'paar Schoten - Geschichten aus'm Pott
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Oktober 2003
Tödlicher Algorithmus
von Dagmar Cechak


„Also das ist doch mal wirklich eine faszinierende Auflösung. Ist sogar mir neu. Ein unglaublicher Algorithmus.“

Perry Hammond, Prof. der Informatik gerät ins Schwärmen. Mit großer Geste missachtet er das Unbehagen, das seine Begeisterung bei den Kollegen und Mitarbeitern des Instituts auslöst. Strahlt in die betretenen Gesichter und ergeht sich in mathematischen Exkursen.

„Ich habe mir alles kopiert – zum Glück – denn den Laptop hat die Polizei ja dummerweise beschlagnahmt. Das dargestellte Problem ist so richtig was für meine nächste Vorlesung. Ich werde meine Studenten drauf ansetzen. Meines Wissens ist noch niemand auf die Idee gekommen, eine Verschlüsselung so anzugehen.„

Schweigen in der Umgebung. Die lockere Gruppe, die da am Gang zusammengefunden hat, Professoren, Assistenten, Techniker, sie alle tauschen untereinander Blicke aus, rücken unmerklich ab. Allmählich bemerkt sogar Hammond die fehlende Zustimmung. Er sieht etwas verwundert und zugleich belustigt in die Runde.

„Dann glauben Sie also tatsächlich alle an die Schuld von Zacharias Ranker?“ Er schüttelt den Kopf. „Traurig! Keiner von Ihnen hat richtig logisch mitgedacht, sonst müsste Ihnen und der Polizei klar sein, dass er es gar nicht gewesen sein kann!“.



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Zacharias Ranker wäre sicher dankbar gewesen, wenn er gewusst hätte, dass wenigstens einer am Institut von seiner Unschuld überzeugt war. Zum hundertsten Male sitzt er Inspektor Fischer gegenüber, der ihn zum Verhör aus seiner Zelle geholt hatte. Zum hundertsten Male beteuert er seine Unschuld.

„Es ist allgemein bekannt, dass Sie und das Mordopfer Streit hatten. Andreas Fingermann hat mehrmals erwähnt, dass Sie bei dem gemeinsamen Forschungsprojekt Ergebnisse für sich behalten haben, um sich selbst zu profilieren, anstatt sie einzubringen.“

„Aber das heißt doch noch lange nicht, dass ich ihn umgebracht habe! Ein bisschen Ehrgeiz ist doch wohl etwas anderes als Mord, das muss ja sogar jemand wie ihnen klar sein!“ Der schmale drahtige Akademiker richtet sich aus seiner vorgebeugten Haltung auf und fixiert den Inspektor mit seinen kurzsichtigen Augen. Er strahlt Arroganz und eine gewisse Verachtung aus und schafft es wieder einmal, Fischer wütend zu machen. Wenn der etwas nicht leiden kann, dann Leute, die meinen, bei der Polizei gäbe es nur Idioten.

„Nicht in dem Ton, mein Herr!“ herrscht er Ranker an.

„Sie geben die Vorwürfe zu, das nehme ich zu den Akten“.

„Abführen!“

Kopfschüttelnd blickt er Ranker hinterher. Alle Indizien deuten auf ihn und der Kerl begreift nicht, dass er seine Lage mit ein wenig Kooperation verbessern würde. Zu dumm, dass der letzte, der schlüssige Beweis noch fehlt, um den Fall abzuschließen. Ohne Rankers Geständnis bleibt ihm nur das mühsame Zusammentragen weiterer Fakten. Seufzend zieht er seine Jacke an und fährt zurück ans Institut.

Der Hörsaal, wo Fingermanns Leiche gefunden wurde ist inzwischen wieder freigegeben worden – der Lehrbetrieb an der Universität geht unverändert weiter. Studenten drängen sich gruppenweise durch die Türe, die Laptoptaschen über die Schulter gehängt, das Handy am Ohr. Die Vorlesung ist zu Ende.

Prof. Ronaldo Millonig kommt federnden Schrittes heraus, einen Stapel zerfledderter Blätter unter den Arm geklemmt. Er steuert schnurstracks auf Fischer zu.

