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Juni 2003
Auszug aus: Dunkle Wolken ├╝ber der Stadt
von Marcel Nebeling


3
VORMITTAG

9:25 Uhr

Ben machte sich schreckliche Sorgen um seinen Hund. Seine Eltern auch. Heute war die ganze Familie beisammen, bis auf das Randy jetzt fehlte. Wo mag er blo├č stecken?, fragte sich Benni. Seine Eltern hatten heute frei genommen, weil sie das Haus putzten wollten, denn schlie├člich begann in einer Woche ihr Urlaub. Bis dahin wollten sie das Haus auf Vordermann gebracht haben. Das war eine ihrer h├Ąuslichen Traditionen.

Doch heute war Benni nicht so aktiv, wie sonst. Seine Eltern sorgten sich auch um Randy. Drau├čen braute sich ein Unwetter zusammen und ihr Hund war irgendwo im Regen.

"Vielleicht ist er ja zu Mark gegangen.", spekulierte Ben.

"Ja, das k├Ânnte sein.", pflichtete ihm seine Mutter bei, als sie gerade in die K├╝che kam, um ein neues Handtuch zu holen. Ben ging zum Telefon, nahm den H├Ârer ab, aber das Telefon war tot.

"Schei├če.", entfuhr es ihm.

"So etwas sagt man nicht, mein Sohn.", rief sein Vater von oben aus dem Arbeitsraum.

"Dad!"

"Was ist?", hallte es zu ihm herunter.

"Das Telefon geht nicht!" Henk kam an die Treppe und sah seinen Sohn ungl├Ąubig an. "Das kann doch nicht sein.", meinte er. Doch er musste feststellen, dass es stimmte. "Bestimmt wegen dem Gewitter.", vermutete er.

"Und wie soll ich jetzt Mark erreichen?", wollte Ben wissen.

"Zieh dich warm an und ich fahr dich dann hin.", schlug Henk vor. Ben rannte die Treppe hinauf und rief: "Null Problemo. Bin in wenigen Minuten fertig." Als er fertig war, gingen sie in die Garage und fuhren los.



9:40 Uhr

In der kleinen Feuerwache leuchtete ein rotes, grelles Licht an der Wand auf. Die M├Ąnner sa├čen an einem Tisch und spielten Poker. Die Feuerwache war eher ein M├Ąnnerclub. Dort trafen sich die Arbeitslosen am Vormittag und die Besch├Ąftigten am Abend zum Kartenspielen. Aber trotzdem bildeten sie zu der Zeit, als sie sich in diesem Geb├Ąude aufhielten, die Feuerwehr von Dalton. Jetzt schrillte pl├Âtzlich die Glocke ├╝ber der roten Alarmlampe. Sie standen auf und einer von ihnen ging zur Karte an der linken Wand, die mit kleinen Lichtern versehen war. Diesmal leuchtete das Licht, wo die Tannerranch sich befand. Sie zogen sich blitzschnell um und waren in f├╝nf Minuten auf dem Weg. Doch sie w├╝rden nicht mehr viel l├Âschen k├Ânnen.


10:00 Uhr

Luise musste schlucken. So viel, wie sie jetzt gesehen hatte, dass war ihr im Prinzip schon fast zu viel. Sie sa├čen wieder oben in der Wohnstube auf der Ledercouch. Samson sah aus dem Fenster und Luise blickte auf den Tisch mit den ausgebreiteten Ausdrucken der Datenbanken. Es war richtig erschreckend. In den letzten Monaten ver├Ąnderte sich das Klima wirklich. Die Katastrophen hatten sich verdreifacht gegen├╝ber den letzten drei Monaten. Wie konnte das nur m├Âglich sein und vor allem, was sollten sie jetzt machen?

"IchÔÇŽ Wir m├╝ssen die Leute darauf aufmerksam machen.", ├╝berlegte sie laut. Samson blickte sie an und l├Ąchelte dann. Es war aber ein trauriges L├Ącheln.

"Wir k├Ânnen nichts mehr gro├č machen. Wir m├╝ssen die Leute aus dieser elenden Stadt kriegen, bevor es zu sp├Ąt ist. Hast du nicht eben gerade die Sirene der Feuerwehr geh├Ârt?", entgegnete er. Nein, sie war in ihren Gedanken so versunken gewesen, dass sie nichts geh├Ârt hatte -- nichts.

"Und wie sollen wir das anstellen?", fragte sie etwas zickig.

"Wir werden uns meinen Jeep nehmen und zu den einzelnen H├Ąusern fahren und die Leute versuchen dazu zu bewegen, dass sie die Stadt verlassen. Wir evakuieren im Prinzip. Denn ich sp├╝re dass es in einer halben Stunde hier wie in der H├Âlle zugehen wird."

Luise nickte nur. Sie f├╝hlte sich so klein und hilflos wie eine Laus.



10:05 Uhr

Die Ursache f├╝r den Ausfall der Telefone war das Gewitter. Auf der Interstaate 25 in Richtung Denver war einer der Telefonmasten mit einem m├Ârderischen Knarren umgeknickt. Der Wind spielte damit, als w├Ąre es ein Streichholz. Die Dr├Ąhte spannten sich und rissen dann doch. Somit war die Telefonverbindung zwischen den einzelnen D├Ârfern und St├Ądten nach Denver unterbrochen. Es schien so, als ob sich die Natur auf einen Endkampf einlie├č und dabei keine Einmischung duldete.

