eine Lektorin braucht Ruhe, muss auch zu
Hause Unmengen Manuskripte lesen, das sah Weidmann ein. Aber irgendwann... beruhigte ihn Helene, sicher werden wir heiraten, warum nicht Kinder haben. Alles zu seiner Zeit, jetzt ist Karriere angesagt. Ralf Weidmann war geduldig.

Nach der Scheidung von Manuela lebte er allein, hatte einige
Flirts, die nur einen widerlichen Beigeschmack hinterließen.
Doch - dann traf er Helene.
Dieser wunderbaren Frau zuliebe absolvierte Weidmann ein Autorenfernstudium. Er wollte auf einer Wellenlinie mit ihr, der Cheflektorin, liegen. Sie sprachen sehr oft über Literatur. Weidmann hört Helene noch rufen: “Ralf, du solltest einen klassischen Liebesroman schreiben, wozu hast du Belletristik studiert? Das Handwerk beherrscht du, worauf wartest du?” Weidmann war skeptisch. An seine Antwort erinnert er sich genau: “Helene, du weißt, ich will Krimis austüfteln, das liegt mir mehr. Über Liebe kann ich nicht schreiben.”
“Ralf, was soll die Einseitigkeit? Ich helfe dir, so gut ich kann und – wozu bin ich Lektorin, der Roman – ich schwöre dir, wird eher heute als morgen veröffentlicht! Also, ran!”

Ralf findet sein Rennrad im Straßengraben und klammert sich dran fest, als könnte es ihn retten. Doch seine feuchten Hände rutschen ab. Plötzlich tritt er auf seine Taschenlampe. Er hebt sie auf, schaut sich überall um – alles menschenleer - auch kein Auto fährt. Beklommen strahlt Weidmann das Unfallauto an. Ein grausiges Bild bietet sich ihm. Helene Bahrenberg hängt blutüberströmt und halb baumelnd aus
der Autotür. Wie so oft, war sie auch heute nicht angegurtet. Auch der aufgesprungene Airbag hat sie nicht retten können. Helene Bahrenberg ist tot. Angewidert knipst Weidmann das Licht aus und schwingt sich taumelnd auf sein Rad.
Weg hier - hämmert es in seinem leeren Kopf. Das Herz poltert gegen die kalte Brust. Sie hat’s nicht anders verdient.

Als Helene ihn immer stärker drängte, den Liebesroman zu schreiben, blieb ihm keine Wahl mehr. Sein Lebensglück und auch sein Pech, lag längst in den feinen Händen von Helene. Er musste ihr beweisen, dass er die Liebe - die ganz großen Gefühle – auch auf Papier präsentieren konnte.
Am Ostersonntag, als Helene sich wieder auf einer ihrer unzähligen Dienstreisen befand, schrieb er die ersten Sätze. Nur schwerlich gingen sie ihm von der Hand. Ralf Weidmann erinnerte sich an seine – wohl nur scheinbar - glückliche Ehe mit Manuela. Er hatte ihre Liebe verloren. Manuela traf im Familienurlaub in Kapstadt einen Farbigen, sie war wie vom Blitz gerührt und blieb bei ihm für immer. Inzwischen lebt der Südafrikaner Pascal mit Manuela in Deutschland.
Ständig denkt Ralf Weidmann an seinen sechsjährigen Sohn Johann. Wie er wohl mit dem farbigen Stiefvater klar kommt? Ein Wochenende im Monat darf Johann bei Weidmann verleben. Das genießen beide sehr und Ralf fragt nicht nach der Mutter und dem Schwarzen.
Er hat sein Liebesglück mit Helene gefunden.

