Mainhattan Moments
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Susanne Ruitenberg und Julia Breitenöder haben Geschichten geschrieben, die alle etwas mit Frankfurt zu tun haben.
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April 2004
Das Märchen von Mathilda
von Michaela Kux

Es war einmal ein Witwer, der hatte drei Töchter. Die beiden älteren waren klug und hübsch, nur die jüngste war hässlich und dumm. Ihr Vater jedoch liebte sie, denn sie hatte etwas an sich, das ihn glücklich machte, und obwohl sie viele törichte Dinge tat, war ihr Vater niemals böse mit ihr. Aber ihre älteren Schwestern waren wütend auf sie, weil sie so dumm war und trotzdem nie bestraft wurde. Morgens klemmte sie dem Ochsen, der das Feld pflügen sollte, das Bein ein, weil sie die Stalltür zu schnell zuschlug. So hinkte das Tier und konnte die Arbeit nicht verrichten. Zu Mittag kam sie zur Tür herein und stieß dabei ihrer älteren Schwester die Schüssel mit den gekochten Kartoffeln aus der Hand. Als sie am Nachmittag im Garten Unkraut jäten sollte und dabei Vaters Tabakpflanzen herausriss, war auch er nicht erfreut über seine jüngste Tochter. Doch beruhigte er sich schnell wieder, als er sah, dass der Ochse am Abend wieder laufen konnte und Mathilda mit einem großen Eimer Fische vom See zurückkam, die sie gefangen hatte. Doch ihre Schwestern konnte sie nicht besänftigen. Sie hatten bereits beschlossen, Mathilda loszuwerden. Die Älteste hatte auch schon einen Plan.

Wie jede Woche machten sich die Mädchen mit dem Fuhrwerk auf, um die Ernte des Feldes und ihre Handarbeiten zu verkaufen. Sie verabschiedeten sich von ihrem Vater und fuhren Richtung Stadt. Auf dem Marktplatz bauten sie ihren Stand auf und boten ihre Ware feil. Eine der Schwestern hatte mit einem Bauernjungen einen Plan geschmiedet, um ihre Schwester loszuwerden.

Mathilda spazierte unterdessen zwischen den Ständen hin und her und bewunderte die ausgestellten Waren. Plötzlich rief jemand: „Mein Schmuck, jemand hat mir eine goldene Kette gestohlen. Schnell, haltet den Dieb!“ Da kam der Bauernjunge auf Mathilda zugelaufen und einer der Wachen des Königs rannte ihm hinterher. Der Dieb ließ die Kette in Mathildas Schürzentasche gleiten und blieb dann ein paar Schritte weiter stehen. Frech fragte er die Wachen: „Was wollt ihr von mir, ich habe keine Kette, ich wollte nur meinen Hund einfangen und dann rief plötzlich jemand, dass seine Kette weg sei. Dabei rannte ich doch nur meinem Hund hinterher. Aber sehen Sie, dieses Mädchen stand vorhin auch am Schmuckstand.“ Dabei deutete er auf Mathilda. Diese wusste nicht, wie ihr geschah, und ließ ihre Taschen bereitwillig durchsuchen. Da holte einer der Wachposten die goldene Kette aus der Schürzentasche Mathildas. Die Leute, die sich um sie versammelt hatten, waren erstaunt und tuschelten. Einer der Wachen fragte den Schmuckhändler, ob es sich um das gestohlenen Schmuckstück handelte, und dieser bejahte.

„Abführen!", befahl der andere Wachposten," Bringt sie ins Gefängnis. Der König soll entscheiden, was mit ihr passiert."
Und so wurde Mathilda, die alles über sich ergehen ließ, in den Kerker gesperrt. Sie wunderte sich, denn sie hatte diese Kette doch nicht genommen. Aber sie wusste auch nicht, was sie machen sollte. Sie wurde ins Verließ des Königs geworfen und musste nun warten, wie der König über sie entscheiden würde.

Die beiden älteren Schwestern indessen waren zufrieden, dass Mathilda nun in Gewahrsam war, und machten sich zufrieden wieder auf den Heimweg. Als sie nach Hause kamen, erzählten sie ihrem Vater mit trauriger Miene, was ihrer Schwester zugestoßen war. Der Vater schlug die Hände vors Gesicht und trauerte um seine geliebte Mathilda. Doch er beschloss schon am nächsten Morgen, zum König zu reiten, um Gnade für seinen Tochter zu erbitten.

Mathilda indessen lag allein in einer dunklen Zelle, teilte ihr letztes Brot mit einer kleinen Maus und dabei sang sie. Ihr Gesang drang durch das ganze Verließ, und die Wachen wurden in ihren Herzen von Freude berührt und wunderten sich über diesen sonderbar schönen Gesang. Wie konnte dieses Mädchen etwas Böses tun und doch so schön singen, dass einem das Gemüt erheitert wurde?

Am nächsten Morgen sprach der Vater von Mathilda beim König vor und bat ihn, sie frei zu lassen, denn sie sei sicher keine Diebin. Er vermisste seine geliebte Tochter und wollte sie gern wieder zu Hause haben.

