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März 2004
Für Gott und Vaterland
von Ines Haberkorn

Stramm gestanden und aufs Herz die Hand. Vorgestreckt das Kinn, dem Gegner selbstbewusst die Stirn geboten. „Für Gott und Vaterland“, so ruft der Chor und setzt sich nieder das Alphabet zu lernen. A war gestern dran. A wie Anschlag. A wie Attentat. Heute lernt das B. B wie Blut. Rot und dick, dicker als alles auf der Welt. Und doch fließt es geschwind aus zerfetzten Gefäßen. Für Gott und Vaterland.

Und der Teufel hebt den Becher randvoll gefüllt mit Blut. „Trinkt, meine schwarz gekleideten Vampire. Stoßt mit mir an und jubiliert. Es ist der letzte Tropfen nicht. Schon reift die nächste Ernte in den Bergen dieser Welt.“

Schwer ist das Kreuz, die Mission nicht minder. Bekehret will der Heide sein. Sein Gold gehört in unsere Hand. Für Gott und Vaterland. Drum lasset uns foltern und schänden und pfählen bis Tränen und Schweiß zu Blut geronnen. Damit es der Heide endlich lernt, das fromme Leben, das er bisher nicht gekannt. Für Gott und Vaterland.

Und der Teufel hebt den Becher randvoll gefüllt mit Blut. „Trinkt, meine schwarz gekleideten Vampire. Stoßt mit mir an und jubiliert. Es ist der letzte Tropfen nicht. Schon reift die nächste Ernte auf den Feldern dieser Welt.“

Die Köpfe gesenkt, die Knie gebeugt. Haltet euch proper, das Koppelschloss geputzt, damit die Inschrift nie sich trübe. Für Gott und Vaterland. Zieht hinaus und kämpft und siegt. Und tötet den Feind, den Verruchten. Und die Mütter stricken Strümpfe für die kalten Nächte an der Front. Und die Wolle ist das einzige, was ihre Herzen wärmt, wenn der Brief kommt mit dem schwarzen Rand. Gefallen. Für Gott und Vaterland.

Und der Teufel hebt den Becher randvoll gefüllt mit Blut. „Trinkt, meine schwarz gekleideten Vampire. Stoßt mit mir an und jubiliert. Es ist der letzte Tropfen nicht. Schon reift die nächste Ernte in den Tälern dieser Welt.“

Zünde den Sprengstoff, zerfetze deinen Leib und hundert andere mit ihm. Blut soll fließen in Strömen wie einst Milch und Honig im gelobten Land. Fließen soll es, bis rot sich färbt der graue Wüstensand. Für Gott und Vaterland. Und die Mutter weint und der Vater wehklagt und der Bruder greift zur Granate: „Mein ist die Rache!“, schreit er und stürmt in den Kampf. Für Gott und Vaterland.

Und der Teufel hebt den Becher randvoll gefüllt mit Blut. „Trinkt, meine schwarz gekleideten Vampire. Stoßt mit mir an und jubiliert. Es ist der letzte Tropfen nicht. Schon reift die nächste Ernte an den Hängen dieser Welt.“

Und mit einem Lachen, kalt und höhnisch nur, schickt er die Vampire aus. „Schärft die Zähne, ihr schwarzen Gesellen, die Menschen zu beißen und zu saugen ihr Blut. Für Gott und Vaterland.“ Und im Dunkel verborgen, legen sie ihre Bomben aus. Der Knopf wird gedrückt, die Leben gelöscht. Wie leicht und einfach geht’s doch von der Hand. Für Gott und Vaterland.

Und der Teufel hebt den Becher randvoll gefüllt mit Blut und prostet lachend in die leere Runde. „Trefflich, meine schwarze Brut! Auf euer Wohl stoß ich heut an. Habt würdig mich vertreten. Für Gott und Vaterland.“ Und seines Sieges sicher führt er den Becher an den Mund. Legt den Kopf in den Nacken, den Trunk zu genießen. Da spürt er einen kalten Hauch ihn streifen und tausend Zähne, die sich in seine Kehle schlagen. Der Becher fällt, der Vorhang sinkt. Doch eh die Schwärze ihn greift mit eiserner Hand, hört er es noch sagen: „Für Gott und Vaterland.“


Ines Haberkorn, März 2004



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