„Nun gibt es schon einen Erfolg bei Ihren Ermittlungen in dieser schrecklichen Sache? Fingermann war einer unserer fähigsten Leute. Ich muss das fairerweise sagen, obwohl er sich in der letzten Zeit immer mehr von seinem ursprünglichen Forschungsgebiet entfernt hat und sich der Kryptologie verschrieben hat.“

Fischer schüttelt den Kopf. Was man in seinem Beruf doch so alles lernt. Vor einer Woche hatte er noch keine Ahnung gehabt, dass Kryptologie die Lehre von Verschlüsselungen und Geheimschriften war. Sein Blick verliert sich im grauen Rauschebart des Professors. Wie alt mag er wohl sein? Die unordentlichen grauen Haare und der Bart verführen dazu, ihn älter einzuschätzen, als das seine Gesichtszüge vermuten lassen.
„Nun?“ Professor Millonig wartete nicht gerne lange auf Antworten, das hätten seine Studenten dem Kommissar flüstern können.
„Also, wie steht es? Ich nehme doch an, dass die Polizei in der Zwischenzeit nicht untätig war!“ Als sein Chef und Professor habe ich ja wohl das Recht, das als erster zu erfahren.“
„Ich pflege verdächtige Personen selten über die Fortschritte meiner Ermittlungen aufzuklären“, brummt Fischer, „und im Moment ist in diesem Fall noch jeder verdächtig!“
Er dreht sich um und lässt den Professor einfach stehen. Er mag es, nicht, wie ein Schuljunge abgekanzelt zu werden. Außerdem geht es ihm selbst auf die Nerven, dass er in diesem Fall so gar nicht weiterkommt. Und dass der Rektor beim Polizeipräsidenten angerufen hat, um ihm den Fall persönlich ans Herz zu legen, verbessert Fischers Laune auch nicht gerade. Noch dazu, wo er sich dieses Wochenende für die Endausscheidung beim großen Anglerwettbewerb angemeldet hat und nach seinem letzten sensationellen Fang richtig gute Chancen auf einen Siegerplatz gehabt hätte. Und, heute ist schon Donnerstag und beim Stand der Dinge eher unwahrscheinlich, dass der Fall rechtzeitig gelöst sein würde.

Er geht ans Buffet und setzt sich mit seinem Kaffee an einen der Tische.

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„Herr Professor, glauben Sie wirklich, dass Fingermann den Schatz von Moosburg gefunden hat? Angeblich hat er die genauen Koordinaten des Versteckes im Landesarchiv entdeckt. Vielleicht hat man ihn deshalb ermordet...“
„Ich weiß nicht, Mark, vielleicht war es ja doch nur ein Herzanfall, so wie Professor Millonig es gesagt hat?
„Ach was, der will ja nur uns Studenten beschwichtigen.“
Aufgeregt reden Mark und Ina auf Prof. Hammond ein. Die beiden Studenten hatten Fingermanns letzte Vorlesung besucht und waren fest entschlossen, den Fall auf eigene Faust zu lösen. Hammond ist der einzige aus der Professorenriege, der bereit ist mit ihnen diesen merkwürdigen Todesfall zu diskutieren. Aufmerksam blickt er die beiden an.
„Ich habe dazu meine eigene Theorie. Nein, nein, macht euch keine Hoffnung, das sind erst Gedanken. Aber was ist das, mit dem Schatz von Moosburg?“
„Im zweiten Weltkrieg, bevor die Besatzungsmächte kamen, wurde der ganze Goldschatz des Landes, die alten Karolingerkronen ebenso, wie Schwerter, Schmuck und Goldmünzen – eben alles, wo man befürchten musste, dass es eingeschmolzen werden könnte um Geld für die Kriegsmaschinerie zu bekommen, im Schloss Moosburg gesammelt und schließlich von einigen mutigen Männern in schwere Metallkisten wasserdicht eingeschweißt und an einem bestimmten Punkt im Wörthersee versenkt. Nach dem Krieg hat man immer wieder vergeblich versucht, die Kisten zu lokalisieren und zu bergen. Die Männer, die den Schatz in Sicherheit brachten, sind durch Verrat im Konzentrationslager gelandet und allesamt gestorben. Es heißt aber, dass ein Dokument existiert, das die genaue Position des Schatzes angibt.“

Ina holt tief Luft, Prof. Hammond hört ihr konzentriert zu und bedeutet ihr weiterzureden.

