Mainhattan Moments
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Susanne Ruitenberg und Julia Breitenöder haben Geschichten geschrieben, die alle etwas mit Frankfurt zu tun haben.
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Juni 2004
Lukas Mutter
von Sabine Ludwigs

Montag, 23 März 2001
„Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod, Dr. Eichler?“, fragt die inhaftierte Kerstin Grothe.
„Ich weiß nicht“, antwortet die Gefängnispsychologin gedehnt. „Tun Sie es?“
„Natürlich! Mehr noch, ich glaube an eine göttliche Gerechtigkeit, dass wir Verantwortung übernehmen müssen, für alles, was wir im Leben getan haben und dafür am Ende Rechenschaft ablegen.“
„Um Buße zu tun?“
„Um zu lernen. Vor allem, um aus Fehlern zu lernen.“
„Bedauern Sie, was Sie getan haben?“
Die Antwort kommt zögernd: „Nein. Es musste sein! Egal wo er jetzt... existiert, ich hoffe, dass er bekommt, was er verdient.“
Die Psychologin nickt.
Eine Weile ist es still, nur das Ticken der Wanduhr ist zu hören.
„Manchmal träume ich von ihm“, fährt Kerstin fort.
„Von Ihrem Mann?“
Sie schüttelt den Kopf: „Von Lukas, meinem Sohn. Es ist immer der gleiche Traum: Ich irre durch die Nacht. Die Straßen sind dunkel und menschenleer. Ich suche nach Lukas. Wieder und wieder rufe ich nach ihm: Lukas! Lukas, wo bist du? Er antwortet nicht. Ich kann ihn nicht finden. Der Spielplatz ist öde und verlassen. Leere Schaukeln bewegen sich langsam vor und zurück. Ich renne am Ententeich vorbei, weiter durch den Park. Endlich sehe ich ihn unter der Linde sitzen. Auf seiner kleinen, blauen Decke. Mit dem Rücken zu mir. Ich laufe hin, bücke mich und nehme ihn auf den Arm. Lukas schaut mich an. Und ich sehe, dass er kein Gesicht hat. Stattdessen sind da nur schwarze Flaumfedern. Überall. Ich schreie und die Federn schweben in den Himmel. Dann wache ich auf.“
Kerstin sieht die Psychologin nicht an, kaut fahrig an ihren Fingernägeln
„Ich weiß nicht, was schlimmer ist,“ sagt sie undeutlich mit dem Zeigefinger zwischen den Lippen: „Lukas überhaupt nicht zu finden - oder ihn ohne sein liebes Gesicht zu finden.“
Sie reißt mit den Zähnen ein Nagelfetzchen ab. Es blutet. Hastig saugt Kerstin an der Wunde. Noch immer blickt sie nicht auf.
Dr. Eichlers blonde Stoppelfrisur wirkt flott, neben Kerstin Grothes strähniger Dauerwelle. Annika Eichler macht einen kompetenten und trotzdem warmherzigen Eindruck. Vertrauenerweckend. Mitfühlend. Diese Eigenschaften sind es, welche die Ärztin den Patienten näher bringt. Das findet man nicht mehr oft heutzutage, denn die Tüchtigkeit scheint die Menschlichkeit aufzufressen, denkt Kerstin. Ihr Finger hat aufgehört zu bluten.
Als die Patientin weiter schweigt, fragt die Ärztin behutsam: „Was ist mit Ihrem Mann? Was empfinden Sie, wenn Sie an ihn denken?“
„Er hat gekriegt, was ihm zusteht.“ Sie erlaubt sich ein flüchtiges Lächeln. „Damit hat er nicht gerechnet.“
„Träumen Sie von ihm?“
„Nein. Nie.“ Kerstin steht auf, geht unruhig im Zimmer herum. Sie nimmt eines der Fotos vom Schreibtisch. Es zeigt Dr. Eichlers Eltern. Kerstin betrachtet es eine Weile, stellt es zurück. Nimmt ein anderes Bild in die Hand. Die Fotografie eines gutaussehenden, dunkelhaarigen Mannes.
„Ist das Ihr Mann?“, will sie wissen. Die Ärztin nickt. Sie weiß, dass sie einige Fragen ihrer Patienten beantworten sollte, um Vertrauen zu schaffen und um Unklarheiten zu beseitigen.
Obwohl dieser Fall natürlich klar ist, denn Kerstin hat bereits gestanden und wartet jetzt auf ihren Prozess.
Die Anklage: Mord.
