Der Tod aus der Teekiste
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April 2004
DIE KOBOLDIN
von Sabine Engel

Es war einer von den Morgen, an dem mir mein kleiner... Pardon aber die
Quotenfrau ist noch nicht bis in die letzten Winkel meines Hirns
vorgedrungen; an dem mir meine kleine Frau im Ohr mitteilte, dass
dieser Tag ganz gewiss nicht zu meinen besten zählen sollte.

Sie war da, und wenn sie da war, ging alles drunter und drüber...Wer
sie ist? Na die kleine Koboldin. Ich konnte sie vor mir sehen. Wie sie,
nicht minder widerlicher wie ihr männlicher Part, grün, klein und
knubbelig, mit in die Hüfte gestemmten Händen vor sich hinlachte. Sie
schien ihren kugeligen Spitzbauch zu halten, während ihre, in stolzer
Länge und Breite hervorstechende Nase im Takt des meckernden Lachens
mitwippte. Ihre spirelligen, in Knöpfchenform auslaufenden Finger
ließen, ein um das andere Mal, ihren Wohlstandsbauch hängen, um mit
ausgestrecktem Zeigefinger in ein noch hämischeres, sardonischeres
Meckern einzufallen. An solchen Tagen trieb meine Phantasie dermaßen
Blüten, dass meine Frau im Ohr zum Weib wurde und mich anzubrüllen
begann. Doch das half nicht viel, nein gar nicht.
Die kleine Koboldin lachte nur noch lauter auf, denn sie wusste, dass es
zu spät war. Der Tag gehörte ihr, und ich war nur noch Werkzeug dieser
wabbeligen grünen Masse.
Also ging ich, trotz besseren Wissens in das vorprogrammierte Chaos.
Sobald sie dastand und diese kleine Musike zu pfeifen begann, war ich
nicht mehr Frau meiner Sinne...

Auch wenn es jetzt total verdreht klingen mag. Irgendwie genoss ich
trotzdem diese Tage, die kleinen Narrheiten, wenn die Konsequenzen nur
nicht immer so hart gewesen wären. Zu oft uferte es aus, konnte ich
mich, an den Orten meiner Exzesse, für einige, mehrere Tage nicht mehr
blicken lassen.

Ich zog mich an, meiner Laune gemäß, das heißt, bequem, bunt und
flippig und ging in Richtung Stadt. Meine Opfer musste ich mir nicht
suchen. Sobald passendes Material da war, konnte ich sie sehen, wie sie
dastand und lässig über ihre Schulter auf den, die Kandidatin deutete.
Volle, rote, sinnliche Lippen, knackige Männerpopos, grimmige
beschlipste Gesichter, affektiert getragene Nasen... für jede/n gab es
spezielle Antworten, auf nicht gestellte Fragen. Ich hüpfte über den
Markt, kaufte mir ein paar Trauben und setzte mich auf die Stufen des
Rathauses. Noch hielt sie Ruhe, aber wie lange noch? Langsam und
genüsslich hob ich die Trauben, über meinen in den Nacken gelegten Kopf
und biss, leckte, Traube um Traube vom Stiel. Sie platzten voll, feucht
und fruchtig in meiner Mundhöhle auf und erzeugten Wellen des
Wohlgefühls. Mein Gaumen rieb ganz langsam, gemeinsam mit meiner Zunge,
über die Frucht, bis sie all ihre Feuchtigkeit hergegeben hatte und
meine Zähne langsam den Rest erledigen konnten. Mein erstes Opfer war
ein Schlipsträger. Sie stand neben ihm, besser unter ihm, blickte mich
verwegen an und deutete unzweideutig auf seinen gutsitzenden
Zweireiher. Also gut. Ich legte den Rest der Trauben wieder zurück in
die Papiertüte und stand entschlossen auf. Sobald ich neben ihm stand,
ging alles wie automatisch. Ich blickte ihn an, etwas länger als
erlaubt, als zwischen Unbekannten zulässig.
