Burgturm im Nebel
Burgturm im Nebel
"Was mögen sich im Laufe der Jahrhunderte hier schon für Geschichten abgespielt haben?" Nun, wir beantworten Ihnen diese Frage. In diesem Buch.
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April 2004
UCCELLO
von Anne Zeisig

„Uccello kann nicht fliegen! Uccello kann nicht fliegen! Ein Engel mit lahmen Flügeln!“, spöttelte die Engeljugend.
„Verschwindet sofort!“, schimpfte Uccellos Mutter. Die Schar flog wild durcheinander und entfernte sich.
„Mutter! Ich kann mich alleine wehren! Bin immerhin fast volljährig und auf deine Hilfe nicht mehr angewiesen!“, trotzte Uccello und rückte seinen goldenen Heiligenschein zurecht.
„Ja ja!“, Donna verdrehte die Augen, „und warum vergisst ein fast Erwachsener, dass er pünktlich zur Mahlzeit kommen soll?“
Uccellos Magen krampfte sich zusammen: „Bin nicht zum Essen erschienen, weil du Angela eingeladen hattest.“ Er zupfte ein wenig Watte aus der Wolke.
Die Mutter stemmte die Hände in die Hüften: „Aber Angela hat doch ein nettes Wesen und ist ein sehr hübsches Mädel. Außerdem hat sie schon die fünfte Harfe von dir gekauft. Angela ist von deiner Arbeit begeistert!“
`Ja, Angela ist absolut himmlisch´, dachte Uccello, `aber die Harfen kauft sie nur aus Mitleid mit mir und eine Einladung schlägt sie lediglich aus Höflichkeit nicht aus.´
„Wenn du ihr nicht wenigstens etwas entgegenkommst, dann wird sie dir ein anderer vor der Nase wegschnappen.“ Donna entfernte sich.
Uccello ließ die Beine über den Rand der Wolke baumeln und knabberte an seinen Fingernägeln.
Nipoti kam angeflogen, drehte einen vierfachen Salto und ließ sich nieder: „Na, du Ärmster, warum so betrübt?“
„Ich bin nicht betrübt, ich denke nach“, antwortete Uccello und versteckte die Hände mit den abgeknabberten Fingernägeln unter seinen Flügeln, die schlapp herunterhingen.
Nipoti flatterte hoch und schlug ununterbrochen schnell mit den Flügeln, damit er in der Luft stehen bleiben konnte und jubelte: „Die Liebe beflügelt, Uccello! Aber nicht das Nachdenken und Harfenbauen. Man muss seiner Liebsten die Sterne vom Himmel holen können!“ Er segelte durch die Luft, drehte wieder mehrere Salti, landete im Sturzflug und rollte sich übermütig durch das Watteweiche, bis er erschöpft liegen blieb. Seine Pausbäckchen waren rosig und sein kleines, dickes Bäuchlein hob und senkte sich unter dem weißen Brokat.
`Angeberische Barock-Putte´.
„Uccello!“, hörte er seine Mutter rufen, „es ist noch Götterspeise mit Sahnehäubchen übrig geblieben! Nun komm endlich essen!“
„Uccello!“, äffte Nipoti, „nun hör doch auf Mama. Spielt sie dir zum Einschlafen auch noch was auf der Harfe vor?“ Er schüttelte sich vor Lachen.
Auch die Sonne, so schien Uccello, lächelte hämisch auf ihn nieder und hatte denselben mitleidigen Blick wie Angela.

. . .

