Der Tod aus der Teekiste
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"Viele Autoren können schreiben, aber nur wenige können originell schreiben. Wir präsentieren Ihnen die Stecknadeln aus dem Heuhaufen."
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Juli 2003
Prince of Darkness
von Fran Henz


Der Fürst der Finsternis durchstreifte sein Reich, und was er sah, erfüllte ihn mit Wohlgefallen. Gläserne Türme funkelten im Licht des Doppelgestirns wie reinster Kristall; Fahrzeuge verschiedenster Art bewegten sich lautlos über purpurfarbene Hügel und violette Ebenen; Geschöpfe, geschaffen von seiner Hand, bevölkerten Stadt und Land.

Das Lächeln auf ihren Gesichtern erreichte selten ihre Augen und wenn es doch einmal passierte, dann schritt er ein. Energisch. In seinem Reich war man nicht glücklich, das war eine der Regeln, die er aufgestellt hatte. Eines der Gebote.

Es war ihm schleierhaft, wie Er mit 10 Geboten hatte auskommen können, schon das einfachste soziale Miteinander seiner Kreaturen verschlang ein Vielfaches davon, ganz zu schweigen von Qual und Leid, die in ihren mannigfaltigen Ausprägungen organisiert werden mussten.

Seine Gebote hielt er in einer Datei fest, oh ja, er ging mit der Zeit. Aktenordner und Büroklammern gehörten schon längst der Vergangenheit an. Jedes seiner Geschöpfe besaß ein eigenes Datenblatt, auf dem Stärken und Schwächen penibel festgehalten wurden. Vorlieben genauso wie Abneigungen, schließlich musste er wissen, wo er den Hebel ansetzen konnte, um zu einem befriedigenden Ergebnis zu kommen. Einem für ihn befriedigenden Ergebnis, wohlgemerkt, was seine Geschöpfe davon hielten, ließ ihn kalt. Sie waren nur dazu da, ihm zu dienen. Taten sie das nicht, beendete er ihre Existenz rasch und ohne die geringsten Skrupel.

Er liebte es, wenn sie wimmerten, und einen aussichtslosen Kampf gegen ihr Schicksal begannen, sich aufbäumten und schließlich doch zu Staub zerfielen. Seine Augen leuchteten, wenn er wieder einen besonders boshaften Plan skizziert hatte, der seine Geschöpfe in Angst und Schrecken versetzte. Im Lauf der Zeit hatte er gelernt, die Leine locker zu lassen, sie in Sicherheit zu wiegen und zuzuschlagen, wenn sie es am wenigsten vermuteten. Sein Repertoire war unerschöpflich, Katastrophen, Krieg und Terror; ein kleiner Betrug dort, eine sexuelle Perversion da.

Er wusste immer genau, was zu tun war.

Er war der Herrscher dieser Welt, ein absoluter Regent, den niemand in Frage stellte, ein Meister, der Meister ...

„Karliii .....“

Seine Stirn furchte sich vor Konzentration, um die geniale Idee, die ihn gerade durchzuckte, festzuhalten.

„Kaaarliii ...“

Verdammt. Ausgerechnet jetzt.

„Kaaarliii ... die Suppe wird kalt.“

Entnervt drückte er die Escape-Taste. Aus Erfahrung wusste er, dass es nicht ratsam war, Hilde warten zu lassen.

„Bin schon da, Schatz“, brüllte er zurück und sah auf den Bildschirm. Dort erschien ein oszillierendes Logo:

„Prince of Darkness, du bist ausgeloggt aus dem Darkfiction-Schreibforum, bis zum nächsten Mal.“

© Fran Henz


„Wenn man schreibt, erschafft man seine eigenen Welten.“ Stephen King

Letzte Aktualisierung: 00.00.0000 - 00.00 Uhr
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