"Sie kaufen Fleischtomaten, eine traumhafte Frucht. Pomo di amore, es
ist eine Liebesfrucht, ein Aphrodisiakum, aber was erzähle ich das
ihnen. Ein Mann von ihrem Aussehen, ihrer Ausstrahlung." Ich grinste
verwegen und unverschämt in sein verblüfftes Gesicht.
"Sie suchen bestimmt noch den richtigen Mozarella. Sie nehmen doch nicht
diesen abgepackten!?
Sie sind doch ein Genießer. Ich weiß, wo sie frischen Büffelmozarella
erstehen können." Er schien verwirrt, aber seine Augen tasteten schon
meinen Körper ab. " Kennen wir uns? Ich glaube nicht, das hätte ich
sicherlich nicht vergessen..." Ein leichter Ansatz eines Lächelns war zu
sehen. "Wollen sie nicht mitkommen und mir bei der Auswahl behilflich
sein?" "Warum eigentlich nicht" hauchend, hakte ich mich, bei dem
nunmehr breitgrinsenden Enddreißiger, unter. Meiner Schätzung nach,
hatte er Tomaten für zwei Personen eingekauft, seinen Finger zierte aber
keine goldene Frohlockung. Also nur eine Freundin.
"Guten Tag, wir hätten gerne Mozarella, Büffelmozarella..." "Den haben
wir heute ganz frisch reinbekommen." "Traumhaft..." Mit einem sanften
Augenaufschlag wendete ich mich ihm zu und befeuchtete, wie
selbstverständlich meine Lippen. "Ganz frisch...Das wird ein sinnliches
Erlebnis. Er wird dir… ehm ihnen Auf der Zunge zergehen." "Bleiben wir
doch beim Du. Ich heiße Klaus." "Fein und ich Sabine." Ich reichte ihm
meine Rechte und konzentrierte meine sexuelle Energie in meine
Fingerspitzen. Gerade als ich wieder meine Lippen unauffällig,
auffällig, befeuchten wollte, quäkte uns die Bedienung dazwischen. "Wie
viel darf es denn nun sein?" Etwas unwillig schaute sie zwischen uns hin
und her. Ich sah ihn an, meine Augen und meine Nasenflügel
signalisierten, was meine Fingerspitzen aussenden sollten und...
"Für zwei Personen, sagen wir ein Pfund." In einem leicht tänzelnden
Schritt wendete er sich mir zu. Ich lächelte ihm aufmunternd zurück.
"Das ist ausreichend für die Menge Fleischtomaten."
"Möchte sie sonst noch etwas?" "Ja, ich hätte gerne die gleiche
Menge...-Ich drehte mich seinem versteiftem Körper und verdutzten
Augenbrauen zu- Mein Freund ist ganz narrisch nach dem Zeug" Ich zahlte,
während er noch immer, ein Pfund Fleischtomaten krampfhaft in der
Rechten, vor der Theke stand und mich entgeistert anschaute. "Ich
dachte, wir würden sie zusammen essen?" "Aber ja doch, ich werde an
si...dich denken, wenn wir es essen. Du musst unbedingt noch einen
trockenen Weißwein einkaufen, der macht sich ausgezeichnet dazu...
Tschüß"
Während ich mich winkend davonmachte, hörte ich die ungehaltene Stimme
der Verkäuferin.
"Bezahlen sie nun oder was.“

Die Koboldin schaute recht befriedigt, aber man merkte ihr an, dass ihr
die Sache noch zu harmlos gewesen war. Es musste brenzliger werden. Ich
atmete tief aus und ein, schlenderte die Fußgängerzone entlang in
Richtung Kranzplatz. An einem Kleiderständer vor Stefanel, mit
verbilligter Markenware, konnte ich einfach nicht vorbeigehen. Ein
Fehler, wie sich gleich herausstellen sollte. Eine Frau, eher eine
Dame, von der Höhe ihrer Nasenspitze her zu urteilen, näherte sich
etwas zögernd den Sonderangeboten. Mein zweiter Blick ließ mich noch
tiefer atmen. Sie war wieder da. Lief wabbelnd hinter der Dame her.
