Das alte Buch Mamsell
Das alte Buch Mamsell
Peggy Wehmeier zeigt in diesem Buch, dass Märchen für kleine und große Leute interessant sein können - und dass sich auch schwere Inhalte wie der Tod für Kinder verstehbar machen lassen.
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September 2003
Zukunft ungewiss
von Klaus Schmeing


Schönes Italien. Einen prächtigen Sommer bietet das Jahr 2003.
Laues Lüftchen zieht durch die Gassen.
Spät abends. Gemurmel zu hören. Seichte Musik.
Tummeln sich einige Menschen im Nachtcafé.
Ein zentrales Plätzchen. Wie für den Sommer gemacht.
Grüppchen sitzen bei den Tischen. Tauschen Erfahrungen aus.
Sind tief im Gespräch.
Der Wirt eilt dazwischen. Den Block in der Hand.
Nimmt die Bestellungen auf.
Kommt ein Mann, Mitte vierzig, die Gasse entlang. Wirkt korrekt und
konservativ. Adrett gekleidet. Teurer Anzug. Überprüft den Straßennamen:
„Ja! Bin hier richtig!“ Er greift seinen Aktenkoffer. Nimmt an einem der
Tische Platz. Der Wirt eilt herbei. Bekommt die Bestellung.
Verschwindet wieder im Café.
Der Mann öffnet die Tasche. Kramt ein Notebook hervor. Stellt es auf den
Tisch. Öffnet es. Fragt einige Informationen ab. Der blaue Schimmer des
Notebooks spiegelt sich in seiner Brille.
Dann sieht er sich um. Blickt in die Runde. Das Notebook ausgeschaltet,
bekommt er das bestellte Getränk serviert.
Eine Zigarette wird entzündet. Glimmt auf. Ein Schluck der Köstlichkeit genippt.
So huscht sein Blick erneut die Gasse hinab.
Erspäht er plötzlich zwei junge Frauen. Schlendern die Gasse entlang.
Vermutlich Urlauberinnen. Beide vielleicht Anfang, Mitte zwanzig.
Sie entdecken das Café. Beschließen hier Rast zu machen an jenem,
angenehmen Ort.
Kommen auf ihn zu. Nehmen Platz am benachbarten Tisch.
Die Bestellung dem hektischen Wirt mitgeteilt, beugen sich beide einander
zu. Sind tief im Gespräch. Zarte, weibliche Finger gestikulieren in der Luft.
Es folgt ein Lächeln. Ein Schwall des Lachens weiblicher Stimmen schwingt
hinüber zu ihm.

Er wird aktiv. Das Notebook zurück in die Tasche gesteckt. Seinen Kram
zusammen gepackt, begibt er sich an den benachbarten Tisch. Spricht die
Damen an: „Darf ich mich zu ihnen setzen?“
Zwei Augenpaare sehen ihn überrascht an. Erlauben ihm, worum er gebeten
hat. Er zupft seinen Anzug zurecht. Setzt sich.
Erneut kommt der Wirt vorbei. Bekommt die nächste Bestellung von ihm.
Verschwindet wieder.
Die blonde Frau spricht ihn an: „Wie heißen sie?“
Kühl und sachlich: „Tjeborg Heng!“
Die Brünette staunt: „Das ist aber ein interessanter Name. Habe ich noch
nie gehört. Aus welchem Land kommt er?“
„Ein deutscher Name!“
„Ach!“
„Ja. Ein deutscher Name. Aber sehr selten.“
Er entzündet sich erneut eine Zigarette: „Darf ich ihre Namen erfahren?“
Erfährt sogleich, die Blonde heißt Lena, die Brünette Karla.

