Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten
Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten
In diesem Buch präsentiert sich die erfahrene Dortmunder Autorinnengruppe Undpunkt mit kleinen gemeinen und bitterbösen Geschichten.
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Januar 2004
Gibt es einen Ausweg?
von Michaela Kux

Walter K. fragt sich, warum gerade ihm das passieren muss. Er hat festgestellt, dass seine Frau Alkoholikerin ist und es wird schwierig für ihn, es Geheim zu halten vor den Kollegen und der Presse. Wenn in seiner Position jemand erfährt, dass seine Frau ein Alkoholproblem hat, wird es für ihn eng. Er entschließ sich sein Problem der Telefonseelsorge anzuvertrauen. Freunde, den er sich anvertrauen könnte, hat er nicht. Er wählt die Nummer und hört eine freundliche Stimme am anderen Ende

„Hallo, sie sind mit der Telefonseelsorge verbunden, wie kann ich helfen?“

Walter nimmt allen Mut zusammen und trägt sein Problem monoton vor: „Meine Frau ist Alkoholikerin und ich stehe in meinem Beruf in der Öffentlichkeit. Wenn die Presse davon Wind bekommt, bin ich meinen Posten los.“

Die freundliche Stimme am anderen Ende fragt ihn: „Wie, denken sie, kann ich ihnen helfen?“

Etwas irritiert antwortet er: „Das hatte ich eigentlich gehofft von ihnen zu erfahren!“

„Aber dazu müssen sie mir noch etwas mehr über sich erzählen.“

„Wo soll ich da anfangen?“

„Sagen sie, wie haben sie von den Problemen erfahren?“

„Ich hab gemerkt, dass sie mehr trinkt als früher. Am Anfang dachte ich, es wird schon wieder, aber dann wurde es immer schlimmer. Ich weiß nicht was ich tun soll.“

„Was gefällt ihnen an ihrer Frau?“

Mit so einer Frage hatte ernicht gerechnet und er übelegt was er sagen könnte. „Ich liebe sie,“ stottert er, „ich will ihr gern helfen, aber ich weiß nicht wie!“

„Sie haben nicht meine Frage beantwortet.“

„Ja, ja, aber darüber hab ich mir noch keine Gedanken gemacht.“

„Das sollten sie aber, überlegen sie, warum sie sie geheiratet haben und warum sie ihr helfen wollen.“

Schweigen am anderen Ende.

„Sind sind sie noch dran?“

„Ja, ja, ich muss nur nachdenken.“ Er kaut auf einem Stift, den er zuvor zwischen den Fingern gedreht hatte.

„Wissen sie, ich kann ihnen hier keine Sofortlösung anbieten, aber ich kann ihnen einen Weg zeigen, wie sie ihre Probleme angehen können.“

„Kann denn dieser Weg meine Probleme zu lösen?“

„Ich denke schon, wenn sie es wollen. Schreiben sie es sich am besten auf. Es sind ein paar Fragen, die ich ihnen nenne.“

Walter sucht zwischen dem Stapel Zeitungen ein Blatt zum Schreiben.Als er fertig ist sagt er erwartungsvoll in den Hörer: „Ich hab jetzt was zu Schreiben.“

„Also, meine Frage von vorhin sollten sie als Erstes beantworten. Warum haben sie ihre Frau geheiratet und warum wollen sie ihr helfen?“

Man hört das kritzeln auf dem Papier. „Ja, ich habs notiert.“ gibt er das Zeichen, dass er fertig ist.

„Wenn sie das herausgefunden haben, dann sollten sie sich überlegen, wie sie ihrer Frau helfen können. Haben oder hatten sie selbst auch schon mal Alkoholprobleme?“

„Nein, ich trinke fast nichts. Ich hatte nie Probleme damit. Ich habe da warscheinlich keine Veranlagung.“

„Das wird schwierig, denn wenn sie nicht nachempfinden können, was ihre Frau durchmacht, können sie ihr nicht viel helfen. Aber sie könnten einfach für sie da sein und ihr klar machen, warum sie ihr helfen wollen.“

„Soll ich die Frage weglassen?“

„Nein, nein, schreiben sie sie trotzdem auf und notieren sie dahinter, Zuneigung und Motivation für die Therapie, wenn sie eine macht.“

Herr K schreibt es auf und meldet sich: „Noch mehr Fragen?“

„Ja, noch Eine. Was will ich tun um ihr zu helfen? Damit meine ich, ob sie ihre Karriere weiter verfolgen wollen oder ob sie sich mehr Zeit für ihre Frau nehmen.“

„Ah, also muss ich auch was tun?“

„Ja, das ist wichtig, wenn sie Anderen helfen wollen. Nur gute Ratschläge erteilen kann jeder, aber wirklich helfen nur die Wenigsten. Das war`s dann auch schon an Fragen.“

„Das ist also der Weg?“

„Ja, jetzt müssen sie ihn nur noch gehen. Schreiben sie am besten die Antworten auf.Dadurch können sie besser sehen, ob sie Fortschritte gemacht haben oder nicht.“

„Na dann will ich mich mal auf den Weg machen. Danke für ihre Hilfe.“

„Nichts zu danken, SIE müssen es ja tun.“

Nach diesem Gespräch hat sich Walter K. hingesetzt und die Fragen beantwortet. Ihm ist durch diese Fragen klar geworden, dass ihm sehr viel an seiner Frau liegt. Er vesucht, ihr hilfreich zur Seite zu stehen. Er hat sich entschieden, sich mehr um sie zu kümmern, auch wenn die Karriere auf dem Spiel steht. Er hat erkannt, dass seine Frau ihm mehr bedeutet als Geld und Ruhm. Gemeinsam haben sie es geschafft.. Seine Frau machte mehrere Therapien, doch erst nach der Dritten stellt sich Erfolg ein. Sie haben ihren Weg gefunden.

Michaela Kux ( Januar 2004)




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