Eigentlich ein genialer Anblick. Ich wusste nicht, ob ich, ob dieses
belustigenden Duos, in lautes Lachen ausbrechen sollte oder, ob ich dem
nahenden Magenkrampf nachgeben sollte. Etwas verlegen nickte sie mir
zu, eine Geste der Verschwesterung, und schob, mit dem
desinteressiertesten und gelangweiltesten Blick, den sie zustande
brachte, Bügel für Bügel zur Seite. Die Koboldin wurde schon langsam
unruhig, sie schwang ihre Arme aus der Hüfte und deutete mir mit wilden
Gesten an, dass es Zeit zum Angriff sei... na dann.

"Schöne Sachen, nicht wahr?" Dieser Schritt, von einer Jeansträgerin,
schien ihr dann doch etwas zu dreist. Sie schaute mich überrascht mit
gekräuselten Lippen an, doch dann erinnerte sie sich wohl daran, dass
sie zuerst auf mich zugegangen war. Der gesellschaftliche Usus
verlangte zumindest eine Erwiderung. "Ja...wirklich. Dieser Rock hat
mich schon von weitem angelacht... Eigentlich kaufe ich ja keine
Sonderangebote. Meist nur Schund, aber bei Stefanel... ich glaube, da
kann man es sich erlauben." Beflissentlich nickte ich, während ich mir
den Rock schnappte und ihr an die Hüfte legte. "Der wird ihnen bestimmt
ganz wunderbar stehen. Die Farbe ist für ihren Teint ganz hervorragend.
Und mit den Beinen, ist jede Hose eine Todsünde." "Finden sie? Na wenn
sie meinen, dann ziehe ich ihn doch direkt einmal an." Ihre, vor
falscher Arroganz, geprägten Gesichtszüge, bekamen einen solch süßen,
lieben, kindlichen Ausdruck, dass ich flehentlich in Richtung der
kleinen Koboldin blickte. Doch mein Mitgefühl schien sie noch zu
stimulieren. Ihre Nase wackelte bedenklich, unter ihrem unverhohlenen,
kreischenden Frohlocken, auf und ab. "Wollen sie nicht mit reinkommen
und es sich betrachten?" "Aber gerne." Alea iacta est. Für die Arme gab
es kein Entrinnen mehr. Mit einem becircendem Lächeln betrat ich nach
ihr den Laden. Sah zu, wie sie ihren anderen Rock über die Kabinentür
legte und merkte, wie mir bei dem Gedanken an ihre nackten Beine, die
in schwarzer Spitze ihr Ende fanden, heiß wurde. "Sind sie soweit?"
Ohne eine Erwiderung abzuwarten, drückte ich die Schwingtür ihrer
Kabine auf. "Oh, wie bezaubernd. Ich dachte sie hätten ihn schon
angelegt." Ihre Züge kämpften zwischen erfreut und verärgert hin und
her, aber mein verzückter, wohlwollender Blick auf ihren Schenkeln,
ließ den Kampf zu Gunsten der positiven Gefühle ausgehen.
"Aber das macht doch nichts. Wir sind doch zwei Frauen." Ich fixierte
noch etwas stärker, das wirklich in Spitze besetzte Dreieck zwischen
ihren Beinen, legte alle Energie, Hitze und Glut in ihn und bemerkte,
wie sie unruhig, von einen Fuß auf den anderen zu tippeln begann.