Der Wind st├╝rmte jetzt schon leicht ├╝ber die Stra├čen und die Sonne wurde von dunklen, grauen Wolken verdeckt. Blitze erhellten ab und zu den Horizont. Der Regen lie├č nach und h├Ârte auch bald auf. Doch jetzt wurde es warm, sehr warm. In einigen D├Ârfern und St├Ądten rund um Denver war Feuer ausgebrochen und machte sich an die Arbeit, den Feuerwehrleuten das Leben schwer zu machen.



10:15 Uhr

Die fette Ernestine sa├č wieder auf ihrem Sofa und sah gebannt auf die Matschscheibe ihres Schwarzwei├čfernsehers. Sie hatte zwar genug Geld f├╝r einen neuen, aber sie war zu geizig. Ein leises Kratzen machte ihr pl├Âtzlich Angst. Es schien von der Eingangst├╝r zu kommen. Sie stellte das Ger├Ąt leiser und hockte sich auf das rote Sofa. Sie versp├╝rte nagende Angst, die an ihren Sinnen sich labte und sie zu ├Ąngstlichen F├Ąden verst├╝mmelte.

Ein Schauer des Grauens legte sich auf ihre Haut und sie zitterte am ganzen Leib. Pl├Âtzlich geisterten in ihrem Gehirn die Monster ihrer Alptr├Ąume herum. (Seit ihr Mann im Vietnamkrieg gefallen war tr├Ąumte sie von beweglichen Panzern mit roten, gl├╝henden Augen, die ihre Kanone auf sie richteten.)

War das Kratzen eben nicht lauter geworden? Sie zitterte am ganzen Leib, ihre Z├Ąhne klapperten leicht. Sie hatte zwar nur noch wenige, aber diese wenigen klapperten wie tausende. Vorsichtig, um ja kein Ger├Ąusch zu machen oder sich irgendwo zu sto├čen, erhob sie sich vom Sofa und schlich mit ihren dicken F├╝├čen ├╝ber den Teppich. Doch das Kratzen lie├č nicht nach. Im Gegenteil es wurde jetzt wirklich lauter. DA! Hatte da nicht eben etwas aufgejault? Sie war sich so sicher, wie das Amen in der Kirche! Ihre Haare an den dicklichen Armen standen ihr zu Berge und die Haut verwandelte sich in eine G├Ąnsehaut. Doch, jetzt als sie kurz vor der Haust├╝r stand, da wurde sie von einem Donner in die Flucht geschlagen. Bei diesem Knall, der sich anh├Ârte, als ob neben ihr ein Flugzeug gerade die Schallmauer ├╝berwunden hatte, zuckte sie zusammen und rannte wie der Blitz in ihr Schlafzimmer und versteckte sich unter der Bettdecke. Ein flaues Gef├╝hl der Angst machte sich in ihrem Magen bemerkbar. Sie zitterte immer noch am ganzen Leib und eine kalte Schwei├čschicht ├╝berzog ihre Stirn. Sie sah aus, als ob sie an Fieberwahn litt.

Aber das Kratzen lie├č nicht nach. Da bat irgendwas oder irgendwer um Einlass. Um Einlass in ihr Haus und sie musste laufend an den Krieg denken. Sie glaubte schon fast die Bomben w├╝rden gleich hinter ihr detonieren und sie in tausende Fetzen aus Fleisch und Blut verwandeln. Doch dann blieb das Kratzen aus ÔÇŽ

Sie kam auch wieder hinter der Decke vor.

StilleÔÇŽ

"Hab ich mir das nur eingebildet?", fragte sie sich fl├╝sternd. Nun, das konnte ja m├Âglich sein. Aber warum sollte sie sich so etwas eingebildet haben?

Sie stieg aus dem Bett, was Gott sei Dank nicht knarrte, denn sonst w├Ąre sie ins Bett gesprungen und h├Ątte sich den Rest dieses Tages versteckt. Sie schlich wieder bis zur T├╝r und dann, als sie ihre Hand auf den T├╝rknauf legte kamen ihr Zweifel. Was ist, wenn dahinter ein Verbrecher lauert, oder ein Monster, oder eine Bestie? Doch sie versuchte ihre Zweifel zu ignorieren.

Sie drehte den Knauf und ├Âffnete die T├╝r.

Als sie gerade aus blickte erkannte sie nichts und wollte schon wieder die T├╝r schlie├čen, doch dann winselte vor ihr etwas. Sie senkte den Kopf und sah einen Mischling, der voller Dreck war. Sie nahm ihn mit rein und k├╝mmerte sich um den armen Hund. Auf der Marke, die der Mischling um den Hals hing, stand: RANDY.



10:25 Uhr

John sa├č im Arbeitszimmer und sah gerade aus dem Fenster. Er war von Beruf Informatiker und hatte sich eine eigenst├Ąndige Firma aufgebaut. Er programmierte Programme f├╝r die gro├čen Firmen aus ganz Amerika. Zu Zeit arbeitete er an einem Datenbankverwaltungssystem. Dieses System musste alle m├Âglichen Begriffe kennen und auch voll automatisch auf Fehler reagieren. Er war ein guter Programmierer, aber heute lief nichts. Laufend musste er an seine Frau denken, die zu diesem Samson abgehauen war. Jetzt, wo es regnete und gewitterte, da sa├č er allein. So stellte er sich aber sein Eheleben nicht gerade vor.