Nach Einbruch der Dunkelheit suchte Uccello wieder seinen Lieblingsplatz am Wolkenrand auf. Er hatte sich heimlich davongeschlichen, denn seine Mutter sorgte sich, er könne von der Wolke hinunterfallen, wenn der Wind sein Nachtlied singt. Derzeit jedoch war es still. Nur in der Ferne hörte er die lieblichen Klänge von Angelas Harfe und den Gesang ihrer zarten Stimme: „Mein Lieb-ster muss besonders sein. Nicht groß – nicht klein – besonders muss er sein... Mein Lieb... oh, wann wirst du mein.“
Uccello seufzte: `Wem dies Lied wohl gelten mag? Mir nicht. Bin kein besonderer Engel. Ein Engel, der nicht fliegen kann, das ist ein Nichtsnutz.´ Tränen kullerten über seine blassen Wangen.
„Aber, Uccello“, tröstete ihn der Mond, „fliegen kannst du zwar nicht, aber irgendetwas Besonderes wird es doch geben, was du tun könntest.“
`Lass mich in Ruhe´, dachte der Engel, `soll ich etwa lernen, wie man Gedanken lesen kann?´
„Nein!“, antwortete der Mond entrüstet, „das ist doch mein Talent! Du musst dir etwas aussuchen, was keiner kann!“
Der Engelknabe rückte weiter vor zum Rand der Wolke und schaute seinen Tränen nach: „Das einzige was ich kann“, flüsterte er bitter, „ist Regen machen.“
„Na“, lachte der Mond, „ob die Bewohner auf der Erde davon sehr begeistert sind, bezweifele ich. Traurige Tränen machen sauren Regen.“
„Ich konnte noch nie auf die Erde fliegen!“, rief der Uccello. „Und warum nicht? Weil ich von Geburt an flugunfähig bin!“
Plötzlich sang der Wind ein stürmisches Lied und wirbelte ihn von der Wolke hinunter.
O weh! Uccello fiel kopfüber in die Tiefe, drehte einige Purzelbäume und ruderte hilflos mit Armen und Beinen in der Luft herum. Seine lahmen Flügel verloren viele der weißen Federn, einige verirrten sich in seinen Nasenlöchern und Uccello musste heftig niesen.
Platsch! Der Engel war geradewegs in einem See auf der Erde gelandet und wäre fast ertrunken, hätte ihn nicht eine Entenfamilie gerettet,.
Uccello lag nun benommen am Ufer im Schilf und die Enten schnatterten um ihn herum: „Was ist das denn für ein komischer Vogel, der vom Himmel auf unsere Insel gefallen ist? Hey!“, die Entenmutter zupfte mit ihrem Schnabel an Uccellos Flügeln, „du siehst ja aus wie ein ramponiertes Huhn!“
Der Engel richtete sich auf und rieb seine Augen: „Wo bin ich?“
„Du bist auf der Vogelinsel.“
„Vogelinsel, da bist du.“
„Wo sollst du denn schon sein? Auf unserer Insel!“, schnatterten die Entenkinder aufgeregt durcheinander und wurden sofort von ihrer Mutter zur Ruhe ermahnt. Die zupfte die Federn von Uccellos Flügeln zurecht und ordnete sie sorgfältig. Der Engel aber wandte sich ab und sagte brüsk: „Lass das! Finger weg von meinen Flügeln!“
„Aber warum denn?“, fragte Frau Ente, „du hast doch wunderschöne, weiße Flügel, und die Federn glitzern sogar im Mondeslicht.“ Sie drehte keck den Kopf hin und her und meinte etwas verächtlich, „aber leider hast du dein Gefieder nie besonders gut gepflegt, stimmt `s?“