"Na, dann werde ich mir das Traumstück mal anlegen." Ganz langsam, und
mit unvermitteltem Blick in meine Augen, zog sie den Rock über ihre
vollen Hüften, ergriff den Reißverschluss fast zärtlich und schob ihn
mit gleitenden Fingerspitzen nach oben. "Und, was sagen sie?" "Sie, aber
das muss doch nicht sein. Ich heiße Sabine." "Ich bin die Juliane,
Juliane von Pawelz. Angenehm." "Ebenso... ich finde er kleidet dich ganz
vorzüglich. Wenn wir nicht zwei Frauen wären... wie du vorhin so
treffend bemerktest, würde ich ihn dir mit Lust wieder abstreifen, sanft
über deine Hüften ziehen." Immer noch hielt sie meinem Blick stand, aber
eine merkliche Färbung ihrer Wangen zeigte, dass mein Tun von Erfolg
gekrönt war.
"Fein... dann nehme ich ihn." Ihre Stimme hatte eine weichere Nuance
angenommen und ihre Bewegungen waren nicht mehr von Stolz geprägt,
sondern strahlten eine fließende Anmut aus.
"Wenn du wartest, lade ich dich noch zu einem Kaffee ein. Mein Mann ist
nicht da und... na ja, so alleine zu Hause. Ich finde Kaffee schmeckt
besser, wenn man ein wenig dabei plauschen kann. Falls du Zeit hast?"
"Aber ja doch...Zieh dich an und wir können."

Schon der schnittige, kleine Fiat Spider ließ mich erahnen, in welchen
Bereich ich jetzt eintauchen sollte. Die Fahrt ging in Richtung
Sonnenberg... das Ziel, Richard Wagner Straße. Das Haus, Jugendstil,
die Einrichtung, zu dick aufgetragen. Man sah den Räumlichkeiten an,
dass sie nicht mit Liebe, sondern mit der Idee zu repräsentieren,
eingerichtet worden waren. "Oh, wie bezaubernd. Das raubt einem
förmlich den Atem... positiv natürlich. Nur positiv gesehen." "Möchtest
du noch die anderen Räume sehen?" "Aber gerne..." Bad, Küche, sein
Schlafzimmer, sein Arbeitszimmer... und dann, ihr
Schlafzimmer...getrennt. Die kleine Koboldin feixte mit ihren
Augenbrauen. Sie wollte, dass ich aufs Ganze gehe. Was blieb mir
übrig?! "Du sammelst Steiftiere, ich auch." Zielstrebig steuerte ich
auf ihr Bett zu, setzte mich unbefangen auf selbiges und griff wahllos
eines der Stofftiere heraus. "Wie süß. Den habe ich auch." "Ich habe
noch viel mehr. Unter dem Dach ist noch ein kleiner Raum, in dem ich
mich aufhalte, wenn ich alleine sein will... aber wenn du magst. Ich
zeig ihn dir gerne." "Ja wirklich... wenn es O.K. ist, gerne." "Aber
klar doch. Ich mag dich, ich mag dich wirklich sehr. Obwohl ich dich
gar nicht kenne."
Das Zimmer war wirklich berauschend. Ein Schlaraffenland für Kinder.
Unzählig viele Stofftiere, eine Hängematte, riesig große Palmen und ein
extrem kuschelig aussehendes Bett. "Das ist der absolute Hit."
ausrufend, ließ ich mich auf diesem Federtraum nieder. "Setz dich zu
mir, erzähl mir, erzähl mir mehr von dir." Ich streckte meine Hand aus,
sie nahm sie zögernd und unsere Köpfe näherten sich bedrohlich. Meine
Zunge begann wieder ihr Befeuchtungsspiel, ihre Wangen wurden puterrot
"Äh, ja. Na ja..." Und es war geschehen, unsere Lippen trafen sich ganz
leicht. Ich konnte die Erregung spüren, ihren Atem. Und genau in dem
Moment, indem wir uns lösten, sah ich sie. Wie ein Dirigent stand sie
vor dem Bett und winkte energisch ab. Schlagartig erstarrte ich, stand
auf und stammelte passend, "Ich glaube... ich glaube, ich muss gehen. Es
war sehr nett. Ich finde alleine raus. Danke."