Weidmann tritt kräftig in die glitschigen Radpedalen. Es regnet stärker. Ein schrecklicher Unfall, denkt er, so was passiert immer und überall. Mit letzter Kraft erreicht er sein Haus. Es ist stockfinster, sehen wird ihn zu der Zeit keiner. Weidmann schleppt das Rennrad in den Keller und kraxelt mühselig die Treppen zur Wohnung hoch.
Er öffnet die Tür, reißt die pitschnassen Klamotten vom Leib und lässt ein Bad ein. Während die Wanne voll läuft, rennt er ziellos durch die apart möblierte Wohnung. Er will vergessen, was auf der Wellenborner Straße passiert ist.
“So schnell wie möglich”, sagt er laut. Dann fällt sein Blick auf das Bücherregal, wo der Bestseller “Grenzenlose Liebe” von Lavinia Rossella liegt.
“Nein!” schreit Weidmann, “nein und nochmals nein. Nicht Lavinia Rossella und nicht Helene Bahrenberg, nein!”
Er hat den Roman geschrieben, und zwar von der ersten bis
zur letzten Zeile. Lautes Plätschern reißt ihn aus seinen Gedanken. Die Wanne ist übergelaufen. Weidmann wischt den Boden trocken und steigt ins Kräuterbad. Ein wohliges Gefühl durchfließt seinen verspannten Körper.
Kurze Zeit später schläft er erschöpft im heißen Wasser ein.

Deutlich sieht er wieder, wie es ihn Nacht für Nacht auf die Wellenborner Straße trieb. Er wusste genau, dass Helenes Spätschichten im Esche-Verlag zehn Uhr endeten. Oft hatte er sie früher im zweiwöchigen Wechsel abgeholt. Nun lauerte er ihr am Straßenrand in den Büschen auf, Nacht für Nacht. Viertel nach zehn musste sie die Wellenborner Straße lang gefahren kommen. Schon die vierte Woche versuchte er, sie aufzuspüren. Nie war sie allein auf der Fahrbahn. Vor oder hinter ihr fuhren Autos oder Motorräder.
Er musste seinen Plan immer wieder neu angehen.
Vorige Woche hätte er es fast geschafft, doch als er mit seinem Knüppel auf die Straße springen wollte, sah er ein Liebespaar aus dem Gebüsch laufen. Das wäre beinahe schief gegangen. Sie hätten ihn sofort als Täter entlarven können. In letzter Sekunde schaffte er es noch, zurück ins Blätterdickicht zu kriechen. Bloß nicht noch Augenzeugen. Weidmann fühlte sich elend. Es war wieder nicht gelungen.
Doch diesmal kam es anders. Der richtige Moment war da.