Wieder rannen Uccello Tränen über die bleichen Wangen. Mutter Ente streichelte sanft über den goldenen Heiligenschein, „und so einen vornehmen Kopfschmuck hast du. Bist gar ein Hübscher.“
„Schöner als der Paradiesvogel!“
„Prachtvoller als ein Pfau!“
„Der ist aber nicht so groß wie ein Strauß!“, rief das jüngste Entlein eifersüchtig und besah sich das Grau seines eigenen Federkleides.
„Nun ist es aber genug!“, schimpfte die Entenmutter, „seht ihr denn nicht, wie traurig dieses Geschenk des Himmels ist?“
Uccello wischte sich schnell die Tränen aus den Augen und besah sich die Entenkinder, wie sie fröhlich schnatterten und wild mit den Flügeln um sich schlugen. Er neigte den Kopf nach rechts und links. Blickte auf seine schlaffen Flügel, wollte sie doch auch so gerne heben und senken, aber es gelang ihm nicht.
„Ich will auch so weiße Federn haben!“, jammerte das älteste der Entenkinder, „aber stattdessen bin und bleibe ich ein hässliches Entlein!“
„Du kannst aber fliegen“, stieß Uccello hervor, „was nutzt mir das Weiß der Federn, wenn ich ein fluguntauglicher Nichtsnutz bin.“
„Schwimmen können wir auch!“
„Insektenfangen können wir supergut!“
„Aber am besten könnt ihr durcheinanderschnattern, wie euch der Schnabel gewachsen ist!“, schimpfte Frau Ente und befahl ihrer Brut, das heimische Schilf aufzusuchen.
Sie wandte sich an Uccello: „Du darfst ihnen nicht böse sein, sie sind noch jung und unerfahren. Aber nun erzählst du mir, warum das Fliegen für dich so wichtig ist.“
Der Engel knabberte an seinen Fingernägeln.
„Nur Mut!“ Frau Ente machte es sich im Schilf gemütlich, „wir haben die ganze Nacht Zeit.“
Und Uccello erzählte, dass er nicht wie die anderen Engel so ab und zu auf die Erde fliegen konnte. Er stattdessen Harfen baute und die Watte auf der Heimatwolke regelmäßig auflockern musste, damit es stets wunderbar weich sei.
Die Entenmutter kratzte sich mit dem Schnabel am Gefieder: „Und wer würde diese Arbeit tun, wenn auch du zur Erde fliegen würdest?“
Verdutzt sah Uccello die Ente an.
„Na siehst du.“ Sie lächelte. „Dann hättet ihr da oben keine Musik und es wäre nicht weich und gemütlich.“
Uccello zupfte einen Schilfhalm ab und kaute darauf herum.
„Meine Antwort überzeugt dich nicht?“, fragte die Entenmutter und stöhnte, „dass die Jugend aber auch immer so uneinsichtig sein muss.“
„Es ist wegen Angela!“ Er warf den abgeknabberten Halm auf den Boden. „Sie ist so himmlisch hübsch und hat nur Augen für den Nipoti, weil der beim Fliegen akrobatische Kunststücke vorführen kann. Und eine Kondition hat der Junge! Eines Tages schafft er es bestimmt und fliegt bis zur Milchstraße! Dort holt er Angela die Sterne vom Himmel!“ Er senkte den Kopf, „denn Angela will einen besonderen Mann.“
„Hm“, überlegte die Entin, „so ist das also. Die Kleine steht offenbar nicht auf Handwerker, tja“, sie watschelte hin und her, „da müssen wir beide uns wohl was besonders Ausgefallenes einfallen lassen.“