Karla fragt interessiert: „Machen sie Urlaub hier? Sehen beinahe nicht
danach aus!“Kühl und distanziert lächelt er: „Bin beruflich hier.“
„Ach! Was machen sie? Sehen wie ein Manager aus!“
„Nein. Bin kein Manager. Bin Polizist - gewissermaßen!“
Lena staunt: „Das ist aber interessant. Sehen gar nicht aus wie ein Polizist.
Eher wie ein Geschäftsmann, würde ich sagen!“
Fragende Augen sehen ihn an. Er verwirft: „Lange Geschichte! Egal!“

Erneut kommt eine Person die Gasse entlang. Betritt das Café.
Ein junger Herr. Mitte Zwanzig. Der Kleidung nach Urlauber.
Unser Mann blickt auf. Sieht auf seine teure Uhr, mit allen möglichen
Anzeigen bestückt. In seinem Gesicht deutlich bemerkbar, er denkt nach.
Plant irgend etwas. Zeigt maximale Aufmerksamkeit.
„Ich muss zur Toilette!“ teilt Lena mit und erhebt sich.
Unsicher eilt sein Blick ihr hinter her. Beobachtet, wie sie an jenem
Neuankömmling vorbei geht.
Der steht am Tresen. Bestellt ein Getränk. Nimmt eine Zeitschrift.
Blättert darin.
„Was ist los?“ reißt Karlas Stimme den Mann an ihrem Tisch aus der
Beobachtung.
Der fühlt sich ertappt. Weiß nicht so recht zu antworten. Winkt ab.
Karla bekommt einen kombinierenden Blick.
Fragt gezielter nach: „Was ist los? Sie verhalten sich eigenartig!“
„Ich habe doch erklärt. Bin beruflich hier. Habe zu tun!“
Sein eiserner Blick erspäht Lena. Jene verlässt die Toilettentür. Ist im
Begriff zu ihrem Tisch zurück zu kehren. Hält einen Klappspiegel in der
Hand. Geht am Tresen vorbei. Plötzlich fällt ihr der Spiegel herunter.
Die Hand des Herrn an der Theke fährt zu Boden. Hebt ihn auf. Überreicht ihn ihr.
Beide kommen ins Gespräch.

Der Beobachtende wird aktiv. Erhebt sich: „Ich muss zur Toilette.“ Lässt Karla
zurück. Diese blickt irritiert. Sieht ihm nach. Sagt zu sich selbst: „Ein Polizist in
solcher Kleidung. Eine berufliche Angelegenheit. Hat Lena offenbar im Blick.
Merkwürdiges Verhalten... „Was soll das?“
Sie sieht ihm nach. Er hat sich Lena und dem Mann zugeordnet. Spricht mit
Beiden.
Karla fasst einen Entschluss. Schleicht um den Tisch. Öffnet die Aktentasche
des Dubiosen. Wirft einen Blick hinein.
Entdeckt das Notebook. Einen Gegenstand, den man im weitesten Sinne als
Handy bezeichnen könnte. Außerdem eine Menge merkwürdiger Gegenstände,
von denen sie nicht weiß wie sie benannt werden könnten.
Dazwischen eine Pistole. Allerdings wirkt jenes Gerät wie einem
Science-fiction-Film entsprungen.

Eilig hastet ihr Blick zum Tresen hinüber. Der konservative Fremde scheint ihre
Durchsuchung nicht bemerkt zu haben. Verschwindet in der Toilettentür.
Lena löst sich von jenem Mann an der Theke. Kehrt zu Karla zurück: „Was ist los?
Du siehst erschrocken aus!“
Karla flüstert: „Was ist das für ein merkwürdiger Kauz, der sich an unseren Tisch gesetzt hat?
Er will etwas von uns. Ich weiß aber nicht was. Benimmt sich sehr eigenartig. Hat in seiner
Tasche merkwürdiges Zeug dabei. Noch nie so etwas gesehen. Eigenartige Geräte!“
„Du hast in seine Tasche geguckt?“ erschrickt Lena.
„Ja! Ich wollte wissen was das alles soll!“

Beide werfen einen kritischen Blick ins Café. Der dubiose Fremde kehrt zurück.
Begibt sich auf direktem Wege zum Mann an der Theke. Kommt mit ihm ins Gespräch.
Karla zeigt mit Augenbewegungen, Lena möchte einen Blick in die Aktentasche werfen.
Diese zögert, wagt sich aber dann doch.
Karla hält ihn im Blick. Überprüft, das er Lenas Durchsuchung nicht bemerkt.
Sieht, das er in vertieftem Gespräch mit dem Mann am Tresen ist.
Beobachtet schließlich, wie er ein größeres Bündel Geld aus der Tasche zieht.
Überreicht es dem Mann. Jener bedankt sich. Verlässt eilig die Lokalität.
Geht die Gasse hinab. Taucht in die Unauffindbarkeit. Hat nicht mal einen Namen.