Patsch, schwapp, brrrr – Weidmann schnappt nach Luft wie ein Karpfen. Er ist mit dem Kopf in die Wanne getaucht, fast wäre er erstickt. Er röchelt und räuspert sich, schüttelt sein krebsrotes Gesicht und erholt sich wieder.
“Oh Gott, der Traum, der scheußliche Traum, soll das so weiter gehen?” murmelt er. Weidmann frottiert seinen Körper trocken, zieht den Pyjama an und trottet wie ein geprügelter Hund an den Kühlschrank. Zwei große Flaschen Bockbier und ein Schinkenbrot gönnt er sich, ein wenig Fernsehen und dann hoffentlich gut einschlafen.
Die Standuhr schlägt Mitternacht. Von dem Starkbier wird Weidmann erneut müde und schläft grunzend auf der Couch ein.
Wieder streckt ein rabenschwarzer Traum die Arme nach ihm aus. Weidmann spürt das feuchte Gebüsch, sieht sich geduckt nach der Frau lauern, die ihn enttäuscht und ihm alles genommen hat. Sie hat es verdient!
Es ist zwölf Minuten nach zehn, weit und breit kein Mensch, keine Motorengeräusche, nun könnte sie kommen, dann würde es heute klappen. Ralf Weidmann hält den knorrigen Ast umfasst. Falls der Silberpfeil sich nähert, wird er auf die Straße stürzen, wie ein Löwe, der sein Opfer erspäht hat. Weidmanns Nerven liegen blank. Nirgends ein Laut. Stadt und Straßen scheinen leer gefegt. Da, da vorn - Autolichter! Weidmann setzt zum Aufbruch an. Er hebt sein Fernglas vor die aufgerissenen Augen, und sieht den silbernen Mercedes näher kommen. Noch ein Stück – und noch ein Stück.
Nun erkennt er, dass Helene im Auto sitzt, zum Glück allein. Manchmal nimmt sie die dicke Anne aus der Redaktion mit, auch damit hatte Weidmann rechnen müssen. Dann hätte er sich zurück gezogen. Doch heute fährt sie allein. Glück für Weidmann – Pech für Helene.
Jetzt musste alles blitzschnell gehen. Ralf Weidmann lässt das Fernglas fallen, rafft den Knüppel fester und rennt wie vom Teufel gejagt auf die Fahrbahn. Und Sekunden später ist alles vorbei.
Helene Bahrenberg, die Bestsellerautorin Lavinia Rossella, gibt es nicht mehr. Das heißt, es hat sie so auch vorher nicht gegeben.
Weidmann schreckt aus dem Schlaf, erwacht vom eigenen Schrei. Es ist sechs Uhr morgens.
Er muss sich auf seinen Schuldienst vorbereiten. Weidmann ist Lehrer für Geschichte und Deutsch am Gymnasium. Halb acht beginnt die erste Stunde. Weidmann schwitzt und friert wechselnd. Sein Kopf schmerzt. Die Hände vibrieren wie das Blätterlaub am Straßenrand. Nicht schon wieder, ermahnt er sich. Heute ist ein anderer Tag, ein neues Leben beginnt. Du hältst die Schulstunden, als sei nichts passiert.
Sollen die Medien doch schreiben über die Bestsellerautorin, was geht es dich an. Du musst vergessen, dass sie dich kaputt gemacht hat. Du musst, musst!
In Weidmanns Kopf schwirren tausend Gedanken. Im fällt wieder ein, dass er ungezählte Nächte hindurch geschrieben hat, Zeile für Zeile, Seite für Seite. Helene drängelte ständig. Es gäbe eine Terminauflage bei Esche, der Roman könne sofort erscheinen, wenn er endlich fertig sein würde.

Das Wochenende kam, an dem Weidmann seinen Sohn Johann wieder zu sich nehmen durfte.
“Sag ab!” zwang Helene ihn. “Dazu ist jetzt keine Zeit. Das Manuskript muss Mittwoch in Esches Händen liegen, oder du kannst‘s vergessen. Dann waren all die Monate umsonst!”
“Bitte Helene, alle vier Wochen darf ich Johann nur sehen”, hörte sich Weidmann flehen, “ich kann ihn nicht enttäuschen, das versteht der kleine Bub nicht!”
“Dann tu ich’s!” Helene drehte sich um, die Tür krachte ins Schloss. Minuten später tauchte sie wieder auf und tat, als sei nichts geschehen: “So, ich habe deine Ex angerufen, sie versteht gut, dass wir viel Arbeit mit dem Manuskript haben und die Terminpflicht. Sie bringt dir Johann nächste Woche.” Helene schmeichelte sich ein und umarmte ihn sprühend. Weidmann hatte keine Wahl und schrieb ärgerlich weiter. Natürlich wollte er auch, dass sein Roman erscheint, aber Johann ging ihm über alles.
Das Manuskript war am Mittwochmorgen fertig. Helene riss es ihm aus der Hand mit einem süßlichen: “Danke Liebling - du, das wird ein Bestseller, ich weiß es!”
Diese Art des Dankes missfiel Weidmann und er fragte sich in dem Moment, was da eben geschehen war.
Abends erzählte Helene aufgekratzt, Horst Esche sei total begeistert, und einer Veröffentlichung stehe nichts im Wege.