Das psychologische Gutachten ist noch nicht erstellt. Dr. Eichler arbeitet daran. Ihre Beurteilung wird großen Einfluss auf die Urteilsfindung haben. Es gilt die Schuldfähigkeit zu ermitteln. Die Schuldfrage ist längst beantwortet:
Die Beklagte bekennt sich schuldig. Keine Reue. Sie ist von der Richtigkeit ihrer Tat überzeugt. Sie tat es aus Liebe. Aus Mutterliebe. Gibt es eine größere Rechtfertigung?
Annika Eichler weiß es nicht. Sie hat keine Kinder und ist sich seit Beginn ihres Berufslebens auch gar nicht mehr sicher, ob sie welche will. Zu viel Elend in Familien hat sie mitbekommen.
„Ist er ein guter Mann?“, unterbricht Kerstin die Gedanken der Psychologin.
Noch einmal nickt Dr. Eichler. „Ja. Er ist okay.“
Kerstin lächelt, und stellt den Bilderrahmen an seinen Platz. „Das freut mich,“ sagt sie aufrichtig, geht zu ihrem Stuhl zurück und setzt sich.
Sie knabbert wieder an den Fingernägeln. Der Blick wird leer. Sie sitzt da, wie in Trance, wiegt sich vor und zurück. Ein sanftes Schaukeln.
Dr. Eichler seufzt. Sie wird keinen Ton mehr aus der Inhaftierten herausbekommen. Kerstin hat sich zu weit in sich zurückgezogen. Die Psychologin weiß das aus Erfahrung. Sie vertagt das Gespräch.
Sommer 2000
„Wir gehen in den Park, Lukas,“ sagte seine Mutter mit zärtlicher Stimme. Sie sprach nur liebevoll mit ihm. Die meisten Worte hatten noch keine Bedeutung für das Kind, aber einige brachte es mit lebhaften Bildern und Emotionen in Verbindung.
`In den Park gehen´ bedeutete, Licht, Wärme und Schmusen. Auf einer weichen Decke unter der Linde liegen, und das Spiel der Sonnenstrahlen und Blätter beobachten.
Dabei lauschte er den Worten seiner Mutter. Manchmal sang sie ihm etwas vor. Das gefiel ihm besonders gut. Dann fuchtelte er heftig mit seinen Ärmchen in der Luft und krähte vor Zufriedenheit.
Oder er krabbelt auf der duftenden Sommerwiese herum, rupfte die kleinen, weißen Gänseblümchen heraus und sah erstaunt den Bienen und Schmetterlingen hinterher.
`In den Park gehen` waren kleine Küsse auf seinen nackten Füße. Sanftes Streicheln über sein Köpfchen und leise gemurmelte Sätze, die er nicht verstand. Doch der Klang ihrer Stimme freute den Jungen und er lachte seiner Mutter ins Gesicht, so oft sie sich über seines beugte.
Und sie lachte auch und gab ihm süßen Saft zu trinken.
Der Park war ein schönes Bild, ein gutes Gefühl und süßer Geschmack.

Freitag, 30 März 2001
„Ich habe erst in der zehnten Woche erfahren, dass ich schwanger war“, beantwortet Kerstin bereitwillig die ihr gestellte Frage. „Ein Baby war absolut nicht geplant! Mein Hausarzt hatte mir wegen einer eitrigen Bronchitis ein Antibiotikum verschrieben. Leider hat Dr. Brand mir nicht gesagt, dass die Wirkung der Pille dadurch praktisch aufgehoben wird. Und so ist es halt passiert.“
„Haben Sie den Beipackzettel nicht gelesen?“
Kerstin schüttelt den Kopf: „Nein. Es ging mir hundeelend. Außerdem verstehe ich sowieso nie, was drin steht. Ist irgendwie zu hoch für mich.“
„Was sagte Ihr Mann, als er es erfuhr?“
„Er sagte: „Lass das Ding wegmachen.“ Kerstins blasses Gesicht verzerrt sich vor Abscheu. „Das Ding!“, stößt sie verständnislos hervor. „Ich dachte, meine Periode wäre wieder mal zu spät dran. Das kommt häufiger vor. Irgendwann würde sie schon kommen, wie sonst auch. Es war reiner Zufall, dass die Schwangerschaft bemerkt wurde. Eigentlich hatte ich einen Termin zur Krebsvorsorge. Volker saß mit mir im Warteraum. Wir wollten das Untersuchungsergebnis abwarten. Als mein Frauenarzt uns zusammen in sein Sprechzimmer rief, dachte ich, ich hätte Krebs! Mir zitterten die Knie, als wir zu ihm hineingingen.
