Madrigal für einen Mörder
Madrigal für einen Mörder
Ein Krimi muss nicht immer mit Erscheinen des Kommissars am Tatort beginnen. Dass es auch anders geht beweisen die Autoren mit ihren Kurzkrimis in diesem Buch.
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März 2004
Graf Drakula
von Michaela Kux

An einem warmen Sommerabend beschlossen Ursula und Günter Weiding, ein bisschen aufs Land zu fahren. Auf ihrem Rückweg bogen sie von der Hauptstraße ab, um eine unbekannte Nebenstraße zu erkunden. Um Mitternacht etwa hatten sie eine Panne. Der Motor starb plötzlich ab und ließ sich nicht mehr starten. Alle Versuche, den Wagen wieder flott zu bekommen, blieben erfolglos.

Die Gegend war nur dünn besiedelt. Auf den letzten sieben Kilometern hatten sie nicht mehr als fünf, sechs Häuser gesehen, und auch die waren alle dunkel. Doch sie schienen Glück zu haben. Kaum hundert Meter von der Stelle, an der ihr Wagen stehen geblieben war, erkannten sie die Umrisse eines Hauses auf, einem Hügel.

Günter Weiding ließ seine Frau im Auto zurück und machte sich auf den Weg zudem Haus. Er sah kein erleuchtetes Fenster, hoffte aber doch, jemanden dort anzutreffen. Dann konnte er vielleicht eine Werkstatt anrufen, die Nachtdienst hatte.

Ursula schaute ihm nach. Sie konnte ihn in der Dunkelheit nicht mehr erkennen, als er den Berg hinaufzusteigen begann. Nach etwa einer Minute sah sie dann, wie in dem Haus das Licht anging. Die Tür wurde sofort geöffnet, und im Lichtkegel erblickte sie die vertraute Gestalt ihres Mannes. Er sprach mit jemandem in der Tür. Aus seinen Gebärden ging hervor, dass er von seiner Panne berichtete.

Ursula sah, wie er das Haus betrat und die Tür sich hinter ihm schloss.

Als Günter das Haus betrat, traute er seinen Augen kaum. Von Außen sah es aus wie eine einfaches Wohnhaus, doch von innen, ein Schloss. Günter tritt in einen riesigen Salon. Mahagonimöbel, Sessel und Sofa aus rotem Samt zieren die Halle. An den Wänden hängen Gemälde von Adeligen mit blassen Gesichtern und viel zu großen Halskrausen.

Der ältere Herr im dunkelgrünen Morgenmantel und rotgrünkarierten Pantoffeln führt ihn zu einem Vorhang: "Hier, bitte das Telefon", und deutet auf einen Metallkasten an der Wand.

Günter schaut ungläubig und denk, 'Was ist denn das?' Eine Kurbel, ein rundes Teil, das an einem Kabel hängt. Er nimmt den vermeindlichen Hörer und will eine Nummer wählen. Doch wo ist die Wahlscheibe? Außer einem trichterartigem Gebilde ist nichts zu finden. Günter überlegt, ob er fragen soll? Jedoch erinnert er sich an einen alten Film, in dem er einmal gesehen hatte, wie so ein Telefon funktioniert.

Vorsichtig nimmt er das runde Teil ans Ohr und dreht an der Kurbel. Dann geht er mit dem Mund ganz nah an den Trichter: "Hallo, ist da jemand?“, und horcht.
Eine freundliche Frauenstimme ertönt in sein Ohr: "Ja, sie wünschen?“
Günter wird nicht gewahr, dass sie eine Nummer hören will und erzählt ihr passiert ist. Als er mit seiner Schilderung zu ende ist, fragt er: „Können sie mir helfen?“
Doch die Frau antwortet nur: „Ich kann ihnen leider nicht helfen, aber ich kann ihnen eine Werkstatt vermitteln.“
„Ja, bitte.“
„Okay, bleiben sie am Apparat.“

Es knackst kurz in der Leitung und dann ist es für einen Augenblick ruhig. Günter schaut sich um und fragt sich immer noch, wie ein so kleines Haus innen so groß sein kann. Da stimmt doch irgendetwas nicht. Was, wenn dieses Haus verhext ist? Er will hier so schnell wie möglich verschwinden. Da meldet sich endlich jemand am anderen Ende und zwar eine verschlafene tiefe Männerstimme fragt: „Was gibts denn, warum wecken sie mich mitten in der Nacht?“
„Hier spricht Günther Weiding und ich bin mit meinem Wagen liegen geblieben. Können sie mir helfen?“
„Wo sind sie denn?“, fragt der Mann am anderen Ende der Leitung.
„Ähm, Moment mal, ich frag mal den Hausherrn, denn ich weiß nicht genau, wo wir hier sind."

Günter schiebt den Vorhang zur Seite und sieht sich hilfesuchend um. Niemand da! Was mach ich nur, denkt er. Doch da kommt der ältere Herr im Morgenmantel erneut zur Tür herein.
„Hallo, Sie, wo bin ich hier?“
„Sie befinden sich im Haus von Graf Drakula.“, antwortet dieser kühl und Günter schaut in sein blasses Gesicht und ein kalter Schauer läuft ihm über den Rücken. Er sagt dem Mann am Telefon ungläubig, wo er sich befindet.
"Was haben sie gesagt, sie sind im Haus von Graf Drakula? Sie ticken wohl nicht richtig! Erst holen sie mich mitten in der Nacht aus dem Bett und dann wollen sie mich noch zum Narren halten. Nein, ohne mich, gute Nacht!"
"Halt warten sie..." doch im Hörer ist nur noch ein leises Rauschen zu vernehmen. Aufgelegt!
Enttäuscht und ratlos hängt Günter den Hörer hin. Was soll er nun Ursula sagen, wenn er ohne Hilfe zurückkommt? Doch die Unruhe, das dieses Haus etwas gespenstisches an sich hat, treibt ihn hinaus. Er geht zur Tür und hat schon die Klinke in der Hand, als ihn jemand am anderen Arm festhält.
"Wohin so eilig, der Abend hat doch gerade erst begonnen.", und spürte einen kalten Atem in seinem Nacken. Langsam dreht sich Günter um, hält aber die Klinke immer noch fest.
"Aaah, hilfeee!" Günter reist die Tür mit Wucht auf und reist sich los. Er rennt, rennt um sein Leben. So schnell wie möglich will er zu Ursula. Doch der Wald wird ihm zum Verhängnis, er stolpert über einen Ast, fällt und bleibt liegen.

Da hört er Ursula rufen: "Günter, Günter, was ist denn los, wach auf!"
Vorsichtig öffnet Günter die Augen und sieht Ursula vor sich.
"Wo bin ich?", fragt Günter verwirrt.
"Du bist in unserem Wagen und wir stehen vor unserer Garage, wir sind da!"
Günter richtet sich in seinem Sitz auf und ist erleichtert.
"Meine Güte, hatte ich einen verrückten Traum."
"Da habe ich dich wohl gerade gestört?" fragt Ursula und nimmt ihre Hand von Günters Arm.
"Nein, nein, ist schon okay" und dann erzählt er ihr, was er gerade geträumt hatte.
"Ich glaube", meint Ursula zum Schluss, "wir sollten in Zukunft keine alten Schlösser mehr besuchen!"
Beide lachen und am Himmel fliegt eine Fledermaus Richtung Vollmond.

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