Pfui Teufel, schmeckt der Kaffee bitter, merkt Weidmann und spuckt den Schluck im hohen Bogen aus. Ein Blick zur Uhr ermahnt ihn, in zehn Minuten muss er den Golf starten, wenn er die Deutschstunde rechtzeitig beginnen will. Weidmann fühlt sich verkatert. Die Bockbiere melden sich.
Er muss sich übergeben, bekleckert sein gelbes Hemd, zieht ein sauberes an. Seine Hände zittern vor Schwäche, der Kopf schmerzt. Ich muss, muss - ruft er sich zur Ordnung. Ein Glas Soda und Aspirin bessern sein Befinden.
Mit weichen Knien verlässt er das Haus. Jeder kann mal einen schlechten Tag haben, was ist dabei. Auch wenn die Klatschmäuler schon wissen, dass die bewundernswerte Autorin tödlich verunfallt ist, was geht es ihn an, sie wissen auch, dass sich beide längst getrennt hatten, also würde ihn keiner darauf ansprechen. Was soll’s, cool bleiben, ermahnte er sich.
Der Schultag lief wie jeder andere auch, nichts besonderes geschah. Keiner sprach vom Unfalltod der Lavinia Rossella.
Man wird sie sicher spät entdeckt haben, darum haben die Schmierblätter noch nichts gedruckt, überlegt Weidmann.

Zu Hause, legte sich Ralf Weidmann sofort auf die Couch. Er war zu müde, um dem trüben Tag Positives abgewinnen zu können. Später schaltete er den Regionalsender ein und – da! Bestsellerautorin Lavinia Rossella im Morgengrauen tot im Straßengraben entdeckt. Der tragische Unfalltod einer berühmten Frau. Helene Bahrenberg, Cheflektorin im Esche-Verlag, veröffentlichte kürzlich ihren Bestseller “Grenzenlose Liebe”. Auflagen in Millionenhöhe zeichnen sich ab. Doch ein bestürzender Autounfall riss sie aus ihrem literarischen Schaffen. Wellenborn ernennt Helene Bahrenberg zur “Ehrenbürgerin”.
Was? Was sagen die da? Weidmann glaubt, sich verhört zu haben. Ehre? Wo hat sie Ehre im Leib gehabt? Die gemeine Lügnerin und Betrügerin! Wutschnaubend springt er von der Couch hoch. Er reißt den Roman vom Buchbord, wirft ihn zu Boden und trampelt darauf herum, als wollte er ein Feuer aus stampfen. Die “Grenzenlose Liebe” hat er geschrieben, er! Sie wollte das Manuskript nur begutachten. Doch es kam anders. Heimlich, aber regelmäßig hat sie seine Romandatei kopiert und winzige Änderungen prompt erledigt.
Am Vorlagetermin galt Weidmanns Manuskript als druckreif.
Kurze Zeit später lag der Roman in allen Buchhandlungen des Landes. Helene war plötzlich nicht mehr zu sprechen, hatte einen übervollen Terminkalender und verschwand von der Bildfläche.
Im Verlag sagten sie, Lavinia Rossella sei auf Lesereise quer durch Deutschland für mehrere Wochen. “Die “Grenzenlose Liebe” signiert sie überall, Sie verstehen, Herr Weidmann? Doch wieso wissen Sie nichts von der Lesetour?”
“Wieso ich nichts weiß? Weil ich ein selten dämlicher Vollidiot bin!” hatte er schroff geantwortet.

Weidmann schüttet angeekelt einen doppelten Kognak in den Hals. Diese infame Lügnerin, wütete er.
Am Samstag nach Manuskriptabgabe wartete Weidmann vergebens auf Johann. Er rief Manuela an, sprach auf die Anrufbox, nichts. Weidmann startete sein Auto, um den Jungen abzuholen. Das Eigenheim der Familie Carpendale schien verwaist. Er warf Manuela eine Nachricht in den Postkasten, das Romanmanuskript sei abgegeben und er hätte nun alle Zeit der Welt für Johann.
Sie hatte darauf nie geantwortet.
Eines Tages traf er Manuela im Sparmarkt. Er flehte sie an, nur einen Satz mit ihm zu reden. “Gut, du sollst deinen Satz haben. Was faselst du von einem Roman? Deine Braut hatte damals angerufen und gesagt, du willst von Johann nichts mehr wissen, ihr habt eure Pläne. Johann hat bitter geweint. Ich konnte ihn kaum beruhigen!”
“Was – was, sagst du?” Weidmann schnürte es die Kehle zu, er lief puterrot an, drohte zu ersticken. Manuela ließ ihn stehen. Er konnte Helenes verfluchte Lüge nicht aufklären.