Der König überlegte kurz und ließ die Gefangene vorführen. Als sie hereintrat, entdeckte sie ihren Vater und rief: „Ich habe diese Kette nicht gestohlen, glaub mir Vater.“ Doch der König wies sie an, still zu sein. Dann sprach er: „Um deine Unschuld zu beweisen, musst du mir drei Aufgaben erfüllen. Wenn du sie gut erfüllst, sollst du frei sein, und wenn du sie nicht erfüllst, sollst du wie eine Diebin bestraft werden.
„Aber Herr König, ich habe diese Kette nicht gestohlen! Doch ich will versuchen die drei Aufgaben zu erfüllen.“
„Also gut, deine erste Aufgabe soll sein, aus dem königlichen Teich sieben Körbe Karpfen zu fischen, denn ich erwarte morgen Gäste, und bis jetzt ist es noch niemandem gelungen, auch nur einen einzigen Fisch zu fangen. Du hast bis Sonnenaufgang Zeit. Dann wurde sie zu dem Teich geführt, der dem König gehörte. Ihr Vater begleitete sie und stand ihr in dieser schwierigen Zeit bei.

„Vater, wie soll ich diese Aufgabe nur erfüllen, ich weiß nicht einmal, was ein Karpfen ist, wie soll ich ihn dann fischen?“
„Aber mein Kind, wo hattest du dann die Fische her, als du deiner Schwester die Schüssel gekochter Kartoffeln aus der Hand schlugst? Da hattest du doch einen ganzen Eimer voll mit nach Hause gebracht.“
„Das waren Fische?“
„Ja mein Kind.“
„Also, das war so, ich schüttete die Schüssel mit den heruntergefallenen Kartoffeln in den Teich, und plötzlich kamen alle diese seltsamen Tiere und ich brauchte sie nur in den Eimer zu werfen. Erst waren sie wieder herausgesprungen, doch als ich sie auf einen Stein geschlagen hatte, blieben sie im Eimer liegen.“
„Mein liebes Kind, das ist die Lösung, gekochte Kartoffeln.“
Der Vater rannte zur königlichen Küche und bat um eine Schüssel gekochter Kartoffeln. Gegen Morgen wollten sie die Fische damit fangen. Sie schütteten also den gesamten Inhalt der Schüssel in den See und warteten mit ihren Netzen. Doch es tat sich nichts. Der Mond spiegelte sich in der Oberfläche der Sees. Da plötzlich begann sie sich zu verändern und es schmatzte und blubberte. „Schnell, die Netze und die Körbe!“, rief Mathilda, und gemeinsam mit ihrem Vater und den Wachen fischte sie einen Fisch nach dem anderen aus dem Wasser, die dicht an der Oberfläche die Kartoffeln fraßen. So füllten sich die Körbe. Als der siebte Korb voll war, ließen sie sich erschöpft ins Gras sinken. Geschafft. Alle Körbe waren voll. Sie brachten die Körbe in die Kühlkammer des Schlosses und warteten auf den Morgen.
Kurz nach Sonnenaufgang ließ der König Mathilda vorführen und fragte neugierig. „Hast du deine Aufgabe erfüllt?“
„Ja, euer Ehren, ich hoffe Ihr seid zufrieden“, verkündete Mathilda, und die Wachen schoben die sieben Körbe mit den großen dicken Fischen herein. „Oh, die sehen vorzüglich aus, ihr habt eure erste Aufgabe gut erfüllt. Doch nun zur zweiten. Ich habe ein Pferd, ein wunderschönes Tier, es ist mein liebstes. Doch seit einigen Tagen lahmt es. Deine Aufgabe soll es sein, mein Lieblinsross wieder gesund zu machen. Du hast diesmal drei Tage Zeit. Wenn es dir nicht gelingt, sollst du deiner Strafe zugeführt werden.“

Mathilda wusste natürlich auch wie beim ersten Mal keinen Rat und folgte einfach den Wachen in den Pferdestall. Sie machte es sich auf einem der Strohhaufen im Pferdestall gemütlich und hoffte, dass ihr Vater vielleicht auch diesmal helfen würde. Doch auch ihm fiel nichts ein. Der Vater ritt nach Hause und ließ seine Tochter allein, denn er musste nach seinem Vieh sehen. Am nächsten Tag streichelte Mathilda das Tier und redete ihm gut zu, doch es half nichts. Am Abend kam ihr Vater mit einem Korb, in dem er ein Kraut hatte. Er rief: „Mathilda, ich habe etwas gefunden. Erinnerst du dich noch an unseren Ochsen, dem du mal das Bein eingeklemmt hattest?“
Mathilda hob die Schultern und wusste nicht, was der Vater meinte.
Doch dieser erzählte weiter. „Du hattest doch an dem Tag im Garten fast alle meine Tabakpflanzen herausgerissen und ich war sehr wütend darüber. Vor allem, als ich sah, dass das verletzte Rindvieh das Kraut zertrampelte und sich dann hineinlegte. Doch schon am Abend konnte das Tier wieder normal laufen. Wenn diese Pflanze dem Ochsen geholfen hat, warum nicht auch dem Pferd? Ich hab vorsichtshalber die restlichen Pflanzen mitgebracht, die du verschont hattest.“
„Danke, Vater, ich will versuchen, ob es funktioniert. Vielleicht hilft dieses Kraut ja wirklich.“