Ich rannte die Treppen herunter und lief im Dauerlauf wieder in Richtung
Stadt. Erst am Kranzplatz gönnte ich mir einen kurzen Verschnaufer...
und da stand sie. Selbst-, wohlgefällig und feist rieb sie ihr Ränzlein.
Ich hatte ihr Wohlwollen, vielleicht ließ sie mich ja jetzt aus ihren
Klauen? Doch so, wie sie meine Gedanken und Gefühle beeinflussen konnte,
konnte sie auch meine Gedanken lesen. Ein schneidendes Nein, untermalt
durch eine zur Seite geschleuderte Rechte, unterbrach ihr
selbstgefälliges Gehabe. Was sollte noch alles kommen?

Brav lief ich wieder in die Fußgängerzone und stierte zu Boden, bloß
niemanden ins Gesicht gucken, dann konnte doch gar nichts passieren.
Denkste! Durch mein dämliches zu Boden Geglotzte, war ich direkt auf
ihn drauf gelaufen. Er war es, immer noch bewaffnet mit seinem
Beutelchen Mozarella. "Oh sie, äh du... so ein Zufall."
Weit gefehlt. Hinter ihm hüpfte die kleine Koboldin in Vorfreude auf und
ab.
"Wo ist denn dein Mozarella?" "Oh, den hab ich wohl bei einer Freun...
äh Bekannten liegen gelassen. Macht nichts, gibt`s eben was anderes...
Hast du den Wein schon gekauft?"
Meine Koboldin rieb sich ihre Hände und klopfte vergnügt ihre
knöpfchenförmigen Fingerspitzen aneinander. "Nein, aber irgendwie ist
mir der Appetit auf Mozarella vergangen. Du kannst ihn ruhig haben...
für dich und deinen Freund." "Danke du, aber er hat mir für heute Abend
abgesagt." Ein Strahlen ging über sein Gesicht. "Abgesagt, dann können
wir ihn vielleicht doch zusammen essen?" Ich schaute in die sprühenden
Augen meines kleinen, grünen Wabbelmonsters und wusste, dass die einzige
Antwort, die zugelassen war, ja lautete.
"Warum eigentlich nicht. Doch, aber wir holen noch Wein... und
vielleicht noch etwas Sekt."
"Fein, wird erledigt...Komm, lass uns noch einmal in die Delikatessa
gehen, ja. Da gibt es einen ganz exzellenten Champagner. Veuve Cliquot
Rosè, ein Jahrgangschampagner." Ich sah ihn an und merkte, wie meine
Lippen ganz langsam immer breiter zu grinsen begannen. "Traumhaft...
tolle Idee." Ich hakte mich bei ihm unter und beschwingten Gangs lief
ich meinem Schicksal entgegen.

Sein Reich bestand aus drei Zimmern, Küche, Bad, Balkon. Eine typische
Junggesellenwohnung. Aufgeräumt, ohne jeglichen Schnickschnack. Auf den
Fenstersimsen standen ein, zwei pflegeleichte Kakteen. An den Wänden
große Poster irgendeines, gerade angesagten, Fotografen. Mit
einladender Geste deutete er durch den Raum. "Mach es dir bequem. Ich
ziehe nur rasch den Champagner auf...Oder willst du vielleicht den
Mozarella anmachen?" "Nein, ich glaube nicht. Nein, lass uns erst ein
Schlückchen trinken, ja?!" "Klar doch."
Mit der geöffneten Flasche und zwei Sektkelchen tänzelte er beschwingt
wieder herein, aber bei dem Anblick meines nackten, aufs Sofa gebetteten
Körpers, schien ihn die Kraft zu versagen. Die Flasche drohte ihm aus
der Hand zu fallen. "Heh, pass auf. Wir wollen doch den teuren Tropfen
nicht verschütten." Ich sah ihm unverschämt lächelnd ins Gesicht und
bemerkte, dass der kleine, grüne Knubbel vor ihm stand, mit gerecktem
Finger, die deutliche Beule an seiner Hose freudvoll nachzeichnete. Sie
drehte sich mir zu, und der Glanz, das Blitzen ihrer Augen, erschreckte
mich für einen kurzen Moment.