Dann fragte er, ob ich wüsste, dass ich schwanger bin. Das hat mich umgehauen!“
„Was haben sie dabei empfunden?“
„Empfunden? Leere. Ich dachte nur: Warum? Wie konnte das passieren? Dann sagte Volker: „Lass das Ding wegmachen.“
„Und was antworteten Sie?“
„Zuerst nichts. Es war alles wie ein Traum, so unwirklich. Ich saß einfach nur da und dachte: Ich bin 22 Jahre alt und lebe in einem Kuhdorf am Ende der Welt. Ich habe meine Lehre abgebrochen, keine Arbeit, und war mit Volker verheiratet. Wer wünschte sich da ein Baby ?“
„Sie wollten also auch eine Abtreibung?“
“Nein! Ich konnte nicht klar denken, und wusste nicht, was ich tun sollte. Das ging mir alles zu schnell. Der Frauenarzt machte schließlich einen Ultraschall.
„Zehnte Schwangerschaftswoche“; sagte er. Der Eingriff kann nur bis zur Zwölften durchgeführt werden, daher müssen Sie und Ihr Mann sich schnell entscheiden“.
Volker war sofort mit einem Abbruch einverstanden und wollte einen Termin für die Klinik festmachen. Aber dann passierte etwas, und ich hatte endlich die Kraft zu schreien: Stopp! Ich kann das nicht.“
„Was war das?“
Kerstin lächelt ein breites, glückseliges Lächeln. „Ich sah den Herzschlag meines Kindes. Bis dahin wusste ich gar nicht, dass es in der zehnten Woche schon schlägt. Ich dachte immer, wenn sie es bis zum dritten Monat wegmachen, lebt es noch nicht. Aber das tut es!“, und dann bemerkte sie nachdenklich: „Glauben Sie mir, wenn man zum ersten Mal den Herzschlag seines ungeborenen Kindes sieht, ist das ein ganz besonderer Augenblick. Ich konnte nur den Monitor anstarren. Dieses winzige Leben. Das war mein Baby! Ich konnte es einfach nicht über mich bringen, einen Teil von mir zu töten.“
Die Psychologin lässt ihr Zeit den Erinnerungen nachzuhängen. Nach einer Weile fährt Kerstin erschöpft fort:
„Ich dachte mir: Gut - Volker ist dagegen! Wir haben beide keine Eltern mehr und ich wäre ganz allein, wenn er mich sitzen ließe. Aber ich war der festen Überzeugung, wenn das Kleine erst mal da ist, wird alles anders. Es war doch auch sein Kind! Oder nicht?“
“Doch. Aber hat er das so empfunden? Wie nahm er Ihre Entscheidung auf?“
„Ich habe mich nicht getraut, es ihm zu sagen. Zu Hause habe ich ihm versprochen einen Termin für den Schwangerschaftsabbruch zu vereinbaren. Mir war klar, dass er zu feige sein würde mich ins Krankenhaus zu begleiten. Er fragte nie mehr danach, dachte, ich hätte das Baby wegmachen lassen. Für ihn war das Problem gelöst. Bis mein Bauch immer runder wurde. Da war es zu spät.“
„Wie hat er reagiert?“
„Er hat mich verdroschen.“
„Glauben Sie, dass es richtig war zu lügen?“
„Ich glaube, dass Lügen manchmal pure Notwehr sind. Bei mir war es jedenfalls so. Ich konnte mein Baby nicht abtreiben lassen. Vom Verstand her wäre es sicher die richtige Entscheidung gewesen, aber vom Gefühl her schaffte ich das einfach nicht.
Volker hätte meine Entscheidung nie akzeptiert. Notfalls hätte er mich ins Krankenhaus geprügelt. Es wäre nicht das erste Mal gewesen. Ich musste lügen, um das Leben meines Kindes zu schützen.“
„Was ist mit den Rechten Ihres Mannes? Oder haben Ihre Rechte Vorrang?“
„Seine Rechte, meine Rechte! Was ist mit den Rechten des Kindes? Seinem Recht auf sein Leben?“
Die Psychologin schweigt: Sie will, dass die Patientin ihren Emotionen freien Lauf lässt. Heute sind sie an einem kritischen Punkt angelangt. Sie wartet ruhig ab, bis die aufgewühlte Frau weiter spricht:
„Später hat er die Schwangerschaft ignoriert. Er tat so, als gäbe es sie nicht. Als es soweit war, bin ich nachts allein mit dem Taxi ins Krankenhaus gefahren und habe Lukas zur Welt gebracht. Volker hatte keinen Anteil daran genommen. Es war eine schwere Geburt. Beinahe hätte ich es nicht geschafft. Ich habe viel Blut verloren und bekam nach der Entbindung eine Transfusion.“ Ein heftiges Husten und Würgen unterbricht sie.
Als es vorbei ist, fährt sie mit heiserer Stimme fort: „Wussten Sie, dass nicht alle Mütter nach einer Geburt ihre Babys sofort lieben?“
„Ja, das ist nicht ungewöhnlich“, antwortet Dr. Eichler.
