Madrigal für einen Mörder
Madrigal für einen Mörder
Ein Krimi muss nicht immer mit Erscheinen des Kommissars am Tatort beginnen. Dass es auch anders geht beweisen die Autoren mit ihren Kurzkrimis in diesem Buch.
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September 2003
Saturday Night
von Josèphine Moser


„Hi Leute! Na, geniesst ihr das Wochenende? Sam, die wievielte Flasche Wein ist das? Ihr guckt schon alle ganz benommen!“
„Ach Mike, übertreib doch nicht immer so! Wir lassen doch bloss den Tag bei einem Gläschen Wein und ein wenig Musik ausklingen!“
„Ja, ist ja okay. War bloss n’ Witz. Habt ihr mir auch ein Glas?“

„Hach Schatz, es ist einfach herrlich hier...“
„Ja. Lass uns einfach still sein und diesen Augenblick zusammen geniessen.“
„Unsere Hochzeitsreise...“
„Psst...“


„Mummy, wann kommt Dad? Er kommt doch, oder?“
„Ja Liebling, keine Angst, er wird in wenigen Minuten eintreffen. Hör mal Liebling, da spielt jemand wunderschön Gitarre! Geh und wirf ihm eine Münze in den Hut!“


„He Mike, wie läuft’s bei der Arbeitssuche? Hast du schon was gefunden?“
„Nö. Wisst ihr, irgendwie bin ich einfach nicht der Arbeitertyp.“
„Du meinst, du bist eher der Typ, der zu Hause auf dem Sofa liegt und stundenlang fernsieht?“
„Nein, so meinte ich das nicht, aber es ist doch wirklich komisch, dass ich keine Arbeit finde. Ich meine, in dieser Stadt gibt es so viel Arbeit. Aber keiner nimmt mich!“
„Na ja, zugegeben Mike, ein bisschen Körperpflege wäre nicht schlecht...“
„Ach, verarscht mich doch!“

„Weißt du Schatz, wie sehr ich mir diese Reise gewünscht hatte? Einfach mal die Firma hinter mir lassen und mich richtig erholen.“
„Und das hast du auch verdient. Bei all der Arbeit in letzter Zeit und noch dazu die Hochzeit...“
„Ach Schatz, das war doch das schönste, was ich je erlebt habe! Die Hochzeit, sie war einfach traumhaft schön.“
„Ja. Das war sie wirklich.“


„Mummy?“
„Liebling, jetzt hör schon auf zu quengeln, Dad kommt bald! Und dann werden wir noch einen Kaffee trinken, ehe wir ins Theater gehen. Sei doch ein wenig geduldiger. Und bitte Liebling, sei nicht so wild. Du weißt ja, dass es dein Dad im Moment nicht einfach hat.“
„Weil Tante Margareth gestorben ist?“
„Ja. Weißt du, er muss sehr viel Papierkram erledigen und viele Formulare ausfüllen. Und dazu kommt noch die ganze Trauer. Es hat ihn sehr betroffen, als seine Schwester so plötzlich starb.“
„Mich hat es auch betroffen gemacht. Sie hat mir jede Woche angerufen und gefragt, wie es mir geht. Und jetzt tut sie das nicht mehr, weil sie jetzt nämlich im Himmel ist. Das ist sie doch, oder Mummy?“
„Liebling, schau mal, da vorne kommt Dad. Lauf ihm entgegen und begrüss’ ihn!“
„Daddy!“


„Leute, ich muss euch was erzählen.“
„Oh oh, Mike, lass mich raten: Du hast eine neue Freundin! Stimmts?“
„Nein, bewahre! Nein, ich habe vor, ins Ausland zu gehen.“
„Duu?“
„Mike, alter Kumpel, das kann nicht sein!“
„Wohin willst du denn gehen? Hast du irgend ne’ reiche Tante in Amerika gefunden oder was?“
„Nur ein bisschen Urlaub machen von all dem Rummel.“
„URLAUB? Na sag mal, was machst du denn die ganze Zeit?! Du willst mir doch nicht weismachen, dass DAS was du bis jetzt die ganze Zeit getan hast, ARBEIT sein soll!
„Hee! Ich habe sehr wohl etwas getan! Tag für Tag bin ich in die Stadt gerannt und hab mich umgehört, war auf dem Arbeitsamt...“
„Wohin willst du überhaupt gehen?“
„Keine Ahnung. Afrika, Asien, Amerika, Australien. Was ist am billigsten?“

„Schatz, mir kommt gerade in den Sinn, hast du das Hotel nun schon gebucht für die Heimfahrt?“
„Nein, ich dachte, dass DU das machen wolltest!“
„Wir haben doch klipp und klar abgemacht, dass das DEIN Job ist!“
„Ach so? Haben wir das?“
„Ja. Wirklich! Du hast gesagt, dass du das machen willst, da ich so viel Arbeit hatte mit der Firma.“
„Hatte ich vielleicht weniger Arbeit mit der ganzen Hochzeit?!“
„Ach Schatz, lass und jetzt nicht streiten. Nicht jetzt, nicht heute. Vergib mir, ja?“
„Ja. Ist schon okay.“