"Komm setz dich zu mir." "Äh, ja, aber; wollen wir nicht lieber rüber
gehen? Ich meine ins Schlafzimmer. ...Na ja, ich, ich habe auch keinen,
keinen..." "Pariser bei dir. Aber das macht doch nichts." Ich griff mir
meine achtlos zur Seite geworfene Jeans, zog ein schwarzes, benopptes,
mit Lakritzegeschmack bestücktes Kondom aus selbiger und schwenkte es
triumphal vor seiner Nase hin und her. "Wollen wir? Leg doch Mal was
Nettes auf, ja?"
""Jaja, klar...Was würdest du denn gerne hören?" "Irgendwas langsames,
auf das man so einen richtig netten, feschen Strip hinlegen kann."
"Einen Strip? Aber du...ich meine ich soll einen Strip hinlegen?" "Aber
ja doch. Sofort, als ich dich gesehen habe, wusste ich, was alles in dir
steckt. Mach schon, spann mich nicht solange auf die Folter."
Mit diebischer Freude stand meine kleine Koboldin in der Ecke und
beobachtete seinen gänzlich verunsicherten Gang zum Tape. `That`s the
way love is´ schien er sich für sein Unterfangen ausgesucht zu haben,
zumindest begann die Melodie den Raum zu erfüllen.
Etwas zu hektisch, drehte er sich mir zu, griff mit beiden Händen das
Revers seines Zweireihers, lupfte zu schnell, zu ungelenk die linke
Schulter aus selbigem und begann durch das Ziehen an seinen Aufschlägen,
ihn langsam vom Körper zu streifen. "Gut, gut machst du das...weiter,
weiter. Ich will mehr sehen, zeig`s mir." Angefeuert durch meine
Ausrufe, begann er, mit merkwürdigen Verrenkungen seines Oberkörpers,
die jedes Taktgefühls entbehrten, sein Hemd aufzuknöpfen. Die spärlich
behaarte Brust, der leicht schwabbelige Bauch, und das Weiß seiner
sommersprossigen Haut, ließ mich beinah laut auflachen, aber die
Koboldin merkte es früh genug und bremste mich. Mit einem Ruck zog er
den Gürtel auf, zog, dieses Mal im Takt, den Reißverschluss Zug um Zug
auf, und wieder war ich versucht, in ein lautes, hemmungsloses Gröhlen
auszubrechen. Die Schießer Doppelripp, hatte ich das letzte Mal in
meiner Kindheit, an einem meiner Brüder, gesehen. Doch die Koboldin
sprang entsetzt zwischen ihn und mich und funkelte mich böse an. Ihr
Bäuchlein schwabbelte nur so, und ihre Finger zuckelten voller Eifer
durch die Luft. Für einen Moment, schien er sich seiner peinlichen
Untergarderobe bewusst zu werden. Denn er hielt inne und begann sinnlos
vor sich hinzustammeln. "Die hab, die bekomme ich immer von meiner
Mutter." "Pssst." hauchend legte ich meinen Finger vor den Mund und
lächelte ihm aufmunternd zu...erfolgreich. Er begann seine Buxen erst
leicht über die rechte Seite seiner Pobacke, und dann über die linke zu
ziehen. Sein rötliches Schamhaar lugte ein wenig hervor, und seine
Verrenkungen begannen an Intensität zuzunehmen. Langsam bekam ich
Schwierigkeiten zu zusehen, aber ich wusste, dass ich keine andere Wahl
hatte. Also biss ich die Zähne zusammen und lächelte ihn mit gebleckten
an.