„Ich hatte Lukas von Anfang an lieb, mehr als alles und jeden. Ich habe meine Eltern geliebt. Freunde und Freundinnen. Es ist kein Vergleich zu dem, was man für sein Kind empfindet. Ich kann es nicht beschreiben! Lukas war der erste Mensch, der wirklich zu mir gehörte. Manchmal hatte ich ihn so lieb, dass ich weinen musste. Einfach so.“
Dann weint die junge Frau.
Sommer 2000
`Einkaufen gehen`: Das war eine Spazierfahrt im Kinderbuggy. Bellende Hunde. Stimmen, Menschen und viele neue Dinge.
`Einkaufen gehen` war der Zwieback, den ihm die Bäckersfrau jedes Mal schenkte, und den er voller Hingabe lutschte und mit seinen zwei kleinen Mausezähnen im Unterkiefer bekaute.
Bunte Pakete, leise Musik und überall Gerüche. Süße, würzige, frische und blumige Düfte.
Lukas sah viele Gesichter, die er nicht kannte. Manchmal blieben Leute stehen und guckten zu ihm runter, lachten ihn an, winkten und sprachen Wörter zu ihm, die er nicht begriff.
Aber er verstand das Lächeln und den warmen, freundlichen Ton. Dann grinste er, und manchmal jauchzte er. Das freute die Leute!
´Einkaufen gehen` war ein buntes Bild, Fröhlichkeit und der Geschmack von Zwieback.

Donnerstag, 12. April 2001
„Morgen ist Karfreitag. Fahren Sie nicht in den Osterurlaub?“, will Kerstin wissen.
Dr. Eichler verneint: „Nicht dieses Jahr. Ich möchte lieber weiter mit Ihnen arbeiten.“
Kerstin lacht leise auf. „Was wollen Sie hören?“
„Alles, was Sie bereit sind mir zu erzählen.“
„Mein Gesicht war ständig mit winzigen Blutergüssen übersät. Kleine Knutschflecken, weil Lukas sich an mir festsaugte, sobald ich ihn hochhob. Babys haben einen Saugreflex, wissen Sie? Ich liebte es, wenn er wie ein Putzerfischchen an meinen Wangen klebte. Es war eine sehr intensive Art der Zärtlichkeit. Etwas ganz besonderes, wie das Stillen. In diesen Augenblicken fühlte ich soviel Liebe und Zärtlichkeit, dass ich dachte, es müsste für die ganze beschissene Welt reichen. Sogar für Volker.“
Sie lächelt bei dieser Erinnerung. Ihre Hand fährt zu ihrer ausgezehrten Wange, streichelt zaghaft die einst von Lukas benuckelten Stellen.
Dr. Eichler glaubt nicht, dass es ihrer Patientin bewusst ist. Sie lässt sie gewähren, bevor sie ihre nächste Frage stellt: „Was war mit Volkers Einstellung?“
„Was soll damit gewesen sein? Es änderte sich nichts daran. Ich habe Ihnen schon gesagt, dass er mich geschlagen hat. In meinen Augen war es nichts Weltbewegendes. Ich denke, so wie es den meisten von uns geht. Mal ein blaues Auge, ein gebrochener Finger. Kleinigkeiten. Ich war daran gewöhnt. Was sollte ich auch tun? Ich hatte kein Geld, keinen Job. Aber ich hatte Lukas. Ich war auf Volker angewiesen.“
Ein ersticktes Keuchen schüttelt Kerstins mageren Körper. Eine Zeit lang kann sie nicht weitersprechen. Dr. Eichler reicht ihr ein Glas Mineralwasser, das sie hastig leert.
„Das tat gut,“ bedankt Kerstin sich.
„Möchten Sie weitermachen?“
Kerstin nickt, steht auf und geht angespannt umher.
„Volker hielt mir ständig vor, dass er sich den ganzen Tag mit Abschaum abgeben und schuften musste, nur um mich und mein Balg zu füttern.
Er verprügelte mich, wenn Lukas weinte. Wenn er nach Hause kam und irgendetwas von Lukas sah oder hörte, drehte er durch. Ich bekam Angst, dass er den Jungen auch schlagen könnte.“
Sie setzt sich wieder, knetete nervös ihre Finger.
