Der himmelblaue Schmengeling
Der himmelblaue Schmengeling
Glück ist für jeden etwas anderes. Unter der Herausgeberschaft von Katharina Joanowitsch versuchen unsere Autoren 33 Annäherungen an diesen schwierigen Begriff.
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Januar 2004
Ich bin nicht da!
von Lennart Quiring

Es ist nicht gerade der beste Tag in ihrem Leben, als sie morgens die Tür ihres Kühlschranks öffnet. Sie schreit auf: “FICKT EUCH! FICKT EUCH ALLE INS KNIE.” Die Schimmelkulturen die sich in den Wochen der Unachtsamkeit gebildet haben aber, ignorieren fröhlich was sie sagt, und existieren einfach weiter. Nur so. Einfach um ihr ein Schnippchen zu schlagen. Sie knallt die Tür des Küchengerätes zu und wendet sich der ansehnlichen Anrichte, die im vorangegangenen Bild noch in ihrem Rücken erscheint, zu. Es hat sie einiges an Geld gekostet dieses antiquarische Stück Sperrmüll anderer Leute wieder in einen vernünftigen Zustand bringen zu lassen. Sie hatte sich mal wieder damit betäubt Geld für etwas auszugeben, dass sie im Grunde genommen gar nicht brauchte.
Aber jetzt braucht sie den Inhalt. Das was sie in diesem schönen Möbel untergebracht hat gehorte zu ihrem Allerheiligsten. Ihren original schottischen Whiskey. Diesen schüttet sie ebenso schnell in sich hinein, wie sie ihn eben noch aus der Flasche in das Glas geschwenkt hat, schlurft sich am Glas festhaltend nackt durch den Flur und begegnet dem Badezimmerspiegel.
Oh ja, ich sehe es im meinem Gesicht. Ich habe heute Morgen erst gefickt. Mit wem weiß ich nicht. Der Typ war jedenfalls nicht gerade der Bringer. Muss ihn wohl irgendwo aufgelesen haben.

Sie lief durch die Stadt und kaufte Klamotten. Es gäbe nichts besseres um sich als Frau abzulenken, erzählten ihr minderwertige Illustrierte.
- Also los. Her mit der EC-Karte. Sie ist doch noch zu was nutze. Her mit der süssen Ohnmächtigkeit. Komm endlich, und betäube mich. Du süsse Versuchung. Oh, Konsum. Wie ich dich herzen möchte.
- Reklamation. Gib mir mein Leben zurück...

Die Gesundheitsreform ist in Kraft! Mit ihr sollen vor allem die Krankenkassen aus der Finanznot geführt werden. Trotz ständiger Beitragserhöhungen können die ihre Kosten nicht decken. Jetzt müssen wieder die Patienten ‘ran! Praxisgebühr und erhöte Zuzahlungen machen das Krankwerden oder -sein richtig teuer. Das Geld bekommen die Krankenkassen, die dafür in Aussicht gestellten Beitragssenkungen bleiben zumeist aus.

Es ist manchmal, als ob gelbe Vögel in einem Glas mit den roten Fischchen sässen, die sich so munter mit meinen Mäusen unterhalten. Wenn ich dann nach links blicke, kann ich mich ihnen nahe fühlen. Dort steht das Bild meines Sohnes. Dort, mit einer schwarzen Ecke markiert. Wer sonst nichts hat, sucht sich seine Freunde nicht mehr aus. Anästhetischer Dauerlauf.

Und er schluckt von dem Tischlerspiritus, da wird ihm schon wohler, die Sachen haben sie schon rausgelegt, das Messer oben auf die Bündel, der Abschluss ist vorbei, zweimal rum, der Riegel vor, die Betten sind gebaut.

Nimm diesen, du wirst es nicht bereuen. Der ist sicher Arzt, oder Professor. Na komm, Judith, du kannst doch nicht ewig nur bedauern, dass dein Leben von vorne bis hinten nicht appetitlicher als ein gequirlter Haufen Scheiße ist.

judith juditit batjudident duit jud

Sie greift zum Telefon. Ob die Seelsorge eine Warteschleife hat? Es läutet irgendwo, bei igendwem.

Nein, ich bin nicht da!

Sie hängt auf.

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