Der Tod aus der Teekiste
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November 2003
Dancing Queen
von Dagmar Hospes



Ich hielt sie in meinen Armen und wollte sie nicht mehr los lassen. Im Hintergrund spielte der Song von Abba, Dancing Queen. Ja, er passte zu ihr. Sie war eine Königin. Sie schmiegte sich an mich und ich war verzweifelt. Musste sie das den ausgerechnet jetzt tun. Du machst mich verrückt. Ich verliere den Verstand, flüsterte ich ihr ins Ohr.
„Bitte Anna, lass das.“ Aber sie lachte schallend auf, so dass sich alle anderen Leute auf der Tanzfläche fragend nach uns herum drehten.

Das war vor drei Jahren, aber bis heute hatte ich diese Liebe mit Anna nicht vergessen. So schnell wie sie in mein Leben getreten war, war sie auch wieder verschwunden. Sie war halt eine Dancing Queen.
Überall auf der Tanzfläche. Jedes mal mit einem anderem Mann.
Ich ging durch die Strassen unserer kleinen Stadt. Es war Vollmond und die Sterne strahlten heute Nacht besonders hell. Schon aus der ferne hörte ich aus einem Lokal, leise Musik erklingen. Wie magisch wurde ich davon angezogen. Ich hatte nicht vor unter Leute zu gehen, aber immer, wenn ich Musik hörte dann zog es mich dorthin. Ich betrat das kleine Lokal, eigentlich war es eher eine Nachtbar. In der Mitte befand sich eine kleine Tanzfläche. Und wieder war ich enttäuscht. Sie war nicht da. Natürlich nicht. Was hatte ich eigentlich erwartet? Das sie einfach mal so schnell hier auftauchen würde. Seit drei Jahren hatte es keine Frau mehr in meinem Leben gegeben. Jedenfalls nichts festeres. Es gab halt nur sie, meine Dancing Queen.
Also, was sollte es, ich drehte mich herum, um das Lokal zu verlassen. Dann vernahm ich hinter mir eine laute Männerstimme.





„Anna, los sieh zu das du die Kunden bedienst, wir können es uns nicht leisten, wenn du hier mit anderen Herren herum quatscht.“
Ruckartig blieb ich stehen, und dann sah ich sie. In einem kurzem Minirock. Dazu trug sie Seidenstrümpfe. Sie hatte ihre Haare hell gefärbt, oder sie trug eine Perücke. Ihre Augen hatten nicht mehr dass Strahlen, was ich kannte, und so an ihr geliebt hatte. Wenn dieser Mann nicht ihren Namen gerufen hätte, dann hätte ich sie nicht widererkannt.
Langsam durchquerte ich den Raum, und ging auf sie zu. Dann ertönte leise Musik.
Dancing Queen. Sie erkannte mich nicht sofort. Ich griff nach ihrem Arm, und zog sie auf die Tanzfläche.
„Endlich habe ich dich widergefunden“, Dancing Queen.
Der Mann hinter der Bar brüllte lautstark hinter ihr her. „Anna, komm sofort hier her.“
Ich lächelte ihm zu. „Heute Nacht gehört sie mir, ob du es willst oder nicht.“
Wütend kam er hinter seiner Bar hervor gestürzt. „Was glaubst du eigentlich, wer du bist? Die Frau soll hier Geld verdienen.“
„Gut, dann werde ich sie dir für heute Nacht bezahlen“, sagte ich, griff in meine Manteltasche und drückte ihm einen Geldschein in die Hand. Ich nahm Annas Arm und zog sie mit mir aus dem Lokal.
Draußen auf der Straße löste ich ihre Perücke vom Kopf. Sie lächelte mich beschämt an.
„Was machst du den hier, Kai?“
„Ich suche dich seit drei Jahren. Glaub mir, jetzt lass ich dich nicht mehr gehen. Du gehörst nicht hier her. Du bist meine Dancing Queen.“
Traurig sah sie mich an. „Kai, diese Zeit ist vorbei. Hör auf zu träumen. Kai, lass mich gehen, wenn du dich selber nicht unglücklich machen willst, dann lass mich gehen.“




Ich sah sie verwirrt an, und sie merkte, dass ich das alles nicht verstand. „Ich bin keine Dancing Queen, das war ich nie. Du hast es nur nie begriffen.“
Den Arm den die ich um ihre Taille gelegt hatte, schob sie langsam beiseite. Sie schob mich immer weiter von sie weg. Aber ich konnte und wollte es einfach nicht war haben. Ich dachte, gleich verlierst du den Verstand. Sollte ich etwa vergebens nach dieser Frau gesucht haben?
Ein großes schwarzes Loch tat sich unter mir auf, und wie so oft in den vergangenen Jahren geschah es. Nachdem ich hineingefallen war, wachte ich schweißgebadet auf. Langsam versuchte ich mich wieder zu beruhigen. Am Fußende meines Bettes lag Pieper, mein Kater. Er hatte sich bereits daran gewöhnt, das es fast jede Nacht das selbe war.
Leise hörte ich aus dem Radio die Musik von Abba. „Dancing Queen.“ Der Radiowecker war nämlich gerade angesprungen.
„Scheiße“, schrie ich, und schlug ihn mit meiner Hand vom Nachttisch. Wütend verließ ich mein Bett um zu duschen. Noch lange würde ich zu meiner Therapeutin gehen müssen. Ich hatte gedacht das ich es alleine schaffen würde, aber das war leider nicht der Fall. Meine Dancing Queen war nicht mehr da. Aber ich suchte weiter nach ihr in der Hoffnung das ich sie nicht in einer Nachtbar wiederfinden würde. Das gab es für mich nur in meinen Albträumen.




Letzte Aktualisierung: 28.06.2006 - 11.32 Uhr
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