„Als Lukas zahnte, hat er viel gejammert. Er bekam Fieber und einen erbärmlich stinkenden Durchfall. In dieser Zeit ist Volker öfter in das Kinderzimmer gestürmt. Er hat Lukas wie rasend geschüttelt oder geschlagen, bevor ich dazwischengehen konnte. Ich hätte ihn umbringen können! Ich wusste, dass etwas geschehen musste. Aber ich wusste nicht, was ich tun sollte.“
„Wieso sind Sie nicht zu einem Anwalt gegangen?“
„Kein Geld. Außerdem lebten wir in einem kleinen Ort, da gab es nur eine Anwaltskanzlei. Es hätte keinen Nachmittag gedauert, und Volker wäre über alles informiert gewesen. Und er wäre sehr, sehr wütend geworden.“
„Warum haben Sie sich nicht an ein Frauenhaus gewandt?“
„Weil ich dachte, wenn er mich findet, schlägt er mich tot. Ich hatte Angst, dass er Lukas was antut. Es war, als wenn er wüsste, was ich dachte! Er sagte, wenn ich gehe, dann würde er mich finden und das Ding aus dem Fenster werfen. Ich glaubte ihm.“
Das tut die Psychologin auch.
„Und dann war da die Sache mit der Rasierklinge...“ murmelt Kerstin.
„Rasierklinge? Was war damit?“, hakt Dr. Eichler nach..
Kerstin hebt kurz die Schultern, lässt sie gleich wieder sinken: `Egal wo du dich verkriechst, - ich stöbere dich auf. Nicht dich, sondern ihn mache dann fertig, sagte er eines Tages hämisch zu mir: „Du kannst nicht immer auf das Balg aufpassen.`
Mir wurde ganz übel, wenn er so redete. `Hör auf damit!`, bettelte ich dann. Ich glaube, es gefiel ihm, wenn ich bettelte. Und wenn ich Angst hatte.“ Sie nickt gedankenverloren vor sich hin.
„Einmal – ein einziges Mal – schlich ich um die Eheberatungsstelle der Caritas. Hineingegangen bin ich nicht. Irgendwie hat er davon erfahren. Als ich am nächsten Morgen in Lukas Zimmer ging und ihn aus dem Bett holte, war die Bettwäsche blutverschmiert. Lukas wimmerte leise. Er war völlig verstört.
Zuerst begriff ich nicht, was passiert war. Dann fand ich eine Rasierklinge. Volker muss sie ihm in die Hand gedrückt haben, bevor der Kleine eingeschlafen war. Lukas steckte sie in den Mund und biss darauf herum. Seine Lippen und der Gaumen waren zerschnitten. Das Zahnfleisch blutig. Finger und Hände waren von feinen Schnitten übersät.
Auf einer Windel stand eine Nachricht für mich: `Du kannst nicht dauernd nach ihm schauen!`, las ich. `Du musst auch mal schlafen!`
Wäre er an diesem Morgen nicht zum Dienst gewesen, hätte ich ihn mit seiner eigenen Pistole erschossen! Diese Wut in mir, war ein völlig neues Gefühl für mich. Nie zuvor hatte ich so empfunden. Leider hielt es nicht lange an!
Jedes Mal, wenn ich in Lukas ansah, zitterte ich am ganzen Körper. Nicht vor Zorn. Vor Angst!“ Kerstin starrt vor sich hin. In ihren Augen glüht Qual.
Sommer 2000
`Nach Hause´, das hieß eine hurtige Spazierfahrt im Buggy. Durch die Sonne und den Park. Dann die Treppen hinauf.
Mit Mutter in der Badewanne sitzen und im warmen Wasser planschen. Lukas sah gerne zu, wie Mama einen kleinen Wal schwimmen ließ. Er lachte, wenn das Spielzeug durch ihre Hand aus dem Schaum auftauchte, bevor es aufspritzend wieder versank.
`Nach Hause` war eine frische Windel, süßer Brei und köstliche Banane zum Abendessen. Es war das Licht der untergehenden Sonne im Kinderzimmer, die Spieluhr über seinem Bettchen und Mamas Prusten auf seinem runden, satten Bauch.
`Nach Haus` war ihr Lachen, die weiche Decke, die sie über Lukas breitete. Das Nachtlicht in Form des Mondes auf dem Regal und das Lied, das sie jeden Abend sang.
Guten Abend,. Gute Nacht.
`Nach Hause` war ein friedliches Bild, ein Gefühl von Geborgenheit und der Geschmack von Banane.

Dienstag, 17. April 2001
„Ich verabreichte Lukas meistens ein Schlafmittel, bevor Volker nach Hause kam. Dann schlief er lange und ruhig. Volker konnte sich einreden, dass kein Störenfried in unserer Wohnung lebte. Manchmal hatte ich Angst, dass es Lukas schaden könnte, wenn ich ihn ruhig stellte. Aber dann dachte ich, dass es weniger gefährlich ist als Prügel. Oder Rasierklingen.
