'paar Schoten - Geschichten aus'm Pott
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Das Ruhrgebiet ist etwas besonderes, weil zwischen Dortmund und Duisburg, zwischen Marl und Witten ganz besondere Menschen leben. Wir haben diesem Geist nachgespürt.
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März 2004
Die Maske
von Dagmar Hospes

Robert und ich hatten uns schon am Vorabendzerstritten, also machte ich mich schließlich alleine auf den Weg in die Stadt. Dort sollte die große Faschingsparty stattfinden, auf die wir uns schon so lange gefreut hatten. Die Handtasche warf ich auf den Beifahrersitz des VW-Lupo und trat aufs Gaspedal. Fünfzehn Kilometer hatte ich zu fahren. Es war eine kalte Nacht. Ohne Robert kam ich mir sehr verlassen vor, sicher würde ich heute Nacht ein Bierchen zuviel trinken.
Mein Gesicht war so gut geschminkt das man mich kaum erkennen konnte.
Vor dem Festsaal befand sich ein Parkplatz der noch fast leer war. Gerade als ich aussteigen wollte, parkte neben mir ein schnittiger Porsche. Aus dem Porsche stieg ein großer schlanker Mann, der genau wie ich ein Vampir-Kostüm trug.
„Ach das ist ja nett, da habe ich ja meine Vampir-Dame schon gefunden“, sagte er und lächelte mich an.
„Guten Abend, ich bin Lukas, und mit wem habe ich das Vergnügen?“
„Ich bin Carola“, sagte ich und ging in Richtung Festsaal. Ich hatte nicht vor mich weiterhin mit diesem Witzbold zu unterhalten. Der Saal war wirklich schön hergerichtet worden, und am anderem Ende des Raumes befand sich eine große Tanzfläche. Ich musste an Robert denken, aber wir hätten ja sowieso nicht getanzt, weil er einfach kein guter Tänzer war. Deshalb verdrückte er sich auch immer, und verdirbt mir dadurch fast jede Feier.
Und plötzlich stand wieder dieser Lukas neben mir.
„Und, wo wollen wir uns hinsetzen?“, fragte er. „Sieht so aus, als wenn du alleine hier bist, dann könnten wir den Abend zusammen verbringen.“
„Das geht leider nicht, ich warte noch auf eine Freundin“, sagte ich schnell, in der Hoffnung ihn so los zu werden. Dann steuerte ich auf einen der Tische zu, die sich am Fenster befanden. Lukas nahm ein paar Tische von mir entfernt Platz.
Ich war etwas nervös, weil ich spürte das er mich beobachtete. Langsam füllte sich der Saal, und ich holte mir von der Theke mein erstes Bier. Dann ertönte die Musik. Mir war nicht zum lachen zu Mute, ich wusste das es besser gewesen wäre, wenn ich mich mit Robert ausgesprochen hätte, aber mein Dickkopf war einmal wieder stärker als alle Vernunft gewesen.