„Die Angaben in diesem Dokument sollen verschlüsselt sein – das wäre doch was für Sie , Herr Professor, Ihr Spezialgebiet – niemand weiß, wo das Dokument hin ist oder wie es aussieht.

Fingermann hat doch im letzten Semester alle ihre Kryptologie Vorlesungen besucht. Was ist, wenn er das Dokument gefunden hat und versucht hat, es zu entziffern.

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„Ich habe eben mit dem Staatsanwalt telefoniert, es gibt kaum mehr Zweifel, dass Ranker etwas mit Fingermanns Tod zu tun hat. Heute Nachmittag kommen die Obduktionsergebnisse. Es scheint, dass Fingermann ein Messer ganz gezielt zwischen die beiden obersten Halswirbel gestoßen wurde. Noch weiß man nichts genaues, aber das Messer, das in der vorletzten Reihe des Hörsaales gefunden wurde, spricht ja eine deutliche Sprache. Rankers Fingerabdrücke wurden sowohl darauf als auch auf Fingermanns Laptop gefunden. Eine tragische Geschichte. Und das an unserer Universität.“

Der Rektor steht vor dem hastig einberufenen Professorenkollegium und schüttelt traurig den Kopf. Mit seinem gedrungenen Körper und dem breiten Kopf wirkt er unerbittlich, wie er so in die Runde sieht.

„Als Historiker habe ich es nicht lassen können, in der letzten Nacht eine kleine Recherche durchzuführen, und ich kann ihnen sagen, dass es in der Geschichte der österreichischen Universitäten noch nie zu einem so feigen Mord gekommen ist. Wir werden natürlich so schnell wie möglich Maßnahmen ergreifen, damit der Schaden für die Universität so gering wie möglich bleibt. Ich habe für morgen eine Pressekonferenz einberufen. Eine deutliche Distanzierung von dieser Tat und vom Täter ist ein erster Schritt. Liebe Kollegen, es wäre angebracht, wenn jeder einzelne von ihnen klare Stellung bezieht, das Bild nach außen soll eindeutig sein.“

Zustimmendes Stimmengemurmel, man schlägt vor, eine Strategie zur Bewältigung des Problems zu entwickeln, eine Sitzung einzuberufen, einen Ausschuss zu bilden ...

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„Hier riecht es herrlich nach Kaffee – Sie müssen eine wunderbare Sekretärin sein! Sie können mir sicher auch sagen, wo ich Informationen zu versteckten Kunstschätzen finden kann.“ Perry Hammond hat das Professorenkollegium bereits vor der Diskussion verlassen und setzt seinen Charme erfolgreich bei der Sekretärin am Geschichteinstitut ein. Stunden später verlässt er den Raum mit zufriedener Miene und schließt sich in seinem Büro ein.

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„Nein, ich kann Ihnen noch keine Details sagen! Ja, der Obduktionsbericht ist eben fertig geworden! Nein, die Auswertung läuft noch, es gibt noch nichts zu berichten!“ Wütend knallt Fischer den Hörer auf das Telefon. Die Türe wird aufgerissen und die gewichtige Figur des Abteilungsleiters, Franz Rosenberger, schiebt sich durch den Rahmen. Seine speckige Stirne ist in Falten gelegt, sorgenvoll blickt er von einem zum anderen.
„Meine Herren, man rennt mir die Türe ein, ich höre der Obduktionsbericht ist da, wie sehen die Ergebnisse aus?“
Fischer hält ihm das Papier seufzend hin.
„Hmmm, das bedeutet, zurück auf Feld eins. Da ist aber gar nicht gut, Fischer, gar nicht gut! Noch dazu hat der Rektor für heute Vormittag eine Pressekonferenz angekündigt – er geht davon aus, dass Ranker der Täter ist und möchte unbedingt klarmachen, dass die Universität als Institution nichts mit dem Fall zu tun hat. .“

„Davon gehe ich auch aus!“ brummt Fischer trotzig. „Es ist Freitag und am Wochenende werde ich den Angelwettbewerb gewinnen, da ist keine Zeit für einen neuen Verdächtigen! Hat er halt eine andere Tatwaffe benutzt. Das Messer war ohnehin etwas zu offensichtlich“

Rosenberger zuckt bedauernd die Schultern.