„Daddy!“
„Hallo Liebling! Na, wie war dein Tag?“
„Super! Ich hab’ ja schliesslich auch Ferien! Mummy und ich waren heute ganz gross einkaufen! Viele Kleider für Mummy und ein Hemd für di...“
„Pssst. Ach Calvin, du wusstest doch, dass es eine Überraschung sein sollte!“
„Tut mir leid, Mummy. Ehrlich...“
„Schon gut. Nun weiss es dein Daddy und dann können wir es ihm ja auch gleich geben. Hier Darling, du kannst es zu Hause gleich anprobieren. Wir dachten, dass die dieses hellblau dir ausserordentlich gut stehen würde. Wie findest du es?“
„Es ist... ein wenig gewöhnungsbedürftig... Aber durchaus schön, nicht dass du mich da falsch verstehst... ich meine...“
„Ist schon gut Darling. Ich weiss was du meinst. Na ja, du kannst es ja für in den Garten anziehen.“
„Nun sei doch nicht so empfindlich! Natürlich finde ich es schön! Nur eben...“
„Daddy?“
„Was ist, mein Sohn?“
„Wir waren heute auf einer gaaanz langen Rutsche und sogar Mummy ist mitgeruscht!“
„Ist ja suuper! Dann hattet ihr viel Spass, das freut mich.“
„Mummy, kann ich ein Eis haben?“
„Calvin, du hattest heute bereits ein Eis!“
„Ach lass ihn doch! Schliesslich ist heute sein erster Ferientag.“
„MUSST du mir immerzu in den Rücken fallen?!“


„Also wenn du mich fragst, ist es am billigsten, wenn du hier bleibst und mit deinen grossartigen Reisen wartest, bis du ein anständiges Einkommen hast!“
„Meinst du wirklich?“
„Ja, ehrlich.“
„Na jaaa... ich hab’ mir das ganze auch noch nicht wirklich so gut überlegt.“
„Das würde ich aber, mein Freund.“

„Wie wäre es, wenn wir uns ein wenig Champagner bestellen würden?“
„Schatz! Bist du verrückt geworden? Wir können doch nicht einfach CHAMPAGNER bestellen!“
„Und wenn doch?...“
„Ach du alter Schleimer. Okay, lass uns ein Glas bestellen. Aber nur EIN Glas, hast du verstanden?“
„Yes Sir!“
„Ha ha ha!“


„Darf ich nun ein Eis haben oder nicht?“
„Hm.“
„Hm. Ich glaube, wir machen uns mal auf zum Theater. Schliesslich wollen wir die Vorstellung nicht verpassen.“
„Au ja! Kommt schon, Mummy und Daddy! Gehen wir!“
„Warte Calvin, wir müssen noch bezahlen!“
„Beeilt euch! Ich geh schon mal vor und warte bei dem Mann der Gitarre spielt!“
„Ja, mach das.“
„Siehst du Darling, wie schnell Calvin sein Eis vergessen hat? Wir müssen ihm nicht so viele Freiheiten lassen! Er wird zu sehr verwöhnt.“
„Ja, ja... Komm, gehen wir. Calvin wird bereits ungeduldig.“


„Nun Mike, tut mir leid, ich muss jetzt gehen. Vielleicht leisten dir Chris und Andy noch ein wenig Gesellschaft.“
„Tschüss Sam, grüss’ deine Frau von mir!“
„Ja, ciao!“
„Und da waren’s nur noch drei...“
„Nur noch zwei, willst du sagen. Ich muss nämlich auch gehen.“
„Chris, du? Wohin gehst du?“
„Tja...“
„Ein Date?“
„Könnte man so nennen, ja. ich treff’ mich mit meiner Mutter. Bye!“
„Tschüss!“
„Andy, kann ich wenigstens DICH noch zu ‘nem Bier einladen?“
„Ja. Aber lass uns in ein anderes Lokal gehen. Hier ist zu wenig los.“
„Okay. Lass uns bezahlen und dann gehen.“

„Oh schau mal Schatz, unser Champagner kommt.“
„Oh ja. Hach, es ist einfach herrlich hier.“
„Ja. Lass uns diesen Champagner noch austrinken und dann einen Spaziergang durch die Stadt machen. Nur wir zwei.“


Und so ging jeder seines Weges. Leute kamen und Leute gingen. Jede Person erzählte seine eigene Geschichte, spielte seinen eigenen Film. Familien mit Kinder, händchenhaltende Verliebte, junge Leute, sie alle kamen in dieses eine Café, um die wunderschönen Nächte in der hell beleuchteten Stadt zu erleben.
Jeden Samstag Abend...


























Letzte Aktualisierung: 28.06.2006 - 08.47 Uhr
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