So fing Mathilda an, dieses Kraut zu zerstampfen, und band es dem Ross um das Bein. Tatsächlich hinkte das Tier am nächsten Morgen schon weniger. Mathilda machte auch in der nächsten Nacht noch einmal einen Verband mit dem Tabak und am anderen Morgen konnte das Pferd tatsächlich wieder laufen. Es hatte gewirkt.
Der König war erfreut, sein Lieblingsross wieder gesund und munter zu sehen. Doch der König hatte noch eine Aufgabe für sie und die sollte die schwierigste sein.

Der König hatte nämlich einen Sohn und dieser war schon seit einigen Jahren so traurig und schwermütig, dass es bis jetzt niemand geschafft hatte, ihn aufzuheitern und ihm seinen Lebensmut zurückzugeben. Deshalb sollte Mathilda einen Weg finden, ihn wieder fröhlich zu machen. Wenn sie das schaffen sollte, würde sie frei sein. Der König gab ihr sieben Tage, um diese Aufgabe zu erfüllen. Enttäuscht über diese für sie unlösbare Aufgabe setzte sie sich auf das Bett in ihrem Zimmer, das neben dem Gemach des Prinzen lag. „Vater, ich weiß nicht, wie ich diese Aufgabe erfüllen soll“, wandte sie sich an ihren Vater.
„Sei nicht traurig Mathilda, ich will versuchen, die lustigsten Schauspieler aufzutreiben, damit sie versuchen, diesen Prinzen aufzuheitern, doch mehr kann ich auch nicht tun. Ich hoffe, ich finde einen, der es schafft“, sagte er und ging.
Mathilda machte es sich gemütlich und begann ihr Haar vor dem Spiegel zu kämmen, dabei summte sie ein Lied vor sich hin. Auch die nächsten Tage sang sie ihre Lieder bei allem was sie tat. Eines Tages, als Mathilda sich im Schlossgarten aufhielt und die prächtigen Blumen bewunderte, folgte ihr der Prinz in den Garten. Er war ihrem Gesang gefolgt und beobachtete sie nun aus einiger Entfernung. Doch sie bemerkte ihn nicht.

Am Abend sang Mathilda wie jeden Abend vor ihrem Spiegel, und sie scheute sich inzwischen nicht mehr, ihre Melodien lauter zu singen, denn keiner störte sich an ihrem Gesang. Das Herz des Prinzen, der am offenen Fenster dem Gesang lauschte, hüpfte vor Freude. Dieses Mädchen war zwar nicht hübsch, aber ihr Gesang wirkte wie Balsam für seine betrübte Seele, und er gewann wieder neuen Lebensmut.

Nun waren die sieben Tage fast verstrichen und ihr Vater kehrte besorgt und enttäuscht zurück. „Mathilda, ich konnte niemanden finden, der bereit war, den Prinzen aufzuheitern, alle hatten es schon erfolglos versucht und nichts erreicht."
Besorgt nahm er seine Tochter in den Arm. "Liebes Kind, ich fürchte, diesmal kann ich dir nicht helfen“, seufzte er und küsste sie auf die Stirn. Mathilda fing an zu weinen, denn auch sie hatte keine Möglichkeit gefunden, dem Prinzen zu helfen.

Eng umschlungen saßen sie in Mathildas Kämmerlein und genossen die letzten Stunden miteinander, denn morgen würde der König sein Urteil verkünden und dann war sie für immer verloren.


Am nächsten Morgen wurde Mathilda vor den König geführt und auch der Prinz saß neben dem Thron. Ich werde nun meinen Sohn fragen wie es ihm geht. Wenn er sich wohl fühlt und es ihm gut geht, bist du frei. Gespannt erwarteten sie die Antwort des Prinzen. Dieser verbeugte sich tief vor ihm und sagte: „Lieber Vater, es geht mir hervorragend. Meine Schwermut ist von mir gewichen und ich fühle mich gesund und könnte Bäume ausreißen“ Der König sah seinen Sohn erstaunt an und dann fragt er Mathilda, die selbst erstaunt über die Antwort war: „Wie haben Ihr das nur geschafft?“
„Ich habe nur gesungen. Soll ich noch mal singen?“ fragte Mathilda, denn das konnte sie wirklich am besten. Und sie begann und allen wurde das Herz weich, sogar dem Bauernjungen, der sie falsch beschuldigt hatte. Er schämte sich und trat vor den König und berichtete ihm, was er getan hatte, und warum. So wurde bekannt, dass Mathildas Schwestern Schuld an allem hatten, und sie wurden hart bestraft. Doch der Prinz, der so entzückt von ihrem Gesang war, hielt um ihre Hand an. Und so wurde sie mit dem Prinzen vermählt und ihr Vater zog mit ihr auf das Schloss. Dort lebten sie glücklich bis an ihr Ende.

Michaela Kux (April 2004)

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