Lukas hatte bereits eine Frau nach der anderen zum Tanz aufgefordert. Der gab ja ganz schön Gas. Jetzt trat er an meinen Tisch.
„Hallo, junge Vampir-Dame, ich glaube das deine Freundin nun nicht mehr kommt. Darf ich um diesen Tanz bitten?“ Verzweifelt suchte ich erneut nach einer Ausrede, aber mir viel leider nichts glaubwürdiges ein. Die Band spielte einen langsamen Song, so dass wir gezwungen waren eng umschlungen zu tanzen. Ausgerechnet einen Song von Howard Carpendel, dachte ich.
„Samstagnacht, und du hast nur deine Lieder“, so heißt er.
Mir war zum heulen zu Mute, ich befand mich in den Armen eines anderen Mannes, und stellte soeben fest, dass er ein super Tänzer war. Bei mir drehte sich alles. Plötzlich ging das Licht aus, alle Menschen wurden unruhig. Kurz darauf spürte ich Lukas Lippen auf meinen, und ich erwiderte seinen Kuss. Verdammt noch mal, war ich denn jetzt total durchgeknallt? Für den bin ich doch nur heute Nacht wichtig, morgen würde ich schließlich wieder bei Robert sein. Das Licht ging wieder an. Er sah mir fragend in die Augen, und ich wusste genau was er dachte. Wir wollten es beide. „Fahren wir zu mir“, fragte er.
„Ja“, sagte ich mit rauer Stimme. „Ich bin zum Fahren nicht mehr in der Lage.“
Lukas trug zu seinem Vampir-Kostüm eine Maske, aus Gummi, die großzügig Platz für die Augen und den Mund ließ. Nur deshalb war es ihm auch möglich gewesen mich so gut zu küssen. Trotz allem machte mich diese Maske nervös.
Leider hatte ich nicht mehr die Möglichkeit ihn darum zu bitten sie doch ab zu nehmen. Er griff nach meinem Arm.
„Komm Carola, lass uns fahren.“ Sein Griff hatte sich fest um mein Handgelenk gelegt. Dann zog er mich ins Auto. „Wo wohnst du“, fragte ich.
„Nicht weit von hier.“ Er lenkte seinen Porsche vom Parkplatz, und hielt zwei Seitenstraßen weiter, vor einem mit Efeu bewuchertem Häuschen. Er kam zu mir auf die Beifahrerseite gelaufen. Dann zog er mich erneut an sich um mich zu küssen. Er war verdammt gut. Viel zu schnell landeten wir dann in seinem Bett. Ich wollte ihn noch bitten die Maske ab zu nehmen, weil ich nicht auf solche Spielchen stand. Aber anscheinend hatte ich doch mehr getrunken, als gut für mich war, und so stellte ich ihm keine weiteren Fragen.
Egal, wenn er das Ding unbedingt brauchte. Es gab ja Typen, die auf so etwas standen. Als alles vorbei war, sagte ich dann. „Lukas willst du nicht endlich mal diese Maske abnehmen?“ Eine ganze Zeit lang schwieg er.
„Carola, ich will sie jetzt nicht abnehmen, lass mich einfach alleine. Bitte geh.“
„Aber warum, Lukas?“ Ich konnte ihn nicht verstehen, versuchte nach seiner Maske zu greifen, aber er rollte sich geschickt auf die andere Seite des Bettes.
Er stand auf, und trat ans Fenster. „Bitte, geh jetzt.“ Wütend sprang ich aus dem Bett, und suchte nach meiner Jeans, die ich unter meinem Kostüm getragen hatte.
Die Schminke auf meinem Gesicht war verschmiert.
„Darf ich wenigstens noch dein Bad benutzen, bevor ich gehe? War ja sowieso nur für eine Nacht“, oder Lukas. „Aber anscheinend fehlt dir der Mut dein wahres Gesicht zu zeigen.“ Er drehte sich um, und zeigte auf eine Tür. „Dort ist das Bad.“
So gut es ging wusch ich mir die Farbe vom Gesicht. Schließlich musste ich nicht so zu hause ankommen. Dann machte ich an der Haustür ein Geräusch, Lukas sollte denken das ich gegangen war. In der Diele stand ein großer rustikaler Schrank, hinter den ich mich versteckte. Ich wollte einfach wissen, was er zu verbergen hatte. Lukas trat hinaus in die Diele, vor dem Spiegel zog er sich die Maske vom Gesicht. Was ich nun zu sehen bekam, werde ich mein ganzes lebenlang nicht mehr vergessen. Wenn er mich gestern Abend, ohne Maske angesprochen hätte, dann hätte er keine Chance bei mir gehabt, und sicher auch bei keiner anderen Frau. Dieses Gesicht war bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Das Faschingsfest war sicher der einzige Tag im Jahr, an dem er sich hinter der Maske ohne Bedenken unter die Menschen traute. Leise hörte ich ihn aufstöhnen.
Er sprach zu seinem Spiegelbild. „Ach Carola, warum?“
Plötzlich verlor ich das Gleichgewicht, und schlug mit meinem Kopf gegen einen harten Gegenstand. Dann verlor ich das Bewusstsein. Als ich erwachte, lächelte Lukas mich an.
„Du hättest nicht zurück kommen dürfen.“
„Die Maske hat mich halt neugierig gemacht“, sagte ich und griff stöhnend an meinem Kopf. „Aua.“
„Du hast eine dicke Beule, bleib etwas liegen, bevor du nach hause fährst.“
„Lukas?“
„Ja, Carola“
„Du bist wirklich der scheußlichste Vampir der mir je begegnet ist, aber ich hatte noch nie einen so guten Tänzer und Liebhaber. Also, wenn ich es mir aussuchen könnte, weißt du, ich könnte mir gut vorstellen, das nächste Faschingsfest wieder an deiner Seite zu verbringen.“


„Mach dich nicht lächerlich, eine Frau wie du?“
„Warum nicht?“
„Carola, du siehst doch, ich bin ein Vampir. Nein, das ist noch harmlos ausgedrückt, ich bin ein Monster. Tagsüber schlafe ich wie ein Vampir, damit ich wenigstens Nachts ungestört auf die Straße gehen kann. Fehlt nur noch, dass ich dir jetzt das Blut aus deinem Körper sauge.“
Langsam kam er auf mich zu, dabei lächelte er mich an. Kurz entblößte sich ein spitzer Eckzahn, da wusste ich, das ich diese Wohnung nie wieder verlassen würde.


Dagmar Hospes
Dagmar0202@aol.com

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