Er erhob sich aus dem knarrenden B├╝rostuhl und ging aus dem Zimmer. Der Computer flimmerte im Hintergrund. Stille und D├╝sternis empfing John in den R├Ąumen. Er ging den langen Flur entlang zur K├╝che und sah fl├╝chtig aus dem K├╝chenfenster. Dort zuckte gerade wieder ein Blitz durch den unheilvollen Horizont. Die Wolken zogen ziemlich schnell und sahen irgendwie schwer aus. John ├Âffnete den K├╝hlschrank und holte ein Sixpack Texas Driver heraus. Das Bier schmeckte ganz gut und er r├╝lpste laut.

"Verzeihung!", rief er in die Stille und musste kichern. Trotzdem f├╝hrten seine Gedanken zu dem Verbleiben seiner Frau zur├╝ck. Wer war dieser Samson? Und was wollte er von ihr?

"Keine Ahnung.", brummte John vor sich hin. Er stand auf und verlie├č die K├╝che und ging ins Schlafzimmer. Dort w├╝hlte er in den Nachtschr├Ąnken herum und fand die Adresse von Samson. Er ging wieder in den Flur und nahm seine Jacke, kam zur├╝ck und griff sich das Sixpack.

ÔÇ×Besser ist dasÔÇŽÔÇť, erinnerte er sich an den Werbeslogan und kicherte wieder. Dann knallte er die T├╝r hinter sich zu, ging zur Garage. Er suchte die Stra├če, wo dieser komische Kerl wohnte und wenn er die beiden im Bett erwischen w├╝rde, dann w├╝rde sich die Mutter von Samson w├╝nschen, dass ihr Sohn niemals auf die Welt gekommen war. John war stocksauer.

Der nachlassende Regen bes├Ąnftigte ihn kein bisschen.



10:40 Uhr

Missmutig verlie├č Ben die Garage und schlurfte ins Haus zur├╝ck. Sein Vater folgte ihm. Als Bens Mutter die Beiden erblickte, fragte sie gar nicht, ob sie w├╝ssten, wo Randy steckte. Sie blieb ruhig und streichelte ihrem Sohn das dicke Haar. Doch der entriss sich ihr und rannte weinend die Treppe hinauf.

Henk stolperte herein, sah ihr kurz in die Augen und senkte dann den Blick: "Mark hat ihn auch nicht gesehen. Nur weil ich den kleinen Schlawiener angebr├╝llt habe irrt er jetzt da drau├čen bei diesem Sauwetter rum."

"Mach dir keine Sorgen, er wird wieder kommen. Bisher reagierte Randy doch immer so."

Henk nickte, aber er machte sich trotzdem Sorgen um den Hund.



10:50 Uhr

"An alle Sch├╝ler, der Unterricht nach elf Uhr entf├Ąllt, wegen des schlechten Wetters.", meldete sich eine Stimme aus dem Lautsprecher direkt ├╝ber der T├╝r des Klassenzimmers, in dem Randolf unterrichtete. Seine Klasse krakeelte laut vor Freude und es dauerte, bis sie sich wieder beruhigten.

"Also, wo waren wir stehen geblieben?", fragte er und sah auf die Tafel, an der Gerade ein Diktat berichtigt wurde. Er besah sich den Text und rief einen dicken Sch├╝ler auf, der gerade mit seinem Radiergummi spielte und sich ein Dreck um den Unterricht scherte.

"Stephen, was f├Ąllt dir an der letzten Zeile auf?" Der Junge sah verst├Ârt um sich und ein chorisches Kichern ging durch den Raum.

"Ich sehe, dass es keinen Fehler gibt!", antwortete der Junge ├Ąrgerlich.

"Nein. Es gibt schon einen Fehler und du kennst ihn, mein Junge.", entgegnete der Lehrer ruhig. Stuart liebte seinen Job und er mochte Kinder. Er wusste zwar, dass Betty nie eins empfangen w├╝rde, aber trotzdem w├╝nschte er sich einen Jungen, mit dem er dann Angeln und zu den Baseballspielen fahren w├╝rde. Doch das hatte noch Zeit. Im Augenblick machte ihm das Wetter etwas Sorgen und das bei jedem Blitz das Licht flackerte.

"Ja, da ist kein Komma drin, Mr. Randolf.", gab sich Stephen geschlagen.

"Stimmt genau. Und warum i-", doch weiter kam er nicht, denn er wurde von der Glocke ├╝bert├Ânt. Er hob kapitulierend die H├Ąnde und w├╝nschte seinen Sch├╝lern ein erholsames Wochenende. Doch, ob es ├╝berhaupt ein bisschen Ruhe versprach? Das konnte er sich nicht vorstellen.

Nachdem die Sch├╝ler verschwunden waren, verlie├č er auch das Klassenzimmer. Er ging den Gang entlang und blickte auf seine dreckigen Schuhe. Wieder musste er an den Fahrradweg denken und er ├Ąrgerte sich, bei der Erinnerung an den Sturz.

