Madrigal für einen Mörder
Madrigal für einen Mörder
Ein Krimi muss nicht immer mit Erscheinen des Kommissars am Tatort beginnen. Dass es auch anders geht beweisen die Autoren mit ihren Kurzkrimis in diesem Buch.
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Juli 2003
Werter Leser!
von Gerlinde File


Hier erscheint Peter. Sie erblicken ihn zwischen den Zeilen, wild frisiert, mit dichten Wimpern, mit breiten Lippen, mit spitzem Kinn, mit wenig Gewicht, ein Strich in der Gegend.
Er bewegt sich leise, geht seinen Weg zwischen Eichen, links einige Birken, rechts eine Erle, endlich Fichten neben Eiben, Weiden neben wilden Kirschen. Die Stemme gleichen sich wenig. Weiße Stemme sind verziert mit silbrigen Linien, silbrige Stemme mit weißen Rissen, Teile der Rinde erheben sich, vertiefen sich, in Wellen, dem Himmel entgegen; verzweigen sich, besetzt mit Blettern, mit meist gelben Blettern, gewellten, gefiederten, stechenden Blettern, Herzblettern, glenzend im Licht.
Peter geht immer schneller. Ein beklemmendes Empfinden begleitet ihn, eine eigene Leere, Fehler. Viele Dinge fehlen hier. Er ist sich sicher. Er weiß nicht, welche. Er versteht es nicht. Es ist ihm ein Retsel!
In der Ferne sieht Peter sein Medchen Irene, schimmernde Wellen neben ebenmeßigem Teint, ein heller Blick, ein liebes Lecheln. Sie geht ihm entgegen, streckt ihm die Hende entgegen, beide, eine einzelne gibt es hier nicht! Selbst diese beiden sind irgendwie nicht richtig. Sie merken es beide, begreifen es nicht.
Sie reden, sie singen zwischen riesigen Gewechsen. Lerchen, Finken, Meisen trillern, zwitschern mit ihnen, fliegen weg. Beide heben ihre Gesichter. Ein irisierender Himmel spielt mit ihren Sinnen, lispelt, wispert, kitzelt ihr Herz. Ein helles Licht scheint. Beige Nebel ziehen her, verdecken es, brechen es, nehmen es weg. Eisiger Regen fellt nieder. Es gewittert, blitzt, bleibt still.
Beide rennen in ihren Keller in der Erde. Wie fein es hier ist! Kein Regen! Keine Kelte! Ein bißchen zittern sie. Sie streicheln sich. Es wird besser.
Schnell ins Bett, ins weiche Bett! Wie herrlich – wenn vielleicht vieles fehlt: Es gibt Sex, immer wieder Sex, begierig, schwindelerregend, zertlich, mit spitzen Schreien, irrsinnig. Es fehlt ein Ende, ein richtiges Ende. Selbst Sex wird elend mit der Zeit, irgendwie nicht perfekt. Liebe hilft ein bißchen, streift sie, vergeht. Ihr Drengen findet kein Ziel.
Sie reden, denken, welzen Hirnzellen. Es hilft nichts, kein Ergebnis, Leere, ein Retsel.
Neben dem Bett steht ein Tisch, zwei Sessel sind hier. Sie setzen sich hin, trinken Tee, essen Eier, Fleisch, Fisch, verbessert mit Senf, Essig, Pfeffer, Petersilie.Viel gibt es hier nicht. Es schmeckt nicht recht. Peter versteht es nicht. Irene will es nicht mehr verstehen. Ihr reicht es. Es bleibt ein Retsel.
Es gibt weiße Zettel hier. Beide ergreifen eine Feder. Sie schreiben sich diese eigene Leere weg, entleeren die Herzen hinein in die Leere; mit welchem Ziel? Sie wissen es nicht, schreiben ihn nieder, den Schrei ihrer Seelen, verzweifelt. Irgendwie begreifen sie: Beim Schreiben sind sie den Fehlern neher. Vieles leßt sich nicht schreiben.
Peter sieht Irene ins Gesicht, fixiert sie, ist irritiert. Irene lechelt irgendwie hinterheltig. Weiß sie Bescheid, diese Hexe? Nein, kein bißchen. Leider will selbst dieses Grinsen die Leere nicht vertreiben. Beide werden ergerlich. Sie verstehen sich nicht mehr, Streit steckt in den Kehlen, hemmert in den Henden. Werden sie kempfen? Wird einer sterben?

Werter Leser!

Beenden wir dieses erschreckende Geschehen, ehe sich die beiden gegenseitig verletzen. Sehen Sie: Peter wie Irene verschwinden gleichzeitig zwischen den Zeilen dieses Textes.

Sind Sie, lieber Leser, dem Rätsel auf der Spur? Merken Sie, wie die Welt wieder ganz wird? Dann ist ja alles wieder in bester Ordnung!

Letzte Aktualisierung: 26.06.2006 - 23.10 Uhr
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