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März 2003
Show don’t Tell
von Torsten "Tortitch" Schmandt

Zwei Sprecher. A: nachdenklich mit einem Schuss Lakonie, aber auch ein dankbarer Famulus, nicht übermäßig groß, schmale, blasse Hände, farblos und kostengünstig gekleidet.
B: sanguinisch, großgebärdig, wenn er will, mit Donnerstimme.

A: (deklamierend) Er blickte sehnsüchtig auf ihren Erdbeermund.

B: (unterbrechend, skeptisch) Moment mal, nein, ich weiß nicht, das klingt so... wie soll ich sagen? So ... so... ach ne, ne. Was soll denn das heißen, Erdbeermund?

A: Na, so, als wenn eine Biene hineingestochen hätte, so wulstige, rote Dinger halt.

B: (in Ekstase) Ah, oh, das ist gut, ja, jetzt sehe ich es vor meinem inneren Auge: Hier die Biene, da die Lippen, der Stachel ... und nun rot und wulstig. Ich sehe es! Ich sehe es! (plötzlich ganz quengelig wie ein Finanzbeamter am Telefon) Nein ... nein, doch nicht. Gar nichts sehe ich. (Jetzt sogar im äffenden Tonfall) Sehnsüchtig! Schon wieder eines von diesen Adjektiven. (In theatralischer Gebärde) Ha, wie ich sie verabscheue diese Adjektive! Kein Saft! Keine Farbe! Kein Leben! Die papiernste, dünnste, fadeste, nichts sagendste aller Wortarten.

A: (Niedergeschlagen) Nicht gut? Ach, ach, ach. Was soll ich bloß tun?

B: (Von einer plötzlichen Eingebung überwältigt) Speichel!

A: Speichel?

B: Eben, was heißt sehnsüchtig denn anderes, als dass Speichel aus seinem Mundwinkel tropft?! Denk dich als Regisseur. Du willst zeigen, dass ein Mann Sehnsucht fühlt. Was machst du? Großaufnahme vom Speichel, der ihm aus dem Mund fließt.

A: (Nachdenklich) Ja, das könnte gehen. Hm ... Wenn das nur nicht eklig aussieht. Reicht nicht vielleicht ein Tröpfchen? Ein kleines Tröpfchen im Mundwinkel?

B: (Mit Begeisterung) Du raffinierter Hund! Natürlich, die subtile Andeutung, die die Phantasie des Betrachters kitzelt und anstachelt zu schillerndsten Bildern, zu einer wahren Flut von sehnsüchtigem Speichel, zu einer Bilderflut.

A: Also dann. (Wieder deklamierend) Er blickte...

B: Halt, mein Lieber, mein Bester, mein Teuerster, du machst alles kaputt: Er blickte ... er kickte, pickte, fickte – nichts als Unflat, der einem dazu einfällt. Und wo bleibt da das Auge? Ein Auge, das sich in der Augenhöhle so ausrichtet, dass die Blickachse cum grano salis lotrecht auf der Lippenoberfläche steht? Nichts davon zu sehen. Statt dessen (mit Verachtung und abfälligem Ekel) er blickte. Aus dem prallen Reifen lässt du die Luft raus.

A: (Mit aufkeimendem Begreifen) Ach so, ... die Luft raus. Ja, doch, ich verstehe. Also dann. (Deklamierend) Sein Auge ruckte in seiner Höhle, bis die Blickachse lotrecht auf ihren roten, wulstigen – als hätte eine Biene hineingestochen - Lippen stand, während ein schillerndes Speicheltröpfchen sich aus seinem Mundwinkel stahl...

B: (Verunsichert) Sag mal, was willst du damit eigentlich andeuten?

A: (Von der Einfalt der Frage verblüfft) Na, dass er in sie verliebt ist.

B: (Jetzt mehr abwesend als verunsichert) Ja, so, verliebt ... sicher, sicher. – Ich muss jetzt auch los. Hab noch ein Rendezvous heute. Ein ganz reizendes Wesen wartet auf mich. Ich sehe dem schon ganz sehnsüchtig entgegen. (Geht. A sieht ihm ratlos-gedankenvoll nach)

Letzte Aktualisierung: 00.00.0000 - 00.00 Uhr
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