Ich wusste nicht, wie mir geschah, plötzlich spürte ich seinen erregten
Körper auf meinem. "Hehehe, nicht so schnell...Wir wollen doch genießen.
Nicht wahr...Jetzt bin ich dran." Wieder griff ich meine Jeans, zog eine
Kordel aus ihr und bugsierte ihn in Richtung der Zentralheizung. "Wie,
was..,Was hast du vor?" "Pscht...so ein starker Mann wie du wird doch
keine Angst haben, du vertraust mir doch oder?" "Ja aber..." "Kein aber.
Lass mich nur machen." Mein Blick streifte einen Schal. "Bleib schön
hier, ja?!" Flugs griff ich ihn mir und verband ihm widerstrebend die
Augen. "Das habe ich noch nie gemacht. Es ist...irgendwie merkwürdig,
aber ich glaube, es erregt mich noch mehr." Ein Blick auf seine Hüfthöhe
ließ mich mich heftig in meine Unterlippe beißen und erst Sekunden
später die beruhigenden Worte artikulieren. "Jaaa, das sieht man. Er
steht, steht ganz wundervoll." Langsam, aber bestimmt, fesselte ich
seine Handgelenke aneinander und band sie an die Zentralheizung. Seine
Stöhner nahmen zu, wurden lauter und tiefer, aber die Größe seines
Schwanzes blieb...leider. Das war also alles. Das Kondom musste sich
ziemlich unausgefüllt vorkommen, aber was sollte es.
"Ich streif ihn dir jetzt über, und dann werde ich auf dir reiten...mein
Hengst." "Jaaja, ich werde dich stoßen...wart nur ab. Du Hexe du, du
Miststück...Ich werd`s dir schon besorgen." Während ich den Pariser aus
seiner Verpackung zog schaute ich mich nach ihr um. Sie saß in der
gegenüberliegenden Ecke, mit gespreizten Beinen und hielt sich ihr
Spitzbäuchlein, während ihr Gesicht vom Lachen schon ganz blau
angelaufen war. Sie war zufrieden.
Leichterhand zog ich ihm das Lakritzgummi über und ließ oben an den
Noppen etwas Spielraum. Ich konnte mich nicht mehr beherrschen, der
Anblick der weißen, festgebundenen Körpermaße zu meinen Füßen, ließ mich
und die Koboldin lauthals lachen.
Wir lachten, bis mir die Tränen kamen und sie von Kopf bis Fuß in blau
schimmerte. Mit dem Blick auf den, unter unseren Lachern dahinwelkenden
schwarzen Plastiksäckchen, das sich farblich gut abhob, von seinen
feuerroten Schamhaaren, zog ich mich Stück für Stück wieder an. "Tschüß.
Es war nett mit dir...Der Champagner war wirklich ein edles Tröpfchen."
Doch kurz bevor ich, unter seinem Gewimmer, die Wohnung verlassen hatte,
stand sie Einhalt gebietend vor mir. Sie deutete in Richtung des
Telefons und auf ein Nummerregister, das neben selbigem lag. Ich schlug
es auf...Mutter 06127/ 3558. Das war wirklich grausam, und genau so sah
sie aus, als ich in ihr hämisch grinsendes, mit geblähten Nüstern
verunstaltetes Gesicht blickte. Ich steckte ihm vorsorglich ein
Taschentuch in seinen Mund und wählte. "Ihr Sohn muss sie unbedingt
sofort sehen. Der Schlüssel liegt unter dem Fußabstreifer. Ja bitte,
kommen sie sofort." Unter den sinnlosen, taschentuchgedämpften Lauten,
verließ ich die Wohnung, legte den Schlüssel unter den Abstreifer und
machte mich eilig davon.
Es war dunkel geworden, meine Koboldin schien befriedigt zu sein und ich
erlöst; hoffentlich hatte ich jetzt erst einmal lange Zeit Ruhe vor ihr.

©noel







Letzte Aktualisierung: 00.00.0000 - 00.00 Uhr
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