Madrigal für einen Mörder
Madrigal für einen Mörder
Ein Krimi muss nicht immer mit Erscheinen des Kommissars am Tatort beginnen. Dass es auch anders geht beweisen die Autoren mit ihren Kurzkrimis in diesem Buch.
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August 2003
Mein Wille
von Michaela Kux


Die 42-jährige Rita sitze in einem Liegestuhl auf der Terrasse des elterlichen Hofes in Schneitzelreuth. Sie schaut in den blauen Septemberhimmel. Über ihre Beine hat sie eine Decke gelegt und döst vor sich hin. Sie fühlt sich einsam und verlassen. Sechs Wochen hat ihr der Arzt noch gegeben und vielleicht noch ein paar Tage mehr. Währe sie doch nur schon viel eher zum Arzt gegangen! Aber als Geschäftführerin eines Modegeschäfts, da kann man es sich nicht leisten einfach krank zu machen. Man muss immer am Ball bleiben, sonst ist man weg vom Fenster in dieser Branche. Doch nun ist SIE weg von Fenster. Ihre Arbeit macht nun ein Anderer. Schade. So gern hätte sie die neue Kollektion präsentiert, doch es hat nicht sollen sein.

Die Chemotherapien waren sehr anstrengend und haben Rita die Haare geraubt. Doch zum Glück gibt es Perücken. Doch es war alles umsonst, das Geschwüre im Brustbereich ist schon zu weit fortgeschritten und hat bereits weitere Organe befallen. Keine Chance auf Heilung.

Ritas Mutter öffnet die Terrassentür und bringt auf einem Tablett Ritas Medizin, ein Glas Wasser und die Tageszeitung.
"Rita, mein Kind, wie geht es dir heute?", fragt sie fürsorglich.

Rita mag es nicht, dass ihre Mutter sie wie ein kleines Kind behandelt. Sie ist schließlich zweiundvierzig! Doch es hilft nichts, sie muss es sich gefallen lassen, ob sie will oder nicht.

"Glaubst du eigentlich, dass du noch geheilt werden könntest?", fragt ihre Mutter vorsichtig.
Rita überlegt eine Weile, bevor sie antwortet. Sie weiß genau, worauf die Mutter hinaus will. Erika Hainbauer hatte vor einigen Jahren auch Krebs. Ihre Mutter ist fest davon überzeugt, dass sie durch ihren Glauben an Gott geheilt wurde.
"Mutter, du weißt doch, das ich deine Geschichte nicht glauben kann. Du hattest einfach Glück!"
"Aber Rita, das war kein Glück, das war Gottes Wille! Willst du es wenigstens mal versuchen, nur ein kleines wenig?"
"Gottes Wille, Glauben, so ein Quatsch. Das waren die Gene, das weißt du doch, du hattest es doch auch, aber bei dir hat man es eher entdeckt. Du hast eben Glück. Aber mit Gottes Wille hat das nichts zu tun!" Ihre Mutter winkt ab und kopfschüttelnd geht sie wieder ins Haus.

Rita nimmt ihre Tabletten aus der Dose. 'Gottes Wille? Nein, das lass ich nicht zu!' spricht Rita in Gedanken zu sich. 'Mein Wille soll geschehen! Bis jetzt ist immer alles nach meinem Willen geschehen und so soll es auch bleiben.' Sie erinnert sich, dass in ihrem Leben immer alles nach ihrem Kopf ging.

Das war schon in ihre Kindheit so. Sie war sieben. Rita hatte sich in den Kopf gesetzt, ein Pferdegespann zu führen. Doch keiner hatten sie ernst genommen, aber was sie sich in den Kopf setzt, das wir gemacht! Und tatsächlich fuhr sie den Wagen nach Hause, ohne Probleme.

In der Schule mit dreizehn hat sie den Lehrern die schlimmsten Streiche gespielt, wie es ihr gefiel. Es ging einfach immer nach Ritas Kopf.

Dann nach der Schule sollt Rita auf dem elterlichem Hof bleiben und Bäuerin werden. Sie jedoch studierte Modedesign und eröffnete ihr eigenes Geschäft. Und hat es allen gezeigt. Die Männer waren natürlich auch schaarenweise hinter ihr her, doch nicht nur wegen ihres Aussehens, nein, auch das Geld lockte. Und so fiel es Rita nicht schwer, Singl zu bleiben.

Doch nun ist sie hilflos ihrer Mutter ausgeliefert. Ihre sogenannten Freunde haben sie einfach sitzen lassen. 'Schöne Freunde!', denkt Rita mit etwas wehmut zurück.

'Nein, das kann noch nicht alles gewesen sein', stellt Rita fest und ist entschlossen dem Tod ein Schnippchen schlagen. 'Es muss doch irgend etwas geben, wie ich das Verhindern kann. Wenigstens eine bleibende Erinnerung für die Menschheit will ich zurücklassen! Sollte ich vielleicht ihr ganzes Geld für die Kinderkrebshilfe spenden?'
Kinder hatte sie nie gehabt. Doch sie verwirft den Gedanken.
'Nein, das ist nicht spektakulär genug. Oder eine weltberühmte Kollektion entwerfen? - Nein, dazu blieb mir zu wenig Zeit - , außerdem kann ich sowieso kaum einen Stift länger als eine halbe Stunde halten.'

Ihre Mutter hatte ihr die Zeitung hingelegt und Rita blätterte sie kurz durch. Da fälltl ihr Blick auf einen Artikel über eine Ausstellung. Sie liest den Artikel, über Empörung und aber auch Bewunderung über die seltsamen Ausstellungsstücke.

In Rita formt sich ein Gedanke und nicht lange und der Gedanke wird zur Tat. Sie nimmt ihr Handy und wählte eine Nummer. 'Das ist die Lösung. Nun geschied doch noch mein Wille!'

Heute kann man die mumifizierte Rita in der Austellung "Körperwelten" bewundern. Es war IHR WILLE.

Mich@ela Kux



Letzte Aktualisierung: 27.06.2006 - 10.26 Uhr
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