Peggy Wehmeier zeigt in diesem Buch, dass Märchen für kleine und große Leute interessant sein können - und dass sich auch schwere Inhalte wie der Tod für Kinder verstehbar machen lassen.
Die Flötenspielerin war schon vor aller Zeit da.
Lebendig dem Nichts entsprungen, wandert sie seither von Augenblick zu Augenblick. Unentwegt spielt sie auf ihrer Flöte einen nicht endenden Melodienreigen. Allem und jedem entlockt sie einen Klang:
Aus der Tiefe dämmernder Naturen einen Hall. Farbklänge im Abgesang zwischen Licht und Nächten. Ein Zirpen im Überfunkeln der Gestirne, Zerbersten der Eismeere.
Widerhall des Zornes im Schatten zwischen den Menschen: ewiger Tanz im Für- und Gegeneinander. Nuancen von Wechselgesängen im Kaleidoskop der Elemente aus dem Kosmos. Töne der Erhabenheit in jeder Morgenröte. Einen ersterbenden Schrei vom Kälte erstarrenden Tod im Nirgends. Und immer wieder ein neues Lied von Liebesglut der Wirklichkeit.
Die Flötenspielerin ist in jedem Augenblick anzutreffen. Doch hat sie immer noch kein Mensch gesehen.
Im Atemholen, Innehalten, Aufhorchen und zu-sich-Kommen ist manchmal das Lied der Flötenspielerin zu hören. Eine unsterbliche Melodie, die das Herz durchkreuzt und das Blut anders fließen lässt.
Doch wen das Lied der Flötenspielerin berührt, wiegt sich von jetzt an im ewig-neuen Takt. Und die Füße setzen sich – wirklich - zwischen dem Stand der Dinge: als Erwachender im Lidschlag des Universums.
Mit jedem Augenblick sich näher und näher kommend, um zu sein, weswegen man sich gründete.
Letzte Aktualisierung: 28.06.2006 - 11.20 Uhr Dieser Text enthält 1364 Zeichen.