Damals habe ich viel gebetet: Lieber Gott, bitte mach, dass Volker stirbt. Und ich begann immer öfter mir ein anderes Leben auszumalen. Eines, in dem ich Mut und Verstand genug besäße, um mit Lukas allein zu leben. An einem schönen Ort, mit netten Menschen und einem neuen Zuhause. Und Volker könnte uns nie mehr etwas tun.“
„Warum haben Sie ihn nicht verlassen?“
„Wo sollte ich hingehen? Ich hatte niemanden. Keine Hilfe, und nicht einen Penny in der Tasche.“
„Das Jugendamt hätte Ihnen geholfen.“
Kerstin wiegt misstrauisch ihren Kopf hin und her. „Wahrscheinlich hätten sie mir meinen Sohn weggenommen. Zu Fremden gegeben oder in ein Heim gesteckt.
Volker sagte einmal zu mir, er würde dafür sorgen, dass es so aussähe, als hätte ich Lukas geschlagen. Eine schlechte Mutter, die einem Kleinkind starke Schlafmittel einflößte, damit sie ihre Ruhe hat. Volker wusste davon. Er sagte, solche Medikamente wären ganz einfach im Urin nachzuweisen. Er war ein angesehener Polizeibeamter. Eine vertrauenswürdige, respektable Persönlichkeit. Immer freundlich und nett. Bei allen beliebt. Er war Vorstand im Schützenverein, das zählt noch eine Menge, bei den Leuten in einem kleinen Ort. Ich dagegen war und blieb nur die Zugereiste.“
„Sie hätten sich an die Telefonseelsorge wenden können.“
„Ich bin nicht so mutig wie Sie. Ich habe Angst vor Schmerzen. Weil ich weiß, was es heißt sie zu ertragen. Wissen Sie, wie es ist, wenn man Prügel bekommt und kontrolliert wird, Dr. Eichler?“
Die Ärztin schüttelt den Kopf: „Nein. Erzählen Sie es mir.“
„Man hat lähmende Furcht. Einfach nur Panik. Weniger um sich, als um sein Kind. Ich war sechzehn Jahre alt, als ich Volker kennen lernte. Wir heirateten, als ich achtzehn wurde. Wir haben sechs Jahre miteinander verbracht. Zweiundsiebzig Monate. Dreihundertzwölf Wochen. Glauben Sie mir: In dieser Zeit habe ich gelernt, zu gehorchen. Ich vergaß, wer ich war, was ich einmal wollte - und, wer ich hätte sein können.
Ich war besser abgerichtet, als ein Hund. Vollkommen eingeschüchtert und am Ende meiner Nerven. Volker ließ sich mit der Telefonrechnung die von unserem Anschluss angewählten Telefonnummern auflisten. Er kontrollierte mich. Von einer Telefonzelle traute ich mich nicht anzurufen. Wenn jemand mich gesehen und es meinem Mann erzählt hätte? Wie sollte ich das erklären? Ich dachte, mit der Zeit würde mir schon eine Lösung einfallen, damit alles besser wird. Lukas würde älter werden. Mit einem größeren Jungen konnte ein Mann mehr anfangen. Fußball spielen oder Schwimmen gehen. Dann würde Volker seinen Sohn akzeptieren. Ich redete es mir solange und so oft ein, bis ich es schließlich glaubte.
Und dann passierte das mit der Krankheit.
Als ich die endgültige Diagnose erfuhr, wusste ich, was ich zu tun hatte.“
Sommer 2000
`Vater kommt!´, bedeutete, dass Mutters Herz plötzlich dumpf schlug. Sie flüsterte nur noch und in ihrer Stimme schwang Angst. In ihren Augen wurde es wässrig. Die warmen, liebevollen Hände wurden kalt und zitterten.
`Vater kommt!` hieß keine Lieder. Nur ein Pscht! von ihren Lippen und ihre Finger nervös auf seinen weichen Mund gepresst. Er spürte, dass Frieden und Geborgenheit verschwunden waren.
Dann wimmerte das Kind manchmal.
`Vater kommt!` bedeutete Finsternis ohne Nachtlicht. Eine große dunkle Gestalt. Ein bedrohlicher Schatten im hellen Rechteck der Kinderzimmertür. Scharfer Geruch. Die zornige, laute Stimme, die in Lukas Ohren schmerzte. Grobe Hände, die das zarte Kind hart anfassten und schüttelten, bis es weh tat. Die Kniffen, schlugen und bösartig an ihm zerrten. Unbarmherzig, bis der kleine Junge schrie und weinte.
Mamas Schluchzen
Ihr vergebliches kämpfen.
Das rote Nass in ihrem Gesicht.
Ein enges, drückendes Gefühl im Bauch und ein heftig klopfendes Herz.
´Vater kommt!´ war der Löffel mit dem bitteren Saft, den Lukas gehorsam schluckte, der ihn schläfrig machte und ihn in einen traumlosen Schlummer führte.
`Vater kommt!` war ein dunkles Bild, eine Bedrohung und ein bitterer Geschmack.