Drau├čen stand sein Rennrad. Er machte sich auf den Heimweg. Als er den Dalton Hill herunter radelte und seine Bremsen laut quietschten entdeckte er ein Feuer. Die Feuerwehr wird sich schon darum k├╝mmern., dachte er beruhigend. Nach wenigen Minuten kam er schon zu Hause an und erz├Ąhlte Betty von seinem Schultag, w├Ąhrend er sich ein Sandwich zubereitete.



11:05 Uhr

Little Cloud st├╝tzte Rebekka und sie schlurfte mit wackligen F├╝├čen ├╝ber den Asphalt. Die Feuerwehr war an ihnen vorbei gerast, doch sie wussten, dass es f├╝r die M├Ąnner dort nichts mehr zu retten gab. Sie waren kurz vor dem Stadteingang, als Rebekka zusammenbrach. Sie lie├č sich einfach fallen und Little Cloud reagierte zu sp├Ąt. Seine Mokassins waren so feucht wie ein unausgerungener Waschlappen und auch er f├╝hlte sich schwach und K.O.

Er kniete sich vor Rebekka und blickte ihr tief in die dunklen Augen: "Ich wei├č, sie sind geschafft. Aber wir m├╝ssen in die Stadt. Hier drau├čen sind wir in einer halben Stunde bestimmt nicht mehr sicher."

'Becka nickte und er half ihr beim Aufstehen. Unsicher schlurften sie ├╝ber den Asphalt und ein immer st├Ąrker werdender Wind wehte ihnen ins Gesicht. Es donnerte und blitzte und Rebekka ├Ąngstigte sich zusehens.



11:11 Uhr
Das Feuer, was Stuart vom Dalton Hill erblickt hatte verbreitete sich durch den aufkommenden Wind immer mehr. Die Feuerwehr hatte alle H├Ąnde voll zu tun und das Wetter spielte mit ihnen Katz und Maus. Der Wind sch├╝rte dieses riesige Lagerfeuer. Die Hitze trieb stinkenden Schwei├č aus ihren Poren. Doch sie wollten sich nicht geschlagen geben.



11:20 Uhr
Der Jeep Wrangler hielt mit quietschenden Reifen vor der Tankstelle am Ende des Ortes. Ein Sch├Ąferhund bellte Luise und Samson frech an, doch als sein Herrchen aus dem Tankh├Ąuschen kam beruhigte es sich.

"Wenn sie tanken wollen, heute ist geschlossen!", meckerte Richard Papperman. Richards Gesicht war mit verdreckten Pusteln ├╝bers├Ąt und seine Lippen waren zerfranst. Der alte Mann war schon immer recht seltsam gewesen und stellte f├╝r die Beiden ein hartes Brot dar.

ÔÇ×Wir sind nicht wegen einer Tankf├╝llung hierher gefahren.", ergriff Samson das Wort.

"Womit wollen sie denn dann meine Zeit verschwenden?", fragte Richard grimmig und sein Hund knurrte Luise und Henk an. Der Hund war an einer langen Eisenkette angeleint und sah recht mager aus.

"Wir wollen sie auffordern die Stadt zu verlassen und sich auf den Weg nach Denver zu machen."

"Warum?", fragte der Tankstellenbesitzer etwas ver├Ąngstigt. Ein kurzer Blick zum Himmel beantwortete ihm im Prinzip die Frage. Doch er blieb stur: "Glauben sie etwa, dass ich wegen eines kleinen St├╝rmchens mir gleich in die Hosen pisse?"

"So hat es Mr. Samson nicht gemeint.", mischte sich Luise jetzt mit ein.

"Ihr k├Ânnt mich mal. Und wenn ihr mein Grundst├╝ck nicht in f├╝nf Minuten verlasst, dann lass ich den Hund auf euch los. Er hat noch nicht gefr├╝hst├╝ckt.", beendete der alte, grimmige Mann das Gespr├Ąch.

Der Hund knurrte Furcht erregend und Luise dachte sarkastisch: Das glaube ich ihnen aufs Wort. Samson drehte sich um und die beiden stiefelten wieder zum schwarzen Wrangler. Luise sah um sich, als sie ihren Mann entdeckte. Aus irgendeinem Grund erschrak sie zu tiefst und zitterte leicht.

John sah w├╝tend aus. Sehr w├╝tend. Richard verschwand wieder hinter der kaputten T├╝r und der Hund legte sich nieder. Johns Stiefel patschten ├╝ber den Asphalt und er ging schnurr stracks auf die beiden zu. Sein Gesicht war leicht ger├Âtet und aus seinen Augen spr├╝hte f├Ârmlich die Wut. Er w├╝rdigte Luise keines Blickes und trat auf Samson zu, der leicht zur├╝ck wich.

"Gut dass sie kommen....", versuchte Herbert ihn zu bes├Ąnftigen,"...wir wollten gerade zu ihnen fahren und sie bitten mit uns zu kommen." Ersah fl├╝chtig zu Luise, die ├Ąngstlich am Wrangler lehnte und die beiden beobachtete. Eigentlich w├Ąre es doch ihre Aufgabe, ihren Mann aufzukl├Ąren, nicht? Aber sie traute sich nicht, sie ├Ąngstigte sich zu sehr.