Und so kam es, dass der Engel Uccello noch in dieser Nacht das Schwimmen lernte, denn seine Arme waren ja nicht schlaff und kraftlos.
Erschöpft, aber stolz, lag er nun im Schilf und sah hinauf zum wolkenverhangenen Himmel, wo Angela bestimmt in der weichen Watte lag und träumte.
Frau Ente musterte den jungen Engel voller Sorge. Denn die wunderschönen weißen Flügel sahen nun grau und schmutzig aus. Er selbst würde sie niemals ordnen und säubern können. Wie denn auch? Besaß er doch gar keinen Schnabel: `Ach ja´, dachte sie wehmütig, `unser Seewasser ist auch nicht mehr so rein und klar wie früher. Dann noch ständig dieser saure Regen und deshalb das Wuchern der Algen.´
Uccello setzte sich auf und drückte der Entenmutter einen herzlichen Kuss auf den Schnabel.
„Ist schon gut, mein Kleiner“, sagte sie gerührt, „wenn du dort hinten den Hügel hinaufgehst, da weht immer ein frischer Aufwind. Der wird dich heimtragen, bevor die Dämmerung anbricht. Viel Glück!“, rief sie ihm noch hinterher, aber Uccello war längst losgezogen.

. . .

„Wie du aussiehst!“, rief Mutter Donna aufgebracht, „wie ein Dreckspatz! Und das am heiligen Sonntag, wo sich alle Wolkenbewohner zum Harfenkonzert versammeln. Wo hast du dich rumgetrieben?“
Aber Uccello hörte nicht die Schelte der Mutter, noch gedachte er zu antworten. Sein Weg führte eilig Richtung Wolkenmitte auf den zentralen Versammlungspunkt. Heute würde ihn die Sonne nicht verlachen, die Jugendschar würde ihn nicht verspotten und Nipoti könnte Salti vorführen so viele er wollte. Denn Schwimmen! Schwimmen konnte hier niemand. Aber er! Uccello! Und Angela würde an der Harfe sitzen und sehen, wie er seine Bahnen zöge und sogar tauchen konnte!
„Uccello kann nicht fliegen! Ucc... “.
„Haltet eure Schandmäuler!“, unterbrach Uccello laut den Sprechchor, „fliegen kann ich nicht, das weiß ich selbst. Aber auch ich kann etwas ganz Besonderes!“, er rückte seinen Heiligenschein zurecht und verkündete mit stolz erhobenem Haupt: „Ich kann schwimmen!“
Natürlich überhörte er das Gelächter. Hatte nur Augen für Angela, die anmutig an der Harfe saß. Sah ihr Lächeln und den Glanz in ihren blauen Augen, welche das Strahlen der Sonne in den Schatten stellten. Dann senkte sie züchtig den Blick und zupfte das Seidengewand über die zierlichen Knie.
„Er kann schwimmen!“
„Kann er auch tauchen?“
„Pass nur auf, dass dir beim Rückenschwimmen nicht die Flügel abbrechen!“
„Aber vielleicht führt er uns ja Hühnerbrustschwimmen vor!“, hörte er Nipotis Stimme aus der Menge heraus.
Uccello stellte sich in Positur: Aufrecht gestanden, die Arme waagerecht nach vorne gestreckt und dann den Rumpf gesenkt, um federnd abzuspringen - hinein ins... Wumm!
Weich war Uccello in der weißen Watte gelandet.
Seine Mutter war herbeigeeilt und half ihm aufzustehen. Ihr Gesicht war gerötet vor Zorn: „Schwimmen!“, zischte sie, „wie kann man schwimmen ohne Wasser!“
Benommen stand er da und sah durch den Schleier seiner Tränen Angela, die ihre schlanken Finger über die Harfensaiten gleiten ließ und leise sang: „Mein Lieb-ster was Be-son-de-res ist, ich hab ihn lieb, ich hab... “ Und Nipoti segelte wieder elegant empor und drehte einen Überschlag nach dem anderen.
Er hörte das Lachen der Engel und sah, wie sie sich die Bäuche hielten und ihnen das Wasser aus den Augen quoll. Sie kugelten sich kreischend durch das Weiche und schlugen sich auf die Schenkel.
„Mit solch einer erbärmlichen Trockenübung kannst du keine Frau beeindrucken!“ Nipoti legte sich seitlich zum Wind, drehte kopfüber eine Schraube und landete sanft neben Angela.
Das war zuviel!
Uccello watete flink über die durchtränkte Watte an den einsamen Ort am Rande der Wolke. Morgen würde er wieder einiges an Arbeit haben. Die klamme Watte müsste mit dem Trockner bearbeitet werden, um sie anschließend mit dem Gebläse wieder aufzulockern. Er hockte sich hin und stützte den Kopf in die Hände: `Dumme Pute! Äh, dumme Gans, nee, dumme, hässliche Ente. Sie hat vergessen mir zu sagen, dass man nur dort schwimmen kann, wo es auch Wasser gibt!´
Die Sonne begab sich zur Ruhe und machte dem Mond am Himmel Platz. Der lachte leise: „Uccello, Uccello. Woher sollte Frau Ente wissen, dass es auf deiner Wolke kein Wasser gibt. Sie hat dir keine Fragen gestellt. Sie hat dir geholfen. Einfach so. Nicht einmal deinen Namen hast du ihr gesagt. Wo war deine Erziehung? Hast nur an dich gedacht.“
`An Angela habe ich gedacht. Aber die himmelt nun diesen Angeber Nipoti an.´ Der Engelknabe hatte keine Tränen mehr. Rieb sich die trockenen Augen, bis sie schmerzten, und irgendwann war er eingeschlafen.