Helene Bahrenberg war ein niederträchtiges Miststück. Das sah Ralf Weidmann zu spät ein. Sie war zärtlich, doch berechnend – zuweilen eine spannende Mischung. Gott, er war vor lauter Liebe blind gewesen.
Aus krankhafter Karrieresucht hat sie nicht nur den Roman geklaut, sondern auch sein Kind entfremdet. Johann störte nur. Fast parallel hat er von beiden Missetaten erfahren.

Weidmanns Roman erschien unter Helenes Pseudonym Lavinia Rossella mit ihrem Foto, kein Wort über ihn, den wahren Autor. Nicht mal ein Dankspruch auf der Buchseite. Ihn schien es nie gegeben zu haben.
Die Wut loderte in ihm wie ein vernichtendes Feuer.

Tags darauf traf Weidmann Manuela und musste von ihr das Gemeinste überhaupt erfahren. Von dem Moment an wusste er, Helene Bahrenberg hatte nicht das Recht zu leben, als Star gefeiert zu werden. Sein Schreibwerk zu stehlen, ist ein Verbrechen, doch sein Kind zu entfremden, ist unverzeihlich.

An eine Anzeige wegen verletzten Urheberrechtes hatte er auch gedacht. Doch, wer würde ihm das glauben, beweisen konnte er es nicht. Warum sollte ein Lehrer für Deutsch und Geschichte den Liebesbestseller aus dem Ärmel geschüttelt haben? Das Autorenstudium? Gut, das hatte er vor wenigen Monaten abgeschlossen. Wem traut man einen Bestseller eher zu, einer Lektorin der Chefetage oder einem Jungautor, der eben das Handwerk gelernt hat?
Die Anzeige hätte nichts gebracht. Cheflektorin Bahrenberg anzuzeigen - man hätte ihn ausgelacht.
Sie musste anders bestraft werden, diese Lavinia Rossella.

Weidmanns Entschluss stand fest. Mit seiner Feder sollte sie sich nicht länger schmücken. Einen irren Vorschuss für den Roman kassierte sie Esche ab und hatte davon ihren silberfarbenen Mercedes gekauft. Das Wort Gewissen hat sie jedoch nie im Leben gehört, dieses Mistweib!

Weidmann hat viel zuviel Kognak getrunken. Seine Augen quellen aus dem roten Gesicht. Verärgert, dass er sich weiter mit Helene beschäftigt, wirft er die Pulle in den Müll, duscht eiskalt und ruft sich letztmalig zur Ordnung. Schluss jetzt! Dein Leben fängt neu an, in diesem Moment!
Ralf Weidmann, der Autor der “Grenzenlose Liebe” hebt sein Buch vom Fußboden auf und schmökert darin.
Inzwischen ist es tiefe Nacht geworden, Weidmann verspürt ein bislang unbekanntes Gefühl. Stolz. Ja! Er ist stolz, diesen Roman geschrieben zu haben. Das wird seine Zukunft sein.
Demnächst wird er den Krimi schreiben, das liegt ihm mehr.
Doch vorher versucht er ein Kinderbuch für Leser ab sieben Jahre zu verfassen. Hat er den Liebesroman geschrieben, gelingt ihm auch ein Kinderbuch. Denn nichts auf der Welt hat mehr mit Liebe zu tun, als Kinder.
In zwei Monaten feiert Johann seinen siebenten Geburtstag.


Rosemarie C. Barth, Magdeburg im Februar 2003
















































Letzte Aktualisierung: 00.00.0000 - 00.00 Uhr
Dieser Text enthält 17253 Zeichen.

Druckversion

 LINKTIPPS: Naturwaren Diese Website wird unterstützt von:

www.mswaltrop.de
Copyright © 2006 - 2020 by Schreiblust-Verlag - Alle Rechte vorbehalten.