"Du brauchst mir nichts vormachen. Du elender Naseweis. F├╝r deinen Programmschei├č war ich nicht gut genug und jetzt machst du dich an Luise rann. He?", kr├Ąchzte er ihn etwas gekr├Ąnkt an und ging weiter auf ihn zu.

"Nein, nein..."

"Doch, doch! Als ich dir dein Programm programmiert habe warst du schon auf sie scharf und jetzt bist du es erst recht!", schrie er jetzt. Der Sch├Ąferhund erhob sich und knurrte die beiden St├Ârenfriede an. Samson sah sich nach dem Hund um und als er wieder nach vorne sah, knallte Johns Faust auf seinen Unterkiefer. Er taumelte zur├╝ck, Luise rief weinend dazwischen und der Hund bellte jetzt wie wild. Doch Samson blieb standhaft und John ging trotz der verzweifelten Rufe seiner Frau auf den Meteorologen zu. Der Regen setzte wieder ein und die dicken Regentropfen platschten wieder zu Boden.

Bevor John noch einmal zuschlagen konnte stellte sich Luise zwischen die Beiden und schrie verzweifelt: "Ich will das du ihn in RUHE L├äSST! HAST DU VERSTANDEN! Wir erkl├Ąren dir alles der Reihe nach, ABER BERUHIGE DICH JETZT ENDLICH!"

John sackte f├Ârmlich in sich zusammen und schlug die H├Ąnde vors Gesicht. Samson entspannte sich und der Sch├Ąferhund beruhigte sich ebenfalls. Sie setzten sich in den Jeep und sie erkl├Ąrten John alles. Er h├Ârte aufmerksam zu und Luise bemerkte, dass er sich sch├Ąmte. Aber irgendwie f├╝hlte sie sich von der ganzen Wut, mit der ihr Mann sie besch├╝tzen wollte, geschmeichelt.



11:49 Uhr
Little Cloud und Rebekka schafften es in den Laden von Rolf Carson. Er zog zwei St├╝hle aus einem der Hinterr├Ąume hervor, damit sich die Beiden setzten. Als Cloud und 'Becka wieder einiger Ma├čen ruhig atmete, erz├Ąhlten sie von dem Feuer. Carson h├Ârte aufmerksam zu.

"Und ihre Pferde sind jetzt frei. Wir hoffen, dass sie schlau genug sind und dem Feuer aus dem Weg gehen.", beendete Little Cloud den Bericht.

"Was f├╝r eine Schei├če!", platzte es aus Carson heraus. "Habt ihr schon mit dem Sheriff geredet?"

ÔÇ×Ja, wir wollten. Aber er ist nicht zu finden.", erz├Ąhlte Rebekka.

"Und was wollt ihr jetzt machen?"

"Wir m├╝ssen alle aus Dalton. In einer Stunde oder so, sitzt hier kein Stein mehr richtig. Da kommt eines der schlimmsten Unwetter auf die Stadt zu, die ich je erlebt habe. Und das waren eine Menge."

Mit quietschenden Reifen hielt ein schwarzer Jeep vor dem Gesch├Ąft.

"Das ist Samson, dieser Meteorologe. Mal sehen, was der will.", sagte Rolf und ging auf die T├╝r zu und schloss sie schnell wieder auf. Ohne ein Wort der Begr├╝├čung oder der Besorgnis platzte Henk herein und ging festen Schrittes auf die beiden zu.

"Was ist los? Seit ihr von dem Wetter ├╝berrascht worden. Ist es schon zu sp├Ąt?"

"Ja, das kann man wohl so sagen.", erwiderte Little Cloud. "Mrs. Tanners Farm ist von einen dieser Blitze dem Erdboden gleich gemacht worden."

"Und, ist das Feuer gel├Âscht wurden?"

"Ich glaube schon.", meldete sich Rebekka zu Wort.

"Was willst du, Samson", fragte Carson, der sich jetzt etwas fehl am Platze f├╝hlte.

"Wir fahren durch die Stadt und rufen die Leute auf, sie zu verlassen, nach Denver oder Boulder zu fahren. Und das so lange es noch geht.", erkl├Ąrte Henk mit fester Stimme. Die Stimme es Anf├╝hrers, fand Little Cloud.

"Die Idee war uns auch gerade gekommen.", meinte Carson, dem Samson den R├╝cken zugewandt hatte. Jetzt drehte er sich um.

"Also verschwindet so schnell wie m├Âglich! Wenn ihr Andere sieht, dann sagt ihnen, was ich euch gesagt habe. Sie m├╝ssen unbedingt die Stadt verlassen. Aber nicht allein, immer in Gruppen, okay?"

"Ja, wir machen uns dann gleich auf die Socken.", entgegnete Rolf. Samson verabschiedete sich und verlie├č den Laden wieder. Ruckartig fuhr er an und verschwand aus der Sicht, der drei.


4
MITTAGSSTUNDE


12:11 Uhr

Randy lag in der Stube und die fette Ernestine k├╝mmerte sich um den Hund, als w├Ąre er ein Baby. Doch Randy wollte hier raus. Nicht, dass er die alte Frau nicht mochte, aber sein Instinkt dr├Ąngte ihn dazu, diese Wohnung zu verlassen und nach Ben zu suchen. Sein Instinkt verriet ihm, dass sich der Junge in Gefahr befand.

