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September 2003
Wie die Nacht leuchten kann
von Renate Hupfeld


„Ist doch kein Zufall, dass Vincent in die Mitte des Bildes ein Liebespaar gemalt hat.“
„Ein Liebespaar?“
„Sieh mal, Jana, all die anderen Figuren sind schwarz oder grau, aber die beiden in der Mitte sind orange.“
„Stimmt, vielleicht hätte er gerne mit seiner Geliebten da gesessen.“
„Vielleicht. Stattdessen hat er auf dem ‚Place du Forum’ seine Staffelei aufgestellt und malt ein Bild, das im Jahre 1888 keiner sehen wollte.“
„Du hast mir mal erzählt, dass sein Bruder Theo ihm immer die Farben nach Arles schicken musste, weil keiner seine Bilder kaufte.“
„Und nach seinem Tod haben viele Leute sehr viel Geld mit seinen Bildern verdient. Schade, dass er seinen Erfolg nicht erleben konnte. Aber auf der anderen Seite hatte er ganz viel Freude beim Malen. Du siehst ja, wie toll die Farben sind.“
„Ja, obwohl Nacht ist. Wie die Nacht leuchten kann. Blau und gelb. Meinst du, er hatte Kerzen auf dem Hut, wie du mir aus dem Buch vorgelesen hast?“
„Über Vincent ist viel Blödsinn geschrieben worden. Auch die Story mit den Kerzen auf dem Hut soll eine Legende sein.“
„Er brauchte gar keine Kerzen. Die Lampe auf der Caféterrasse ist so hell, dass der ganze Platz beleuchtet ist. Und die Sterne. Guck mal, wie hell sie leuchten.“
„Vincent hätte sich nicht vorstellen können, dass das Bild mal hier in der Raststätte an der Wand hängt, wo Tag und Nacht so viele Menschen es sehen. Und wer weiß, wo es noch überall zu sehen ist. Das Original kann man in einem Museum in Holland betrachten.“
„Da möchte ich gern mal hin.“
„Ja, aber jetzt sind wir in der Schweiz, das ist weit weg. Wie damals Vincent fahren wir in den Süden, wo es warm ist und wo die Farben schön leuchten.“
Jana holt ihren Fotoapparat aus dem Rucksack und fotografiert das Plakat vom Nachtcafé.
„Wir könnten doch auch nach Arles fahren und gucken, ob die Sterne da so leuchten, wie auf dem Bild. Da sind bestimmt auch viele Bilder von Vincent zu sehen.“
„Nein, in Arles gibt es keine Bilder von Vincent. Die Leute dort hielten ihn für verrückt und wollten ihn nicht mehr haben.“
„Dann will ich doch nicht nach Arles.“

Im Auto nimmt Jana ihren Zeichenblock und malt ihr Bild vom Nachtcafé.
„Papa, an dem Tisch in der Mitte sitzt du mit Mama. Und hier vorne stehe ich und male euch.“
„Und das helle Gesicht da oben am Himmel?“
„Das ist Vincent. Er lacht die Leute von Arles aus.“

©Renate Hupfeld 09/2003




















Letzte Aktualisierung: 27.06.2006 - 11.13 Uhr
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