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November 2003
Besser als gar nichts
von Monika Detering


Sie stakst ├╝ber unebenen Boden mit herumliegenden Feldsteinen. Bl├Ątter kleben unter d├╝nngelaufenen Sohlen. Nachtfalter taumeln um ihr dichtes spr├╝hend rotes Haar. An zwei Leinen zerren Hunde.

Es ist einer dieser Augustabende mit Neumond und Sternen. Bet├Ârende Stunde glimmender W├Ąrme und gez├╝gelter Ungeduld. ├ťber den Wiesen schwebt rauchiger und harziger Duft, flaumleichte Luft bringt Anwesende zum Seufzen. Scheinwerfer knallen ihr Orange, ihr Gelb und Gr├╝n auf den S├Ąnger und die Musiker des Abends. Aus dem Saxophon h├╝pfen ├╝berm├╝tige T├Âne.

Sammy steht in der Mitte der B├╝hne, schiebt schlaksig sein Becken vor. Als Martin aus einer lippischen Kleinstadt w├╝rde er niemanden umgarnen. Jetzt aber verf├╝hrt er. Im Gras rahmen Bretterb├Ąnke Holztische ein. Besucher aus den D├Ârfern und der nahen Kleinstadt beginnen zu l├Ącheln, wippen mit den Fu├čspitzen, und ihre Finger klopfen den Rhythmus auf die Tische.

Komm, Lulu, Wothan, bei Fu├č! Die Rothaarige b├╝ckt sich zu ihren Hunden, sie streichelt und t├Ątschelt. Mit hungrigen Blicken sucht sie die B├╝hne ab, w├Ąhrend dunkelblaue T├Âne Sammys Lied begleiten. Unter Kastanien, unter ├ästen und Bl├Ąttern, beleuchten Gl├╝hw├╝rmchen ihr rotes Haar, um den Kopf springen kleine Funken. Und so mancher m├Âchte in dieses Hexenhaar greifen und f├╝hlen, ob es unter den H├Ąnden brennt.

Sie m├Âchte tanzen, die Stunde aufhalten, w├Ąhrend sich im Nachtgesicht Schatten ausbreiten. Blicke wandern ├╝ber erhitzte Haut und knisterndes Haar. Sie sucht des S├Ąngers Blick, der New Orleansballaden mit geschlossenen Augen singt, w├Ąhrend die Schlagzeugerin trommelt.

Zuh├Ârer gleiten in irrwitzige Gef├╝hle, sich in diesen Momenten alles w├╝nschen zu k├Ânnen, beobachten den Saxophonisten, der Raddampfer auf dem Missisippi herbeibeschw├Ârt, spielt, lacht, die Arme ausbreitet. Umarmung f├╝r alle, umsonst.

Mit kaltem Schnitt unterbricht eine Pause die Verbindungen zwischen Gedanken und W├╝nschen. Alles geht immer so schnell. Schon trinkt Sammy sein Guinness, wischt Schaum vom Mund. Tief atmet die Frau mit den roten Haaren weichen Augustwind ein, geht auf den S├Ąnger zu. W├Ąhrend er Girl, you gotta love your man summt, besetzt er einen Lidschlag lang ihr Herz.

Die letzte Stunde beginnt. Saxophon, Trompete und Bass l├╝gen samtig, Sehns├╝chte halten sich an T├Ânen fest.

Inbr├╝nstig k├╝├čt die Frau ihre Hunde. Sammy sagt heiser danke ins Mikrophon, sagt, im Fr├╝hjahr, da kommen wir wieder. Zwischen den B├Ąumen h├Ąngen Gl├╝hbirnen, sie beleuchten das Haar dieser Frau, nur noch braunes, entzaubertes Hexengespinst um ein m├╝des Gesicht.

Bier und Wein sind bezahlt. Aus, auseinander, vorbei. Die Trompete singt nicht mehr. Auf dem Schotterweg werden Zigaretten ausgetreten. In beginnender Nachtk├Ąlte umarmt ein Mann mit geschlossenen Augen die Frau. Ein wenig betrunken pre├čt sie ihr Gesicht an seine Wange. Komm mit, denkt er, und hegt drei Atemz├╝ge lang Pl├Ąne, w├Ąhrend die Hunde bellen.

S├╝├čen Leichtsinn verweht der Wind, D├╝fte haben sich in die Wiesen zur├╝ckgezogen. Ein Haselnu├čbaum wirft mit N├╝ssen. Unter den Hofeichen liegen gelbe Bl├Ątter im niedergetretenen Gras. Die ersten nach einem langen hei├čen Sommer.

Letzte Aktualisierung: 28.06.2006 - 10.57 Uhr
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