Aber wie sollte er hier raus kommen? Die fette Ernie kraulte ihn hinter den Ohren und er lie├č es sich gefallen. Jetzt setzte er sich auf die Hinterbeine und bellte sie an. Im ersten Moment schreckte sie zur├╝ck, aber dann schien sie zu begreifen, dass der Hund ihr was sagen wollte.

"Was ist denn, mein Kleiner?", fragte sie mit kr├Ąchzender Stimme. Der Fernseher lief noch und gerade gewann eine Frau ein Auto. Der Jubel wurde aber trotzdem von dem Gebell des Hundes ├╝bert├Ânt.

Randy sprang ihr vom Scho├č und lief schnell durch den Flur zur T├╝r und bellte wieder laut.

"Ich komme ja, mein Kleiner!", rief die alte Frau und watschelte mit ihren dicken Beinen in den Flur. Randy sprang hin und her, bis sie begriff, was er wollte

"Du geh├Ârst jemanden, stimmtÔÇÖs?", fragte sie resigniert. "Wenn ich dich jetzt gehen lasse, besuchst du mich dann auch mal?" Randy schleckte ihre Hand ab, die sie ihm runter hielt.

"Na gut. Ich kann dich ja verstehen. Es war sch├Ân das du gekommen bist.", verabschiedete sich die alte Frau und eine Tr├Ąne kullerte ihre Wange herunter. Wie lange war sie hier schon alleine?

Randy bellte erfreut, als sie die T├╝r ├Âffnete und er drehte sich noch einmal um die eigene Achse, marschierte dann aber die Treppen herunter.

"Bitte komm mal wieder vorbei!", rief ihm die fette Ernie nach. Er stupste unten mit der Schnauze die T├╝r auf und trat in den Regen. In wenigen Augenblicken war sein Fell wieder mit Wasser voll gesogen. Er machte sich auf die Suche.







12:37 Uhr

Der magere Sch├Ąferhund zitterte leicht und die Kette klapperte auf dem Asphalt. Regentropfen platschten dicht vor ihm vom Dach der Tankstelle herunter. Blitze durchzuckten den Himmel und der Donner jagte ihm jedes Mal einen Schrecken ein.

Der Hund hie├č Jim und er hatte heute wirklich noch nicht gefr├╝hst├╝ckt. Deswegen f├╝hlte er sich auch so elend. Gegen├╝berliegend der Tankstelle mit ihren vier Tanks├Ąulen stand eine gro├če, alte Eiche. In den Sommermonaten suchte Jim immer ihren Schatten. Doch jetzt fielen von den Bl├Ąttern der Eiche ebenfalls nur dicke, graue Tropfen herunter. Es roch nach Ozon und der Sch├Ąferhund f├╝hlte sich wie ein Obdachloser sich an so einem Tag f├╝hlen w├╝rde.

Richard Papperman sa├č im Tankh├Ąuschen und h├Ârte etwas Musik. Er verga├č seinen Hund oft und manchmal kam es vor, dass der arme Sch├Ąferhund nur eine Mahlzeit pro Woche bekam. Doch Jim nahm das seinem immer grimmigen Herrchen nicht ├╝bel. Er kannte ihn zu gut, um zu wissen, dass das Alter den armen Kerl zu so einem Stinkstiefel machte. Richard Papperman hatte nie geheiratet.

Nun erinnerte er sich doch daran, dass er vor lauter Aufregung ├╝ber diesen Samson und diese komische Journalistin seinen Jimmy ganz vergessen hatte.

"Ja, mein Kleiner. Richie macht dir jetzt was zu essen.", brummte er vor sich hin und erhob sich. Er schlurfte in die K├╝che und bereitete das Fressen f├╝r den Hund zu.

Jim legte sich wieder auf den kalten und nassen Beton. Er blickte gelangweilt um sich und bemerkte zu Frieden stellend, dass keine Katze oder ein anderes Wesen sich in seinem Terrain aufhielt. Er versuchte ein bisschen zu d├Âsen und das monotone Ger├Ąusch der nieder platschenden Regentropfen lullte ihn ein.

Blitzartig schreckte er durch ein dunkles, donnerndes Grollen auf und winselte. Ein Blitz schoss durch den Himmel und schien ihn in zwei gro├če H├Ąlften zu spalten. Der Blitz fuhr mit einem Augenblick in den Baum und spaltete krachend den Stamm der alten Eiche. Gro├če Holzsplitter stoben davon und landeten auf dem Rasen und auf der Stra├če. Einer flog sogar bis vor die Vorderpfoten des Hundes. Mit einem lauten ├ächzen knallte die erste H├Ąlfte des Baumes auf den Rasen. Ein herrischer Donner begleitete ihren Aufprall. Die zweite H├Ąlfte knarrte und gab ├Ąchzend nach. Die Krone des Baumes kippte rasant der Stra├če und der Tankstelle entgegen. Instinktiv heulte Jim so laut, dass Richard aufgeschreckt zur T├╝r raus kam, als der Baumstamm gerade auf das Dach der Tankstelle scheppernd aufprallte. Der Hund zog den erstarrten Tankwart weg, riss an seinem Hosenbein und brachte ihn etwa f├╝nfzig Meter weiter im Graben in Sicherheit, als das Dach unter Last des Baumes nachgab.