Lena hält das handyähnliche Gerät in der Hand. Beäugelt es kritisch.
Der Dubiose kehrt zurück. Lena schließt die Tasche überstürzt. Hat nicht die Zeit
das Gerät zurück zu stecken. Hält es in der Hand. Verbirgt es unter der Tischplatte.
Gibt sich auffallend unauffällig. Lächelt den Dubiosen unsicher an. Er nimmt Platz.
Karla fragt ihn: „Kennen sie den Mann?“
„Nein!“
„Was wollten sie dann von ihm?“
Der Dubiose winkt ab: „Lange Geschichte.“
Er wirft einen Blick auf die Uhr: „Schon spät. Ich muss jetzt gehen!“
Er legt das Geld für den Wirt auf den Tisch. Ergreift die Tasche. Erhebt sich.
Verabschiedet sich und geht.
Lena atmet auf. Bemerkt im gleichen Augenblick das sie das Gerät noch in
den Händen hält. Das Gerät aus der Tasche des Fremden. Holt es zur
Tischplatte hervor. Karla erschrickt: „Du hast es ihm gestohlen?“
„Nein! Ich hatte nur keine Zeit es zurück zu legen. Was machen wir jetzt damit?
Was ist das überhaupt für ein Gerät?“
Die Frauen schauen es sich aufmerksam an.
Einige Armaturen befinden sich seitlich des Gerätes. Karla nimmt es.
Probiert die Knöpfe. Testet sie an. Plötzlich erhellt sich ein Display.
Informationen werden sichtbar.
„Scheint eine Datensammlung zu sein. So etwas wie ein Buch!“
Karla staunt: „Sieh mal! Hier steht ein Text. Daneben sind Fotos.“
Erste Erfolge im Umgang mit fremdem Gerät zeigen sich.
Die zarten Finger bewegen sich durch Menüs. Pausieren schließlich an einer
Stelle. Ist ein Fotoarchiv. Karla erschrickt: „Sieh, Lena! Hier sind ganz viele
Fotos von dir!“
Beide Frauen sehen sich die Bilder an. Fotos zeigen Lena im Kindesalter,
zur Jugendzeit, im Alter der Reife, im Alter des Lebensabends.
„Was soll das? Was sind das für Fotos? Ich bin gerade mal vierundzwanzig!“
Karla schaut sich weiter durch die Menüs: „Schau, Lena. Hier steht ein Text
über dich. So etwas wie ein Lebenslauf.“
Lena staunt: „Zeig her!“
Beide Frauen lesen. Erfahren, das Lena geheiratet hat. Bekam zwei Kinder
mit ihrem Mann. Der ältere Sohn schlug später eine politische Laufbahn ein.
Seine Karriere bekam zügig Drall, als er etwa dreißig war. So wurde aus ihm
ein Politiker höherer Klasse. Ein Staatsmann. Durch seine Erfolge, der Machtgier
verfallen, mit Skrupellosigkeit gepaart, wurde er später zum Diktator. Mit dem
Versuch seinen Herrschaftsbereich weiter auszubauen, entfachte er einen Krieg.
Schnell verloren die gegnerischen Parteien die Kontrolle über die Situation.
Uferte aus zum nuklearen Krieg. Weite Teile heutigen Europas wurden dadurch
unbewohnbar gemacht.
„Schau, Lena! Hier sind Fotos von deinem Mann und deinen Kindern!“
Lena sieht auf das Display und staunt.
Sieht die Bilder ihres Mannes. Es ist der Herr, der so eben noch am Tresen stand.
In diesem Café. Sie liest den daneben stehenden Text. Erfährt darin, sie soll ihn
kennen gelernt haben. An heutigem Abend. In diesem Café.

Irritiert begibt sie sich in jenem Gerät ins nächste Menü. Stößt auf einen Dienstausweis
vom dubiosen Herrn, mit dem merkwürdigen Namen.
Das Display zeigt ein Foto von ihm. Darunter den Text:
Name: Tjeborg Heng / geboren am 18.06. 3644 in Neuberlin /
Beruf: Zeitpolizist.
© Klaus - A. Schmeing

Letzte Aktualisierung: 28.06.2006 - 08.50 Uhr
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