Montag, 23. April 2001
„Die Erkältung ging nicht weg. Der Husten wurde schlimmer. Meine Lungen schmerzten. Ich spuckte Blut, wurde dünner und schwächer. Ich ging zum Arzt. Dr. Brand nahm mir Blut ab, stellte ein paar Fragen und untersuchte mich. Dann drückte er mir ein Rezept in die Hand. Medikamente gegen Grippe. Ich nahm die Mittel ein, aber es wurde nicht besser.“
Wie zur Bestätigung hustete sie stark. Dann putzt sie sich die Nase. „Entschuldigung, Dr. Eichler. Keine Angst: so können sie sich nicht anstecken.“
„Ich habe keine Angst.“ Annika Eichler lächelt schwach.
„Aids“, fährt Kerstin fort. „Sie riefen mich zu Hause an, und sagten, dass ich Aidskrank sei. Einfach so! Ich habe mich durch die Bluttransfusion nach Lukas Geburt infiziert. Sie sagten, ich sollte sofort in die Praxis kommen.“
„Was taten Sie dann?“
„Erst stand ich nur da, wie vom Donner gerührt. Den Telefonhörer in der Hand. Dann habe ich geweint und gewartet, dass irgendetwas geschieht. Irgendetwas! Aber es passierte gar nichts. Die Welt drehte sich weiter, wie vorher. Autos fuhren an meinem Fenster vorbei. Kinder lachten. Menschen liefen draußen herum und die Vögel sangen, als wäre nichts geschehen.
Dann dachte ich, dass ich Volker angesteckt hatte. Und das freute mich! Damit hat er nicht gerechnet.
Später, am Nachmittag des gleiches Tages, habe ich es dann getan. Ich meine den... Mord.“
Sommer 2000
„Wir gehen einkaufen, Lukas,“ sagte seine Mutter mit der gewohnt zärtlichen Stimme. Einkaufen gehen bedeutete bunte Bilder. Lukas wurde fröhlich und dachte an den Geschmack von Zwieback.
„Danach gehen wir in den Park“, lächelte Mama, während sie ihn in den Buggy setzte und seine Decke und sein Kissen verstaute.
In den Park gehen, das war Licht, Wärme und Schmusen. Der kleine Junge brabbelte vergnügt. Er griff nach dem Gesicht der Mutter und sie lachte. Sie fühlte sich gelassen und heiter. Ihre Ruhe ging auf das Kind über.
„Dann werden wir nach Hause gehen. In unser neues Heim. Du wirst sehen, es ist schön dort. Es wird dir gefallen. Nur du und ich. Lukas und Mama. “
´Nach Hause´, das hieß Lachen, eine weiche Decke, Geborgenheit und süßer Brei mit Banane.
Lukas lächelte, machte ein angestrengtes Gesicht und sagte sein erstes Wort. „Mama.“

Mittwoch, 02. Mai 2001
Dr. Eichler erschrickt, als sie Kerstins geschwollenes, blaues Auge sieht. Obwohl es nicht das erste Mal ist, dass sie mit körperlichen Blessuren zu den Sprechstunden erscheint.
„Noch nie ein Veilchen gesehen, Doktor?“, Kerstins Stimme klingt spöttisch.
„Heute ist es mein erstes.“
Kerstin grinst resigniert. „Tut verdammt weh.“
„Wie ist das passiert?“
„Das Übliche. Kommt öfter vor im Gefängnis,“ Kerstin winkt ungeduldig ab. „Kann es los losgehen? Ich will es hinter mich bringen.“
„Also gut.“ Die Psychologin lehnt sich in ihrem Stuhl zurück. „Was geschah an jenem Nachmittag im vergangenem Sommer?“
„Wir sind in den Park gegangen, so früh waren kaum Menschen da und es war so schön friedlich. Aber zuerst war ich einkaufen.
Ich besorgte eine Flasche Wodka, und aus drei verschiedenen Apotheken die stärksten, rezeptfreien Schlaftabletten, die ich kriegen konnte. Es waren 2l0 Stück. Dazu ein Fläschchen von den üblichen Schlaftropfen. Eine ganze Menge!
Die Tropfen habe ich ihm in den Pudding gemischt. Mandelpudding. Mit viel Zucker. Bei Mandeln schmeckt Bitteres irgendwie natürlich. Er aß die ganze Portion, ohne eine Miene zu verziehen.
Als er eingeschlafen war, spülte ich die Tabletten mit einer halben Flasche Wodka runter. Mir wurde übel. In meinem Kopf drehte sich alles. Ein Gefühl, als wenn ich zuviel Karussell gefahren wäre.
