Der Tod aus der Teekiste
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"Viele Autoren können schreiben, aber nur wenige können originell schreiben. Wir präsentieren Ihnen die Stecknadeln aus dem Heuhaufen."
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Juni 2003
Volle Konzentration ist die halbe Miete
von Matthias Meyeul


Der Führerschein, die Lizenz zu fahren, das Allerheiligste im Leben eines jeden jungen Mannes. Bald war es soweit und er hatte ihn. Stefan war schon immer der Jüngste in der Klasse gewesen, so fuhren die anderen schon längst mit dem Auto. Sie waren ihm zwar weder geistig noch körperlich unterlegen, dafür waren sie echte Männer, wie sein Vater es so schön ausdrückte: „Zuerst ein Bärtchen, dann der Führerschein, dann klappst mit den Frauen und du bist ein Mann!“
Die theoretische Prüfung hatte er bereits mit Prafour gelöst, 95% hatte er erreicht. Dafür war der ganze letzte Monat mit lernen drauf gegangen. Bisher lief es auch bei der Fahrprüfung ganz in seinem Interesse, Stefan hatte Glück mit dem Prüfer. Dieser selbst gerade den Zwanzigern entwachsen, wusste um die Nervosität Stefans und den großen Druck der auf solch einem jungen Mann lastete.
Selbst auf dem kleinen Hügel in der Stadt war ihm der Motor beim anfahren nicht abgestorben, die Einparkübungen vorwärts und zurück waren ohne jedes Makel überstanden. Jetzt galt es nur noch den kleinen Wagen die Einfahrt der Tiefgarage hinunter zu lenken und abzustellen. Danach bekam er pünktlich zwei Tage später beim Amt seinen Schein, dem Ausflug mit Mona stand nichts mehr im Wege. Sie hatte ihm gesagt, wenn er Samstags mit ihr und dem BMW des Vaters zu dieser Partie fuhr, würde sie fix mit ihm gehen. Mona, sein Schwarm seit der ersten Klasse, mit ihren strahlend blauen Augen und dem süßen Schmollmund.
„Kunz!“
Es riss ihn, er war zu weit rechts, viel zu weit. Ratsch, der Außenspiegel strich an dem kleinen Warnschild mit dem Pfeil nach innen. Vorsicht scharfe Kurve, wollte es ihm entgegen schreien. Unachtsamkeit führt zu eventuellen Schäden an ihrem Auto! Diese waren nun eingetreten, der Spiegel hingt nicht mehr ganz so, wie es vom Hersteller vorgesehen war.
„Kunz, das hat Konsequenzen!“ Der verständnisvolle Prüfer war passe, dieser hier knallte die Tür ins Schloss und stürmte davon. Zurück blieb ein Häufchen Elend mit einem leichten Flaum am Kinn – Stefan, der sein Pech nicht fassen konnte.

Er blickte vom ersten Stock auf den vier Meter weiter unten befindlichen betonierten Innenhof hinunter. Auf der Terrasse stehend erwartete er zusammen mit zwei anderen Prüflingen die Bekanntgabe der Prüfer ab. Insgeheim wusste er schon, was sie verkünden würden, das Gelächter seiner Freunde dröhnte ihm schon in den Ohren, die mahnende Stimme seines Vaters schmerzte bereits jetzt. Die Minuten strichen endlos dahin, bis die drei Prüfer an die Sonne traten, ihre ernsten Mienen spiegelten Stefan insgeheime Überzeugung wieder, dass er Mona und all seine Träume in den Wind schreiben konnte.
„66% haben es geschafft. Einer von Ihnen fiel leider bei der Fahrprüfung wegen eines groben Vergehens durch.“
Die Farben begannen vor Stefans Augen zu verschwimmen, er fühlte Schwindel aufsteigen und wusste nicht mehr so recht was er eigentlich tat.
„Stopp Kunz! Kommen Sie vom Geländer runter. Nein!“

Ein grelles Licht blendete Stefan. War das der Himmel? Wenn ja, passte der dickliche Arzt, der ihm das Augenlied aufhob und mit einer Lampe die Kontraktion der Pupille überprüfte, nicht ganz hinein.
„Sie hatten Glück und landeten in einem Altpapierkontainer, der heute eigentlich geleert werden sollte. Ihr Sprung war ganz umsonst, sie haben den Führerschein, wenngleich sie nun mindestens fünf Wochen warten müssen, bis ihr gebrochenes Bein geheilt ist. Einer der anderen Teilnehmer hat anscheinend eine rote Ampel übersehen, so leicht fällt man durch. Können ist eben nicht alles, manchmal ist Glück die halbe Miete.


© Meyeul 2003

Letzte Aktualisierung: 00.00.0000 - 00.00 Uhr
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