Richard dr├╝ckte seinen Hund zu Boden, als der Baum durch das Dach brach und mit voller Wucht auf die noch eingeschalteten Tanks├Ąulen knallte. Eine donnerte Explosion zerriss den Baumstamm in gro├če Splitter, die in der Gegend herumflogen. Die Fenster wurden durch die Explosionswucht in tausende Teile gedr├╝ckt. Die Fensterl├Ąden brachen mit enormer Kraft herraus und die Tankstelle stand in Flammen. Eine weitere Explosion lie├č den alten Ford Pick-up von Papperman in die Luft fliegen. In wenigen Augenblicken war die Tankstelle nur noch ein Inferno der Zerst├Ârung. Holzsplitter, Glasscheiben, zerbr├Âckelte Steine, leicht geschmolzenes Eisen flogen auf die Stra├če oder auf den Rasen. Eine Wand des angebauten Hauses stand in Brand und fiel in sich zusammen.

Als Richard wieder aufsah und die Zerst├Ârung entdeckte, schluchzte er in das Fell des Hundes. Eine dicke schwarze Rauchwolke stieg aus dem Flammenmeer nach oben. F├╝r die Feuerwehr gab es nichts mehr zu retten. Weinend blieb Richard im Graben neben seinem Sch├Ąferhund liegen. Der stark zu nehmende Wind fachte das Feuer immer mehr an und es griff auf den Rasen ├╝ber und z├╝ngelte ├╝ber die Landschaft, kurz vor Dalton.







12: 58 Uhr

Ben sa├č am Mittagstisch und starrte sein Essen an. Die Nudeln waren schon etwas kalt und die Tomatensauce ebenfalls. Aber er konnte sie nicht essen. Wenn es auch sein Leibgericht war. Immer wieder musste er an den fr├╝hen Morgen denken, an dem Randy sich aus dem Staub gemacht hatte. Zwar tat der Kleine das ├Âfters, aber er kam dann so nach zwei, drei Stunden wieder reum├╝tig zur├╝ck und legte sich in sein K├Ârbchen. Doch jetzt war es kurz vor dreizehn Uhr und der Mischling lie├č sich immer noch nicht blicken.

Auch Bens Eltern sa├čen betr├╝bt am Mittagstisch. Sie a├čen ihre Spaghetti, aber keiner sagte ein Wort. Henk blickte starr gerade aus und kaute griesgr├Ąmig. Doch ihm war es auch nicht geheuer, dass der Hund immer noch nicht da war. Und dann auch noch bei so einem schlechten Wetter, dachte er. Mit einem Mal vernahmen sie ein lautes, heiseres Bellen. Ben schreckte hoch, schob hastig den Stuhl nach hinten, bis er dann umfiel. Der kleine Junge rannte der Haust├╝r entgegen und als er sie ├Âffnete entdeckte er seinen Hund. Sein Fell war nass und zerzaust, aber das st├Ârte Ben nicht. Er nahm den ihn mit rein und schlang seine arme um den Hund. Seine Eltern kamen auch dazu und blickten sich freudig an. Sie gaben dem Hund was zu fressen und zu saufen. Ben passte auf ihn auf, damit er nicht noch einmal weglief.

Jetzt schmeckten ihm auch seine Spaghetti und sie alle f├╝hlten sich wieder als eine richtige, ganze Familie.





5
NACHMITTAG


13:10 Uhr

Der immer mehr zu nehmende Wind treib die Flammen zu einer Feuerwand zusammen, die sich als Ziel Dalton aussuchte. Die Feuerwehrm├Ąnner k├Ąmpften schon seit Stunden gegen die Feuerwand an, aber nichts half. Sie kam wie eine riesige Flutwelle auf Dalton zu; teilte sich und umzingelte das kleine St├Ądtchen mit seinen Sechshundert Seelen.

Einer der hier k├Ąmpfenden Feuerwehrm├Ąnner war Andrew Tackerman. Sein Haar war angesenkt, sein Gesicht schwarz und seine Augen gl├╝hten. Er fieberte leicht vor sich hin und f├╝hlte sich immer schw├Ącher. Wie seine anderen Kumpanen auch. Doch er wollte sich dem Feuer nicht er geben. Er musste immer wieder an damals denken, als er seine Kinder und seine Frau bei einem Brand verlor. Und jetzt sollte er den Kampf gegen dieses Inferno verlieren. Nein, nie und nimmer!, dachte er. Er w├╝rde nicht aufgeben. Eher sterben. Denn wenn sie dieses Feuer nicht aufhielten, dann w├╝rde es bald in Dalton ein riesiges Feuerwerk geben. Sicher, das Anwesen der Tanner konnten sie nicht retten, aber jetzt w├╝rden sie eine ganze Stadt retten. Sie mussten es schaffen. Sie mussten!