Ich habe das Kissen genommen und es ihm mit aller Kraft auf das Gesicht gedrückt. Ich konnte nicht hinsehen, deswegen habe ich die Augen ganz fest zugemacht und gepresst. Meine Hände zitterten und in meinem Hirn hämmerte nur ein Gedanke: Ich muss es tun, damit wir frei sind. Ich muss es tun, damit wir frei sind!
Es war, als wenn ich mir selbst dabei zuschauen würde. Eine Kerstin, die tötete und die andere, die zusah.
Bald wäre es vorbei: Kein Volker mehr. Keine Angst. Nur Lukas und ich.
Er hat sich nicht gewehrt. Nicht mal gezappelt oder um sich geschlagen. Ich weiß nicht, wie lange es gedauert hat. Zum Schluss zuckte er einmal kurz und machte sich die Hosen nass.
Ich nahm das Kissen weg. Eine Stoffnaht war aufgeplatzt. Weiche, dunkle Federn klebten in seinem Gesicht. Es sah aus, als wenn er schliefe. Richtig friedlich. Die Augen waren zu. Seine Wangen gerötet.
Ich war völlig erschöpft. Fertig bis zum Umfallen. Ich legte mich zurück. Über mir, in den Zweigen der Linde, tanzte das Sonnenlicht durch die Blätter. Ich sah zu.
Mir fiel ein, dass ich keine frische Windel für Lukas dabei hatte. Ich konnte die durchnässte nicht wechseln. Und er hatte soviel Pipi gemacht.
Ich nahm meinen kleinen Jungen in die Arme. Um mit ihm zusammen in unser neues Heim zu gehen. Ich weiß noch, dass ich dachte: Der liebe Gott ist der beste Vater, den man sich wünschen kann. Lukas rührte sich nicht mehr, aber er war noch ganz warm. Ich hielt ihn eng umschlungen. Er duftete nach Babyöl, und seine Härchen kitzelten meine Nase. Ich musste lächeln. Dann schlief ich ein.“
Stille.
Annika Eichler schluckt schwer. Sie muss sich räuspern: „Aber...“, sie bricht ab. Weiß nicht, wie ihre nächster Satz lauten soll.
„Ich erwachte im Krankenhaus. Ein paar Kinder hatten uns gefunden, und den Rettungswagen gerufen. Mein Magen wurde ausgepumpt. Ich überlebte. Lukas war tot.“ Kerstins Stimme ist schwer und melancholisch.
Nach kurzem Schweigen drängt es Dr. Eichler diese stellen:„Was war mit seinem Recht auf sein Leben?“
Kerstin sieht die Psychologin offen an. „Sie sind nicht viel anders, als die Frauen im Knast, oder? Das fünfte Gebot zu brechen: das kann vorkommen.
Aber eine Mutter, die ihr Kind tötet? Das ist widernatürlich. Pervers. Und das lassen sie einen spüren. Wissen Sie, es ist kein Gerücht, das Kindsmörderinnen im Gefängnis besonders hart rangenommen werden. Erst recht, wenn sie ihr eigenes Kind getötet haben. Da muss man schon den einen oder anderen Hieb einstecken. Die Frage nach dem Warum scheint niemanden zu interessieren. Diese Frauen verstehen nicht, dass mein Motiv Liebe war.
Ich hatte Lukas infiziert. Durch die Muttermilch. Wer hätte sich um ihn gekümmert, wenn ich zu krank oder bereits tot gewesen wäre? Volker?“ Sie lacht abfällig.
„Ein Kleinkind mit Aids. Abgeschoben. Ungeliebt. Kein Schmusen. Kein Kuss. Keine Familie, die ihn besucht. Niemand, der Geburtstag mit ihm feiert. In irgendeinem Zimmer verwahrt und auf Fremde angewiesen, bis es zu Ende wäre. Wer hätte sein Händchen am Schluss gehalten?
Ich habe ihn nur vorgeschickt. In ein gesundes, glückliches Dasein. Wo er bekommt, was er verdient. Mein kleiner Liebling. Ich habe es getan, weil ich ihn über alles liebe. Können Sie das verstehen?“ Ihr Blick ist so intensiv, dass die Psychologin wegschaut.
„Ich... ich weiß nicht,“ stammelt Dr. Eichler.
„Was bin ich für Sie? Eine Geisteskranke, die für immer eingesperrt gehört? Oder eine irre Aidskranke? Oder doch nur eine gemeine Kindsmörderin, die man im Gefängnis fertig machen sollte?“
Die Psychologin betrachtet das dicke, verfärbte Auge. Die junge Frau sieht blass und mitgenommen aus. Dr. Eichler bleibt eine Antwort schuldig.
Kerstins Frage ist nur ein heiseres Flüstern: „Was hätten Sie an meiner Stelle getan?“

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