„Pech, Fischer, versuchen Sie den Rektor zu erreichen – am besten, Sie fahren zur Universität und fangen ihn vor der Pressekonferenz ab.“ Schnaufend setzt Rosenberger sich wieder in Bewegung und zwängt sich durch die Türe.

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Hörsaal A, der größte Hörsaal der Universität ist bis auf den letzten Platz besetzt. Presse, Studenten, Neugierige, das Publikum ist gemischt. Der Rektor hatte in den letzten Stunden unermüdlich verkündet, dass die Pressekonferenz Klarheit in den „Fall Ranker“ bringen würde. Schon eine halbe Stunde vorher hatten sich die wichtigsten Professorenvertreter und der Rektor zusammengefunden. Fischer kommt zu spät, um die Konferenz noch aufzuhalten, der Rektor schlägt ihm großmütig vor, er könnte die neuesten Ergebnisse, doch dem versammelten Publikum nahe bringen. Entsetzt blickt der Kommissar hinauf in die unzähligen Gesichter, die ihn aus den aufsteigenden Reihen anstarren.

Pünktlich um zehn begrüßt der Rektor die Anwesenden. Spricht davon, wie schrecklich es doch sei, wenn Ehrgeiz junge Kollegen zu gewissenlosen Taten hinreißt, wie traurig für die Welt der Wissenschaft, gleich zwei hoffnungsvolle junge Forscher zu verlieren. Einen als Opfer, einen als Täter. Seine vom vielen Rauchen heisere Stimme unterstreicht die Tragik des Falles.

Neben der ersten Reihe steht Perry Hammond und spricht leise mit Fischer. Irritiert lässt der Rektor immer wieder seine Blicke zu den beiden schweifen. Als er kurz Luft holt, steht Perry Hammond plötzlich neben ihm und richtet das Wort an die Menge.

„Erlauben Sie mir, Ihnen etwas zu zeigen“

Sanft schiebt er den Rektor zur Seite, flüstert ihm etwas zu, dieser setzt sich gehorsam auf seinen Platz und überlässt Hammond das Wort. Hammond schaltet einen Laptop an – eine komplexe Formel wird auf die Wand gebeamt.

„Dieser Algorithmus, meine Damen und Herren birgt die Lösung zu diesem Mord.“ Als man Fingermann fand, war die Formel so auf die Wand projiziert, wie Sie sie hier sehen. Fingermann hat sich im letzten Jahr immer intensiver für alles interessiert, was mit Ver-und Entschlüsselung zu tun hat. Er besuchte meine Vorlesungen und brachte exzellente Ergebnisse, wie man ja auch hier sehen kann.“

Triumphierend zeigt Hammond auf die kryptischen Zahlen an der Wand.

„Aus diesem Grund war mir auch sofort klar, dass Zacharias Ranker nicht der Mörder sein konnte. Sein Fachgebiet liegt in einem ganz anderen Bereich, für ihn wäre das so unverständlich, wie vermutlich den meisten von Ihnen hier.“

Zustimmendes Gemurmel in den Zuschauerrängen. Hammond sonnt sich in den gebannten Blicken seiner Zuhörer. Die Journalisten zücken ihre Stifte, Fragen prasseln auf ihn nieder.

„Sie können also klar sagen, dass Herr Ranker nicht der Täter ist? Hat die Polizei das bestätigt?“

Der Rektor versucht Kontrolle über die ganze Veranstaltung zu bekommen.
„Meine Herren! Es sind erst zwei Tage seit der Tat vergangen, natürlich sind Mutmaßungen noch erlaubt. Wir alle versuchen natürlich uns von Herrn Rankers Unschuld zu überzeugen.“