13:25 Uhr

Stuart sa├č an seinem Computer, ungeachtet des Gewitters. Aber er bekam keinen ordentlichen Satz zu hin. Immer wieder l├Âschte er ihn und schrieb ihn neu. Seine Gedanken ├╝berlagerten sich. Einmal dachte er an eine neue Version des Satzes und zur gleichen Zeit schoss ihm ein Wort durch den Kopf, was er nicht verstand. Es war, als ob er in den Spiegel sah und das Wort verkehrt herum an ihm vorbei flog. Er war nie gut in spiegelverkerten W├Ârtern gewesen. Solche R├Ątselspiele mochte er ├╝berhaupt nicht. Aber sein Geist spielte es einfach mit ihm. Das Wort hie├č TSAM. Aber was war dieses Wort. Wie er sich auch anstrengte. Wenn er es fast entzifferte, was ihn durch zu nehmende Kopfschmerz noch schwerer fiel, dann zuckte ein Satz f├╝r seinen Roman durch den Kopf.

Stell' doch die Kiste aus und ruh' dich aus. Dann kommst du vielleicht zur L├Âsung!
Aber er wollte den Computer nicht ausstellen, denn dieser eine Satz war das Ende eines Kapitels, das ihm sehr am Herzen lag. Doch seine Kopfschmerzen lie├čen nicht nach. Er ├╝berlegte und sprach sich diesmal den Satz laut vor.

"Der Fahrer stieg ins Auto und..."
(TSAM!!)

"...und, ach Mist!", rief er ├Ąrgerlich. Wieder war dieses komische Wort dazwischen gefunkt. Wie sollte er da einen ordentlichen Satz zu Stande kriegen? Er sah kurz aus dem Fenster. Dicke, fette Regentropfen perlten am Fenster herunter und ein starker Wind fegte die Stra├če und lie├č ein kleines Wellenmeer entstehen. Den Strommast direkt vor seinem Fenster nahm er gar nicht zur Kenntnis, weil er sich an ihn schon gew├Âhnt hatte.

Stu lehnte sich zur├╝ck und gr├╝belte ├╝ber dieses komische Wort nach. Er dachte, wenn er es verstehen w├╝rde, dann lie├č es ihn vielleicht in Ruhe. Was kann nur TSAM bedeuten. Es k├Ânnte spiegelverkert sein, nicht Stu? Aber du magst ja keine spiegelverkerten R├Ątsel, deshalb f├Ąllt dir auch die L├Âsung so schwer.

"Kann schon sein.", murmelte er.
(TSAM!!)
Doch er machte sich wirklich die M├╝he es entziffern zu k├Ânnen. Er tippte es in den Computer ein.

Anschlie├čend lie├č er das Wort auf sich einwirken und als er es verstand, da wurde ihm pl├Âtzlich so komisch. Er f├╝hlte sich leer und hilflos. Aber das Gef├╝hl verging genauso schnell, wie es gekommen war. "Man, es hei├čt Mast.", staunte er.

In diesem Augenblick blitze es und mit einem krachenden Donner kippte der Mast drau├čen um und kam auf sein Fenster zu. Stuart wollte aufstehen und fl├╝chten, aber er kippte mit dem Stuhl r├╝ckw├Ąrts um und landete hart auf dem Boden. Die Fensterscheibe wurde zerschmettert, der Rahmen heraus gerissen und der Mast schoss herein, zerschmetterte den Monitor, der implodierte. Stuart heilt sich die Ohren zu und kniff die Augen zusammen. Der Mast zischte weiter gegen die Wand, die br├Âckelte, aber stand heilt. Dann war Ruhe. Nur noch der Wind wehte durch das Zimmer und die Gardinen flatterten. Ein leises Summen vom implodierten Monitor und ein verschmorter Geruch von Plastik erf├╝llten den Raum.

Blitzartig schrie Stuart wie am Spie├č. Er sah an seinem Bein herunter, das vom Mast gequetscht wurde. Tiefer, bohrender Schmerz ging von der Stelle aus, wo der Mast drauf lag. Ansonsten war Stuart frei. Er konnte alles bewegen, au├čer sein rechtes Bein. Die Schmerzen waren kaum auszuhalten. Aber er biss die Z├Ąhne zusammen und dachte immer wieder. In der Ruhe liegt die Kraft, in der Ruhe liegt die Kraft! Doch das half nicht als zu lange, dann schrei er wieder.

Er vernahm auf einmal hastige Schritte, die Treppe hinauf.

"Betty! Hilfe! Betty!", schrie er laut und verzog das Gesicht vor Schmerzen.

Die T├╝r wurde aufgesto├čen und Betty sah ihn mit gro├čen Augen an. Sie hatte eine Sch├╝rze an und an ihren H├Ąnden klebte Mehl. Sie wollte ja heute einen Kuchen backen, dachte Stuart. Betty st├╝rzte zu ihm und kniete sich vor sein Gesicht. Sie sah ihn fragend an und Tr├Ąnen rannen an ihrer Wange herunter. Sie stand unter Schock.

"Mein Bein ist eingeklemmt, Liebling.", sagte er. Sie betrachtete ihn und nickte.

"Ich hol' Hilfe. H├Ąlst du es noch aus?", fragte sie weinerlich.

"Ja. Aber beeil' dich. Wenn der Mast irgendwie verrutscht, dann-" Sie strich ihm durchs Haar, das dadurch wei├č von Mehl wurde und rannte los. Stuart biss sich wieder auf die Z├Ąhne und begann r├╝ckw├Ąrts zu z├Ąhlen, um sich abzulenken.

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