„Uccello! Uccello! Aufwachen! Du musst an die Arbeit, sonst gibt es eine Katastrophe!“
Verschlafen sah der Engel in das rosige Gesicht von Angela, die ihn an den Händen hochriss und mit sich zog. „Schau dir das an!“ Sie zeigte auf die Mitte der Wolke, wo sich ein großer, tiefer See in die Watte eingegraben hatte: „Schuld daran sind diese Freudentränen von den Schandmäulern, welche dich gestern ausgelacht haben!“
Ein See! Ein richtiger See hatte sich gebildet! Zwar ohne Schilf am Ufer, aber...
Uccello stellte sich in Positur ...
„Aber du wirst doch nicht ... !“, schrie Angela ängstlich und schlug die Flügel abwechselnd zusammen und auseinander.
Uccello hechtete mit kräftigen Arm- und Beinhieben durch das Wasser, machte eine Kehrtwende, legte sich auf den Rücken, strampelte ausgelassen mit den Beinen, ließ sich wieder auf den Bauch gleiten, tauchte steil hinab, schoss wie ein Blitz an die Wasseroberfläche und erreichte mit wenigen Zügen das Ufer. So stand er vor Angela. Pitschenass und völlig außer Atem.
Sie breitete mit den Händen seine Flügel seitlich aus und zwinkerte ihm zu: „Na, wenigstens sind sie nun wieder weiß geworden!“ Angela ließ ab vom Gefieder, welches sich schlaff seitlich an Uccellos Körper legte.
Verunsichert sah er sie an. Sie verzog keine Miene und hatte ihre vollen Lippen eng aneinandergepresst.
„Aber ein Engel der schwimmen kann, das ist doch was total Besonderes“, flüsterte Uccello, „das kann keiner.“
Angela setzte sich, zog ihn zu sich hinunter und stupste ihn auf die Nase: „Du Schlaumeier!“, lachte sie, „aber was Besonderes bist du deshalb wirklich nicht!“
„Nein?“ Uccello knabberte an seinen Fingernägeln. Was sollte er denn noch tun?
Sie strich sich eine Locke hinters Ohr: „Es gibt den Strauß, der hat Flügel und kann nicht fliegen. Dann gibt es noch den Pinguin, dieser Vogel ist auch flugunfähig. Du siehst“, Angela holte die Locke wieder hervor und kringelte sie durch ihre Finger, „Wesen mit Flügeln, die nicht fliegen können, das ist was total Normales. So wie du.“
Enttäuscht wollte er aufstehen und gehen, aber sie hielt ihn zurück, zupfte etwas Watte hervor, legte diese auf ihre rechte Handfläche und blies sie in die Luft. Das Watteflöckchen segelte langsam in kleinen Bögen nieder und legte sich sanft auf Uccellos Nase, so dass er niesen musste.
„Mein Lieb-ster muss was Be-son-de-res sein, muss Har-fen bau´n, für mein´ Händ zart und klein – muss ein Bett-chen mir richten, watte-weich und warm ... “, klang Angelas Lied in Uccellos Ohr und sie umarmten sich innig und glücklich.

. . .

„... und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“. Die Entenmutter schlug das Märchenbuch zu, streichelte zart ihre Brut und flüsterte: „Ihr seid mächtig müde vom Schwimmen. Aber so klar wie heute war das Seewasser schon lange nicht mehr. Der herrlich frische Regen hat wirklich für eine Besserung der Wasserqualität gesorgt.“
„Mein Schutzengel im Himmel hat dafür gesorgt“, sagte das jüngste Entlein im Halbschlaf.
„Mann, bist du blöd“, meckerte das älteste Entenkind, „Schutzengel gibt es doch gar nicht.“
„Psst“, schnatterte Frau Ente, „vielleicht gibt es ja doch Engel. Schließlich kann es nicht nur komische Vögel geben.“
„Oder hässliche Entlein“, flüsterte das Mittlere.
„Ruhe Kinder!“
„Gute Nacht, Mama.“



April 04, Anne Zeisig

























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