„So lassen Sie Prof. Hammond doch weitersprechen!“
Resigniert setzt sich der Rektor wieder nieder.
Hammond wechselt einen Blick mit Fischer. „Lassen Sie uns kurz ausholen: am Mittwoch morgen wurde die Leiche von Andreas Fingermann hier im Hörsaal entdeckt. Er saß regungslos in der ersten Reihe. Die Untersuchung ergab, dass er kurz nach der Vorlesung, die er gemeinsam mit seinem Kollegen Ranker abgehalten hatte, ermordet sein musste. Todesursache war die Durchtrennung des Rückenmarks mit einem Messer zwischen den beiden obersten Halswirbeln. Die Spurensicherung fand oben in der letzten Reihe des Hörsaales ein Messer, auf dem sich, ebenso wie auf dem Laptop Fingermanns, Rankers Fingerabdrücke fanden. Daraufhin wurde Ranker festgenommen, obwohl seine Studenten bezeugten, dass er sofort nach der Vorlesung mit ihnen in eine Kneipe gegangen war.

Nun erfuhr ich aber von zwei Studenten eine interessante Geschichte...“

Hammond berichtet von der Geschichte mit dem Schatz von Moosburg, von seinen Recherchen im Geschichteinstitut. ...„Außerdem begab ich mich noch ins Landesarchiv, wo ich erfuhr, dass eine überraschend großes Interesse an einem völlig unverständlichen Dokument aufgefallen war. Nicht nur Fingermann hatte sich davon Kopien besorgt, auch eine zweite Person war in letzter Zeit häufig zu Gast gewesen. Nun liegt natürlich die Vermutung nahe, dass es sich dabei um Ranker handelte. Die Beschreibung die man mir gab, weist aber in eine völlig andere Richtung.“

Beifallsheischend blickt Hammond sich um, das leise Raunen, das durch den Hörsaal geht, verebbt, schließlich ist es totenstill.



„Man beschrieb mir einen Mann, mittelgroß, gedrungen, breite Stirne, mit immer heiser klingender Stimme.“

Alle Blicke richten sich wie auf Kommando auf einen Mann. Der reißt im Aufspringen den Sessel um und läuft mit unglaublicher Schnelligkeit auf die nächste Türe zu und prallt in die massive Gestalt von Franz Rosenberger hinein, der eben mit zwei Beamten hereingekommen ist. Handschellen klicken, der Rektor wird abgeführt, dann ist das Schauspiel vorbei. Zurück bleibt betretene Stille.



Schließlich hebt einen Journalist die Hand.
„Die Hintergründe, können Sie uns dazu noch etwas sagen?“
Perry Hammond richtet sich auf. „Das Blatt im Landesarchiv beinhaltet eine äußerst kompliziert verschlüsselte Positionsangabe zum Verbleib der Kisten. Der Rektor hatte Fingermann darauf gebracht, als Historiker war er von der Idee des Schatzes natürlich fasziniert. Fingermann suchte in all meinen Vorlesungen und den unzähligen Diskussionen die er mit mir führte, immer nur eine Lösung dieser verschlüsselten Angaben zu finden. Er probierte tausende Ansätze aus und der letzte war wohl erfolgreich. Der Rektor hatte nie vorgehabt, ihn zu beteiligen, er wollte von ihm nur die Koordinaten. Als Fingermann ihm die Lösung präsentierte, war sein Todesurteil gesprochen. Der Mörder notierte sich die Angaben und stieß ihm das Messer in das Genick. Dass der Verdacht wegen der allgemein bekannten Streitigkeiten auf Ranker fiel, konnte ihm nur recht sein. Deshalb auch diese vorschnell einberufene Veranstaltung, bei der er endgültig Ranker als Täter hinstellen wollte.

An Ihnen, meine Herrn, wird es liegen Zacharias Ranker von jedem Verdacht freizusprechen, um der wissenschaftlichen Welt wenigstens einen hoffnungsvollen Forscher zu erhalten.“

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„Petri Heil, meine Herren, und ich wünsche Ihnen keine alten Stiefel an den Angeln.“ Der Wettbewerbsleiter lacht herzhaft über seinen eigenen Scherz, als er die Teilnehmer am Angelwettbewerb für den ersten Tag auf den See schickt. Inspektor Fischer steigt vergnügt vor sich hin brummend in seinen Kahn. Ein dicker Fisch war ihm ja schon rechtzeitig ins Netz gegangen...



(c) Dagmar Cechak




Letzte Aktualisierung: 28.06.2006 - 08.56 Uhr
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